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Nichtregierungsorganisationen Bürgerinitiativen Interessenv.
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campino77
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Anmeldungsdatum: 03.05.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 03 Mai 2006 - 13:33:44    Titel: Nichtregierungsorganisationen Bürgerinitiativen Interessenv.

Hallo zusammen...
Bezüglich meiner bevorstehenden mündlichen Abiturprüfung im Fach Politik setze ich mich gerade mit den begrifflichen Einordnung und Aufgabenverteilung von Interessenverbänden, Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen auseinander.
Ich habe dazu zunächst gegoogelt und dann versucht die Artikel von Wikipedia, Encarta und meinen schulischen Material zusammenfassen. Doch leider ist mir dabei aufgefallen, dass die Inhalte der einzelnen Artikel stark von einander abweichen und teilweise sogar widersprüchlich zu sein scheinen.

Vor allem vier Fragen kann ich mir nicht beantworten:
1.) sind Bürgerinitiativen rein rechtlich und formal gesehen den Interessenverbänden zuzuordnen oder bilden sie eine eigene Gruppierung? Denn während sie im Schulmaterial als Untergruppierung benannt werden steht bei Encarta: „Von Interessenverbänden wie Gewerkschaften unterscheiden sie [also die Bürgerinitiativen] sich durch die heterogene Zusammensetzung ihrer Mitglieder.“
2.) Aus diesem Punkt ergibt sich gleich meine nächste Frage: wieso sollen Bürgerinitiativen eher heterogen und Interessenverbände eher homogen sein? Greenpeace und Amnesty International als Vertreter der Interessenverbände können doch zum Beispiel Mitglieder aus allen Berufs- und Bildungs- und Sozialkreisen haben?!
3.) Warum wird Amnesty International einmal bei den Interessenverbänden und einmal bei den Nichtregierungsorganisationen benannt?! Falls Interessenverbände und Nichtregierungsorganisationen einander überlappen, wo liegt dann dennoch die Trennung?
4.) Sind Kirchen den Nichtregierungsorganisationen zuzuordnen, oder bilden sie eine eigene neue Gruppe?! Falls ja, wie heißt diese?

Für mich ist das irgendwie alles sehr verwirrend. Er scheint mir fast so, als gebe es keine wirklich klare Trennwand zwischen den einzelnen Gruppen. Wäre schön, wenn mal jemand seine Meinung dazu kund geben könnte oder vielleicht eine Antwort auf eine der Fragen hat.
Guido
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 717
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 04 Mai 2006 - 13:10:08    Titel: Re: Nichtregierungsorganisationen Bürgerinitiativen Interess

campino77 hat folgendes geschrieben:
Hallo zusammen...
Bezüglich meiner bevorstehenden mündlichen Abiturprüfung im Fach Politik setze ich mich gerade mit den begrifflichen Einordnung und Aufgabenverteilung von Interessenverbänden, Bürgerinitiativen und Nichtregierungsorganisationen auseinander.
Ich habe dazu zunächst gegoogelt und dann versucht die Artikel von Wikipedia, Encarta und meinen schulischen Material zusammenfassen. Doch leider ist mir dabei aufgefallen, dass die Inhalte der einzelnen Artikel stark von einander abweichen und teilweise sogar widersprüchlich zu sein scheinen.

Vor allem vier Fragen kann ich mir nicht beantworten:
1.) sind Bürgerinitiativen rein rechtlich und formal gesehen den Interessenverbänden zuzuordnen oder bilden sie eine eigene Gruppierung? Denn während sie im Schulmaterial als Untergruppierung benannt werden steht bei Encarta: „Von Interessenverbänden wie Gewerkschaften unterscheiden sie [also die Bürgerinitiativen] sich durch die heterogene Zusammensetzung ihrer Mitglieder.“


Interessensverbände sind rechtlich meist als e.V. organisiert, d.h. sie handeln durch Organe und haben eine Satzung in der auch der Zweck der Organisation definiert wird. Sie sind auf dauerhafte Existenz ausgelegt.

