Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Kampfbegriff Neoliberalismus
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Kampfbegriff Neoliberalismus
 
Autor Nachricht
Pauker
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 08 Mai 2006 - 21:28:17    Titel:

Auf jeden Fall hätte man die geringere Produktivität berücksichtigen müssen und feststellen müssen, dass ein gleicher Lebensstandard und gleiche Einkommen wenn überhaupt eine Entwicklung von Jahrzehnten ist. Das war es in der "alten" Bundesrepublik ja auch.

Eine Sonderwirtschaftszone hätte vielleicht etwas gebracht. So verplempern wir derzeit Milliarden ohne dass absehbar wäre, dass der Osten "aufholt".

Das war politisch allerdings nicht gewollt. Schnelle Einführung der DM, Angleichung der Löhne, zeugen eher von politischem Willen als von ökonomischen Sachverstand. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Gruß
Pauker
masterofdisaster
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 08 Mai 2006 - 21:58:25    Titel:

Zitat:
Die Frage ist nur ob wir die Ursachen gleich bewerten, denn man könnte genauso gut die achtziger Jahre nehmen als es allen in der Bundesrepublik relativ gut ging und mit wachsenden Arbeitsplatzabbau und Sozialdumping das Niveau für einen großen Anteil der bevölkerung sank, Stichwort Binnennachfrage.

Erstens ist das (Wohlstands-) Niveau seit den 80er Jahren nicht gesunken, sondern gestiegen.
Zweitens kann von "Sozialdumping" kaum die Rede sein, sonst wären wir ja jetzt nicht an dem Punkt, dass wir vor einem Sozialstaat stehen würden, dem sogar ein SPD-Minister die Unfinanzierbarkeit vorraussagt (von Wirtschaftsexperten ganz zu schweigen).
Und der Arbeitsplatzabbau ist ja gerade eine (es gibt auch noch andere) Folge des immer weiteren Ausbaus des Sozialen Netztes sowie der immer höheren Lohnforderungen der Gewerkschaften. Hinzu kommt noch eine immer stärkere internationale Konkurrenz durch die aufstrebenden asiatischen Nationen, insbes. China, und durch die ehemals kommunistischen Länder Osteuropas, um nur einige, wichtige Gründe zu nennen.

Zitat:
Wie auch immer müssen in beiden Szenarien noch die Kosten der Wiedervereinigung dazugezählt werden, die sich im Gegensatz zu den Prognosen der Befürworter allzufreier Marktwirtschaften eben nicht in blühende Landschaften verwandelt haben sondern ein Lehrstück dafür angesehen werden können, wie sich Unternehmer am Staat gesund stossen wenn man ihnen die Möglichkeit dazu auf einem Silbertablett präsentiert.

Richtig, die Kosten der Wiedervereiningung müssen auch noch dazu gezählt werden. Hier allerdings von einem neoliberalen Konzept zu reden ist wirklich lächerlich: Das ganze war eine Mischung aus falsch verstandenem Keynesianismus, Geldgeschenken an das Wahlvolk und ökonomischen Unverstand. ->Siehe Beitrag von Sheep und Pauker.
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 09 Mai 2006 - 13:05:52    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:

Erstens ist das (Wohlstands-) Niveau seit den 80er Jahren nicht gesunken, sondern gestiegen.


Das Niveau mag gestigen sein, das Problem ist das dies einem Drittel der Bevölkerung (mit steigender Tendenz) wesentlich schlechter geht.

Zitat:

Zweitens kann von "Sozialdumping" kaum die Rede sein, sonst wären wir ja jetzt nicht an dem Punkt, dass wir vor einem Sozialstaat stehen würden, dem sogar ein SPD-Minister die Unfinanzierbarkeit vorraussagt (von Wirtschaftsexperten ganz zu schweigen).


Die Frage wer wann in welcher Funktion etwas sagt und welche Interessen dahinter sollte immer hinterfragt werden wenn einzelne Aussagen von Ministern als Beleg für die absolute Wahrheit dienen. Eine einzelne Aussage eines SPD-Ministers ist seit Schröder als Protagonist des Neoliberalismus (Boss der Bosse Shröder Blair Papier etc.) nichts verwunderliches, warum hat wohl die SPD soviele Stimmen verloren? Daher ist der Hinweis, dass manche Wirtschaftsexperten aus dem Lager des Neoplibarlismus und ein SPD-Minister ins gleiche Horn stoßen höchstens ein Beleg für den bedenklichen Zustand der SPD oder das was Schröder davon übrig gelassen hat aber kein Beweis dass dies so stimmen muß. Im übrigen müsste man untersuchen in welchen Kontext eine solche Aussage getroffen wurde, ist damit gemeint dass wir zum Frühkapitalismus zurückkehren und die Arbeitslosen verhungern lassen sollen oder ist das lediglich ein Hinweis darauf, dass sich der Sozialstaat nicht mehr über die Spzialversicherungssysteme finanzieren lässt und andere Finanzierungen verlangt.

Zitat:

Und der Arbeitsplatzabbau ist ja gerade eine (es gibt auch noch andere) Folge des immer weiteren Ausbaus des Sozialen Netztes sowie der immer höheren Lohnforderungen der Gewerkschaften.


Ach ja? Ist dir aufgefallen, dass es noch andere Ursachen geben könnte?

In der Tat liegen die Hauptursachen in der Produktivitätssteigerung die eine Folge der Konkurrenzsituation sind. Da ist deine Bemerklung mit den Gewerkschaften völlig deplaziert, weil dies das Pferd vom Schwanze her aufzäumt ich werde gleich erklären warum. Zunächst ist die Produktivitätsteigerung eine systemimanente Komponente die sich aus der Konkurrenzsituation ergibt. Das einzelne Unternehmen kann zwar versuchen durch die Steigerung der Produktivität die Waren billiger anzubieten und durch Umsatzsteigerung abzufangen, eine ganze Branche kann das nicht. Mit anderen Worten, ganz gleich wie hoch das Lohnniveau auch ist, es ist für die Konkurrenz ähnlich hoch und wird, auch wenn wir ihn senken, nicht den Drang zu einer höheren Produktivität verhindern können. Mit anderen Worten entweder erschließt sich diese Branche neue Märkte, oder sie verliert Arbeitsplätze, denn wenn ein Arbeitnehmer nicht mehr für die Produktion gebraucht wird, wird er freigesetzt, ganz gleich 0b er dem Unternehmen 6000€ oder 6500€ kostet.

