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Ärztestreik
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friendlyfox
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Anmeldungsdatum: 25.09.2005
Beiträge: 1342
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BeitragVerfasst am: 19 Mai 2006 - 09:55:21    Titel: Ärztestreik

Wenn ich mich nicht irre, dann gibt es hier keinen aktuellen Thread der sich damit befasst oder?

Was haltet ihr davon? Sind die Forderungen gerechtfertigt?

Kernforderungen des Marburger Bundes

Das sind die Kernforderungen des Marburger Bundes bei den Tarifverhandlungen mit der TdL:

* Wiederherstellung tariflich gesicherter Arbeitsbedingungen durch den Abschluss eines arztspezifischen Tarifvertrages.

* Rücknahme der Kündigungen der Tarifverträge zur Arbeitszeit sowie zum Weihnachts- und Urlaubsgeld, die zu Einkommensverlusten von bis zu 20 Prozent geführt haben.

* Einführung einer eigenen Gehaltsordnung für Ärzte, um jede fachliche Qualifikation und spezifische Tätigkeit angemessen zu bewerten.

* Leistungsgerechte Vergütung für die Leistungsträger in den Kliniken. Wir fordern eine Erhöhung der Ärzteeinkommen um 30 Prozent.

* Vollständige Vergütung sämtlich erbrachter Arbeitsleistungen.

* Bessere Arbeitsbedingungen durch die Einführung praxisnaher
und praktikabler Arbeitszeitregelungen im Sinne der Ärzte und Patienten.

* Abschaffung kurzzeitig befristeter Arbeitsverträge.

* Abbau bürokratischer patientenferner Tätigkeiten.

* Sicherstellung von Forschung und Lehre innerhalb der Arbeitszeit.

Wie wirkt sich das auf das Gesundheitswesen aus, sollte man den Forderungen nachgehen. Politiker meinten schon, die Forderungen seien zu hoch und man habe jetzt schon ein Defizit in den Kassen. Und um die Kosten zu bezahlen, müsse man Beiträge der Krankenkassen um 1% erhöhen, um das Defizit nicht noch zu vergrössern...

Mfg
friendlyfox
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Anmeldungsdatum: 25.09.2005
Beiträge: 1342
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 11:52:32    Titel:

Nun, da es immer noch keinen Kompromiss gibt, und die WM auch noch vor der Tür steht, ist es doch wirklich mal interessant Ursachenforschung zu betreiben. Wieso gibt es keine Einigung? Sind Ärzte gierig und auch noch moralische Verlierer, weil sie jetzt kurz vor der WM damit drohen über die Dauer der WM zu streiken? Was meint ihr zu der Behauptung, inzwischen werden Privatpatienten noch stärker bevorzugt um die Kosten des Streiks zu decken und die Ärzte die Verluste minimieren? Oder sind sie im Recht, und werden im Vergleich zu ihren Kollegen in anderen Staaten ungerecht entlohnt? Wieso verdienen überhaupt Ärzte hier weniger als woanders?In den Staaten gibt es ja eine freie Marktwirtschaft, die sich auch in die Welt der Ärzte finden lässt und sie dort entweder erheblich mehr verdienen und weniger als ein Kellner... Aber das ist z.B. in den meisten Ländern Europas nicht der Fall und trotzdem verdienen dort Ärzte mehr und haben auch bessere Bedingungen...Woran liegt das?Habt ihr auch schon eigene Erfahungen bezüglich der Dauer und Versorgung in einem streikenden Krankenhaus gemacht?

Würde mich freuen wenn es diesmal mehr Stellungnahmen gibt...Oder wenigstens es sich angeschaut werden würde, denn nicht mal 40 Klicks sind meiner Meinung nach echt wenig für solch ein einschneidendes Thema...
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 12:20:41    Titel:

Hierzu ein Interview eines Betroffenen. Nein, keines Patienten, deren Lage können wir uns bestimmt selber gut vorstellen, sondern eines Hausarztes. Ich habe fett markiert, was mir besonders aufgefallen ist, und ein paar der Fragen eventuell beantwortet.

Zitat:
"Trümmer einer kassenärztlichen Existenz"
Am Mittwoch protestieren Tausende Mediziner gegen die ihrer Meinung nach unsäglichen Budgetierungen der ärztlichen Leistungen, welche die Versorgung der Patienten immer mehr gefährden. Dieter Löhndorf, seit 22 Jahren niedergelassener Hausarzt in der Nähe von Frankfurt am Main, schildert, wie es in deutschen Praxen aussieht.

