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Gedichtanalyse:Wie erkennt man betonte, unbetonte Silben...
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Nofretete
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Anmeldungsdatum: 28.02.2008
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BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:14:44    Titel:

1. Vers: 3 Trochäen
2. Vers: Jambus
3. Vers: Geht irgendwie nicht auf Crying or Very sad ( mit Auftakt: 2 Trochäen, ohne Auftakt, 2 Jamben und Abklang- weibliche Kadenz ( nennt man das so? ) )
4. Vers: betonter Auftakt?, Jambus, oder Trochäus mit stumpfer Kadenz
5. Vers: 2 Trochäen
6. Vers: 2 Jamben, Anapäst
7. Vers: 2 Trochäen
8. Vers: Trochäus, Jambus

Ich sag ja ich komm damit gar nicht klar
Crying or Very sad

Geht doch gar nicht auf und kein durchgehendes Reimschemata. Trochäus kommt öfter mal vor, also betont unbetont

Edit:
Beim 6. Vers hab ich wohl eine Silbe übersehen, denn so wie ich das meinte geht das nicht. Dann bleibt eine Silbe übrig Confused
6. Vers: Auftakt, Trochäus, Daktylus, Trochäus vllt
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:22:22    Titel:

dreihebiger Trochäus
einhebiger Jambus
zweihebiger Jambus
zweihebiger Trochäus
zweihebiger Daktylus
Metrenwechsel von Jambus zu Anapäst bzw. kein Metrum da komplette Unregelmäßigkeit
zweihebiger Daktylus
zweihebiger Daktylus

Es ist also ein unregelmäßiges Metrum mit zwei einzelnen Stellen eines gleichen Metrums. Welchen Effekt hat das auf dich, erstmal unabhängig vom Inhalt? Und vergleiche das jetzt mal mit dem Inhalt und der dargestellten Stimmung (Ruhe, Harmonie). Untersuche dazu auch die Spiegelung des regelmäßigen Wechsels von männlichen und weiblichen Kadenzen. Welche Wirkung? Welche Wirkung haben ebenfalls die Enjambements (Zeilensprünge) bezüglich des Inhalts?

Edit: Zu beachten ist ebenfalls das Präsens als Zeitform der Augenblicksdarstellung. Untersuche auch die Assonanzen auf a, ei und i, welche Wirkung? Beachte den Titel, der Wanderer ist in der Literaturepoche zu verstehen, wie auch die Beziehung zur Natur. Ist der Wanderer aber im Gedicht enhalten? Gibt es ein lyrisches Subjekt (vielleicht auch nur implizit durch die direkte Anspreche des "du") Wer könnte mit "du" gemeint sein?


Zuletzt bearbeitet von Vesar am 15 Mai 2008 - 02:54:28, insgesamt 3-mal bearbeitet
Nofretete
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Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:36:10    Titel:

Also ich sehe das so:

Effekt? Ruhe, Entspannung, stille wehende Abendluft?
Erster Satz ist relativ lang und soll damit die Ruhe und Harmonie im Gedicht ausdrücken ( man kann es fließend herunterlesen ). Auch viele Enjambements, die beruhigend wirken.
Soweit ich das noch weiß müsste dass zur Naturlyrik gehören und die Ruhe ist von der unbelebten Natur ausgehend. Daher die Ruhe und Harmonie.
Bis zum Wort Hauch. Das ist dann auf einmal so abgehakt und das merkt man dann auch an den Metren -> Wechsel zu Daktylus.
Danach gibt es nur noch 1 Enjambement von Vers 7 zu Vers 8.
So als hätte jemand dem Gedicht "Leben eingehaucht".
Alles scheint auch viel lebendiger. Quasi von unbelebter Natur zur belebten Natur bzw gleich zum Menschen ( also dem größten schöpferischen Meisterwerk )....

Zu den Metren:
Wie kann es in Vers 5 - 2 Daktylen geben? Fehlt da am Schluss nicht noch eine unbetonte Silbe?
Genauso bei den letzten 2 Versen?
Vor allem der Vers 9 -> da fehlen ja gleich 2 Silben am Schluss...

Versteh ich jetzt nicht ganz...

Danke für die Mühe Embarassed


Zuletzt bearbeitet von Nofretete am 15 Mai 2008 - 02:42:07, insgesamt einmal bearbeitet
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:40:56    Titel:

Zitat:
Wie kann es in Vers 5 - 2 Daktylen geben? Fällt da am Schluss nicht noch eine unbetonte Silbe?