Die Steigerung der Produktivität und die dadurch geringe Anzahl an notwendigen Arbeitsplätze ist keine Funktion des Arbeitslohnes und daher ist deine These höchst wackelig.

Im Grund muß man natürlich über die Branche hinaus argumentieren, denn eine Konkurrenz um das Geld der Kunden kann natürlich auch über Branchen hinweg erfolgen und würden wir nur eine Branche betrachten dann könnte man in der Tat einen Drang zur höheren Produktivität mit der Lohnhöhe koppen,

Das gilt natürlich nicht für eine allgemeinere Steigung des Lohnniveuas, da dieser sich über alle Branchen verteilt und gleichzeitig die Binnennachfrage erhöht, also keine Arbeitslosigkeit produzieren kann, jedenfalls innerhalb eines halbwegs geschlossenen Systems. Selbst initiierende Phasen einer Produktivitätssteigerung kurz nach einer Lohnsteigerung zu erwarten wären würden sich in ein solch oszillierenden System in entsprechenden relaxten Zeitspannen ausgleichen, aber sie würde insgesamt den stetigen Drang durch Produktivitätssteigerung die Konkurrenz zu überflügeln nicht bremsen können.

Das ist eines der Grundprobleme des Kapitalismus, er kann nur dann funktionieren wenn er sich ständig neue Märkte erschließt, sobald Phasen der Stagnation erreicht werden erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen. Man kann versuchen sich dieser Situation zu entziehen indem man massiv aus andere Märkte im Ausland baut, aber das zieht andere Probleme nach sich, wie man leicht erkennen kann. Denn durch die Öffnung der Märkte, ein Geschenk aus der Sicht der Unternehmer die dadurch neue Chanchen erhalten das Unternehmen wachsen zu lassen um dadurch den Arbeitsplatzabbau von Unternehmen abfangen zu können erweist sich bei genauerer Betrachtung als letztlich ungeeignet um dem Grundproblem des Arbeitsplatzabbau durch Produktivitätssteigerung zu entkommen, es wird nur auf eine höhere Ebene verlagert.




Zitat:

Hinzu kommt noch eine immer stärkere internationale Konkurrenz durch die aufstrebenden asiatischen Nationen, insbes. China, und durch die ehemals kommunistischen Länder Osteuropas, um nur einige, wichtige Gründe zu nennen.


Das ist aus lokaler Sicht der einzige Grund der wirklich deine Kopplung von höhen Löhnen und Arbeitsplatzabbau zusammenbringt, nur in einem anderen Sinne. Das Lohnniveau das in Konkurrenz zu dem unseren steht ist eh nicht zu unterbieten, aber es auch bei uns nicht realisierbar weil zu diesen Konditionen nicht mal ein asketisch lebender Mensch existieren könnte. Daher wird die Verlagerung in lohnintensiven Branchen stattfinden und in Branchen die aif eine gewisse Technik und Infrastruktir angewiesen sind wird das nicht geschehen. Wenn die Lohnkosten nur einen winzigen Bruchteil des Endpreises ausmachen dann wird eine Lohnerhöhung um 5 oder 10% wohl keine über die normale Produktivitätssteigerung hinaus zu erfolgende Arbeitsplatzvernichtung zur Folge haben. In den Fällen aber wo das nicht der Fall ist hat der deutsche Arbeitnehmer eh verloren ganz gleich ob er 5% 10% oder 20% mehr Lohn erhält.


Zitat:

Richtig, die Kosten der Wiedervereiningung müssen auch noch dazu gezählt werden. Hier allerdings von einem neoliberalen Konzept zu reden ist wirklich lächerlich: Das ganze war eine Mischung aus falsch verstandenem Keynesianismus, Geldgeschenken an das Wahlvolk und ökonomischen Unverstand.


Sicher, wenn etwas nicht richtig funktioniert und der Kapitalismus keine blühende Landschaften produziert sind immer die anderen die Veursacher, dass dieses Problem im Kapitalismus selbst begründet liegen könnte, das wird immer weit von sich gewiesen. Wie sollen denn blühende Landschaften entstehen können, wenn die Binnennachfrage durch eine immens hohe Freisetzung an Arbeitsplätzen innerhalb weniger Jahre völlig geplättet wird? Das kann gar nicht funktionieren, weil es die leistungsfähige Menschen vertreibt und eine Öde entsteht, die sich auch nicht von von selbst wie durch Zauberhand in ihr Gegenteil verwandelt.

Hier wäre eine behutsamer d.h. ein gelenkter Übergang wesentlich intelligenter gewesen, mit anderen Worten hier wäre mehr und nicht weniger Staat gefordert. Eine Steuererleichterung ist übrigens ein erheblicher Eingriff des Staates, weil sie, wenn sie einseitig in einer wie auch immer zu schaffenden Sonderwirtschaftszone einer Subventionierung gleichkommt. Ein solche Forderung beweist im Grunde, dass es Situationen gibt, in denen die reinen Kräfte des Marktes versagen und zu einer wirtschaftliche Wüste führen können. Ich glaube dass dies generell so ist und ein ungelenkter Kapitlismus sich immer selbst ad absurdum führt.

Auf jeden Fall ist in der ehemaligen DDR eine Erosion eingetreten an der wir noch Jahrzente zu knabbern haben. Auch die These, dass diese Wirtschaft künstlich hochgehalten wurde und der Schaden schon vorher verursacht wurde stimmt nur zum Teil, denn es ware noch Reserven vorhanden die man hätte nutzen können, statt dessen wurde ein möglichst schnelles Plattbügeln der DDR-Betriebe inzeniert und betrieben, schließlich wollte man diese nicht finanziell auch noch unterstützen. Das Problem ist dass wir jetzt die Arbeiter voll unterstützen müssen und mit bescheuerten Forderungen Arbeitslose für 5€ auf Spargelfelder zu schicken nur die Wut der Betroffenen steigern, aber einer grundsätzlichen Lösung keinen Schritt näher kommen sind.

Wir können also festhalten dass der Kapitalismus trotz des geringen Lohnniveaus, trotz der staatlichen Fördermaßnahmen und trotz des Fleißes der Arbeitnehmer die sich viel haben gefallen lassen dieser Kapitalismus nicht in der Lage war dort blühende Landschaften entstehen zu lassen.

