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Kampfbegriff Neoliberalismus
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Kampfbegriff Neoliberalismus
 
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Durchblick 65
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Anmeldungsdatum: 23.02.2006
Beiträge: 615

BeitragVerfasst am: 14 Mai 2006 - 18:55:51    Titel:

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Zuletzt bearbeitet von Durchblick 65 am 29 Jun 2006 - 12:00:10, insgesamt einmal bearbeitet
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 14 Mai 2006 - 20:23:56    Titel:

Zitat:
Ich habe also angedeutet, dass eine als Paukerregel durch das Forum geisternde Ansicht deshalb so vehement verteidgt wird, weil sie von einem Moderator stammt. Verteidigt wurde sie aber nicht von dir sondern von anderen Teilnehmern, so dass ich deine Kritik nicht nachvollziehen kann.
Natürlich frage ich mich warum eine simple Theorie die jeder Wirtschaftswissenschaftler im Schlaf auseinanderpflückt in diesem Forum so vehement vertreten wird. Damit ist aber nicht gemeint dass Du andere Ansichten unterdrückst, sondern dass sich andere eine Ansicht zu eigen machen, die Deinen Namen trägt und es aus Solidarität Dir gegenüber für angebracht halten diese zu verteidigen, auch wenn sie sich als Unsinn entpuppt


Also zuerst, ich würde nie einen Diskussionstandpunkt vertreten, weil ihn auch ein Moderator vertritt. Das ist eine Unterstellung, gegen die ich sofort zurückweise. Was sollte mir das denn bringen?

Die "Paukerregel", wie du sie nennst, ist auch überhaupt nicht von Pauker erfunden worden, sondern er hat sie ganz nett ausformuliert, weshalb ich sie zitiert habe.
Die Theorie heisst "Kompensationstheorie" und ist ein anerkanntes Element der volkswirtschaftlcihen Grundlagen. Wie schon zuvor, empfehle ich dir erstmal eine Grundbildung in VWL. Im BWL/VWL Forum kann man dir mit Sicherheit ein entsprehendes Werk empfehlen.
Dort kannst du ja auch nochmal gucken was angehende "Wirtschaftsspezialisten" zu deinen Ideen sagen. Laughing

Zitat:
wir haben im Übrigen weit über 5 Millionen Arbeitslose, nicht gerade überzeugende Belege, dass sich Arbeitslosigkeit über niedrigere Preise von selbst kompensieren lassen.
Dass der technische Fortschritt nicht nru keine Arbeitsplätze vernichtet sondern sogar noch welche schafft kannst du an den Erwerbstätigenzahlen erkennen. Es wurden sogar so viele Arbeitsplätze geschaffen, dass die inländischen Arbeitskräfte nicht ausreichten und es notwendig war, Arbeiter aus dem Ausland anzuwerben. Die 5 Millionen Arbeitskräfte sind auch noch nicht ewig, sondern ihre Zahl hat sich erst seit dem relevant erhöht, seit der Arbietsmarkt in den 70er und 80er Jahren zunehmend stärker reguliert wird und damit den Strukturwandel erschwert.
Als Gegenbeispiel lassen sich vor allem die Länder verwenden, die jetzt bei ihren Arbietsmarktzahlen gut dastehen. Das sind nicht nur die Angelsächsichen Länder, sondern auch die skandinaischen Länder haben z.B. einen nur sehr eingeschränkten Kündigungsschutz.

Zitat:
Meine These lautet dagegen:
2. Über niedrigere Preise kann die durch Produktivitätssteigerung anfallende Arbeitslosigkeit überhaupt nicht kompensiert werden sondern nur über die Schaffung neuer Märkte.
Wenn du mit neuen Märkten meinst, dass z.B. ins Ausland exportiert werden müsste, dann kann man nur darauf verweisne, das Produktivitätssteigerungen im Mittelalter, wo nur sehr wenig Handel betrieben wurde auch nicht zu Arbeitslsoen, sondern zu mehr WOhlsatnd geführt hat, z.B. bei der Einführung der 3-Felder-Wirtschaft.
Wenn du mit "Neuen Märkten" meinst, dass die Menschen u.U. in anderen Sektoren und Branchen arbeiten müssen dann liegen wir gar nicht so weit auseinander. Denn woher sollen die Menschen auf einmal das Geld nehemn um die neuen Produkte/Dienstleisutngen zu konsumieren? Nur daher, dass die "alten" Prodkte nun billiger produziert und verkauft werden.

