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Was heilt in der Psychotherapie?
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Salvini
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Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 754

BeitragVerfasst am: 19 Mai 2006 - 06:52:51    Titel: Psychoanalyse als Spiegel?

Der Anspruch der Psychoanalyse, Heilung zu bewirken, wird auch mit der "Spiegel Funktion" des Psychoanalytikers begründet.
Wie dieser erlebt wird, sei allein durch Projektionen des Analysanden zu erklären, deren Rücknahme zur verstärkten Selbsterkenntnis und damit zur psychischen Integration und Heilung führe.

Dies sollte man kritisch angehen.
Wolfo
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Anmeldungsdatum: 18.04.2006
Beiträge: 258

BeitragVerfasst am: 19 Mai 2006 - 21:28:23    Titel:

Wieso denn Spiegel und wer ist es, der so die Funktion und das Wirken eines Psychoanalytikers begründet? Wenn nur 1 zu 1 vom Analytiker zurückgeworfen würde was der patient von sich gibt, wie sollte das bei dem heilsam wirken? So weit mir bekannt, handelt es sich bei der Psychoanalyse um eine "Einsichtstherapie", d.h. es stellt die Aufgabe des Analytikers dar, aus den für Laien meist sehr rätselhaften Symptomen (- u.a. auch Symbolen in den Träumen, oder Freudschen Fehl- bzw. Richtigleistungen -) seines Patienten Diagnosen zu erheben (vor allem anhand der Freien Assoziationen). Die Diagnosen erklären wiederum die ursächlichen Zusammenhänge der Entstehung seines Leides, und dies ermöglicht zuletzt die eigentlich therapeutisch wirksamen, wirklich Leidens-beseitigenden oder Glücks-fördernden Korrekturen des Verhaltens.

Spiegel hört sich schön an (suggeriert ja irgendwie den Vorgang der Selbsterkenntnis, die sich tatsächlich erst auf dem Wege der Traumdeutung, innerlich blickend, am besten gewinnen läßt), würdigt aber meiner Ansicht nach weder im Ansatz, was ein Analytiker noch was ein genesener Expatient leistet bzw. - hat.

Wahr ist jedoch, denke ich, daß die Heilung mit der Rücknahme von "Projektionen" einherschreitet, weil diese bilden im Hirn der 'projektoren' nicht die Wirklichkeit ab, sondern überdecken sie sie so ähnlich wie ein Kinofilm die leinwand. Projezierende Patienten erkennen somit nicht, wer und was sich hinter den zur Leinwand reduzierten Mitmenschen verbirgt; das ist ein Teil des Leidens, weil während dessen niemand wirklich mit dem anderen interagiert...
Salvini
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Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 754

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2006 - 00:33:01    Titel: orthodoxe Psychoanalytiker

Meines Wissens war es Freud selber, der die Spiegel Metapher definierte.
Dies war auch ein Grund, weshalb der Analysand den Analytiker nicht sehen sollte.
Der Analysand sollte die "Realität des Analytikers" nicht mitbekommen und somit einfach nur sein Inneres "enttarnen" und irgendwann zu Selbsterkenntnis gelangen.

Klassische Psychoanalytiker fragen während der Analyse häufig: Wie erleben sie mich?

Sie gehen eben davon aus, dass die Antworten (etwa: Sie sind bösartig, fromm oder was auch immer) nicht real ihre Person betreffen, sondern Projektionen sind, die zurückgenommen werden müssen.

Die sog "Abstinenz" des Analytikers gegenüber seinem Klienten wird manchmal mehr oder weniger scherzhaft mit einer Metapher beschrieben.
Wenn ein Analytiker in einer Gaststätte speist, und ein Klient kommt rein, läßt er das Essbeseck fallen und geht, damit dieser nichts von der menschlichen Realität des Therapeuten mitbekommt,er eben auch Spiegel bleibt.

Freud trennte sich eisig sofort von seinem Lieblingsschüler Ferenczi, als dieser zur Auflockerung der Spiegelfunktion aufforderte und menschliche Zuwendung als Analytiker geben wollte.

In der Praxis wird wohl dieses Prinzip von den meisten durchbrochen, doch gibt es wohl immer noch klassische Freudianer, die "nur Spiegel sein wollen".