Der reine Kapitalismus aber hat sich zwar in den neuen Bundesländern ausgetobt wie zu Zeiten des Frühkapitalismus mit Rauibrittern der verschiedensten Colouer vom Schneeballsystem bis hin zu Löhnen unterhalb der HartzIV Grenze, beim Aufbau blühender Landschaften hat er dort offensichtlich versagt. Denn würde er so prima funktionieren wie vorhergesagt, hätte er sich über die paar Schwierigkeiten locker hinwegsetzen können und trotz mancher handwerklicher Fehler der Treuhand und deren Nachfolger hätte mehr entstehen müssen, wenn nicht wie ich glaube die im Zuge des Zusammenbruchs des Ostblockes aufkommmende Hochstimmung im Lager der Befürworter des Kapitalismus ausbrach der zu völligen Fehleinschätzungen über die Möglichkeiten führte und wir nun in einer Katerstimmung aufwachen und erkennen dass das Allheilmittel Kapitalismus eben nicht in jeder Situation unsere Probleme lösen kann.

Vielleicht wäre dazu nur eine radikale Umstellung der Gesellschaft möglich, ich präferiere hier ein steuerfinanziertes (d.h. über Ertrags und Vermögenssteuern) Konzept einer allgemeinen Grundeinkommen für jedermann. Da sich im Osten eine hohe Anzahl an HartzIV Empfänger befinden würde das nicht nur einem Transfer von höheren zu niedrigen Einkommen bedeuten sondern in gewisser Weise einen zusätzlichen OST-West Transfer nach sich ziehen der die Binnennachfrage im Osten erheblich stärken würde und vor allen Dingen langfristige Perspektive schafft, weil mit der Sicherheit eines Grundeinkommens auch kleiner Beschäftigungen sich wieder lohnen und eine Wirtschaft in Gang bringen könnten.

Vorsicht Satire!

Ohne staatliche Eingriffe wird die Erosion noch ein paar Jahre weitergehen und wir könnten dann leere und verödete Plattenbausiedlungen als Erlebnisparks einrichten mit ein paar übriggebleibene einheimische Jugendliche, die über 1€ Jobs das richtige Abenteuerambiente vermitteln, in dem sie nachts Überfälle auf zeltende Wessis organisieren. Sozusagen als patriotische Alternative zu "mit Seil über Fluss klettern, Schlamm baden und Würmer fressen im bolivianischen Regenwald" werden dann Stars von RTL & Co. zum "Überleben in die Plattenbausiedlung" geschickt, böse Stimmen behaupten man wäre von Morales kurzerhand rauschkompleniert worden, als ihm mitgeteilt wurde, was da in seinem Regenwald stattfinden sollte, aber das ist nur miese Propaganda der staatlichen Konkurrenz.

Spinnen, Kellerasseln und Ratten werden sicherlich in den Plattenbausiedlungen reichlich zu finden sein, besonders wenn der größte Teil der ehemaligen menschlichen Bewohner im Westen sitzt, so dass einer als Avangarde geltenden Künstlergemeinde in privaten Sendern der Kreation eines neuen, kulinarisch viel versprechenden Freizeitspaß nichts mehr im Wege steht. Wenn wir dann unsere Stars schmatzend diese Köstlichkeiten vertilgend sehen und die neu geschaffenen Ruderalfluren betrachten- gelben Mauerpfeffer, dreifingrigen Steinbrech und Vogelmiere zwischen Pflasterritzen und Mauerfugen entstehen sehen und vor den Häusern weißen Giesch in trauter Vereinigung mit Brennessel und Klettenlabkraut neue Farbkompositionen bieten, müssen wir vor Staunen innehalten und erkennen wie weitsichtig der Kanzler der Einheit in die Zukunft blicken konnte: Hoch lebe der Kapitalismus und seine blühenden Landschaften!


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Sheep
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 09 Mai 2006 - 15:12:12    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
masterofdisaster hat folgendes geschrieben:

Erstens ist das (Wohlstands-) Niveau seit den 80er Jahren nicht gesunken, sondern gestiegen.


Das Niveau mag gestigen sein, das Problem ist das dies einem Drittel der Bevölkerung (mit steigender Tendenz) wesentlich schlechter geht.


Woran und für welchen Zeitraum machst Du denn Dein "Problem" fest ? Wenn Du die 80er jahre als Vergleich heranziehst, dann dürften relativ neue Daten aus dem jahre 1998 bestätigen, dass die Einkommen in Deutschland recht gleichmäßig verteilt und weit höher liegen.

"43 Prozent der deutschen Haushalte beziehen ein Einkommen zwischen 75 und 125 Prozent des Durchschnitts. Noch nicht einmal 9 Prozent der Haushalte müssen sich mit weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens begnügen. Selbst diese Haushalte sind zudem oft nur relativ arm - denn bei einem durchschnittlichen verfügbaren Einkommen aller Haushalte von monatlich 5.020 DM im Jahr 1998 hatten die Geringverdiener noch bis zu rund 2.500 DM in der Tasche"

Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft, Koeln

Zitat:
Zitat:
Zweitens kann von "Sozialdumping" kaum die Rede sein, sonst wären wir ja jetzt nicht an dem Punkt, dass wir vor einem Sozialstaat stehen würden, dem sogar ein SPD-Minister die Unfinanzierbarkeit vorraussagt (von Wirtschaftsexperten ganz zu schweigen).


Im übrigen müsste man untersuchen in welchen Kontext eine solche Aussage getroffen wurde, ist damit gemeint dass wir zum Frühkapitalismus zurückkehren und die Arbeitslosen verhungern lassen sollen oder ist das lediglich ein Hinweis darauf, dass sich der Sozialstaat nicht mehr über die Spzialversicherungssysteme finanzieren lässt und andere Finanzierungen verlangt.


Letzteres. Genau das steht ja in der Aussage: Der Sozialstaat lässt sich so nicht weiterfinanzieren. Der Rest ist Deiner Hysterie entsprungen, nach dem Motto: "Wir müssen alle sterben, der Sozialstaat lässt sich nicht mehr finanzieren !"

