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Schlanker und starker Staat...
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abi
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Anmeldungsdatum: 20.04.2006
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: 02 Mai 2006 - 23:14:52    Titel: Schlanker und starker Staat...

Hi,

kann mir jemand erklären wie sich die Sozialdemokraten entwickelt haben... seit Bismarcks Zeit...

Und warum die SPD jetzt einen starken Staat haben möchten und die anderen eher einen schlanken... (das hat sich ja anscheinend seit Bismarcks Zeit gewendet)

Ihr seht ich bin etwas Informationsbedürftig Smile

Ciao
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 04:05:58    Titel: Re: Schlanker und starker Staat...

abi hat folgendes geschrieben:
Hi,

kann mir jemand erklären wie sich die Sozialdemokraten entwickelt haben... seit Bismarcks Zeit...

Und warum die SPD jetzt einen starken Staat haben möchten und die anderen eher einen schlanken... (das hat sich ja anscheinend seit Bismarcks Zeit gewendet)

Ihr seht ich bin etwas Informationsbedürftig Smile

Ciao


Zum einen ist der Staat von heute ein demokratisch legitimierter Staat und der Staat in Bismarcks Zeiten ein feudalistischer der die Interessen des Adels vertrat, indem er in einem entstehenden Kapitalismus deren Privilegien sicherte. Zum anderen hat sich die SPD von der revolutionären Partei eines Bebels zu einer Volkspartei entwickelt mit einem Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder als Leitfigur.

In Zeiten eines August Bebel war die Organisation der Arbeitnehmer gegen ganz andere Widerstände durchzusetzen. Auch das Ziel war ein anderes, nämlich der Sozialismus. Wenn wir dies als Synonym für den starken Staat schlechthin nehmen, der letztllich alles bestimmt, dann war die SPD früher noch eher für einen starken Staat und hat diese Einstellung Stück für Stück auf den Weg zur Volkspartei zurückgenommen bis unter Schröder der Sozialismus schließlich ganz aus dem Parteibuch gestrichen wurde. Unter Schröder sind ihr eine ganze Menge Wähler weggelaufen, nun versucht die SPD vorsichtig ihr ehemaliges Image wiederzuerlangen, weil sich links von ihr eine neue Linke formiert. Daher wird in der großen Koalition jetzt fleissig versucht relativ preisewerte Forderungen durchzusetzen zum Beispiel mit einer Reichensteuer. Das diese sehr plakative Reichensteuer natürlich kein Vergleich zu abgeschafften Vermögensteuer aushält, dürfte jedem klar sein.


Mit freundlichen Grüßen
ein
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masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 09:05:55    Titel:

Zitat:
Und warum die SPD jetzt einen starken Staat haben möchten und die anderen eher einen schlanken


Ob ein "starker" oder ein "schwacher" Staat vorherrscht, kann man an der Staatsqoute festmachen.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsquote)
...
Offenbar ist eine gewisse Staatsquote für ein hohes Wirtschaftswachstum notwendig: Läge die Staatsquote bei 0 %, so ließen sich Marktversagen nicht mit Hilfe von Institutionen beseitigen, Sozialleistungen nicht leisten, "Anarchie" läge vor. Läge die Staatsquote hingegen bei 100 %, so wäre jedes individuelle ökonomische Handeln unterbunden, "Despotie" läge vor. Die Wahrheit liegt somit – wie so oft in der Volkswirtschaftslehre – zwischen den vorgenannten Extrempolen. Nebenstehende Abbildung verdeutlicht die Zusammenhänge. Wo dieser optimale Wert liegt, hängt von der Definition ab und lässt sich empirisch untersuchen. Nach Berechnungen des Finanzwissenschaftlers Charles Blankart ist das kräftigste Wachstum bei etwa 35 % zu erzielen. Hierbei ist zu beachten, dass dieser Wert sich im Zeitverlauf durchaus ändern kann. Gegenwärtig weisen etwa die skandinavischen Länder hohe Staatsquoten, hohes Wachstum und gleichzeitig eine geringe Arbeitslosigkeit auf....


Die INSM setzt sich z.B. für einen "schlanken " Staat ein:

http://www.insm.de/Downloads/PDF_-_Dateien/Publikationen_Kostenlose_Downloads/St_u_Fn_Themenheft4.pdf


Und hier ist nochmal ein recht umfassender ZEIT-Artikel zum Thema

http://www.zeit.de/2005/22/Wieviel_Staat


Da hast du glaub ihc schonmal einen ganz guten Überblick Wink
abi
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Anmeldungsdatum: 20.04.2006
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 13:01:18    Titel:

Vielen lieben Dank an Buerger und masterofdisaster,

ihr habt mir bestens geholfen!!!

Koenntet ihr die "Staatsqoute" aber nochmal mit eignenen Worten erklaeren?

Ciao
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 13:37:46    Titel:

abi hat folgendes geschrieben:
Vielen lieben Dank an Buerger und masterofdisaster,

ihr habt mir bestens geholfen!!!

Koenntet ihr die "Staatsqoute" aber nochmal mit eignenen Worten erklaeren?