Herr Löhndorf, lassen Sie an diesem Mittwoch Ihre Praxis geschlossen?
Ja. Die Notversorgung wird allerdings sichergestellt.

Und am nächsten Mittwoch?
Da machen wir vermutlich auch zu. Wir werden im ganzen Jahr gegen die unsäglichen Budgetierungen und Kürzungen protestieren. Uns Kassenärzten wird langsam, aber sicher die Existenzgrundlage entzogen. Täglich geben Kollegen auf. Das geht so nicht weiter.

Die Jammerei nehmen ihnen viele Menschen nicht ab. Ärzte gehören doch zu den Besserverdienern.
Lassen wir die Fakten sprechen: Für jeden Kassenpatienten bekommen wir, je nach Fachrichtung, pauschal 20 bis 40 Euro im Quartal. Und zwar unabhängig davon, wie oft der Patient in die Praxis kommt und wie krank er ist. Darin eingeschlossen sind über die normale Behandlung hinaus auch teure Untersuchungen wie Ultraschall oder EKG, genauso wie das Labor und Hausbesuche. Eine Praxis macht im Durchschnitt 1.000 Krankenscheine je Quartal. Wir bekommen also für die Behandlung aller Kassenpatienten im Monat zwischen 6.600 und 13.300 Euro. Davon müssen wir Angestellte, Räume, Geräte und Fortbildung bezahlen. Da wird schnell klar: Die Vergütung deckt kaum die Kosten, von großartigem Gewinn ganz zu schweigen.

Ist es nicht so, daß Hausärzte wie Sie die Gewinner der Vergütungsreform sind, weil sie, wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sagt, die neuen Lotsen im Gesundheitswesen sind?
Richtig, die anderen Fachärzte sind noch schlechter dran. Was für ein Trost. Unter den Gebeutelten kommen wir noch am glimpflichsten weg.

Womöglich ist Medizin einfach zu teuer geworden und das Anspruchsdenken zu hoch. Wenn alle sparen müssen, müssen eben auch die Ärzte sparen.
Ich will nicht auf Rosen gebettet werden, während die Republik darbt. Aber fair behandelt werden will ich schon. Es kann doch nicht sein, daß wir uns anstrengen können, wie wir wollen, und trotzdem die Leistungen immer weiter gekürzt bekommen. Sie können es landauf, landab beobachten: Da stehen überall Kollegen und Kolleginnen vor den Trümmern ihrer kassenärztlichen Existenz.

Und verkaufen ihre Praxis?
Das ist auch nicht mehr so einfach. Praxen sind heute schwer verkäuflich. Es gibt immer weniger Nachfolger, und zwar nicht nur auf dem Land. Wer den Praxisverkauf am Ende seiner Laufbahn als Teil der Altersversorgung eingerechnet hatte, hat sich verkalkuliert. Ich empfinde das als stille Enteignung.

Haben Sie eine Lösung?
Ich bin kein Politiker und habe auch nicht die allgemeingültige Lösung, aber klar ist: Man kann nicht mit den Finanzmitteln von vorgestern die Medizin von morgen haben.

Sie erregen sich auch über das Medikamentenbudget. Was ist da los?
Das ist auch so eine unsinnige Regelung. Für jeden Patienten stehen mir 37,28 Euro im Quartal für Medikamente zur Verfügung. Für jeden Rentner sind es 123,87 Euro. Glauben Sie, das reicht?

Es reicht offenbar nicht, denn das Medikamentenbudget war auch 2005 vorzeitig ausgeschöpft, oder?
So ist es. Der Topf war schon Anfang November leer. Alles, was wir danach verschrieben haben, wird nun von uns zurückgefordert. In Hessen, wo ich praktiziere, steht jedem Arzt für 2005 eine Forderung aus dem Generalregreß von 18.000 Euro ins Haus. Hinzu kommt noch ein Individualregreß für jeden, der über sein festgesetztes Budget hinaus Medikamente verordnet hat. Das wird einige Praxen in die Pleite treiben. Dabei werden wir auch noch von den Krankenhäusern in die Zange genommen, denn die entlassen die Patienten immer früher, um ihre Kosten zu drücken. Die Anschlußbehandlung samt Medikamentierung übernehmen wir.

Verschreiben Sie doch einfach günstigere Medikamente.
Das machen wir doch längst. Bei mir machen die Generika schon fast 90 Prozent aus. Mehr geht nicht. Manche Medikamente kann man schlicht nicht durch Nachahmerpräparate ersetzen.

Wie können Sie dann überhaupt wirtschaftlich überleben?
Ich habe Rücklagen gebildet. Und durch die Quersubventionierung aus den Privatpatienten. Wer die nicht hat, kann einpacken.

Und entläßt seine Arzthelferinnen?
Erfahrene Arzthelferinnen kann sich kaum noch jemand leisten, obwohl die nun wirklich nicht klotzig verdienen. Wir ersetzen immer mehr feste Kräfte durch billigere Aushilfen. Viele Kollegen werden Helferinnen entlassen müssen.

Und wenn eines Tages die Einheitskasse, gerne auch Bürgerversicherung genannt, kommt?
Dann gibt es eine Pleitewelle in den Praxen.


Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Ausg. 17. Januar
nordlicht87
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Anmeldungsdatum: 10.04.2006
Beiträge: 312
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 16:40:23    Titel:

Ich denke, der Grund, dass hier zu dem Thema bisher so wenig gesagt wurde, liegt einfach darin, dass es für viele nicht so einfach zu durchblicken ist und die meisten vielleicht auch keine Lust haben, sich damit eingehend zu beschäftigen, weil es sich nicht so interessant anhört. Wobei friendlyfox die Sache gut auf dden Punkt gebracht hat, indem er das Thema als eines der einschneidensten bezeichhnet hat, immerhin betrifft es mehr oder weniger direkt uns alle.

Dann mal zu den Forderungen:

Zitat:
* Wiederherstellung tariflich gesicherter Arbeitsbedingungen durch den Abschluss eines arztspezifischen Tarifvertrages.


Zitat:
* Einführung einer eigenen Gehaltsordnung für Ärzte, um jede fachliche Qualifikation und spezifische Tätigkeit angemessen zu bewerten.


Diese Forderungen laufen im Endeffekt denke ich auf dasselbe hinaus, nämlich für den Arzt oder Mediziner als solchen ein gesondertes Tarifsystem zu finden.
Die Forderung nach qualifikationsabhängigen Gehältern, vor allem auch medeizinisch-intern macht Sinn, eine Abtrennung der gesamten Branche von einem einheitlichen Tarifsystem sowieso. Warum? Zuerst einmal macht eine medizinisch - interne Spezifizierung deshalb Sinn, weil dadurch berücksichtigt wird, dass unterschiedliche Aufgabenfelder unterschiedliche Aufgabenfelder unterschiedliche Anforderungen stellen, sowohl finanziell als auch qualifikationstechnisch. Dass ein Internist nicht mit einem Chirurgen vergleichbar sein kann, liegt auf der Hand. Entsprechend muss hier auch unterschieden werden.

Zitat:
* Rücknahme der Kündigungen der Tarifverträge zur Arbeitszeit sowie zum Weihnachts- und Urlaubsgeld, die zu Einkommensverlusten von bis zu 20 Prozent geführt haben.


Das ist meines Wissens kein spezifisches Problem der Medizinbranche oder?

Zitat:
* Leistungsgerechte Vergütung für die Leistungsträger in den Kliniken. Wir fordern eine Erhöhung der Ärzteeinkommen um 30 Prozent.


Eine meiner Meinung nach unrealistische Zahl, aber wenigstens bietet sie so etwas wie eine Verhandlungsbasis. Allerdings ist es gerechtfertigt, Leistungsträger finanziell besser zu vergüten. Es ist in Fuballmannschaftne ja schließlich auch so dass der Stürmer, der seine Mannschaft zum Titel schießt, in der Regel mehr verdient als sein Ersatzmann und Tischlermeister Heiner verdient ja auch mehr als sein Lehrling Sebastian. Wenn man den Begriff Leistungsgesellschaft noch in irgendeiner Form legitimiert aufrechterhalten will, dann muss man dieser Forderung wohl zumindest teilweise Folge leisten.

Zitat:
* Vollständige Vergütung sämtlich erbrachter Arbeitsleistungen.


Da weiß ich nicht wie das gemeint ist (Bitte um Aufklärung!!). Weil so hört sich die Forderung doch recht allgemein an....

Zitat:
* Bessere Arbeitsbedingungen durch die Einführung praxisnaher
und praktikabler Arbeitszeitregelungen im Sinne der Ärzte und Patienten.


Eine der sinnvollsten Forderungen. Es würde einen weiteren Rückzug des Staates aus dem Arztgeschäft an sich bedeuten. Die Kompetenz, wann und wie ein Patient am besten behandelt werden kann und sollte, liegt ganz einfach beim Arzt selbst. Es macht also Sinn, den hier von Ärzten und Medizinern gefoorderten Zeitvorschlägen nachzukommen.

Zitat:
* Abschaffung kurzzeitig befristeter Arbeitsverträge.


Auch ein grundsätzliches Problem. Die Abschaffungwäre insofern sinnvoll, als dass der Einzelne besser in die Zukunft kalkulieren könnte, eben einfach auch ohne Angst davor zu haben, in einem Halben Jahr seinen Job los zu sein. Diese Furcht führt nämlich unter anderem dazu, dass man sich im Konsum zurückhält. Sprich: Gebt den Leuten Sicherheit durch längere Arbeitsverträge und der Konsum wird angeregt.

Zitat:
* Abbau bürokratischer patientenferner Tätigkeiten.


Ebenfalls ein Grundproblem deutscher Politik. Bürokratische Hürden behinder Arbeitsabläufe und sind zeitraubend und unter anderem deshalb auch sehr kostenintensiv, da in der Bearbeitungszeit u.U. andere Patienten behandelt werden könnten. Der Bürokratieabbau sollte also nicht nur hier stattfinden, sondern auch in anderen Branchen, er ist ebenfalls einer der größten Wachstumshemmer, da Bürokratie durch ihre Verzögerung von Arbeitsabläufen den Menschen häufig vor Investitionen abschreckt.

* Sicherstellung von Forschung und Lehre innerhalb der Arbeitszeit.

Das ist für mich Aufgabe der Ärzte selbst.

An und für sich bin ich mit der Thematik nicht so bekannt, daher würde ich auf meine Aussagen jetzt nichts verwetten. Aber ich hab gedacht, dass das Abgeben meiner Meinung hier mal nicht schaden kann. Außerdem würd ich gerne mehr Einblick in die eigentlichen Streitfragen bekommen, daher hoffe ich dass hier noch mehrere Antworten kommen werden. Very Happy
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 16:46:41    Titel:

Ich wollte friendlyfox an dieser Stelle nur ermutigen, sich wieder verstärkt bei uns zu beteiligen. Ich halte mich bei dem Thema eher zurück, weil ich es mit der Devise halte... wenn man keine Ahnung hat... öfter mal...
So geht es vermutlich vielen hier.

Gruß
Pauker
friendlyfox
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Anmeldungsdatum: 25.09.2005
Beiträge: 1342
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 17:09:20    Titel:

Erstmal vielen Dank an meine Vorposten, denn lieber qualifizierte Unwissendheit als unqualifiziertes Wissen Smile Ich bin auch nur ein armer hoffentlich baldiger Ex-Abiturient, aber interessant ist es doch allemal. Ansonsten lieber Pauker wirst du mich wohl doch nicht los, ich werde versuchen mich desöfteren wieder einzuklinken Wink Hier noch einmal ein Gruss an dich ^^



Auch schöne Argumente von nordlicht87, danke für die Mühe.

Um deine Frage zu beantworten:

"Zitat:
* Vollständige Vergütung sämtlich erbrachter Arbeitsleistungen.


Da weiß ich nicht wie das gemeint ist (Bitte um Aufklärung!!). Weil so hört sich die Forderung doch recht allgemein an...."

Du kennst doch sicherlich unbezahlte Übestunden oder? Das geschieht ja bei den Ärzten fast täglich in Form von Nachprotokollieren, unbezahlte Zustandstunden, nur teils bezahlte Schichten...Ich denke darauf wollen sie hinaus, nämlich nicht mehr einen Teil ihrer eh schon mangelnden Freizeit für lau arbeiten.
nordlicht87
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Anmeldungsdatum: 10.04.2006
Beiträge: 312
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 17:17:19    Titel:

Danke für die Antwort, das ging ja schnell. Hört sich auch logisch an, man hätte wohl nur ein bisschen Nachdenken müssen Embarassed ... hätt ich übrigens nich gedacht, dass du auch jetzt erst mit der Schul fertig wirst, hörst dich jedenfalls nicht so an Wink ....sie es als Kompliment Smile
friendlyfox
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Anmeldungsdatum: 25.09.2005
Beiträge: 1342
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 24 Mai 2006 - 18:18:30    Titel:

Hehe dankeschön nett Smile Naja, muss nur noch meine mündliche Prüfung in Kunst ablegen, danach bin ich endlich fertig und kann mich wichtigerem widmen Wink

Hab auch noch vergessen eine Frage von dir zu beantworten, nämlich die der Kündigung der Tarifverträge bezüglich des Urlaubsgeldes usw...Naja wenn die Ärzte durch das fehlende Weihnachtsgeld auch noch bis zu 20% weniger verdienen von ihrem vergleichsweise geringen Gehalt dann wird das auf jeden Fall zu einem Problem, insbesondere in der Medizinbranche wo die Ärzte eben viel länger als woanders studieren, mit Schulden anfangen und auch noch wenig verdienen.

Ansonsten noch mal zum Thema:

"Scheitern der Tarifverhandlungen

Das Arbeitgeberangebot war grottenschlecht
Dogmatische Unflexibilität der TdL Ursache für Streiks

Bei den Forderungen für einen Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte mit den Ländern standen unter anderem zwei Punkte auf der Agenda im Vordergrund:

1. Die Aufforderung, jede erbrachte ärztliche Leistung zu bezahlen und
2. jede ärztliche Leistung besser zu bezahlen.

Untermauert wurden diese beiden Punkte mit der klaren und eindeutigen Festlegung: 30 % mehr Vergütung.

Bei diesen Forderungen ist der Marburger Bund sich darüber im Klaren gewesen, dass jeder Tarifvertrag im Endeffekt eine beiderseitige Willenserklärung, also einen Kompromiss darstellt, dass aber auf keinen Fall von dem Grundsatz einer zukünftigen besseren Bezahlung für die ärztliche Leistung abgerückt werden kann. Für den Marburger Bund steht fest: Die Stundenvergütung für die Ärzte ist zu erhöhen.

Wir sind als Ärztegewerkschaft bereit gewesen, für die Erreichung dieses Zieles alte, bisher unantastbare Tarifdogmen in die Waagschale zu werfen, um mit der Arbeitgeberseite neue tarifpolitische Eckpunkte festzulegen, die zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Betroffenen führen. Der Marburger Bund hat seine Bereitschaft signalisiert, das wöchentliche Arbeitszeitvolumen zu erhöhen und den Gegebenheiten im ärztlichen Dienst anzupassen, um das Problem der nicht bezahlten Überstunden zu lösen.

Zusätzlich sind wir bereit gewesen, über individuelle wöchentliche Arbeitszeitregelungen zu verhandeln, um so einen neuen Weg zu einer hohen Flexibilisierung der Arbeitszeit in den Krankenhäusern zu ermöglichen. Für uns lagen alle Arbeitszeitregelungen unter Berücksichtigung der europäischen Vorgaben auf dem Verhandlungstisch, um sie ohne Scheuklappen in der Praxis mit Leben zu erfüllen.

In der letzten Verhandlungsrunde am 3. März stellte sich jedoch heraus, dass die Arbeitgeber gerne unser Angebot flexibler Arbeitszeiten für Ärzte annehmen, gleichzeitig jedoch nicht bereit waren, selber Flexibilität bei der Vergütungsfrage zu zeigen. Getreu dem Motto „Nehmen ist seliger denn geben“ präsentierte uns die TdL ein Vergütungsangebot, das in keiner Weise die Vergütung der ärztlichen Leistung verbessert. Als dazu noch die Feststellung der Arbeitgeber kam, dass es bei diesen Zahlen keinen Spielraum mehr gebe, war das Scheitern der Verhandlungen unausweichlich.

Die von den Arbeitgebern vorgelegten Zahlen beruhen auf einer 42-Stunden-Woche, berücksichtigen aber finanziell nicht einen vollen Lohnausgleich. Die Arbeitgeber verlangen, dass die von ihnen für Neueingestellte eingeführte 40-Stunden-Woche als Fakt akzeptiert wird und so ein Lohnausgleich zwischen 38,5 und 40 Stunden nicht in Frage kommt.


Die vorgelegten Zahlen stellen keine Besserbezahlung von ärztlicher Leistung dar, sondern im Endeffekt nur eine Neuverteilung der bisherigen Gehälter auf 42 Stunden. Mit anderen Worten, anstatt ärztliche Leistung besser zu bezahlen, soll durch die Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit auf Kosten der Ärztinnen und Ärzte gespart werden. Eine solche finanzielle Nullnummer lehnt der Marburger Bund ab.

Wer glaubt, durch ein solches Vorgehen den Abschluss eines Tarifvertrages erreichen zu können, nimmt als Arbeitgeber den anderen Tarifpartner nicht ernst. Deshalb müssen die Ärztinnen und Ärzte durch einen Streik den Ernst ihrer Forderung unterstreichen mit dem Ziel, die Fortführung von Tarifverhandlungen und einen Tarifabschluss zu erreichen.

(MB/18.03.06)"

http://www.marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/tdl-005.php

Hier gibt es viele Infos, jedoch nur aus der Sicht des Marbuger Bundes.

Nach Recherche ist mir irgendwie aufgefallen, dass weder Ver.di noch die Tarifgemeinschaft wirklich reale, höhere Löhne zahlen wollen, sie beschränken sich auf die von der Union/SPD-Koalition perfektionierten "Kompromisstaktik", nämlich alles so zu umschreiben bis am Ende niemand mehr was davon hat...
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2006 - 02:02:14    Titel:

Folgende Thesen möchte ich in die Diskussion einbringen:

1) Arzte müssen angemessen bezahlt werden, sonst flüchten die guten ins Ausland.

2) Das sich manche Ärzte wie in der Vergangenheit dumm und dämlich verdienen darf andererseits nicht wieder geschehen, ich nehme an, dass dadurch die vielen Vorbehalte kommen. In den 70 und 80 Jahren haben beispielsweise Zahnärzte das Doppelte eines Bundeskanzlergehaltes verdient.

3) Die Nebeneinnahmen in den kassenärztlichen Vereinigungen mit den hohen Vergeltungen im ehrenamtlichen Bereich sollten abgeschafft werden. Es ist nicht einzusehen, das dort ein quasi zweites nahezu unversteuertes Gehalt verdient wird.

4) Wir haben in der Bundesrepublik mit die teuersten Medikamente, damit meine ich nicht, die besten, die Krankenkassen bezahlen einfach für das gleiche Medikament mitunter doppelt oder dreifach so viel wie in unseren Nachbarländern, das ist nicht einzusehen.

5) Wir müssen erheblich mehr in die Prävention stecken, zum Beispiel zahlen manche Krankenkassen den Besuch seriöser Fitnisszentren, das sollte ausgebaut werden. Ebenfalls sollte gegen das Rauchen und gegen Bewegungsmangel vorgegangen werden. Das muss nicht immer Leistungssport sein. Zum Beispiel könnten in Schulen vor einem 90 Minuten Unterricht 5 Minuten Lockerungsübungen und Gymnastik stehen, Tarifpartner könnten für Bürotätigkeiten entsprechende 5 Minuten aushandeln die teils den Pausen angerechnet werden, teils vom Arbeitgeber mitgetragen werden.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Sheep
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Senior Member


Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 25 Mai 2006 - 11:46:19    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:

1) Arzte müssen angemessen bezahlt werden, sonst flüchten die guten ins Ausland.

2) Das sich manche Ärzte wie in der Vergangenheit dumm und dämlich verdienen darf andererseits nicht wieder geschehen, ich nehme an, dass dadurch die vielen Vorbehalte kommen. In den 70 und 80 Jahren haben beispielsweise Zahnärzte das Doppelte eines Bundeskanzlergehaltes verdient.


Ärzte sollten eine ganz normale frei wirtschaftliche Berufsgruppe sein, dann klappt es auch mit der Preisfindung bei der Bezahlung, dann "flüchtet" auch keiner ins Ausland, es sei denn, es gibt hier schon genügende seines Standes.

Zitat:
4) Wir haben in der Bundesrepublik mit die teuersten Medikamente, damit meine ich nicht, die besten, die Krankenkassen bezahlen einfach für das gleiche Medikament mitunter doppelt oder dreifach so viel wie in unseren Nachbarländern, das ist nicht einzusehen.


Wir haben nicht die teuersten Medikamente, sondern den teuersten Vertrieb. Der Medikamentenpreis macht beim Endverbraucher nur 55% der Kosten aus.

Zitat:
5) Wir müssen erheblich mehr in die Prävention stecken, zum Beispiel zahlen manche Krankenkassen den Besuch seriöser Fitnisszentren, das sollte ausgebaut werden. Ebenfalls sollte gegen das Rauchen und gegen Bewegungsmangel vorgegangen werden. Das muss nicht immer Leistungssport sein. Zum Beispiel könnten in Schulen vor einem 90 Minuten Unterricht 5 Minuten Lockerungsübungen und Gymnastik stehen, Tarifpartner könnten für Bürotätigkeiten entsprechende 5 Minuten aushandeln die teils den Pausen angerechnet werden, teils vom Arbeitgeber mitgetragen werden.


Vollksges'ndhaitt aaangäorttnätt !!
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