Zitat:

Zunächst ist die Produktivitätsteigerung eine systemimanente Komponente die sich aus der Konkurrenzsituation ergibt. Das einzelne Unternehmen kann zwar versuchen durch die Steigerung der Produktivität die Waren billiger anzubieten und durch Umsatzsteigerung abzufangen, eine ganze Branche kann das nicht.


Deswegen ist die Produktivitätssteigerung auch nur eine Maßnahme, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. Innovation, Qualitätssteigerung, ständige Beobachtung des Marktes und eine Anpassung der Produktpalette darf nicht vernachlässigt werden. Nur „mehr von dem gleichen Zeug zu produzieren“ ist eine schlechte Unternehmensstrategie.

Zitat:
Das gilt natürlich nicht für eine allgemeinere Steigung des Lohnniveuas, da dieser sich über alle Branchen verteilt und gleichzeitig die Binnennachfrage erhöht, also keine Arbeitslosigkeit produzieren kann, jedenfalls innerhalb eines halbwegs geschlossenen Systems.


Richtig, wenn wir eine Mauer um Deutschland bauen, dann können wir das Lohnniveau beliebig steigern, ungeachtet der Menge der dabei produzierten volkswirtschaftlichen Güter. Der erhöhten Binnennachfrage steht kein Angebot gegenüber und das führt dann wieder zum Schlange stehen vor dem Supermarkt.

Zitat:
Das ist eines der Grundprobleme des Kapitalismus, er kann nur dann funktionieren wenn er sich ständig neue Märkte erschließt


Ja, der böse Kapitalismus zwingt uns ständig, uns neue Produkte auszudenken und zu entwickeln. Wir armen Konsumenten werden ständig mit Neuheiten belästigt und aufgrund des „schädlichen Zwangs zur Produktivitätssteigerung“ werden diese Produkte auch noch ständig billiger und der breiten Masse verfügbar.


Zitat:
Denn durch die Öffnung der Märkte, ein Geschenk aus der Sicht der Unternehmer die dadurch neue Chanchen erhalten das Unternehmen wachsen zu lassen um dadurch den Arbeitsplatzabbau von Unternehmen abfangen zu können erweist sich bei genauerer Betrachtung als letztlich ungeeignet um dem Grundproblem des Arbeitsplatzabbau durch Produktivitätssteigerung zu entkommen, es wird nur auf eine höhere Ebene verlagert.


Und führt dazu, dass auch noch andere Länder an der Wohlstandssteigerung teilnehmen, indem sie uns und wir ihnen Waren anbieten dürfen. Vor diesem bösen Handel muß natürlich das Heimatland geschützt werden, und wenn es nach Lafontaine geht, vor den Fremdarbeitern gleich mit.

Zitat:

Wie sollen denn blühende Landschaften entstehen können, wenn die Binnennachfrage durch eine immens hohe Freisetzung an Arbeitsplätzen innerhalb weniger Jahre völlig geplättet wird?


Welche Binnennachfrage ? Ich kann mich nicht erinnern, dass eine besonders hohe Nachfrage nach DDR-Produkten bestand, von ein paar Ausnahmen wie dem „Rotkäppchen-Sekt“ abgesehen. Wozu sollte man also eine Industrie künstlich am Leben erhalten, die Produkte herstellt, die keiner benötigt ? Die Arbeiter in den Trabant-Werken gaben selber zu, dass sie sich den Plastikbomber nicht kaufen würden. Die Carl-Zeiss Werke haben ihre Produktpalette angepasst, ein Beispiel dafür, dass der freie Markt denjenigen ein Einkommen verschafft, die ihn richtig verstehen.
masterofdisaster
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 09 Mai 2006 - 18:36:01    Titel:

Zitat:
Die Frage wer wann in welcher Funktion etwas sagt und welche Interessen dahinter sollte immer hinterfragt werden wenn einzelne Aussagen von Ministern als Beleg für die absolute Wahrheit dienen

Von absolute Wahrheit dienen oder so etwas habe ich gar nicht gesprochen. Das war lediglich als ein (weiterer) Hinweis gedacht.

Zitat:
Daher ist der Hinweis, dass manche Wirtschaftsexperten aus dem Lager des Neoplibarlismus...

Was heisst denn, manche Wirtschaftsexperten aus dem Lager des Neoliberalismus? Wieviele Bofingers gibt es denn überhaupt noch? Schonmal etwas von dem sog. "Hamburger Appell" ( http://www1.uni-hamburg.de/IWK/appell.pdf und http://www1.uni-hamburg.de/IWK/appell.htm ) gehört? So eine Anzahl von Unterstüzern würde ein Bofinger nie zusammen bekommen! (-> hat er ja auch nicht! Laughing )


Was die Produktivitätssteigerungen und den angeblich damit verbundene Arbeitsplatzabbau angeht, erlaube ich mir mal den User Pauker zu zitieren, das ist da sehr schön dargelegt worden Razz
Zitat:
Die Vorstellung, dass eine höhere Produktivität, Arbeitsplätze abschafft ist seit den Zeiten der Dampfmaschine widerlegt. Kurzfristig hast du Recht. Die höhere Produktivität sorgt aber auch für billigere Waren und Dienstleistungen, so dass mehr Leute sich diese leisten können.
Durch die neuen Möglichkeiten entstehen dann wieder Arbeitsplätze.
Ford Model T oder der heutige DVD-Player ist alles nur wegen hoher Produktivität günstig zu haben.
Wenn wir mal davon ausgehen, dass die Bedürfnisse des Menschen unbeschränkt sind - zumindest so lange wir das Paradies nicht erreicht haben - gibt es genug Arbeit. Man muss diese aber finden. Dass man einen Fernseher braucht, wusste auch keiner, bevor dieser nicht erfunden wurde. Dass das Internet eine feine Sache ist, wusste auch keiner, bevor nicht irgend jemand auf die Idee kam.

Ich persönlich würde jede Menge Geld ausgeben, wenn mir mal jemand eien Maschine erfinden würde, die meinen Haushalt selbständig sauber hält. Die vollautomatisierte Küche, die sich nach jeder Benutzung von selbst reinigt, wäre für den Anfang ausreichend. Utopie? Na klar... aber das wirds irgendwann geben, da bin ich mir sicher...