Bürgerinitiativen haben keine eigene Rechtsform (werden dann als BGB-Gesellschaft angesehen). In einer BGB-Gesellschaft gibt es keine Organe, d.h. jeder Ini-Aktivist handelt nach eigenem Ermessen und es ist nicht immer einfach, dass Handeln der Ini von den Privataktivitäten der einzelnen Leute zu trennen. Bürgerinitiativen verfolgen ein konkretes Ziel. Ist es erreicht oder definitiv unerreichbar geworden, so löst sich die Initiative meist auf.

campino77 hat folgendes geschrieben:
2.) Aus diesem Punkt ergibt sich gleich meine nächste Frage: wieso sollen Bürgerinitiativen eher heterogen und Interessenverbände eher homogen sein? Greenpeace und Amnesty International als Vertreter der Interessenverbände können doch zum Beispiel Mitglieder aus allen Berufs- und Bildungs- und Sozialkreisen haben?!


Interessenverbände sind aufgrund ihres Satzungszwecks homogen. Gewerkschaften haben z.B. fast immer die "wirtschaftliche, soziale und kulturelle Förderung ihrer Mitglieder" in ihrer Satzung drinstehen. Sportvereine die "Förderung der Sportart X durch Y". Als e.V. haben sie eigentlich immer feste Strukturen zur Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und Umsetzung der Satzungsziele.

Bürgerinitiativen sind unverbindlicher strukturiert. Die Zielsetzung, die Anzahl der Ziele und deren Gewichtung, die Art und Weise wie sie verfolgt werden sowie Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder können sich kurzfristig und ohne feste Beschlusslage verändern.

Greenpeace ist übrigens ein e.V. und damit eher als Interessenverband und weniger als Ini anzusehen.



campino77 hat folgendes geschrieben:
3.) Warum wird Amnesty International einmal bei den Interessenverbänden und einmal bei den Nichtregierungsorganisationen benannt?! Falls Interessenverbände und Nichtregierungsorganisationen einander überlappen, wo liegt dann dennoch die Trennung?


Amnesty International ist in Deutschland als e.V. eingetragen. Sie verfolgen ihre Ziele im Wesentlichen durch Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Die meisten Interessenverbände sind auch Nichtregierungsorganisationen, da sie als Organisationen außerhalb der Staats- und Regierungsstrukturen politische Ziele verfolgen.

Die Trennlinie zwischen Interessensverbänden und NGOs sind m.E. die politischen Ziele. NGOs haben immer, IVs meistens politische Ziele. Ein Hasenzüchterverein hat i.d.R. keine politischen Ziele, der Berufsverband der Karnickelzüchter aber schon (meist berufspolitische Detailfragen im Sinne der Mitglieder).


campino77 hat folgendes geschrieben:
4.) Sind Kirchen den Nichtregierungsorganisationen zuzuordnen, oder bilden sie eine eigene neue Gruppe?! Falls ja, wie heißt diese?


Die Kirche ist bei genauerem Hinsehen keine Einzelorganisation sondern ein Organisationsverbund, bestehend aus teilautonomen rechtlich eigenständigen Strukturen wie Wohlfahrtsverbänden (Caritas, Diakonie), Bistümern, Pfarreien, seelsorgerischen Organisationen, sozialen Dienstleistern (meist als e.V. oder gGmbH) und einiges anderes mehr. Die Zielsetzungen und Zweckbezüge der einzelnen Organisationen in der Kirche sind so unterschiedlich, dass eine Gesamtaussage "NGO - ja oder nein" nicht möglich ist.
campino77
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Anmeldungsdatum: 03.05.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 05 Mai 2006 - 11:16:46    Titel:

@guido


jo danke Dir... hast du echt gut und ausführlich dargelegt.
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