Zitat:
Wäre These 1 richtig, müssten wir uns um nichts kümmern die Arbeitslosigkeit wäre schon längst auf den Quasi-Nullpunkt, die Preise für technische Geräte sinken fast laufend.
DIe Preise für technische Geräte sinken in der Tat fast laufend. Vor ein paar Jahren waren Digi-Cams nahezu unerschwinglich, jetzt hat sie fast jeder. Das gleiche gilt für DVD-Recorder, MP3-Player Flachbildschirme, Laptops...ect.
Und der 2. Punkt wäre auch wahr, wird allerdings durch die starren Arbeitsmarktstrukturen verhindert.

Zitat:
Wenn wir also nun eine begrenzte Menge an Bedürfnissen betrachten, die Du in deinem Leben besitzen könntest ist die Frage zu stellen ob wir diese Menge an Bedürfnissen ansetzen dürfen um die Frage zu diskutieren wie neue Märkte entstehen. Natürlich nicht, weil allein das Bedürfniss zum Beispiel in die Zeit reisen zu können unsterblich zu werden oder zu anderen Zivilisationen ins All zu reisen keine neuen Märkte schafft die diese Bedürfnisse befriedigen könnte
Wenn diese Bedürfnisse für einen akzeptablen Preis zu haben wären, dann würden sie durchaus eine neuen Marktschaffen. Dass sie vieleicht bald für einen akzeptablen Preis zu haben sind, dafür sorgt der technische Fortschrit. Beispiel Reise in den Weltall: Noch vor ein paar JAhren gab es Supperreiche, die für X-Millionen Dollar ins All reisten, in ein paar JAhren könnte das dem Erfinderreichtum einiger Menschen sei Dank für wenige 10000 Dollar zu haben sein.


Modelldiskussion:

Zitat:
Die Arbeitslosen haben kein Geld mehr, um sich Getreide zu kaufen, woher sollten sie es nehmen? Sie bekommes es ja nicht.

Die dargestelten Vorgänge können zeitlich durchaus gerafft vorrangehen. Denn wenn eine neue Erfindung gemacht wird, ist sie deswegen ja nicht unmittelbar einsatzbereit. Es ist schon einige Zeit vorher sichtbar, dass sie aber zum Einsatz kommen wird und deshalb Arbeistplätze wegfallen könnten und der Preis für das neue Produkt sinken wird und damit Geld für andere Bedürfnisse freilegen wird.
Aber selbst wenn das nicht rechtzeitig erkannt wurde: Jeder wird ein Minimum an Ersparnissen haben um sich über eine kurze Zeit selbst unterstützen zu können. An genau dieser Stelle ist auch eine Arbeitslosenhilfe angebracht. Sie hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass während der vorrübergehenden Phase niemand verhungern muss.
Ausserdem ist ein grosser Anteil der Menschen ist vom technischen Fortschritt in der Landwirtschaft nicht unmittelbar betroffen. Sie haben dann definitv mehr Geld, was dann für Konsum in andren/gleichen Bereichen verwendet wird und damit Arbeitsplätze schafft.
Und das ist auch genau der Punkt: Die "Arbeitslosen" haben das Geld für das dann billigere Getreide von genau demjenigen, der sie einstellt um damit die höhere Nachfrage zu bedienen.

Würde man Arbeitszeit bei gleichem Lohn verkürzen, dann ist das für die Arbeitgeber das Gleiche wie eine Lohnerhöhung bei gleicher Arbeitszeit. Man muss höhere Kosten aufwenden um ein Produkt zu herzustellen. Wäre die Lohnerhöhung auf einen Sektor begrenzt, würden dessen Produkte gegenüber den anderen zu teuer und es müssten Leuet entlassen werde. Wäre die Lohnerhöhung auf die ganze Insel verbreitet, würden die Kosten des Produktes und damit die Preise um genau den Betrag erhöht werden müssen, der für die Löhne bezahlt werden muss. Offensichtlich ein Nullsummenspiel, bei dem nominal höhere Presie herauskommen (=Inflation).