Wenn der Arbeitsmarkt unreguliert wäre, dann würden sich , wie in jedem Markt, Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht befinden. Das heisst, es würde keine Arbeitslosigkeit geben, dafür würde natürlich der Presi=Lohn sich dem ANgebot/Nachfrage anpassen. Woher die Arbeitsplätze auf einmal kommen sollen? Einige in der Industire, denn es könnten Aufträge angenommen werden, die jetzt aufgrund zu hoher Kosten Verluste bringen würden, die meisten aber im Dienstleistungssektor. Ich zum Beispiel, würde mir einen *Putzmenschen* (edit) leisten, wenn der Lohn nur wenige Euro/h betragen würde.

Natürlich will niemand, dass Menschen für einen völlig menschenunwürdigen Lohn arbeiten müssten und trotzdem Hunger leiden zu hätten.
Daher hat man sich dazu entschlossen via Tarifverhandlungen und Sozialhilfe einen de facto Mindestlohn einzuführen. Das ist ein tolle Errungenschaft, auf der anderen Seite sind nun alle Menschen, deren Produktivität unter der diese Lohnes liegt, arbeitslos.
Das lässt sich auch sehr einfach anhand der Arbeitslosenstatistik nachweisen: Der Großteil der Langzeitsarbeitslosen ist Niedrigqualifizierter. Kein Unternehmer kann ihnen einen höheren Lohn zahlen, als ihre geringe Produktivität ist. Auf der anderen Seite werden keine geringeren Löhne zugelassen. Dadurch wird sich die Lage der Menschen auf Dauer nicht verbessern, auch nicht, wenn wieder ein höheres Wachstum anspringt. Das sieht man ja auch in der momentanen Lage, trotz der relativ positiven Aussicht, werden Arbeitsplätze weiter abgebaut, bzw. es wird nicht in Deutschland, sondern in anderen, günstigeren Ländern investiert. Daraus zu folgern, Protektioniemus wäre die Lösung ist aber trotzdem falsch, denn zum einen werden würden wir damit unseren Wohlstand wieder verspielen, zum anderen würden wir ja auch den meist noch ärmeren Menschen die Chance auf Wohlstand verbauen. Eine Lösung wäre, z.B. subventionierte Niedriglöhne einzuführen.


Zitat:
Sicher, wenn etwas nicht richtig funktioniert und der Kapitalismus keine blühende Landschaften produziert sind immer die anderen die Veursacher, dass dieses Problem im Kapitalismus selbst begründet liegen könnte, das wird immer weit von sich gewiesen

Man muss auch schon die richitgen Anreize bieten, wie es von Experten auch gefordert wird. Niemand käme ja auf die Idee, einem Auto die Schuld zu geben, nur weil sein Fahrer nicht fahren kann.

Zitat:
Wie sollen denn blühende Landschaften entstehen können, wenn die Binnennachfrage durch eine immens hohe Freisetzung an Arbeitsplätzen innerhalb weniger Jahre völlig geplättet wird?

Wie sollen denn die ganzen Arbietsplätze erhaltn werden, wenn die Produkte niemand kauft? Oder hast du damals dir einen Trabbi gekauft um Ost-Arbeitsplätze zu unterstützen? Im Gegenteil, durch Massnahmen wie schnelle Lohnangleichungen, (gleich) hohe Steuern, etc. hat man die Konkurrenzfähigkeit der ostdeutschen Arbeitnehmer nur unnötig verschlechtert. Und dann wundert man sich über hohe Arbeitslsoigkeit. Hinzu kam, um die "Binnennachfrage" zu stützen, ein gewaltiges Schuldenfinanziertes Ausgabenprogramm, das reinen Strohfeuereffekt hatte.

Zitat:
...ein gelenkter Übergang...
Von "gelenkter" Wirtschaft hatten die Menschen im Osten die Nase voll...

Zitat:
Ich glaube dass dies generell so ist und ein ungelenkter Kapitlismus sich immer selbst ad absurdum führt.
Und ich glaube, dass eine "gelenkte" Wirtschaft sich selbst ad absurdum führt, und ich habe dafür sogar historische Belege Wink

Zitat:
bescheuerten Forderungen Arbeitslose für 5€ auf Spargelfelder zu schicken nur die Wut der Betroffenen steigern, aber einer grundsätzlichen Lösung keinen Schritt näher kommen sind.

Ich verstehe nicht, was an der Forderung, dass Arbeitslose, falls es die Möglichkeit gibt, ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder zumindest dazu beitragen, flasch ist. (->hier fehlen eindeutig die Anreize, "Mindestlohn" liegt über dem Marktniveau)

Zitat:
sondern in gewisser Weise einen zusätzlichen OST-West Transfer
Weil wir ja auch noch nicht genug ge-transfert haben, ohne zu merken, dass so keine langfirstige Lösung zustande kommen ist.

Zitat:
Binnennachfrage im Osten erheblich stärken würde

...die dann aus dem Westen, oder noch wahrscheinlicher, aus dem Osten bedient werden würde. Mit zu hohen (Brutto-) Löhnen gibt es einfach kein Mehr an Beschäftigung.

Zitat:
auch kleiner Beschäftigungen sich wieder lohnen [würde].

... wie man ja an dem Besipiel der Spargelstecher sieht. Wink
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 10 Mai 2006 - 02:11:57    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:
Die Vorstellung, dass eine höhere Produktivität, Arbeitsplätze abschafft ist seit den Zeiten der Dampfmaschine widerlegt. Kurzfristig hast du Recht. Die höhere Produktivität sorgt aber auch für billigere Waren und Dienstleistungen, so dass mehr Leute sich diese leisten können.


Das kann so sein, dass muss aber nicht so sein. Das heißt hier wird ein speziellles Szenarium erstellt, dass nämlich durch die Senkung der Preise neue Märkte erschlossen werden, quasi eine Negierung der Marktsättigung. Wenn fast jeder ein Kühlschrank hat werden Kühlschränke nur noch als Ersatz für kaputte und ausrangierte Kühlschränke produziert. In diesem Fall ist die Paukerregel untauglich den Sachverhalt korrekt zu erfassen. Eine Produktivitätssteigerung wirkt sich so nicht dahingehend aus dass sich mehr Leute einen Kühlschrank leisten können.

Ein anderes Beispiel, Für die Produktion von Zementkalk gab es in den sechszigern in einr bestimmten Fabrik genau einen Ofen der 20 Mann für die Bedienung benötigt, bei drei Schichten waren das 60 Mann die in diesem Bereich arbeiteten.