Ich halte dieses Prinzip und die Theorie dahinter auch nicht für gut und will sie zur Diskussion stellen.

MfG
Wolfo
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Anmeldungsdatum: 18.04.2006
Beiträge: 258

BeitragVerfasst am: 20 Mai 2006 - 11:09:55    Titel:

Hmm, gut. Und wodrüber möchtest Du genau diskutieren? Darüber daß die zwanghaften Projektionen eigentlich nur ein Symptom sind für die Verwicklung in Probleme, die meist aus der Kindheit stammen? Die also von selbst verschwinden in dem Maße wie man seine Schwierigkeiten über die Ergründung seines Unbewußten verarbeitet? Daß der Analytiker nach Möglichkeit nichts unternehmen sollte, die Schwierigkeiten zu verstärken, versteht sich ja von selbst, das heißt aber noch lange nicht, daß es erforderlich wäre auch erotischen Kontakt z.B. oder sonstige gemeinsame Interessen (Sport, Kunst, Wissenschaft ect.) zu meiden, vor allem wenn man Laientraumdeutung mit seinen Freunden und Bekannten praktiziert. Es gibt aber dennoch Aspekte zu bedenken, wann und ob man es tut, aber erstmal


zu Freuds Spiegelmaßnahmen, die
m.A.n. aus zweierlei resultieren:

Einerseits relativ große Unerfahrenheit (schließlich hatte er die Methode gerade erst entwickelt), deren Überwindung bestimmt bald zur Bendigung der Regel geführt hätte, der Patient solle dem Analytiker beim Assoziieren über die Symbol der Träume nicht ins Gesicht schauen und überhaupt möglichst nichts von ihm wissen.. Die Frage "Wie erleben sie mich?", dient dabei m.E. der Überprüfung, wie es um die sog. "Übertragung" der eingeprägten Beziehung des Patienten mit seinen frühkindlichen Bezugspersonen auf seinen Analytiker aktuell bestellt ist - eine Frage, der sich auch der Analytiker selber zu stellen hat, wegen der "Gegenübertragung". Schließlich sind Analytiker auch nur Menschen und nicht gefeit z.B. gegen eine "Verliebtheit" oder umgekehrt: genauso irrationale weil Kindheitsbedingte Aversionen...

Anderseits hegte Freud Bedenken wegen Verletzung der ethischen Konventionen im Ärztestand (- teils die selben wie die zur Regulierung der Beziehung von Lehrer zu Schüler -), denn er war finaziell abhängig von seinen Patienten. Also auch vom guten Ruf der Psychoanalyse, bzw. Aufrechterhaltung deren Legalität oder besser gesagt Duldung...

Ob das bei Freuds 'Entsetzen' wegen Ferenzis Plan mit reinspielt, weiß ich nicht genau, ist aber sehr wahrscheinlich. Außerdem kann sein, daß Ferenzy seine Defizite im analytischen Denken durch 'Schmusen' kompensieren - also die PA sozusagen von einer Einsichts- zu einer Kuscheltherapie verwandeln wollte -- auch nicht gerade im Sinne Freuds. Und noch bedenklicher wäre, falls in Ferenzis Vorhaben der Reiz mitreingespielt haben sollte, die 'positive' Übertragungsphase von seiten der PatientInnen, welche sich oft in Form einer 'ganz normalen' Verliebtheit äußert (begleitet von entsprechend liebesblinden Projektionen), mit seinen eigenen erotischen Interessen und/oder auch Verliebtheiten zu 'kombinieren'.

Auch hierbei hätte Freud recht guten Grund gehabt, dem kleinen Kronprinz die Zustimmung zu verweigern, auch und erst recht für den Fall, daß er das Glück gehabt haben könnte Laienanalytiker zu werden, die ihre PatientInnen nicht einmal finanziell ausbeuten, bzw. keinerlei Handel eingehen, weder Geld gegen die Analyseleistung tauschend noch Naturalien. Nicht, um ihnen eine Projektionsfläche zu entziehen, sondern schlicht weil es unmenschlich ist, die Notsituation seiner lieben Nächsten zum eigenen vermeindlichen Wohle zu nutzen.
Salvini
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Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 754

BeitragVerfasst am: 21 Mai 2006 - 18:29:13    Titel: Keine Spiegelfunktion möglich

Nebenbei: Ich habe auch Freud Analyse gemacht, lernte dann einen Jungianer kennen und ging in die Richtung.
(Nichts gegen Freud. Ich sehe es heute gelassener. Jung ist ohne Freud nicht denkbar.)