Zitat:
Nur wenn gleichzeitig neue Beschäftigungsfelder im ausreichenden Maße parallel zur Produktivitätssteigerung geschaffen werden, kann die Arbeitslosigkeit aufgefangen werden.
Ja, so ähnlich habe ich das ja auch ausgedrückt. Menschen erknnen schon während des Vorganges dass sie Arbeitslos werden bzw. dass bald mehr Geld für andere Bedürfnisse da sein wird. Damit wird dann neue Arbeit erschaffen.
Und, wie gesagt, während einer kurzen Übergangszeit können Ersparnisse/Arbeitslsoenhilfe die Zeit überbrücken.

Zitat:
es kann auch sein dass die Farmer eine Preisabsprache treffen und die Preise nicht senken
Daswäre dann kein freier Markt mrh über den wir hier doch diskutieren. Dagegen muss ein Kartellamt vorgehen. Allerdings wäre selbst in diesem Fall das "Modell" nicht gescheitert, denn damit hätten die Farmer mehr Geld, das Nachfragewirksam wäre. Es würden in diesem Fall eben nicht die Breite Masse mehr Wohlsatdn ahben, sondern nur die (dann) reichen Bauern. Arbeitslos wäre deswegen immer noch niemand.

Zitat:
Es kann aber auch sein dass das Dorf Steuern erhebt und damit Arbeitslose finanziert, die sich nun als Lehrer oder Sicherheitskräfte verdingen, beide Möglichkeiten funktionieren ohne niedrigere Preise.
Wenn Lehrer oder Sicherheitskräfte gebraucht werden, dann ist das sinnvoll. Ansonsten ist zu bemerken, dass jede Steuer einen Nettowohlfahrtsverlust verursacht, daher sollten Steuern nur wenn unbedingt nötig erhoben werden.

Die beiden Beispiele, die du genant hast, sind alles mögliche Alternativen für die Verteilung des entstehenden WOhlsatndes. In keinem Falle wäre aber jemand arbeitslso, denn entweder wird das Geld von den Farmern ausgegeben um deren Bedürfnisse zu stillen, oder aber es wird über Steuern engesammelt, damit würde der Staat entscheiden welche Bedürfnisse gestillt werden sollen, oder aber es geht, wie von mir dargestellt, an alle Menschen (durch die niedrigeren Preise) und damit könnte jeder Konsument für sich entscheiden, welche Bedürfnisse ihm am wichtigsten sind. Entscheident ist nur, dass alle 3 Varianten funktionierten (in einem freien Arbeitsmark), wenn es darum geht Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn du das auch so siehst, dann sind wir einen Schritt weiter.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
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BeitragVerfasst am: 15 Mai 2006 - 02:27:54    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:

Die Theorie heisst "Kompensationstheorie" und ist ein anerkanntes Element der volkswirtschaftlcihen Grundlagen. Wie schon zuvor, empfehle ich dir erstmal eine Grundbildung in VWL. Im BWL/VWL Forum kann man dir mit Sicherheit ein entsprehendes Werk empfehlen.


Kompensationstheorie und anerkannt? Die war doch schon im ausgehenden 19. Jahrhunderten veraltet und widerlegt.

Sowogl der Marxismus als auch der Keynesianismus und Neokeynesianismu bestreiten die Kompensationstheorie energisch und gehen nicht davon aus dass die Makrookönomie eine systemimanente Tendenz zur Vollbeschäftigung aufweist.

Greifen wir wirklich neuere Methoden der Wirtschaftswissenschaften aus deutet sich an. dass sich Geld hinsichtlich der Beschäftigung als neutral verhält und nur die Inflation oder Deflation beinflußt.
Natürlich gibt es auch Neulebungen der klassischen Ökonomie aber das muss nicht bedeuten, dass diese auch stimmig sind.

Langfristig über Jahrhunderte lässt sich natürlich jede Entwicklung nivellieren, aber letztendlich bedeutet dies nur eine Tautologie, weil technische Entwicklungen nicht einfach wieder aufgehoben weerden können, weil sie eine echt Erleichterung darstellen. Das bedeutet aber nicht dass die im Zuge des Kapitalismus eingesetzten Rationalisierungsmaßnahmen mit der verbundenen Arbeitslosigkeit durch niedrige Preise aufgefangen werden können, weil sie die sinkende Binnennachfrage ignoriert.