Im Jahre 1987 gab es 3 Öfen von denen jeder das 3 fache leisten kann und in der nur 3 Mann pro Schicht arbeiten. Von der Produktivität bedeutet dies, statt 560 Arbeiter die 1960 dazu nötig gewesen sind, sind es heute gerade einmal 9 Arbeiter. Nun stelle ich mir gerade vor wieviele Leute Zement kaufen müssten um das auszugleichen.

Im Grunde müssten Menschen 62 x soviel Zement verbrauchen wie in den sechszigern, und das bei der sinkenden Umsätzen der Baubranche damit die Produktivitätsteigerung keine Arbeitsplätze vernichtet. Beim besten Willen ist das nicht vorstellbar.

Die Wirklichkeit sieht so aus, dass der Verbrauch selbst durch den Export nur geringfügig gestiegen ist, aber eine ganze Menge mehr an Kalkwerken haben schließen müssen und die entsprechenden Arbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen haben.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
masterofdisaster
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 10 Mai 2006 - 09:36:33    Titel:

Zitat:
Das kann so sein, dass muss aber nicht so sein. Das heißt hier wird ein speziellles Szenarium erstellt, dass nämlich durch die Senkung der Preise neue Märkte erschlossen werden, quasi eine Negierung der Marktsättigung. Wenn fast jeder ein Kühlschrank hat werden Kühlschränke nur noch als Ersatz für kaputte und ausrangierte Kühlschränke produziert. In diesem Fall ist die Paukerregel untauglich den Sachverhalt korrekt zu erfassen. Eine Produktivitätssteigerung wirkt sich so nicht dahingehend aus dass sich mehr Leute einen Kühlschrank leisten können.

Das ist auf jeden Fall so, du musst den Abschnitt natürlich auch zuende lesen. Was passiert nämlich, wenn die Kühlschränke durch eine Produktivitätssteigerung billiger geworden sind? Natürlich kaufen die Menschend ann keine 2 oder 3 Kühlschränke pro Hasuhalt, stattdessen haben sie aber mehr Geld übrig, weil sie nicht so viel für einen Kühlschrank bezahlen mussten, und können das Geld dann z.B. für den Kauf einer Mikrowelle verwenden. Da entsstehen dann neue Arbeitsplätz, weil der Umsatz der Mikrowellenhersteller steigt. Und wenn dann auch beim Mikorwellenhersteller aufgrund einer technischen Neuerung beispielsweise, die Produktivität steigt, dann werden halt mehr Spülmachinen gekauft usw. Und da auf Dauer die Arbeitsplätze in der Industrie allgemein eher abnehmen, werden die dann freigesetzten Arbeiter einen Job in der Dienstleistungsbranche finden müssen.
Das war schon immer so (-> siehe Dampfmaschiene), und nennt sich Strukturwandel.

Das einzige Problem , das abgesehen von einer Übergangsarbeitslosigkeit dabei entsteht, ist dass der technische Fortschritt zunehmend nach Höherqualifiezierten verlangt. Um die Niedrigqualifizierten wieder in Arbeit zu bekommen, werden wir m.E. nicht um einen subventionierten Niedirglohnsektor herumkommen.
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 10 Mai 2006 - 18:43:29    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Das kann so sein, dass muss aber nicht so sein. Das heißt hier wird ein speziellles Szenarium
erstellt, dass nämlich durch die Senkung der Preise neue Märkte erschlossen werden, quasi eine Negierung der Marktsättigung. Wenn fast jeder ein Kühlschrank hat werden Kühlschränke nur noch als Ersatz für kaputte und ausrangierte Kühlschränke produziert. In diesem Fall ist die Paukerregel untauglich den Sachverhalt korrekt zu erfassen. Eine Produktivitätssteigerung wirkt sich so nicht dahingehend aus dass sich mehr Leute einen Kühlschrank leisten können.

Das ist auf jeden Fall so, du musst den Abschnitt natürlich auch zuende lesen. Was passiert nämlich, wenn die Kühlschränke durch eine Produktivitätssteigerung billiger geworden sind? Natürlich kaufen die Menschend ann keine 2 oder 3 Kühlschränke pro Hasuhalt, stattdessen haben sie aber mehr Geld übrig, weil sie nicht so viel für einen Kühlschrank bezahlen mussten, und können das Geld dann z.B. für den Kauf einer Mikrowelle verwenden. Da entsstehen dann neue Arbeitsplätz, weil der Umsatz der Mikrowellenhersteller steigt. Und wenn dann auch beim Mikorwellenhersteller aufgrund einer technischen Neuerung beispielsweise, die Produktivität steigt, dann werden halt mehr Spülmachinen gekauft usw. Und da auf Dauer die Arbeitsplätze in der Industrie allgemein eher abnehmen, werden die dann freigesetzten Arbeiter einen Job in der Dienstleistungsbranche finden müssen.
Das war schon immer so (-> siehe Dampfmaschiene), und nennt sich Strukturwandel.

Das einzige Problem , das abgesehen von einer Übergangsarbeitslosigkeit dabei entsteht, ist dass der technische Fortschritt zunehmend nach Höherqualifiezierten verlangt. Um die Niedrigqualifizierten wieder in Arbeit zu bekommen, werden wir m.E. nicht um einen subventionierten Niedirglohnsektor herumkommen.