Es gibt nur einen Daktylus, aber der hat zwei Hebungen durch zwei betonte Silben (Kaum, Hauch).

Zitat:
Vor allem der Vers 9 -> da fehlen ja gleich 2 Silben am Schluss...


Welcher neunte Vers? Du hast mir nur acht geschrieben.


Findest du nicht, dass die unregelmäßige Metrik im Kontrast zur Harmonie im Gedicht steht?
Nofretete
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Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:50:37    Titel:

Vesar hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Wie kann es in Vers 5 - 2 Daktylen geben? Fällt da am Schluss nicht noch eine unbetonte Silbe?


Es gibt nur einen Daktylus, aber der hat zwei Hebungen durch zwei betonte Silben (Kaum, Hauch).

Zitat:
Vor allem der Vers 9 -> da fehlen ja gleich 2 Silben am Schluss...


Welcher neunte Vers? Du hast mir nur acht geschrieben.


Findest du nicht, dass die unregelmäßige Metrik im Kontrast zur Harmonie im Gedicht steht?


Entschuldige bitte ich habe mich verschrieben. Ist halt doch schon spät und ich hab bis jetzt noch vor Deutsch Gedichtanalyse gesessen, aber vllt sollt ich doch ins Bett gehen...
Ich meinte natürlich den Vers 8!

Danke dir herzlichst, dass du dir so viel Mühe mit mir gibst, obwohl mir das alles sehr schwer fällt. Also dann ist das in Vers 8 so wie im 5. Vers wahrscheinlich?
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 02:53:21    Titel:

Genau, du hast einen normalen zweihebigen Daktylus. Ich habe meinen vorletzten Beitrag übrigens noch mal editiert, um dir weitere Hinweise zu geben.

Ich werde jetzt auch ins Bett gehen. Gute Nacht und viel Glück.

Gruß
Nofretete
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Anmeldungsdatum: 28.02.2008
Beiträge: 169
Wohnort: Bayern

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2008 - 19:34:09    Titel:

Zitat:
Findest du nicht, dass die unregelmäßige Metrik im Kontrast zur Harmonie im Gedicht steht?


Ah das hast du angehängt okay.
Barocktypisch ist doch die Antithetik- also Gegesätzlichkeit. Da würde das dann auch sehr gut passen. Ruhiges harmonisches Gedicht und das sehr dynamisch. Die Unregelmäßigkeit bringt dann eher Unruhe ins Gedicht- beim Lesen. Oder?
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 16 Mai 2008 - 00:04:23    Titel:

Hallo Nofretete

Ich möchte hier Vesar, einem klugen Kopf, der dir hervorragende Ratschläge gibt, nicht in die Quere kommen, aber: Steht die unregelmässige Metrik wirklich im Kontrast zur Harmonie in dem von euch diskutierten Gedicht? Ermöglicht sie nicht erst diese Harmonie (wie metrische Unregelmässigkeiten dem freieren Ausdruck von Emotionen überhaupt grundsätzlich dienlich sind)?

Es scheint mir hier eher um einen Gegensatz von (metrischer) Strenge und Freiheit zu gehen - wobei ein strenges Metrum (und eine strenge Strophenform) in unterschiedlichen Epochen durchaus verschiedene Funktionen haben kann. In der Klassik sollte etwa mit dem Rückgriff auf das Distichon durchaus einem ästhetischen Bedürfnis Genüge getan werden, was meinen lieben Matthias Claudius zu folgender Verspottung veranlasste:

Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf lässt er ihn wieder heraus.

Metrische Strenge ist Emotionen oft eher hinderlich; diese müssen dann auf andere Weise im Gedicht Eingang finden: im von dir erwähnten barocken Sonett eben durch These - Antithese (wobei es im Barock eher um "Affekte" als um Emtionen ging; aber das ist eine andere Geschichte). - Interessant: Warum greifen Autoren späterer Epochen immer wieder auf strenge Metren und Strophenformen zurück (etwa von Platen oder die hier letzthin diskutierte Ulla Hahn mit ihrem "Stillständigen Sonett")? Gerade in solchen Fällen muss dem Zusammenhang zwischen formaler Strenge und Inhalt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

@Vesar
Meines Wissens gibt es kein einziges deutschsprachiges Gedicht, das ganz in Anapästen abgefasst wurde. Mein ehemaliger Deutschlehrer kam deshalb auch immer mit dem berühmten Vers aus Schillers "Bürgschaft":

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor

Solltest du hier eine meiner zahlreichen Wissenslücken stopfen können, wäre ich dir sehr dankbar.

Dies mein kleiner Beitrag zum Thread.

Gruss
Bruno58
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 16 Mai 2008 - 01:31:11    Titel:

Bruno, du hast vollkommen Recht. Daher hatte ich weiter oben geschrieben, dass der Wanderer, Natur und die Beziehung beider zueinander innerhalb der Literaturepoche gedeutet werden müssen. Das hatte ich absichtlich so formuliert. Denn ich kann ihm ja nicht alle Arbeit vorkauen. Nur möchte ich andieser Stelle deinen Einwand nuancieren. Alles im Gedicht deutet auf Ausgewogenheit und harmonie hin: Inhalt, Assonanzen, Enjambements, Kadenzen. Nur die Metrik passt da nicht ganz ins Konzept. Diese Harmonie muss allerdings als äußere Harmonie, als Ausgewogenheit in der Natur gedeutet werden. Wenn man jetzt aber das eruptive Ausbrechen des Menschen und Drängens in die Natur kennt, die typisch für Entstehungsepoche ist, dann erfolgt anschließend die innere Harmonie des Menschen in der Natur. Der Gegensatz besteht dennoch im Gedicht, er muss aber komplementär analysiert werden, denn die harmonische Dimension überwiegt.

Aber wie gesagt, das konnte ich ihm ja nicht vorkauen und an seiner Stelle schreiben. Der Kontrast muss aber erst einmal festgestellt werden, um ihn in einem zweiten Schritt in die Asgewogenheit und den Wohllaut einzugliedern.
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 16 Mai 2008 - 03:20:19    Titel:

@Vesar

Du BIST ein kluger Kopf! Ich gestehe hier auch gerne ein, dass die Naturlyrik der Goethezeit nicht eine meiner Stärken ist. Aus mir wurde - wie aus so vielen Literaturstudenten - nicht nur ein Fachidiot, sondern gar einer, der sich in gewisse Themen verbeissen musste (über die langsame "Verluderung" der Naturlyrik und den Uebergang zum Dinggedicht im 19.Jahrhundert wüsste ich schon besser Bescheid). Deshalb bin ich für wohldurchdachte und einen alten Kerl neu inspirierende Antworten auch immer dankbar. Sie machen dieses Forum lesenswert.

Einer der Gründe für meine nur rudimentären Kenntnisse in diesem Bereich: Mein Literaturprofessor war u.a. Staiger-Schüler (allerdings weitgehend emanzipiert); wenn nun in einem solchen Fall Goethes Lyrik derart allgegenwärtig ist wie in manchen Englisch-Seminaren Shakespeare, entwickeln Leute wie ich ein regelrechtes Verweigerungssyndrom und kümmern sich "grad z'leid" (Schweizerdeutsch) um andere Dinge.

Ich verstehe vollkommen, dass man den Leuten nicht alles vorkauen kann. Trotzdem freue ich mich immer, wenn ein Thread einen Verlauf nimmt, der auch mir etwas Neues bringt.

Gruss
Bruno58

P.S.: Und da mich das Nachdenken über Goethes Naturlyrik schon vom Einschlafen abhält - ich frage mich gerade, ob die durch das gleichmässige Metrum unterstützte Ruhe, die für seine beiden späten Dornburger Gedichte ("Früh, wenn Tal, Gebirg und Garten") so bezeichnend ist, als Zeichen gedeutet werden muss; als Zeichen dafür, dass er vollkommen in der Natur aufgegangen ist, nicht mehr in sie hineindrängen, sie zu reflektieren braucht. Er beschränkt sich gerade im zweiten Gedicht dermassen auf die mit Sinn erfüllte Beschreibung der Phänomene, dass sich Literaturwissenschaftler darüber streiten mussten, ob die Sonne in der dritten Strophe denn nun eigentlich im Begriff sei, auf- oder unterzugehen. - Mit anderen Worten: Sollte erst dem alten Goethe ein wirkliches Einswerden mit der Natur vergönnt gewesen sein?

Aber ich gehöre eigentlich ins Bett. Entsprechend ist mein P.S. auch zu werten.
B.
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