Es müssen ausreichend neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden damit das geschehen kann. Darüber scheinen wir uns inzwischen einig zu sein.

Es ist aber überhaupt nicht gesagt, dass ausreichend neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden können, denn dazu sind eine Reihe von Bedingungen notwendig. Würden wir es über die freie Wirtschaft versuchen müsten wir Produkte oder Dienstleistungen anbieten die auch angenommen werden und zwar in ausreichender Anzahl, so dass die Arbeitslosigkeit tatsächlich kompensiert werden könnte. Vielleicht reicht das Produkt aber nur für ein Viertel der Arbeitslosen.

Was dann? Verhungern oder auswandern dürfen sie nicht, denn dann wird die Nachfrage ganz einbrechen. Genau das könnte aber geschehen, wie zum Beispiel in vielen gebieten in Osten wo genau das geschehen ist, die (westliche) Rationalisierung hat Millionen auf die Strasse befördert und der Ausgleich dass über die niedrigen Preise Arbeitsplätze entstehen wartet und wartet und wartet...... Statt dessen hauen die Menschen ab und verschärfen die Situation (Man kann es ihnen nicht übelnehmen und du verlangst es sogar). Dieses Beispiel zeigt doch, dass die These das einfach über die niedrigeren Preise neue Arbeitsplätze entstehen so nicht stimmt.

Sie sind einfach nicht entstanden und bestimmt nicht deswegen weil die Löhne in Ostdeutschland exorbitant hoch waren.

Mit freundlichen Grüßen
ein
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Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2006 - 07:06:00    Titel:

Bürger hat geschrieben:

Zitat:
Kompensationstheorie und anerkannt? Die war doch schon im ausgehenden 19. Jahrhunderten veraltet und widerlegt.
....

Langfristig über Jahrhunderte lässt sich natürlich jede Entwicklung nivellieren...


Kulturelle Entwicklung ist prinzipiell vom Bedeutungsverlust physischer Menschen-Arbeit auf Grund der Entlastung oder Beseitigung durch technische Hilfsmittel geprägt. Das öffnet den Weg zur Intensivierung geistiger Arbeit. Marktwirtschaftliche Einflüsse haben diese Dynamik innerhalb weniger Jahrzehnte revolutioniert und „neue“ Bedürfnisse samt „neuer“ Märkte entstehen lassen. Vieles scheint auf eine Beschleunigung dieser Dynamik hinzudeuten, was gleichzeitig geänderte Interpretationen der Erwerbsarbeit zur Folge haben muss. Denn typische Erwerbsarbeit verliert an volkswirtschaftlicher Gewichtung, weil sich Wohlstand und Wachstum zunehmend durch die Anwendung von Wissen definiert. Somit übernehmen Immaterialgüter eine entscheidende Dominanz.

Wie erklärst Du aus dieser Perspektive Deine Negierung der Kompensationstheorie bzw. wie könnten zukunftsweisend – was noch wichtiger wäre – zur abhängigen Beschäftigung erzogene Gesellschaftsmitglieder in die Produktion von Immaterialgütern einbezogen werden?
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2006 - 11:45:41    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Es müssen ausreichend neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden damit das geschehen kann. Darüber scheinen wir uns inzwischen einig zu sein.


Bestechende Logik: Damit Vollbeschäftigung herrschen kann, müssen ausreichend Menschen Beschäftigungen finden. Darüber sind wir uns nicht nur "inzwischen" einig.

Zitat:
Es ist aber überhaupt nicht gesagt, dass ausreichend neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden können, denn dazu sind eine Reihe von Bedingungen notwendig. Würden wir es über die freie Wirtschaft versuchen müsten wir Produkte oder Dienstleistungen anbieten die auch angenommen werden und zwar in ausreichender Anzahl, so dass die Arbeitslosigkeit tatsächlich kompensiert werden könnte.


Das ist nicht minder selbstredend: Wenn ich etwas herstelle oder anbiete, das niemand benötigt, bleibe ich oder werde ich ziemlich schnell arbeitslos.