Das die durch Produktivität freigesetzten Arbeitsplätze 1: 1 in andere Arbeitsplätze umgesetzt werden halte ich für ein Gerücht, Die Beteiligten sind zunächst gar nicht gezwungen ihr Geld in andere Waren oder Dienstleistungen zu investieren. Sie können ebensogut das Geld sparen und/oder für Dinge ausgeben die wesentlich weniger Arbeitsplatz pro ausgegebenen Euro schaffen. Diese Kreislaufargumentationen sind hinsichtlich ihrer Flüsse nicht nachvollziehbar, dass bedeutet weder du nich ich wissen wie relevant das sein könnte. Es gibt aber eine andere Betrachtungsweise die solche Zirkelschlüsse als grundlegende Argumentation für nicht tauglich erklärt, den Arbeitsplatzverfall durch Produktivitätstseigerung darzulegen. Dein Kreislaufsystem funktioniert nur dann wenn genügend Arbeitnehmer übrig bleiben um das Geld was sie verdienen auszugeben, der einfachheit halbe stellen wir uns zwei Gruppen vor am besten auf einer kleinen Lichtung fernab von jeder Zuvilisation, die Bauern und die Fischer. Die einen sind ganz auf den Anbau von Getreide, Gemüse und Obst spezialisiert, die anderen auf das Fangen von Fischen. Wenn beide nun ihre Anbau und Fangmethoden soweit steigern dass sie doppelt so viel produzieren, aber der Markt das nicht aufnehmen kann, weil die Anzahl an Gemüse und Fisch die von den Dorfbewohnern verzerrt werden kann begrenzt ist. In einem Dorf könnten sich Fischer und Baurn freuen, weil sie nun mehr Zeit für andere Dinge haben. Anders sieht das aus, wenn beide Gruppen Angestellte sind, die von einem Großgrundbesitzer und Besitzer einer Angellizenz bezahlt werden. Dann fliegt die Hälfte raus und zwar aus beiden Produktionszweigen, und ist arbeitslos. Die verbleibenden Arbeitnehmer haben haben vielleicht monatlich mehr Geld, das heißt sie können sich doppelt so viel Fisch und Brot leisten, solange der Arbeitgeber die Situation nicht gnadenlos ausnutzt und den Lohn stabil hält aber die Arbeitnehmer nicht am Gewinn partizipieren lässt. Also das wenige was die Bauern und Fischer dann vielleicht mehr einkaufen können kann nicht den Wegfall nicht kompensieren. Wenn keine neuen Märkte erschlossen werden bleiben die arbeitslosen Farmarbeiter und Fischer zunächst arbeitslos. Wenn wir dieses System ohne Wachstum weiterdenken würden Farmer und Bauern wegziehen, weil sie können unter diesen Bedingungen nicht überleben, was wiederum für die verbleibenden Farmarbeiter und Fischerereiangestellten eine Katastrophe bedeutet, denn die Nachnahme sinkt weiter bis schließlich mit zunehmende Produktivitätssteigerung ein Fischerreibesitzer in letzter Konsequenz auf modernsten vollautomatischen Anlagen sitzen würde und Fische en Gros fangen könnte, nur es ist nieman mehr da der sie essen könnte, weil sie alle woandershin ziehen mussten.

Das bedeutet dein Modell, so wie du es hier vorgestellt hast funktioniert in sich nicht, wenn du durch Produktivitätssteigerung Arbeitsplätze vernichtest, ganz gleich wie komplex deine Kreisläufe und Argumentationen werden, letztendlich können Arbeitsplätze die durch Produktivitätssteigerung vernichtet wurden nicht durch niedrige Preise kompensiert werden. Dies kann nur dann geschehen wenn gleichzeitig neue Märkte, Dienstleistungen etc, erschlossen werden und die verbleibenden Arbeitnehmer soweit an den Löhnen partizipieren, dass sie zumindestens einen Teil der Arbeitsplätze die verloren gegangen sind durch Konsumsteigerung wettmachen können.

Zurück zu dem vereinfachten Modell bedeutet dies, es funktioniert nur dann wenn sich zum Beispiel der Sohn des Großgrundbesitzer etwas neues einfallen lässt und Geld in die Produktion von Moskitonetzen steckt und damit einen Teil der arbeitslosen Fischer und Farmer beschäftigen kann und wenn gleichzeitig die Fischereiangestellten und Farmarbeiter Lohnerhöhungen durchsetzen würden, die sie in die Lage versetzt, die neuen Moskitonetze auch zu kaufen. Es ist aber keineswegs zwingend dass dadurch ebenso viele Arbeitsplätze entstehen wie verloren gegangen sind.

Mit anderen Worten der Kapitalismus schafft nur dann Arbeitsplätze und ernährt die Menschen, solange er auf Wachstum ausgelegt ist, Stillstand verträgt der Kapitalismus nicht, daher ist die von dir hier definierte Paukerregel nicht geeignet um das Problem entstehender Arbeitslosigkeit und Produktivitätssteigerung zu widerlegen.

Ohne neue Märkte und andere Produkte, was vom Prinzip das gleiche ist kann der Kapitalismus nicht funktionieren. Andere Märkte können im weitestenden Sinne aber auch "staatliche" Aufgaben sein, die sich die Dorfgemeinschaft bezahlen lasseb und zwar von den Großgrundbesitzer und Angellizenznehmer, zum Beispiel durch Grundbesitzsteuer und die Lizenz zum Angeln. So könnte ein Teil des Überschußes der durch die Produktivitätsteigerung entsteht in sinnvolle Aufgaben münden die letztlich allen zu Gute kommt. Auch dass ist ein Transfer von oben nach unten.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Sheep
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 10 Mai 2006 - 21:35:04    Titel:

Sheep vergleicht Bürgers Modell mit der Geschichte dieser Welt...

In den frühesten Gesellschaften dieser Erde waren die Menschen zu 100% damit beschäftigt jeden Tag Nahrung zu besorgen, sie jagten und sie sammelten.

Zitat:
der einfachheit halbe stellen wir uns zwei Gruppen vor am besten auf einer kleinen Lichtung fernab von jeder Zuvilisation, die Bauern und die Fischer. Die einen sind ganz auf den Anbau von Getreide, Gemüse und Obst spezialisiert, die anderen auf das Fangen von Fischen.


Doch irgendwann erfanden sie neue Methoden, die die Versorgung mit Nahrungsmitteln einfacher und effektiver machte: Ackerbau und Viehzucht.

Zitat:
Wenn beide nun ihre Anbau und Fangmethoden soweit steigern dass sie doppelt so viel produzieren, aber der Markt das nicht aufnehmen kann, weil die Anzahl an Gemüse und Fisch die von den Dorfbewohnern verzerrt werden kann begrenzt ist


Und seit diesem Zeitpunkt an haben wir Arbeitslose. Langzeitarbeitslose seit der Steinzeit !


...Zumindest in Bürgers Geschichte.

Tatsächlich passierten aber erfreulichere Dinge. Die Menschheit ist durch die bessere und sicherere Versorgung mit Nahrungsmitteln angewachsen. Ausserdem - weil nicht mehr jeder mit Jagen und Sammeln beschäftigt war - konnten die Menschen neue Ideen entwickeln, ihren Alltag zu erleichtern. Nahrung, Kleidung, Wohnungsbau, erste Maschinen, Bewässerungsanlagen. Aber solch Kreativität ist den "Bürger-schen" Gesellschaften fremd. Ganz fremd allerdings nicht, denn....