Es geht vor allem um folgenden Punkt.

Der Analytiker kann schon deswegen kein Spiegel sein, da ihn der Analysand sieht (bei der Begrüßung), in Aufnahmegesprächen mit ihm gesprochen hat, etc.

Darauf reagieren die Archetypen, die Instinktpotentiale im Geist des Analysanden mit Symbolbildungen , etwa in Träumen.

Ich träumte mal von meinem Analytiker, er wäre wie Stalin.
Dies ist nach meiner Interpretation keine Übertragung, keine Projektion, die zurückgenommen werden müßte, sondern eine "Leistung" eines inneren archetypischen Potentials, das "hellsichtig" Wesenszüge des Analytikers erfasst und diese in Träumen darstellt.


PS: Du scheinst eine naturwissenschaftliche Sicht von Psychotherapie und ihrer Wirkung anzustreben.
Wolfo
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Anmeldungsdatum: 18.04.2006
Beiträge: 258

BeitragVerfasst am: 21 Mai 2006 - 21:07:14    Titel:

Ja, tue ich. Weil wenn man beurteilen können möchte was ein pathologisches Verhalten, Denken und Empfinde wäre, so setzt dies den besitz eines fundierten - d.h. von Einbildungen, Aberglaube und sittlichkeits-erziehungsbedingten Strafängsten möglichst freies "Gesundheitsmodels" voraus. Dazu finde ich wirklich die Sondierungsmethoden und -werkzeuge der Wissenschaft unerläßlich. Noch eine Bedingung ist außerdem, daß man sich für den Entwurf genannten Models einer intakten PhysioPsyche an der "Natur" orientiert, d.h. an ihren Gesetzen und Phänomenen, so weit bekannt und plausibel. Z.B. den evolutionären Entwicklungsprozess der belebten Materie vom Ureinzeller bis hin zur "Krone der Schöpfung" (nach Mendel und Darwin) und das von Konrad Lorenz' "Etologie" erforschbar gemachte Verhalten undomestizierter Lebewesen in freier Wildbahn, wobei die uns genetisch am nächsten verwandten Arten: die Menschenaffen und darunter speziell die Schimpansen, von vorangigem Interesse sind...

Naturwissenschaftliche Fundiertheit war bei Freud, ein Darwinsjünger und Biologe, von oberster Priorität, weil schien ihm - wohl mit Recht - unsere gesamte patriarchalische Gesellschaft neurotisch "instinktverarmt" (Siehe dazu auch "Das Unbehagen in der Kultur").. Orientiert man sich nur an dem Verhalten, Denken und Empfinden solch' psychisch/ emotioneller Krüppel wie wir alle es demnach sind oder sein könnten, wird sich ein Gesundheitsmodell nie gewinnen lassen; vollkommen utopisch. So kommt, daß die meisten naiven oder ignorantenPsycho- und Soziologen lediglich den statistischen Querschnitt aller Perversionen, das "Normale", für gesund erklären, und wundern sich dann, wenn dabei nicht viel mehr herum kommt als die Profitmaximierung der Psychopharmakaindustrien mit ihren viele bunten Pillen... Natürlich ist das auch nicht gar so schlecht - in den Augen der Gesellschaftsführer, -architekten, Reichen, Schergen und Schinder -, denn der gesunde Mensch, der keine Ersatzbedürfnisse kennt, nicht nach Macht und Prestige strebt, ohne Drang nach Selbst- und Fremdausbeutung seiner Nächsten zurecht kommt, sich niemandem unterwirft und selbstlos einsetzt für seine in Not geratenen Artgenossen, ist - da vollkommen im Zustand des "Glücks" lebend - vollkommen unbrauchbar - inprofitabel für unsere kranke, ins "Leiden" verkerkerte Gesellschaft...

Allerdings! die wissenschaftliche "Fakten"-Forschung hat ihre Grenzen, einen Anfang und ein Ende im Kreis des Denken. Denn bekanntlich verhält es sich mit dem rationalen Denken allein genommen nur nach dem Schema "Alles ist Relativ". So braucht man unbedingt ein gewisses Minimum von Restkontakt zu das "Weise" in sich und in allem, aus dem der Kosmos mit all seinen Dingen und Wesen von selbst emporwächst ( in das zurückkehrend er auch wieder verschwindet), und das die eigentliche Instanz darstellt, welche unsere Kopfansichten entweder verwirft, weil sie absurd sind, oder genehmigt, mit Unfehlbarkeit, denn es hat immer und nur Recht, diskutiert nicht. Man muß also auch ein MYSTIKER sein (- ein echter freilich,* wie Meister Eckehart, der nicht ohne Grund von der Kirche verklagt wurde, während die Pseudemystiker in extatischer Verzückung ihre Augen zu Gott der Allmächtige erhoben und wegsahen -), und nicht nur Naturwissenschaftler, wenn man Arbeit mit Kopf und Fuß leisten will, ganz besonders hinsichtlich den Theorien des entweder wahrhaftigen Mensch-Seins oder umgekehrt: unseren psychischen Perversionen/ Neurosen, Psychosen, "Ersatzbedürfnissen" anstelle der naturgemäßen, gesunden. (/* schau mal hier: http://www.pinselpark.org/philosophie/e/...pred_selig.html )


Ob es sich bei dem Traum mit Deinem im "Stalin"-Symbol verkleideten Analytiker wirklich um "keine Übertragung, keine Projektion, die zurückgenommen werden müßte" handelt, darf ein Analytiker der Freudschen Schule weder ohne weiteres bestätigen noch verneinen.

So weit für mich zu beurteilen, hätte zwar Jung keine besonderen Schwierigen damit gehabt, Dir eine schnelle Auslegung zu präsentieren ((- er wollte ja im Besitz einer Schablone gewesen sein: die sog. "archetypischen" Symbole mit ihren von ihm selbst festgesetzen Bedeutungen, welche sich universal auf alle Träume anwenden lasse -)), als Freudianer jedoch dürfte ich DAS auf keinem Fall! machen. Es wäre meine Pflicht, Dich zunächst zum "Freien Assoziieren" über "Stalin" und alle weiteren Symbole einschließlich "mein Analytiker" aufzufordern, mir den gesamten Traum zu erzählen und ihm zum Abschluß eine gefühlsmäßig passende Überschrift aufzusetzen. Erst darnach könnte sich der Analytiker an seine weitere Aufgabe begeben, Dir den VERSUCH einer Auslegung vorzulegen, damit Du sie überprüfest, kritisierst, vertiefst oder von grund auf anzweifelst, um bei Bedarf - falls Deine Argumente fundiert wären - einen ganz neuen Versuch zu unternehmen. "Diskussion" auf gleicher Augenhöhe, ist ein wesentliches Bestandteil im therapeutischen Bestreben der Freudschen Schule; es stellt auch einen Aspekt gesunder Zwischenmenschlichkeit dar, an die sich leider Gottes, zu vor allem seinem leide, so gut wie kein mensch zu halten vermag, weder viele Freudianer noch normale Bürger oder andere Therapeuten. Ihre Unvollkommenheit oder gar ihr totales Versagen, sagt aber nichts über die Fundiertheit oder Unbrauchbarkeit der Psychoanalyse aus; sie ist ein Instrument, nicht der, der es gut oder schlecht handhabt...

Kurz gesagt: Ich habe zwar meine eigenen Vorstellungen von "Stalin", sie sind aber höchstwahrscheinlich sehr verschieden von Deinen, und weil es absolut unvorhersehbar ist - "frei" eben -, wie Deine Assoziationen ausfallen würden, muß ich als Freudianer so tuen, als käme ich vom Mond und hätte absolut von nichts eine Ahnung.

Gute Traumdeuter gehen so unvoreingenommen an ihre Arbeit wie ein neugeborenes Kind - mit der sokratischen Einstellung, wonach das ICH nur weiß, daß es nichts weiß./ die Instanz für "Glaube" ist). Denn das Weise wohnt nicht im Kopf, es lebt im ES, in der Triebenergie "Libido" - auch genannt "E" Einsteins - die den Kosmos erschafft und gestaltet. Und so auch uns, seine Werkzeuge - griechisch: "organons"...

"Nicht die Ärzte heilen, sondern die Natur" (Zitat Freuds) - eine der vielen Erkenntnisse, die er dank seiner Methode der Traumdeutung, dem Königsweg in das Unbewußte", gewonnen hat. Damit wäre also an sich die von Dir als Überschrift für diesen Thread gewählte Frage beantwortet.
zak
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Anmeldungsdatum: 13.09.2005
Beiträge: 426

BeitragVerfasst am: 22 Mai 2006 - 17:25:02    Titel:

Entschuldige bitte, habe ich das richtig verstanden? Du meinst, Freud habe naturwissenschaftlich fundiert gearbeitet?
Das ist mir neu. Freud hatte doch nie Interesse daran, seine Thesen objektiv zu prüfen. Seine Modelle sind reine Kopfgeburten und es gab weder von ihm noch von seinen Anhängern je Bestrebungen zu testen, ob es z.B. so etwas wie Übertrageung, Projektion, Abwehrmechanismus, verdrängte Traumata etc. gibt oder nicht. Im Gegenteil, Freud hat Versuchen anderer, seine Theorien empirisch zu überprüfen, immer ablehnend gegenüber gestanden. Immerhin hat es ihn auch dann nicht interessiert, wenn eine Bestätigung seiner Überlegungen gelang.
Salvini
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Anmeldungsdatum: 02.08.2005
Beiträge: 754

BeitragVerfasst am: 23 Mai 2006 - 18:17:57    Titel: Freud hat viele Gesichter

Ein Grund, warum es wohl schwer ist, Freud wirklich gerecht zu werden, ist, dass er keine einheitliche Theorie formuliert hat, sondern eine Vielheit von Ansätzen, die er ständig weiterentwickelte, korrigierte, etc.

Sicher ist da viel Brauchbares, aber auch Bedenkliches und zu Kritisierendes, Geniales und tatsächlich auch Weltbewegenes.

Insofern wird es "den Freudianer"auch gar nicht geben, sondern nur eine persönliche Antwort, die ein Mensch, ein Therapeut aus der Auseinandersetzung mit Freud gefunden hat.

Aus bestimmten Gründen liegt mir Jung allerdings mehr.

Aber im Freud Jahr bleibt festzustellen,dass er ein großer Mann war und die Welt verändert hat.
Er wird noch vielen Menschen Anstöße geben für die hier gestellte Frage: Was heilt in der Psychotherapie?
Wolfo
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Anmeldungsdatum: 18.04.2006
Beiträge: 258

BeitragVerfasst am: 23 Mai 2006 - 23:06:37    Titel:

Ein Grund, warum es wohl schwer ist, Freud wirklich gerecht zu werden, ist, dass er keine einheitliche Theorie formuliert hat, sondern eine Vielheit von Ansätzen, die er ständig weiterentwickelte, korrigierte, etc.

Das ist einer wesentlichsten Gründe mit, ja.



Sicher ist da viel Brauchbares, aber auch Bedenkliches und zu Kritisierendes, Geniales und tatsächlich auch Weltbewegenes.

Es ist so, daß neben dem vielen weltbewegend genial Gedachten weil empirisch Belegtem, auch einiges nur richtig (logisch korrekt) Gedachte mit empirischen Gegenbeweisen vorliegt, einfach weil die Grundannahme sich heute als unhaltbar herausstellte. "Bedenkliches" habe ich nirgendwo entdecken können - nicht im Sinne von bedenklich feige oder bedenklich übermutig. Ich nehme an, daß Freud diese Sachen vernichtet hat... Man hört ja so einiges über seinen Fleiß, auch in dieser Hinsicht...


Aus bestimmten Gründen liegt mir Jung allerdings mehr.

Nun. Wenn Jung der bessere Mann mit der fundierteren Theorie gewesen sein sollte, dann und NUR dann müßte ich Dir herzlich gratulieren und mich schleunigst auf seine Spuren begeben, d.h. ein Freud-Dissident werden. Denn wenn es so ist wie angenommen, dann werden aus seiner Theorie die vielen Anstöße beantwortet werden, die Freuds Theorie bei vielen Menschen in Sachen der hier von Dir mutig vorpreschend gestellten Frage "Was heilt an der Psychotherapie" erregen wird. Denn der bessere Mann liefert ja die Antworten, die der schlechtere nicht selber finden kann, und wirft weniger Fragen auf.

Bist Du Dir aber sicher über die Berechtigung der bestimmten Gründe, wegen denen Dir Jung mehr als Freud liegt? Ich meine, es könnte sein, daß Freuds Theorie derart viel stringenter und lückenloser als Jung seine ist, daß die zu heilenden Anteile Deines Charakters sich von ihr sozusagen 'in die auswegslose Ecke' gedrängt fühlen bzw. gefühlt haben, als Du noch bei Freud auf der Coutsch warst.

Jedemfalls kann ich für meinen Teil jetzt endlich - nachträglich - auch restlos aufklären, wieso ich einmal von meinem freudianischen Analytiker in Gestalt des "Hitler"-Symbols geträumt habe. Der Unterschied zwischen uns könnte freilich sein, daß - während ich mich durch Freuds Werke gearbeitete und die Hitler-Projektion schließlich exorziert habe - Du die Flucht nach vorn - 'aus der Ecke' raus - ergriffen und in C.G. Jungs Theorie mehr Raum für Deine sich nicht heilen lassen wollenden Charakteranteile entdeckt hast.

Das wäre logisch, wenn - und nur dann, WENN - Freud der besser Mann war. Nur kann ich weder ohne weiteres genau beurteilen wie weit und gut Du Dich durch Freuds Werke gearbeitet hast (- obwohl die meisten nie erkennen, was Du eingangs an voll zutreffender Einschätzung von Freuds Werk bzw. dem bei Außenstehenden auftretenden Beurteilungsproblemen hinterlegtest). Noch kenne ich den genauen Inhalt der "bestimmten Gründe", wegen denen Dir mehr an Jung liegt. Erzähl mal ein bißchen von Deinen Schwierigkeiten und liefere einen Traum bei, mit Freien Assoziationen. Lass' Dich nicht von Deinen Widerständen/ - Achtung! wegen den Stalinprojektionen -) abhalten. Und wenn Du genaueres zum Wie und Wozu der Traumdeutungsmethode Freuds auf dem gegenwärtigen, von den damaligen Umwegen bereinigten Stand der Naturwissenschaft erfahren möchtest, könntest Du Dich meiner Ansicht nach sehr gut auf dieser Seite informieren:

http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html


Alles Gute und viel Spaß!

Dein Wolfgang
Physiklaie
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Anmeldungsdatum: 20.05.2006
Beiträge: 36

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 06:09:46    Titel:

Zitat:
Im Raum stand die Frage: Was soll denn da heilen?

Deutungen?
Erinnerungen an die Kindheit?
Nacherleben?
Einsichten?

Davon immer noch inspiriert und ein wenig traumatisiert frage ich:
Was sucht jemand in einer Therapie?
Was kann wirklich helfen?


Ganz einfach formuliert: es heilt die Behandlung, bzw der Behandlungsprozess.
Konkreter formuliert: Eine neurotische Störung basiert psychoanalytisch gesehen auf eine bestimmt festgefahrene 'Konstruktion' des seelischen 'Apparates'. Diese wird im Laufe der Behandlung wieder verfügbar, bzw beweglich gemacht, indem man u. a. die genannten Techniken anwendet:
Deutungen= in Zusammenhang bringen mit anderen Erlebnissen
Erinnerungen= die Entwicklung von etwas verstehen
Nacherleben= ? ich weiss nicht was damit gemeint ist...
Einsichten= verstehen lernen, was und wie man bisher mit Wirklichkeit umgegangen ist

Das, und viele andere Techniken mehr...
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