Ciao


Die Staatsquote selbst ist zunächst ein Begriff aus der Ökonomie, der vereinfacht ausgedrückt ein Maß dafür ist wieviel von den Leistungen einer Volkswirtschaft vom Staat erbracht werden und wieviel aus der privaten Wirtschaft entstehen. Allerdings ist der Begriff zur Beurteilung dessen was der Staat erfüllen soll umstritten, weil er in den Augen einer gesellschaftspolitischen Betrachtungsweise unzureichend ist, um die Aufgaben und Notwendigkeiten eines Staates zu erfassen. Nach Auffassung dieser politischen Richtungen lassen sich sogenannte Hoheitsaufgaben des Staates volkswirtschaftlich eben nur unzureichend beurteilen. Diese Aufgaben richten beinhalten andere, gesellschaftspolitische Kriterien, zum Beispiel die Aufrechterhaltung der Sciherheit, die Bildung des Volker und der soziale Frieden. Zu diesen Hoheitsaufgaben gehören beispielsweise die Bildung, die Polizei, der Zoll, die Sicherung der Sozialsysteme, das Militär und das Justizwesens.

Der Hinweis auf die Staatsquote ist daher nicht unbedingt SPD-typisch, sondern eher charakteristsich für eine extreme neoliberale politische Auffassung, wie sie beispielsweise in der FDP zu finden ist. Für die SPD ist dieser Begriff also weniger bestimmend gewesen, selbst Schröder hat ihn nur selten verwendet und Schröder ist bzw. war die Gallionsfigur des neoliberalen Flügels in der SPD. Die tatsächlich oder nur vermeintliche Notwendigkeit zur Privatisierung hatte in Politik eher pragmatische Gründe, man wollte Kosten sparen um so eine gewissen Handlungsspielraum zu erhalten.


Mit freundlichen Grüßen
ein
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masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 20:05:06    Titel:

Zitat:
Allerdings ist der Begriff zur Beurteilung dessen was der Staat erfüllen soll umstritten, weil er in den Augen einer gesellschaftspolitischen Betrachtungsweise unzureichend ist, um die Aufgaben und Notwendigkeiten eines Staates zu erfassen

Niemand hat ja auch behauptet, dass die Staatsquote ein alleiniger Massstab ist. Es ist aber ein wichtiger Begriff, denn viele Aufgaben können(auch vom Staat Wink ) nur mit entsprechneden Mitteln erledigt werden. Daher meinen Politiker oft, wenn sie vom "starken Staat" reden, der erhalten werden müsse, dass der Staat seine Einnahmen erhöhen müsste. Beispiel ist, wie gerade letztens Kurt Beck laut über eine Steuererhöhung nachgedacht hat.
Ausserdem muss hier unterschieden werde: Ich habe mich zum "starken/schwachen Staat" vor allem in Hinblick auf die Wirtschaftspolitik bezogen.
In der Sicherheitspolitik bedeuetet er natürlich etwas anderes.

Zitat:
Der Hinweis auf die Staatsquote ist daher nicht unbedingt SPD-typisch, sondern eher charakteristsich für eine extreme neoliberale politische Auffassung, wie sie beispielsweise in der FDP zu finden ist

LOL, Laughing Ich nehme mal an damit hast du mich gemeint. Mich würde mal interessieren wie du zu einem solchen Schluss kommst.
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 04 Mai 2006 - 22:07:09    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:

LOL, Laughing Ich nehme mal an damit hast du mich gemeint. Mich würde mal interessieren wie du zu einem solchen Schluss kommst.


Nein, ich habe die Neoliberalen genannt und die FDP als klassische Partei der Neoliberalen als Beispiel. Wie kommt du darauf, dass ich dich meinen könnte? Bist du Neoliberaler und/oder FDP-Mitglied?

Mit freundlichen Grüßen
ein
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masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 05 Mai 2006 - 16:51:38    Titel:

Zitat:
Nein, ich habe die Neoliberalen genannt und die FDP als klassische Partei der Neoliberalen als Beispiel. Wie kommt du darauf, dass ich dich meinen könnte?

Wie ich darauf komme ist doch eindeutig:
Du meintest:
Zitat:
Der Hinweis auf die Staatsquote ist daher nicht unbedingt SPD-typisch, sondern eher charakteristsich für eine extreme neoliberale politische Auffassung, wie sie beispielsweise in der FDP zu finden ist

Da ich den Begriff der Staatsquote in die Diskussion eingebracht habe, ist es ziemlich naheliegend, dass du damit mich gemeint hast.
Wie du zu deiner Kategorisierung kommst ist mir aber immer noch nicht klar.

Zitat:
Bist du Neoliberaler und/oder FDP-Mitglied?

Ich bin kein Mitlgied einer politischen Partei, weder der FDP noch einer anderen. Bist du Mitglied der Linkspartei?

Zu der Frage mit dem Neoliberalismus muss ich erstmal fragen, was du darunter verstehst. Da gibt es nämlich, SEHR verschiedene Definitionen von, gerade bei dir meine ich schon einige gelesen zu haben, die mit meinem Verständnis nicht übereinstimmen.
Wenn du allerdings Neoliberalismus so wie Wikipedia definierst, dann kann ich mich dem weitgehend anschliessen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus
Zitat:
...Der Begriff Neoliberalismus wurde von den Ökonomen Friedrich Hayek, Wilhelm Röpke, Walter Eucken und anderen auf einer Konferenz in Paris im Jahre 1938 im Zuge der Entwicklung eines Konzepts für eine langfristige Wirtschaftspolitik geprägt, welche sich als Mittelweg zwischen reinem Kapitalismus und Sozialismus verstand. Demnach sind Eingriffe in die Wirtschaft nur dann gerechtfertigt und notwendig, wenn sie beispielsweise Marktverzerrungen durch Monopole oder Kartelle verhindern...
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