Zitat:
Anders sieht das aus, wenn beide Gruppen Angestellte sind, die von einem Großgrundbesitzer und Besitzer einer Angellizenz bezahlt werden.


...jetzt mischt der Klassenfeind mit !

Zitat:
Dann fliegt die Hälfte raus und zwar aus beiden Produktionszweigen, und ist arbeitslos


Aber verhungern würden sie nicht, sind doch alles Bauern und Angler. Und vielleicht kommt der eine oder andere auf die Idee, das Dorf könnte auch einen Schreiner brauchen. Dann wäre das Problem mit der Arbeitslosigkeit gelöst. Er wird Schreiner, und ein Teil der übrigen Entlassenen seine Mitarbeiter. Sollten immer noch Leute ohne Arbeit übrig sein, dann fehlt auch noch ein Müller und ein Bäcker.

Natürlich hat die "Bürger-sche" Gesellschaft keine solchen Ideen, und wartet auf die Stütze. Wenn die nicht kommt, zieht man eben weg.

Zitat:
Wenn wir dieses System ohne Wachstum weiterdenken würden Farmer und Bauern wegziehen, weil sie können unter diesen Bedingungen nicht überleben, was wiederum für die verbleibenden Farmarbeiter und Fischerereiangestellten eine Katastrophe bedeutet


Und die "schröckliche" Katastrophe wäre, dass wieder zu viele in der Nahrungsmittelindustrie arbeiten. Das Dorf benötigt ganz klar einen Strukturwandel, aber auf den Dreh' kommt keiner in der verkrusteten Bürger-schen" Gesellschaft: Opa war Fischer, Vater war Fischer, warum soll da der Sohn etwas anderes machen ? Bis auf das "Wegziehen" kennt keiner eine Alternative, und da wo die Wanderfischer hinziehen, wird natürlich wieder gefischt.

Interessanterweise ist der einzige, der das Problem erkennt, der Sohn des Klassenfeindes:

Zitat:
es funktioniert nur dann wenn sich zum Beispiel der Sohn des Großgrundbesitzer etwas neues einfallen lässt und Geld in die Produktion von Moskitonetzen steckt und damit einen Teil der arbeitslosen Fischer und Farmer beschäftigen kann und wenn gleichzeitig die Fischereiangestellten und Farmarbeiter Lohnerhöhungen durchsetzen würden, die sie in die Lage versetzt, die neuen Moskitonetze auch zu kaufen.


Das muss wohl in der Familie liegen. Scheinbar sind die übrigen Fischer und Bauern nicht in der Lage, selber auf eine Geschäftsidee zu kommen.

Zitat:
Stillstand verträgt der Kapitalismus nicht


Stimmt, und jetzt wissen wir auch, warum der Sozialismus so gut wie keinerlei Fortschritt und Wohlstand schafft, es ist einfach nicht gewünscht. Weil er auch ohne neue Produkte und Märkte "funktioniert", man könnte auch sagen "dahinvegetiert".

Zitat:
Andere Märkte können im weitestenden Sinne aber auch "staatliche" Aufgaben sein, die sich die Dorfgemeinschaft bezahlen lasseb und zwar von den Großgrundbesitzer und Angellizenznehmer, zum Beispiel durch Grundbesitzsteuer und die Lizenz zum Angeln.


Fazit: Wenn dann doch mal jemand auf die Idee kommt, etwas anderes zu tun, als zu fischen oder Ackerbau zu betreiben (und das sei jetzt nicht der Bruder des Klassenfeindes), dann kann das natürlich nur eine Staatsaufgabe sein, zum Beispiel "Spitzel" oder "Apparatschik". Betrachtet man die vielen Fischer und Bauern die wegziehen wollen (siehe oben), brauchen wir auch noch "Mauerschützen".

Zitat:
So könnte ein Teil des Überschußes der durch die Produktivitätsteigerung entsteht in sinnvolle Aufgaben münden die letztlich allen zu Gute kommt


Und da stellt sich jetzt die Frage, wenn die Aufgabe wirklich "sinnvoll" ist, dann würden doch der Grossgrundbesitzer und seine Angestellten dafür bezahlen. Und diejenigen, die diese "sinnvolle" Aufgabe bewerkstelligen, und dafür bezahlt werden, könnten sich im gegenzug Fische kaufen. So was nennt sich Handel und freier Markt. Aber das scheint der Bürgerschen Gesellschaft fremd zu sein.

Trotzdem eine schöne Schauergeschichte. Very Happy


Zuletzt bearbeitet von Sheep am 10 Mai 2006 - 23:36:36, insgesamt einmal bearbeitet
Bürger
Gesperrter User
Benutzer-Profile anzeigen


Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 10 Mai 2006 - 22:51:25    Titel:

Sheep hat folgendes geschrieben:
Bürger erklärt uns die Geschichte dieser Welt...




Diese Unterstellung weise ich entschieden zurück und protestiere ausdrücklich gegen diesen aus meiner Sich böswillen persönlichen Angriff der mit dem zugrundeliegenden Beitrag nichts zu hat.

Weder erwähne oder behaupte ich in meinen Beitrag, dass ich die Geschichte erklären will noch erwecke ich diesen Eindruck. Im Gegenteil weise ich daraufhin, dass es sich um ein vereinfachendes Modell handelt um grundsätzliche Zusammenhänge darstellen zu können. Ich untersuche lediglich die Frage, ob die durch Produktivitätssteigerung bedingte Vernichtung konkreter Arbeitsplätze durch Preissenkungen abgefangen werden kann wie einer der anderen Teilnehmer behauptet und komme zum Ergebnis, dass dies nicht sein kann, dass also ohne neue Märkte und Wachstum der Kapitalismus nicht funkrionieren kann und die Arbeitsplätze vernichtet bleiben.

Warum also ein solcher unsachlicher persönlicher Angriff? Soll er fehlende Argumente ersetzen?

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger


Zuletzt bearbeitet von Bürger am 10 Mai 2006 - 23:31:20, insgesamt 2-mal bearbeitet
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Kampfbegriff Neoliberalismus
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6  Weiter
Seite 2 von 6

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum