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Welches Gesellschaftssystem?
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 10:03:34    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Also hat der Einzelne nicht gen�gend Informationen um immer die richtigen Entscheidungen f�r sein Leben treffen zu k�nnen, aber Du behauptest eine Gruppe von Politikern und Staatsbeamten, die weder ihn noch seine Lebensumst�nde kennen, hingegen schon ? (...) Diese Elite ma�t sich an, dem Menschen vorzuschreiben, wieviel er f�r seine Gesundheit und Altersvorsorge gef�lligst auszugeben hat.


Nein, nat�rlich wei� der Politiker das nicht, aber die Politik kann die Versicherung anbieten, wozu es erst dazu kommt, dass jeder f�r seine Gesundheit Geld ausgeben kann, sofern er es hat und ein "schlechtes" Risiko darstellt.

Sheep hat folgendes geschrieben:
Also leben wir mit den Risiken des Unvorhersehbaren ohnehin, aber wir haben wenigstens die M�glichkeit zu w�hlen und uns zu informieren. Wir haben die M�glichkeit uns individuelle Kontrakte auszubedingen, die eine gewisse Garantie festschreiben. Wir k�nnen uns Vertragsinstrumentarien bedienen, die die fehlenden Informationen durch Restriktionen, Boni und Anreize abfedern, aber all diese Instrumente bietet nur ein Markt, und nicht der Staat.


Eben nicht. Du kannst die Begr�ndung gerne in so gut wie jedem anderen Post von mir oben nachlesen. Aber ich wiederhole es gerne nochmal: Wenn du ein schlechtes Risiko w�rst, dann kannst du nicht zur privaten Krankenkasse gehen und verhandeln, weil die dich einfach nicht wollen. Die wollen keinen Vertrag mit dir abschlie�en, da du z.B. als Queerschnittsgel�hmter o.�. auch nie ein entsprechendes Einkommen generieren wirst. Als schlechtes Risiko will dich niemand. Niemand will Vertr�ge mit dir abschlie�en. Niemand und dies wollen die aus ganz rationalen Gr�nden nicht! Denn als schlechtes Risiko bist du ein einziger personifizierter Verlust aus Sicht der PKV. Die k�nnten h�chstens eine Sofortabschreibung machen (was sie wegen Ungewi�heit der H�he nicht d�rfen). Die schlechten Risiken personifiziert in chronisch Kranken oder auch Menschen sozial schwacher Herkunft (da statistisch h�herer erwarteter Krankenstand) k�nnen sich keiner "Vertragsinstrumente" bedienen. Der Markt versagt hier eben eindeutig.

Sheep hat folgendes geschrieben:
Und staatliche Schulen kosten kein Geld ? Das staatliche F�llhorn wird sowieso durch uns finanziert. Also k�nnen wir statt dem kompletten Schulsystem inklusive Geb�ude, deren Sanierung, Personal und Kultusministerien (best�ckt mit gut verdienenden Ministern), auch einfach nur Bildungsgutscheine f�r die Bed�rftigen finanzieren. Dann muss sich R�tli wieder im Wettbewerb mit anderen Schulen beweisen.


Ach so, und ist den privaten Schulen denn dann geboten (=staatlicher Zwang) Menschen mit Bildungsgutscheinen aufzunehmen?

Sheep hat folgendes geschrieben:
Also entweder glaubst Du alle Menschen, die in der privaten Krankenversicherung sind, strotzen nur so vor Gesundheit, oder alle Vorstandsvorsitzenden mit Asthma sind gezwungen, in der gesetzlichen Krankenversicherung unterzukommen.


Aber alle Menschen in der privaten KV generieren ein ziemlich hohes Einkommen, sonst w�ren sie ja nicht in der PKV. Was denkst du denn, wie ein bereits jetzt Queerschnittsgel�hmter in die PKV zu wechseln gedenkt, wenn er gleichzeitig keinerlei Einkommen, Verm�gen und reiche Verwandte hat?

Sheep hat folgendes geschrieben:
M�glicherweise liegen bei einigen Krankheiten die Risikopr�mien h�her, aber keine Versicherung l�sst sich einen Kunden entgehen.


Das kann sogar analytisch wiederlegt werden. Die mikro�konomische Theorie l�sst gr��en.
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 11:01:54    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Wenn du ein schlechtes Risiko w�rst, dann kannst du nicht zur privaten Krankenkasse gehen und verhandeln, weil die dich einfach nicht wollen.


coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Aber alle Menschen in der privaten KV generieren ein ziemlich hohes Einkommen, sonst w�ren sie ja nicht in der PKV.


Jetzt widersprichst Du Dir selber. Einerseits behauptest Du, die PKV würden Dich einfach "nicht wollen", andererseits gibst Du zu, dass auch Besserverdienende chronische Krankheiten haben (warum sollten die Krankheiten auch selektiv sein ? Es gibt auch Manager mit Asthma oder Herzkrankheiten), und in der PKV unterkommen.

Ist es also nur eine Frage höherer Beiträge und Risikoprämien ? Dann ist es einfacher, solche Menschen finanziell zu unterstützen, anstatt ein wahnsinnig teures staatliches Krankenkassensystem aufzubauen mit vorgeschriebenen Leistungs- bzw. Nicht-Leistungspaketen.


Sheep hat folgendes geschrieben:
Ach so, und ist den privaten Schulen denn dann geboten (=staatlicher Zwang) Menschen mit Bildungsgutscheinen aufzunehmen?


Dann müssen wir also ganz schnell die Nahrungsmittelversorgung (auch lebensnotwendig!) versaatlichen, weil Du Angst bekommst, ein Supermarkt könnte sich entscheiden, Kunden abzulehnen. Wenn die Schule Beiträge festlegt, und jemand sie bezahlen kann, oder einen gleichwertigen Bildungsgutschein mitbringt, dann erkläre, warum sie denjenigen nicht aufnehmen sollte.
Jockelx
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Anmeldungsdatum: 24.06.2005
Beiträge: 3596

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 11:46:51    Titel:

Ich finde es witzig, dass immer vom Zusammenbruch des
Kommunismus gesprochen wird, ohne zu erwähnen, das Demokratien
auch alle Nase lang gescheitert sind. Unsere Demokratie verabschiedet sich
ja auch langsam.
Generell ist der Wohlstand wohl entscheidend für das Gelingen einer
Staatsform. Da ich davon ausgehe, das durch die Globalisierung dieser
Wohlstand für die meisten Menschen abnehmen wird, wird auch
unser politisches System instabil. Noch eine Prise Terrorismus und
in c.a. 10 Jahren hat unsere Staatform nichts mehr mit den Demokratievorstellungen
von 1980 gemeinsam.

Jockel
Guido
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 717
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 13:55:14    Titel: Re: Welches Gesellschaftssystem?

olf79 hat folgendes geschrieben:
Hallo zusammen, ich fange gleich mit einem schwierigen Thema an:

Welche Gesellschaftsform ist euerer Meinung nach, die wonach der Mensch streben sollte?

- Der fehlgeschlagene Sozialismus
- Oder unser hiesiger Kapitalismus (noch Soziale Marktwirtschaft)

Bzw. hält jemand die Aussagen von Karl Marx für richtig und übertragbar auf unserer Zeit (ich muss mich erst durch sein Werk das Kapital kämpfen).

Um es gleich vorweg zunehmen: ich bin mir nicht sicher welches System wirklich „humaner“ ist (habe die DDR nicht aktiv erlebt sondern nur aus Erzählungen und daraus will ich mir kein Urteil erlauben). Ich informiere mich gerade ein wenig und habe bisher Bücher von Sahra Wagenknecht: Kapitalismus im Koma, Christa Luft: Wendeland (sehr gutes Buch), Lothar Bisky: so viele Träume, Kom. Manifest und zurzeit lese ich von Wolfgang Leonard: die Revolution entlässt ihre Kinder.

Alles im allen bin ich im Moment auf dem Stand, dass der Sozialismus von der Idee her gut ist und sicher seine Vorteile hat! Aber der real existierende Sozialismus so was von schlecht durchgeführt das einem da schon wieder die Lust darauf vergeht.
Was sind eure Meinungen.


Ich denke, dass es generell nicht möglich ist, eine programmhafte Wirtschafts- oder Gesellschaftsordnung am Reißbrett zu konstruieren und erfolgreich zu realisieren. Dazu sind die Wünsche, Bedürfnisse und Bestrebungen von Millionen von Menschen als Ganzes zu komplex und zu dynamisch. Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen entstehen m.E. als Emergenzphänomen, d.h. als Selbstordnung dadurch, dass Menschen zur Realisierung ihrer Bedürfnisse die dazu nötigen Strukturen schaffen, verändern oder wieder beseitigen.

Die verschiedenen Sozialismen (Plural!) haben sich allesamt als ungeeignet erwiesen, da es für eine Zentralplanungsinstanz schlicht nicht möglich ist, alles vorzuplanen und umzusetzen. Auch bedeuteten sie stets Einschränkung der Menschen bis hin zur physischen Vernichtung durch Krieg, Elend, Seuchen und Versorgungsmängel.

Auch die liberalen kapitalistisch orientierten Wirtschafts-und Gesellschaftsordnungen kippen irgendwann einfach um, da es in ihnen zu privaten Macht- und Geldkonzentrationen kommt, durch die Markt, Wettbewerb, Gewaltenteilung, Demokratie etc. außer Kraft gesetzt werden und ein Wirtschaftsfeudalismus "durch die Hintertür" etabliert wird (was wir derzeit erleben).

Durch die systemimmanente Flexibilität demokratischer Gesellschaftsordnungen verbunden mit funktionierender Marktwirtschaft ist jedoch davon auszugehen, dass es immer wieder Gesellschaften geben wird, die mit diesen Problemen fertig werden und dann vorübergehend die Rolle einer Leitkultur für die anderen übernehmen.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 14:08:49    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:


Wollen wir "Chancen auf einen Job" bekämpfen oder vergrössern ? Wenn die Chancen auf einen Job bei Besuch einer Privatschule höher liegen, ist das doch der beste Beweis, dass die staatliche Bildung versagt, und wir mehr Wettbewerb im Bildungssektor brauchen. Dann müsste sich die HS-Rütli nämlich irgendwann überlegen, was sie denn falsch macht, dass ihre Abgänger es auf dem weiteren Lebensweg so schwer haben, denn wenn sie nicht darauf reagiert hätte sie irgendwann keine "Kunden" mehr.



Ei jei jei was ist das wieder für eine unsoziale Argumentation. Die private Schule kann sich aussuchen wen sie aufnimmt die staatliche nicht, private Schulen sind meistens Schulen die von den gutbetuchten Eltern bezahlt wird die ihren Kindern das beste an BIldung bieten wollen, Normalbürger können sich das in der Regel gar nicht leisten. Damit ist ein solcher Vergleich hirnrissig, um es auf den Punkt zu bringen weil Privatschulen und staaltliche Schulen nicht miteinander vergleichbar sind. Müsstest alle auf Privatschulen dann gebe es innerhalb der Privatschulen einen deutlichen Qualitätsabfall, weil eben nicht alle Eltern horrende Schulgelder zahlen können.

Hinzugehen und Schulen die sich nur die Reichen leisten können als Maßstab zu nehmen ist mehr als dreist, wir sollten vielmehr den Reichen, wenn sie solche Töne spucken noch etwas mehr Steuern abnehmen und in eine Bildung für alle Bevölkerungsgruppen stecken, versteht sich.

Es sind immer die Besitzenen die erzählen, wir sollten uns in allen Bereichen privat versichern, weil nur sie sich das entsprechend leisten können.

Damit wird aber über die ungleichen Bedingungen und entsprechenden Gebühren der soziale Gedanke der Versicherungen also das Solidaritätsprinzip ausgehöhlt. Die müssen uns die Massen wirklich für sehr dumm halten, wenn sie glauben ihnen einen derartigen Unsinn verklickern zu wollen, so dumm ist aber die Bevökerung nicht um zu erkennen was hinter solchen Forderungen steckt, pure Interessensvertretung die nur die eigenen Vorteile sieht.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 14:48:29    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Die private Schule kann sich aussuchen wen sie aufnimmt die staatliche nicht


Jeder Handwerker kann sich heraussuchen, welchen Auftrag er annimmt, und welchen nicht. Müssen wir deshalb das Handwerk verstaatlichen ? Müssen wir Supermärkte verstaatlichen, damit niemand verhungert, weil ihm keiner etwas verkaufen will ?

Zitat:
private Schulen sind meistens Schulen die von den gutbetuchten Eltern bezahlt wird


Oh, entschuldigung. Ich wusste nicht, dass das was jetzt "meistens" so ist, für immer so bleiben wird. Viele Dienstleistungen die heute selbstverständlich sind, waren früher "meistens" ausschliesslich den Reichen zugänglich. Der Preis ergibt sich durch das Angebot, und das ist nur deshalb so gering, weil wir Staatsschulen aufgezwungen bekommen.

Wenn wir alle täglich vom Staat mit Brot beliefert würden, gäbe es mangels Kunden keine Bäckereien. Nur die Reichen könnten sich leisten, einen "Privatbäcker" anzustellen, um mal was anderes als das staatliche Vollkornbrot auf den Tisch zu bekommen.

Ausserdem ist es nicht so, dass unsere Staatsschulen von Luft und Liebe allein leben. Wir bezahlen sie mit unseren Steuergeldern, es fällt uns nur nicht auf. Wir zahlen die Gebäude, das Personal, die Lehrmittel. Warum können wir die Gelder, die wir sowieso aufbringen müssen, nicht einfach im Sinne eines Bürgergelds denjenigen zukommen lassen, die sie benötigen ? Falls man Angst hat, die Eltern könnten das Geld nicht zweckgerichtet einsetzen, eben in Form von Bildungsgutscheinen. Damit bleibt im übrigen auch das "Solidaritätsprinzip" erhalten.

Zitat:
Müsstest alle auf Privatschulen dann gebe es innerhalb der Privatschulen einen deutlichen Qualitätsabfall, weil eben nicht alle Eltern horrende Schulgelder zahlen können


Das widerspricht allem was bis jetzt beobachtet wurde. Mehr Anbieter führen zu besserer Qualität. Der Trabant hat sich qualitätsmäßig meines Wissens nicht behaupten können. Ei jei jei ...
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 16:05:07    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Bürger hat folgendes geschrieben:
Die private Schule kann sich aussuchen wen sie aufnimmt die staatliche nicht


Jeder Handwerker kann sich heraussuchen, welchen Auftrag er annimmt, und welchen nicht. Müssen wir deshalb das Handwerk verstaatlichen ? Müssen wir Supermärkte verstaatlichen, damit niemand verhungert, weil ihm keiner etwas verkaufen will ?

Zitat:
private Schulen sind meistens Schulen die von den gutbetuchten Eltern bezahlt wird


Oh, entschuldigung. Ich wusste nicht, dass das was jetzt "meistens" so ist, für immer so bleiben wird. Viele Dienstleistungen die heute selbstverständlich sind, waren früher "meistens" ausschliesslich den Reichen zugänglich. Der Preis ergibt sich durch das Angebot, und das ist nur deshalb so gering, weil wir Staatsschulen aufgezwungen bekommen.

Wenn wir alle täglich vom Staat mit Brot beliefert würden, gäbe es mangels Kunden keine Bäckereien. Nur die Reichen könnten sich leisten, einen "Privatbäcker" anzustellen, um mal was anderes als das staatliche Vollkornbrot auf den Tisch zu bekommen.

Ausserdem ist es nicht so, dass unsere Staatsschulen von Luft und Liebe allein leben. Wir bezahlen sie mit unseren Steuergeldern, es fällt uns nur nicht auf. Wir zahlen die Gebäude, das Personal, die Lehrmittel. Warum können wir die Gelder, die wir sowieso aufbringen müssen, nicht einfach im Sinne eines Bürgergelds denjenigen zukommen lassen, die sie benötigen ? Falls man Angst hat, die Eltern könnten das Geld nicht zweckgerichtet einsetzen, eben in Form von Bildungsgutscheinen. Damit bleibt im übrigen auch das "Solidaritätsprinzip" erhalten.

Zitat:
Müsstest alle auf Privatschulen dann gebe es innerhalb der Privatschulen einen deutlichen Qualitätsabfall, weil eben nicht alle Eltern horrende Schulgelder zahlen können


Das widerspricht allem was bis jetzt beobachtet wurde. Mehr Anbieter führen zu besserer Qualität. Der Trabant hat sich qualitätsmäßig meines Wissens nicht behaupten können. Ei jei jei ...


Ei, jei jeiist das einzige, was an deinen Ausführungen meiner Ansicht nach stimmt, auf den eigenen Text bezogen versteht sich. Denn Trabant und Supermärkte mit der Schule zu vergleichen zu wollen, ist schon ein abenteuerliches Unterfangen was nur unsozial denkenden Zeitgenossen pasiseren kann, die am liebsten alles privatisieren wollen, solange sie am Drücker sind versteht sich. Das Sein bestimmt hier offenbar das Bewusstsein.

Die Frage warum wir uns auf solche Alptraumszenarien einlassen sollten beantwortet aber dieser Vertreter des Neoliberalismus nicht, den gibt es nämlich nicht, weil es gegen die Interessen der Mehrheit verstösst. Warum sollen die Massen den Staat aus seinen hoheitlichen Aufgaben zu denen ja die Bildung gehört entlassen, nur weil ein Neoliberaler meint seine Eliteschule sei der Beweis dass Privatschulen grundsätzlich besser sein müssen als staatliche Schulen auch unter ganz anderen Prämissen.

In der Tat zeigten die Lebensmittelskandale was in den Tempeln des Konsums geschieht, wenn man nur einen Moment die Kontrolle schleifen lässt, die verkaufen uns dann den letzten Dreck als hohe Qualität.

Aber allein das ist kein Argument, sondern wir wissen alle, dass private Bildung marktwirtschaftlich orientiert ist und ohne lukrative Einnahmequellen die es bei den Eltern unser Kapiatlistensprösslinge natürlich gibt, würde sie auf dem Niveau von Wochenendkurse verkommen, billige Lehrer für preiswerten Unterricht, damit sich die Klasse derer, die sich als intelligenter vorkommen noch mehr bestätigt sieht und Besitztstandswahrung betreibt.

Wie gut das solch absurde Forderungen mit denen manch junge Neoliberalen ihre alten Herrn zu überflügeln hoffen nach dem Motto je dreister desto auffälliger nicht mehrheitsfähig sind.

So dumm ist das Volk nun auch nicht, dass es sich darauf einläßt.




Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 16:46:11    Titel:

Man muss aber Sheep zugute halten, dass das System nicht unbedingt unsozialer wird. Nur werden eben anstatt der "staatlichen Produktion von Gütern" wie Bildung etc... Gutscheine oder direkte Geldzahlungen an Bedürftige vergeben.

Wenn die Geldzahlungen in einer Höhe gewährt werden, die ein grundlegendes Auskommen (Miete, Essen, die üblichen Versicherungen und Bildung) beinhalten, könnte ich mich mit der Eigenverantwortung (bei erwachsenen Menschen) wenigstens ansatzweise abfinden, die dann selbst entscheiden, wofür sie dieses Geld ausgeben.

Ich frage mich allerdings, ob das System weniger bürokratisch wäre. Im Prinzip müsste ein Geldbedarf für jeden einzelnen festgelegt werden.
Schließlich müsste ein chronisch Kranker höhere Geldleistungen erhalten, weil seine Krankenversicherung entsprechend hohe Beiträge verlangen wird, die vermutlich den Standardsatz weit überschreiten werden.