In dem Zusammenhang spielt der Preis aber sehr wohl eine Rolle, und damit die Rationalisierung meiner Arbeit: Die Nachfrage bzw. der Absatz von neuen Produkten und Dienstleistungen steigt, sobald durch Rationalisierungsmaßnahmen der Preis genügend gesunken ist. Man vergleiche dazu einfach die Anzahl der Menschen, die heutzutage in der Automobilindustrie arbeiten, im Vergleich zu früher, wo ein Automobil einen Luxusgegenstand für Reiche darstellte. So entstehen auch über niedrigere Preise Arbeitsplätze. Der Preis entscheidet mit, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung zum Massenprodukt wird.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2006 - 13:23:28    Titel:

Dirk Nerge hat folgendes geschrieben:
Bürger hat geschrieben:

Zitat:
Kompensationstheorie und anerkannt? Die war doch schon im ausgehenden 19. Jahrhunderten veraltet und widerlegt.
....

Langfristig über Jahrhunderte lässt sich natürlich jede Entwicklung nivellieren...


Kulturelle Entwicklung ist prinzipiell vom Bedeutungsverlust physischer Menschen-Arbeit auf Grund der Entlastung oder Beseitigung durch technische Hilfsmittel geprägt. Das öffnet den Weg zur Intensivierung geistiger Arbeit.


Wie erklärst Du aus dieser Perspektive Deine Negierung der Kompensationstheorie bzw. wie könnten zukunftsweisend – was noch wichtiger wäre – zur abhängigen Beschäftigung erzogene Gesellschaftsmitglieder in die Produktion von Immaterialgütern einbezogen werden?


Die Kompensationstheorie soweit sie hier überhaupt so vertreten wird wie sie aus der frühkapitalistischen Phasen stammt wird eben nicht nur von mir sondern von großen Teilen der Makroökonomischen Modellen abgelehnt.
Die Argumentation ähnelt in gewisser Weise der Argumentation durch Senkung der Löhne die Wirtschaft anzukurbeln, eine These die von Keynes vertreten wird.

In der Tat wurde die Arbeitslosigkeit die in den 70 Jahren entstand in de keynesianischen Wirtschaftspolitikon als Effekt der technischen Produktivitätstseigerung betrachtet die eine Nachfrageschwäche initiierte.
Wie recht die Keynesianer mit diese Annahme hatten zeigt sich jetzt in der Arbeitslosenzahl, die durch die Abwicklung der gemessen an den Firmen im Westen relativ unproduktiven Firmen in kleinere produktive Firmen umzuwandeln oder ganz abzubauen entstand.

Das Problem ist dass keine Nachfrage im Westen oder im Osten diese Arbeitslosenzahl bis heute immerhin 15 Jahre danach abfangen konnte und das realistsichen Schätzungen von weiteren 15 -35 Jahren ausgehen bevor die Verhältnisse vergleichbar sind. Ähnliche Probleme sind im Westen der Republik im Ruhrgebiet anzutreffen. Trotz intensiver Bemühungen einen Strukturwandel zu initiieren und langsam alternative Industrien aufzubauen geschieht das nur sehr zäh und langsam begleitet von einer nahezu permanent hohen Arbeitslosigkeit.

Es scheint doch so zu sein, dass Keynes als mathematischer Logiker mit seinen Grundannahmen recht behalten sollte und die neoklassischen Theorien von einer Inhärenz der Ökonomie als falsch nachweisen.

Aber selbst wenn wir im Sinne eines Neokeynesanismus davon ausgehen dass sich das theoretisch langfristig durch das Saysche Theorem ausgleichen sollte, bedeutet dies, dass wir unter Umständen ein halbes Jahrhundert warten müssten, bevor eine ungeregelte Ökonomie lokale entstandende Arbeitslosigkeit ausgleichen würde, was für eine Generation in diesem Areal gleichbedeutend mit dem ökonomischen Gau käme und t im sozialen Kontext einer Bankrotterklärung der Ökonomie und Politik für die entsprechende Region gleichkommt, nach dem Motto, zieht lieber wegr hier, ist in den nächsten 50 Jahren nichts mehr los.

Genau das meine ich, wenn ich davon spreche dass es natürlich auch ein Szenario gibt, wenn wir alles so laufen lassen im Sinne einer sich selbst regelnden Ökonomie ohne staatliche Eingriffe. Die Frage ist nur, ob wir uns das leiten können und wollen. Eine tatsächlich steigende Kriminalität und eine erhebliche Senkung der Lebensqualität der ökonomischen Gewinner wären wohl die Folge.

Ich weigere mich daher aus verständlichen Gründen das als Lösung zu akzeptieren, weil es meiner Ansicht nach die sozialen Probleme eben nicht löst sondern auf unbekannte Zeit zementiert.

Zitat:

Marktwirtschaftliche Einflüsse haben diese Dynamik innerhalb weniger Jahrzehnte revolutioniert und „neue“ Bedürfnisse samt „neuer“ Märkte entstehen lassen. Vieles scheint auf eine Beschleunigung dieser Dynamik hinzudeuten, was gleichzeitig geänderte Interpretationen der Erwerbsarbeit zur Folge haben muss. Denn typische Erwerbsarbeit verliert an volkswirtschaftlicher Gewichtung, weil sich Wohlstand und Wachstum zunehmend durch die Anwendung von Wissen definiert. Somit übernehmen Immaterialgüter eine entscheidende Dominanz.


Da ich selber in diesem Bereich arbeite, kann ich sagen dass es auch hier verschiedene Ansätze gibt. Proprietäre Märkte haben aber auch ungeheure Abhängigkeiten geschaffen wie zum Beispiel die Dominanz der Firma Microsoft. Von einem freien Markt geistiger Produkte kann auch hier nur bedingt gesprochen werden. Wirklich neue und innovative Produkte haben es dagegen schwer sich am Markt geistiger Entwicklungen zu behaupten wenn sie sich gegen eine Monopole durchsetzen wollen. Im Moment scheint Open Source verbunden mit einem völligen Verzicht auf eine Lizenzkosten, zumindestens was den privaten Markt angeht, die einzige Möglichkeit zu bieten im "geistigen" Markt einzudringen und sich gegen die Allmacht ganz weniger Konzerne durchsetzen zu können. Die Patentpolitik begünstigt darüberhinaus finanzkräftige Unternehmen die sich alle möglichen Alogorithmen patentieren lassen können während kleine Entwickler an möglichen Lizenzkosten zu ersticken drohen. Auch hier funktioniert der Markt nicht im klassichen Sinne.

Natürlich werden in Zukunft viele Arbeitsplätze in diesen Bereich verlagert werden müssen, weil die reine Produktion materieller Güter zunehmnd automatisiert ablaufen wird. Allerdings werden Automatisation und Produktivitätssteigerung auch im IT-Bereich nicht halt machen und haben schon in verschiedenen Wellen strukturelle Arbeitslosigkeit produziert, weil in diesem Bereich tatsächlich der Effekt falsch qualifizierter Arbeitskräfte ungleich höher ausfällt als im konventionellen Betrieben.

Man kann oft eher aus einen Schweisser einen Bäcker und aus einem Maurer einen Butler machen, als einen Informatiker, der mit anderen Paradigmas groß geworden ist auf tatsächlich benötigte Arbeitsweisen umzuschulen.


Dieses Zitat stammt von mir und ist Ausdruck persönlicher Erfahrungen in diesem Bereich, die von vielen geteilt werden. Es zeigt sich, dass das Problem struktureller Arbeitslosigkeit auch im IT-Feld existiert. Die tatsächliche Anzahl arbeitsloser Spezialisten aus dem IT-Bereich ist also nicht unbedingt Ausdruck einer ökonomischen Krise sondern eben auch einer versteckten strukturelle Arbeitslosigkeit, die nur deswegen nicht gesehen wird, weil die Öffentlichkeit, die Agentur für Arbeit und die Personalmanager aus der Industrie die tatsächlichen Aufgaben und Qualifizierungen nicht wirklich beurteilen können. Wer aber beim Arbeitsamt nachfragt und Spezialisten für bestimmte Bereiche sucht wird bitter enttäuscht, mit den Qualifikationen und Erfahrungen, welche die Betroffenen im IT-Umfeld gesammelt haben, lässt sich meistens herzlich wenig anfangen, so bitter das für die Betroffenen auch klingt.
Das Problem wird dadurch verschärft, dass qualitativ relativ hochwertige Ausbildungen als Umschulungsmaßnahmen von der Agenur für Arbeit komplett gestrichen wurde, so dass schon jetzt eine neue Krise durch Mangel an Spezialisten prognostiziert wird und die Entwicklung bremsen wird. Wohlgemerkt bei gleichzeitig hoher struktureller Arbeitslosigkeit. Die Regierung hat im Verbund mit den IHK's zwar ein ausgefeiltes Konzept der Weiterbildung konzipiert, allein es fehlt an der Finanzierung des Ganzen im großen Stil. Die Hoffnung dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter selbst weiterbilden ist nur ganz rudimentär zu beobachten. Hier sollte der Staat eingreifen und Geld in die Ausbildung stecken. Das würde Arbeitsplätze schaffen, Arbeit ist genug da. Hier ist also das Problem dass die Bedürfnisse einer potenziell wachsenden Industrie und einer Volkswirtschaft existieren und der Staat voll auf die Bremse getreten hat, indem er die Umschulung in diesem Bereich nahezu gestoppt hat, um so den Forderungen nachzukommen die Ausgaben der Agentur für Arbeit zu reduzieren, ganz im Sinne einer sich selbst regelnden Ökonomie, die dann so aussieht, dass uns andere in der Entwicklung überflügeln werden.
Langsam beginnt auch hier wieder ein Umdenken, dass es ohne den Staat nur mit freiwilligen Absichtserklärungen der Industrie nicht geht. Denn da ist vielen das eigene Hemd immer noch näher.