Wie lange sollen Bildungsgutscheine gewährt werden? Auch hier müssten individuelle Prüfungen erfolgen. Bekommt jeder diese Gutscheine im gleichen Ausmaß? Was ist mit Menschen, die weniger schnell lernen und daher 2 Ehrenrunden drehen? Selber SChuld? Oder bekommt jeder Bildungsgutscheine bis zum ersten Berufsabschluss?

Wenn man das Ganze nur einigermaßen gerecht gestalten will, wird vermutlich nicht viel weniger Bürokratie heraus kommen als bisher.

Was übrig bleibt wäre der Wettbewerb. (unter Schulen, Krankenkassen etc...) Dieser hätte sicher Effizienzeffekte, die ich positiv sehen würde. Schaue ich mich alleine an unserer Schule um, wünschte man sich manchmal einen gewissen Wettbewerb.

Dass der Wettbewerb immer zu "Müll" führen soll, wie bei Lebensmittelskandalen kann ich so auch nicht sehen. Vergleichen wir die Qualität von beliebigen dem Wettbewerb unterliegenden Produkten der ehemaligen DDR mit dem Standard der heute erreicht ist, kann man diese These schlecht aufrecht erhalten.
Die Entscheidung ob ich allerdings billig einkaufe und damit tendenziell akzeptiere, dass ich Müll kaufe oder etwas teurer und qualitativ besser, das sollte jeder selbst entscheiden können. Voraussetzung ist, dass die oben gewährten Zahlungen prinzipiell dazu in die Lage versetzen, Nahrungsmittel entsprechender Qualität zu kaufen.

Gruß
Pauker
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
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BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 17:53:27    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Dann müssen wir also ganz schnell die Nahrungsmittelversorgung (auch lebensnotwendig!) versaatlichen, weil Du Angst bekommst, ein Supermarkt könnte sich entscheiden, Kunden abzulehnen. Wenn die Schule Beiträge festlegt, und jemand sie bezahlen kann, oder einen gleichwertigen Bildungsgutschein mitbringt, dann erkläre, warum sie denjenigen nicht aufnehmen sollte.


Dies ist eine relativ repräsentative Aussage (bzw. der dahinterstehende Vergleich) für die Ansicht der Mensch und seine Institutionen seien Dinge, die wie Brot oder Dienstleistungen gehandelt werden können. Dem widerspreche ich.

Wettbewerb ist auf den Gütermärkten eine Möglichkeit effiziente Allokationen herzustellen. Doch dabei handelt es sich um handelbare Güter bei Fehlen externer Effekt. Den ersten Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie muss ich glaube ich nicht zitieren.

Nun sehen immer irgendwelche Leute in der Ökonomisierung des Menschen und seiner Institutionen den Weg zum Paradies. Ich glaube nur, dass diese Menschen überwiegend aus der oberen gesellschaftlichen Schicht kommen und nichts zu befürchten haben. Die reine wissenschaftliche Lehre, die ja oft als neoliberal verschrien wird, liefert für obiges zumindest keine Legitimation.

Langsam müde gewordene Grüße
coffeinjunky[/quote]
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
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Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 27 Apr 2006 - 18:15:33    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Man muss aber Sheep zugute halten, dass das System nicht unbedingt unsozialer wird. Nur werden eben anstatt der "staatlichen Produktion von Gütern" wie Bildung etc... Gutscheine oder direkte Geldzahlungen an Bedürftige vergeben.

Wenn die Geldzahlungen in einer Höhe gewährt werden, die ein grundlegendes Auskommen (Miete, Essen, die üblichen Versicherungen und Bildung) beinhalten, könnte ich mich mit der Eigenverantwortung (bei erwachsenen Menschen) wenigstens ansatzweise abfinden, die dann selbst entscheiden, wofür sie dieses Geld ausgeben.