Das als kleiner Exkurs zu fehlenden staatlichen Eingreifen und die Auswirkung auf die Ökonomie in einem speziellen Bereich.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 15 Mai 2006 - 22:55:01    Titel:

Neo-Liberale Vitalpolitik?

Bürger hat geschrieben:

Zitat:
In der Tat wurde die Arbeitslosigkeit die in den 70 Jahren entstand in de keynesianischen Wirtschaftspolitikon als Effekt der technischen Produktivitätstseigerung betrachtet die eine Nachfrageschwäche initiierte.


Produktivitätssteigerungen würden nicht zu einer sinkenden Konsumnachfrage führen, wenn den Märkten politische Einflüsse, worunter auch politische Mentalitäten zu verstehen sind, weitgehend erspart blieben. Denn derartige Einflüsse installierten bislang Mechanismen, die marktwirtschaftliche Prinzipien einengten und dadurch die Sicht auf Transformationen verdeckt bzw. dafür das Bewusstsein erschwert haben.

Der Keynesianismus verfolgt eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik, die, bezogen auf die Sozialpolitik, den Arbeitnehmern einen erheblichen Teil der individuellen Daseinsvorsorge abgenommen und so deren Konsumneigung vorübergehend gesteigert hat. Dieser Prozess wäre jedoch als einseitiger und materialistischer Konsummechanismus zu bezeichnen, der bezüglich der Wertung des Konsums eine doppelte Moral zur Folge hat und so die vom Konsum ausgehende Schlüsselfunktion für die soziale und ökonomische Dynamik und Gestaltung verkennt.

O.a. Konsummechanismus lässt nämlich die Tendenz zur „Konsumarbeit“ größtenteils unberücksichtigt. Danach werden Konsumenten zunehmend in Aufgabenbereiche einbezogen, die zuvor zum alleinigen Betätigungs- bzw. Forschungsbereich der Unternehmungen gehörten. Gemeint sind Maßnahmen, die über den gewöhnlichen Bereich der Kundenbeziehungen hinausgehen und vereinzelt schon in den 1990er Jahren als Interfusion, also einer Form der Verschmelzung zwischen Unternehmen und (potenziellen) Kunden, bezeichnet wurden. Diese sich abzeichnende Tendenz, auch am Beispiel von Open Source ersichtlich, ist Ausdruck der verfließenden Grenzen zwischen (Erwerbs-) Arbeit und Konsum. Konsum veranlasst so zu aktiver Gestaltung bzw. Mitwirkung durch den Konsumenten. Die eher mechanistischen Auslegungen, dass (Massen-) Konsum als Surrogat der durch monotone Arbeitsverrichtungen verursachten Einengungen menschliche Begabungen aufzufassen wäre, wird sich jedenfalls nicht dauerhaft bestätigen. Letztendlich wird es auch nicht mehr um Massenkonsum gehen.

Durch den Einbezug des aktiven, arbeitenden Konsumenten, scheinen sich Innovationen zu beschleunigen, worauf auch Entwicklungen des Internets hindeuten bzw. dort Bündelungen erfahren.

Konsum im keynesianischen Sinne, dass es lediglich genügt, die Nachfrage über staatliche Interventionen zu beleben, hat auf Dauer kaum eine effektive Überlebenschance. Konsumenten bleiben insoweit keine beliebig und mechanistisch regulierbare Masse. Denn die Sinnproduktion wird auch eine Angelegenheit der Konsumenten und ist weder zentral noch statisch fixierbar. Darauf weisen schon Marktsegmentierungen hin, die als Vorreiter der o.a. Konsumarbeit betrachtet werden könnten. Konsum wird also zur Basis für Innovationen und hebt im eigentlichen Sinne den in „Arbeiter“ und „Konsumenten“ gespaltenen Menschen auf. Diesem Prozess ist eine ökonomische Demokratisierung immanent, wie bereits von fallenden Preisen durch Produktivitätssteigerungen demokratische Elemente ausgehen. Doch die hierarchische Denkstruktur mancher Politiken scheint die Relevanz dieses Prinzips unbeachtet zu lassen, indem die Antworten – wie sollte es auch anders sein – allein in der Politik gesucht werden. Die Kompensation erfolgt zumindest in der Weite des Raumes oder ist eine Frage der Zeit Wink

Doch o.a. Basis sollte nicht durch (sozial-) politische Regulierungen, die eher Standards zementieren und Entwicklungen blockieren, zerstört werden. Deshalb bedarf es einer dem ursprünglichen Neo-Liberalismus nahekommenden Vitalpolitik. Das heißt, dass unternehmerische Selbständigkeit hinsichtlich der zukünftigen Dominanz von Immaterialgütern (u.a. Ideenfindung und -umsetzung) zu fördern wäre. Einzig ein Grundeinkommen, das über dem Existenzminimum liegen sollte, sollte die Vitalpolitik ergänzen. Das Grundeinkommen wäre so vielmehr als Entlohnung für die Lieferung von „unfertigen Ideen“, an denen quasi die gesamte Bevölkerung mehr oder weniger in mittelbarer oder direkter bzw. in bewusster oder unbewusster Hinsicht tätig ist, zu begreifen. Entscheidend ist das Verständnis zur Bündelung der so zu erwartenden Ideenflut. Dazu bildet die Vitalpolitik die entsprechenden Experten aus, denen ohne weitere Einschränkung die geistigen Eigentumsrechte samt Verwertung zugesichert werden.

So würde ebenfalls eine Umwertung der Mentalität des Sozialen erfolgen: nicht die Gefahr des sozialen Abgrunds, sondern die Chance des Aufstiegs und permanente Neuerung würden zum Primat des Sozialwesens.

Um Missverständnissen vorzubeugen, Konsumarbeit im obigen Sinne muss nicht bedeuten, den ganzen Tag an Ideen zu brüten. Es darf davon ausgegangen werden, dass jeder Mensch zumindest eine mehr oder weniger geniale Idee in sich trägt. Und natürlich werden sich die Menschen auch weiterhin mit bestimmten Formen der Erwerbsarbeit beschäftigen. Nur wird die typische Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen, an volkswirtschaftlicher Bedeutung verlieren. Deshalb ist nach Alternativen zu suchen. Ob dieser Text Alternativen darstellt, liegt nicht in der Einschätzung seines Verfassers. Es hat ganz einfach nur Spaß gemacht, so etwas in die Welt zu setzen.

Noch kurz zum Neo-Liberalismus: es darf noch gesagt sein, dass es mittlerweile „den“ Neo-Liberalismus eigentlich nicht mehr gibt. Denn oftmals haben politische Entscheidungen, die eine Reduktion sozialstaatlicher Leistungen bewirken wollen, wenig mit dem ursprünglichen Neo-Liberalismus um Rüstow, Eucken, Röpke, von Mises, von Hayek usw. gemein. Nicht alles, was den Sozialstaat abzubauen vorgibt, ist neo-liberal. Ob allein der ursprüngliche Neo-Liberalismus, auch in ihm gab es abweichende Meinungen, die optimale Lösung beinhaltet, kann kaum beantwortet werden. Denn ebenso ungewiss wird es sich wohl mit sämtlichen Ideenangeboten verhalten. Wahrscheinlich wird der jeweilige Mix von Bedeutung sein, der allerdings nicht in der „goldenen Mitte“ liegen muss, vielleicht dort auch gar nicht liegen sollte.
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