Ich frage mich allerdings, ob das System weniger bürokratisch wäre. Im Prinzip müsste ein Geldbedarf für jeden einzelnen festgelegt werden.
Schließlich müsste ein chronisch Kranker höhere Geldleistungen erhalten, weil seine Krankenversicherung entsprechend hohe Beiträge verlangen wird, die vermutlich den Standardsatz weit überschreiten werden.

Wie lange sollen Bildungsgutscheine gewährt werden? Auch hier müssten individuelle Prüfungen erfolgen. Bekommt jeder diese Gutscheine im gleichen Ausmaß? Was ist mit Menschen, die weniger schnell lernen und daher 2 Ehrenrunden drehen? Selber SChuld? Oder bekommt jeder Bildungsgutscheine bis zum ersten Berufsabschluss?

Wenn man das Ganze nur einigermaßen gerecht gestalten will, wird vermutlich nicht viel weniger Bürokratie heraus kommen als bisher.

Was übrig bleibt wäre der Wettbewerb. (unter Schulen, Krankenkassen etc...) Dieser hätte sicher Effizienzeffekte, die ich positiv sehen würde. Schaue ich mich alleine an unserer Schule um, wünschte man sich manchmal einen gewissen Wettbewerb.

Dass der Wettbewerb immer zu "Müll" führen soll, wie bei Lebensmittelskandalen kann ich so auch nicht sehen. Vergleichen wir die Qualität von beliebigen dem Wettbewerb unterliegenden Produkten der ehemaligen DDR mit dem Standard der heute erreicht ist, kann man diese These schlecht aufrecht erhalten.
Die Entscheidung ob ich allerdings billig einkaufe und damit tendenziell akzeptiere, dass ich Müll kaufe oder etwas teurer und qualitativ besser, das sollte jeder selbst entscheiden können. Voraussetzung ist, dass die oben gewährten Zahlungen prinzipiell dazu in die Lage versetzen, Nahrungsmittel entsprechender Qualität zu kaufen.

Gruß
Pauker


Wettbewerb muss nicht immer zu Müll führen, aber wir sollten überlegen wie Wettberwerb als Qualitäts steigerndes Prinzip eingesetzt werden kann. Ich bin in der IT-Weiterbildung tätig, im Übrigen selbtständig und weiß daher wovon ich rede. Die Privatisierugen über Bildungsgutscheine haben ein zumindestend ansatzweise funktionierendes Weiterbildungssystem komplett zum Einsturz gebracht und viele kleine Bilddungsunternehmen die Existenz gekostet.

Warum fuktioniert Weiterbildung nicht immer so, wie es sich Neoliberale vorstellen? Weil effiziente Weiterbildung durch die Absolventen meist erst nach Abschluß einer Bildungsmaßnahme beurteilt werden kann. Sprich wer die Weiterbildung als Anbieter ernst nimmt muss auch damit leben, dass die Teilnehmer nicht immer in Begeisterungsstürme ausbrechen, handlungsorientierte effiziente Methoden bringen letztlich mehr treffen aber auf Konsumgewohnheiten die damit nicht immer kompatibel sind.

Ein Weiterbildungskonzept dass sich in erster Linie kundenorientiert zeigt, geht auf die Wünsche seiner Kunden ein, auch dann wenn sie nicht sinnvoll sind. Nervöse Teilnehmer die Angst haben das falsche zu lernen sind in der Bildung aber normal und an sich auch kein Problem für den Dozenten, es sei denn die Kunden bleiben morgen weg, weil sie einfach falsche Vorstellungen haben und lieber einen einfacheren Weg wählen.

Man kann natürlich den harten Weg gehen und sagen wir bilden nur Spitzenleute aus, ein Konzept dass mehr auf Kompetenz setzt gibt einem dafür aber mehr Spielraum.

Mit anderen Worten mit buntem mehr Schein als Sein gewinnt man Kunden marktorientiert, die Entäuschung kommt erst nach dem Abschluß, mit Kompetenz bildet man die Kunden weiter.

Bildungsgutscheine bedeuten die Schüler bestimmen was die lernen wollen, und das ist in unserer konsumorientierten Zeit nicht besonders viel. Moderne Bildungsmethoden wie handlungsorientierte Ansätze die nachweislich bessere Ehrgebnisse zeigen, die für Dozenten ein Mehr an Aufwand bedeuten, dessen Leistungen aber nicht direkt konsumierbar sind haben in einem rein privatwirtschaftlichen Konzept nur dann eine gute Chance, wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter zu einer Schulung schickt und sich die Erfolge durch eine unabhängige Zertifizierung nachweisen lässt, wenn also nicht die Teilnehmer während einer Maßnahme Zugriff auf Inhalte und Unterrichtsmethodik haben.

Nichts gegen die Beurteilung der Qualität an sich, die kann ruhig stattfinden, aber bitte durch fachliche kompetente Stellen und nicht durch Teilnehmer die zwischen Überbewertung und Versagungsängste schwanken.

In der Pivatwirtschaft zählen zunächst die Interssen des Unternehmens das etwas anbietet. Ist der Erfolg einer Dienstleistung nicht dirket meßbar ist nicht die Leistung an sich auschlaggebend sondern der Eindruck der vermittelt wird. Gibt es keine Verglöeichsmöglichkeiten, weil sich kaum ein Betrieb zweimal die gleiche Schulung leisten wird, bleibt nur der Eindruck den der Anbieter vermittelt.

Anders ausgedrückt setzen sich eher Blendwerk als Kompetenz durch. Die verühmten Zertifizierungen von Microssoft sind ein mehr als brüchtigte Beispiel in der über ein ganzes Netzwerk an Lizenzen Menschen das Geld aus der Tasche gezogen wurde und sie nachher doch enttäuschten.
Ich verkaufe Dienstleistungen indem ich überzeugend auftrete, dass sich dahinter auch Kompetenz verbirgt ist quasi ein Luxus den ich mir leiste, für den Verkauf ist er nicht notwendig weil die Entscheidungsträger die Kompetenz selten beurteilen können.

Stellen wir uns einen Migranten vor, der schlecht ausgebildet ist und nun in einem technischen Beruf erlernen will, was benötigt er, eine Maßnahme, die ihm kleine Häppchen kundenorientiert und konsumgerecht anbietet oder einen Lehrer der ihm die Chance bietet Handlungskompetenz und Selbstlernen vermittelt zu bekommen, nicht immer einseitig aber wesentlich effizienter und im Abschluss auch sinnvoller.

Dass ist eben der Punkt indem der Staat mit seinen Lehrplänen und seiner mitunter durchaus nervigen Bürokratie und manchmal auch dummen Bürokraten trotzdem einen Sinn ergibt, weil er unabhängig von marktwirtschaftlichen Interessen diverser Bildungsträger Maßstäbe durchsetzen kann.

Die Frage in der Marktwirtschaft ist eine andere, wer ist der Kunde und was sind seine Interessen? Ist der Kunde die Agentur für Arbeit, oder sind es die einzelnen Teilnehmer, ist es ein Verband der Qualität garantieren will, oder ein Betrieb und wofür wird die Schulung benötigt? Weil das Wissen gebraucht wird oder weil die Zertifizierung benötigt wird? Wenn zum Beispiel die Zertfizierung notwendig ist, und niemand sich wirklich interessiert, was der Teilnehmer kann, dann wird das eine einfache Prüfung, die jeder bestehen kann, auch wenn er fast nichts lernt.

Irgendwann rächt sich das dann. Die Industrie muss mit schlecht ausgebildeten Personal zurecchtkommen und die im Unterricht zufriedenen Kunden die immer pflegeleicht konsumieren können, stehen irgendwann auf der Straße, weil das Zertfikat einen schlechten Ruf hat. Dem Bildungsunternehmen das dann viellecht schon unter neuem Namen und mit ganz aktuellen Schlagwörtern auf eine neue Kundensuche geht interessiert das nicht.

Privatisierung der Privatisierung halber ist nicht immer die Lösung auf alle Probleme.

Mit freundlichen Grüßen
ein
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