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Stellenabbau in Deutschen Unternehmen
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Victor_Mancini
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Anmeldungsdatum: 20.07.2005
Beiträge: 102
Wohnort: München

BeitragVerfasst am: 28 Mai 2006 - 16:18:34    Titel: Stellenabbau in Deutschen Unternehmen

Hi,

ich muss nächste Woche an einer Diskussionsrunde teilnehmen zum Thema Stellenabbau in Deutschen Unternehmen (bzw. Kritik an Deutschen Unternehmen, Stellenabbau trotz Rekordergebnissen). Werde in der Diskussion die Arbeitgeberseiter vertreten.

Ich weiss zwar so mehr oder weniger mit welchen Argumenten die beiden Seiten argumentieren, kann mir aber persönlich (unabhängig von der Diskussion) nur schwer ein Bild machen darüber in wie weit die Kritik gerechtfertigt ist oder nicht.

Wollt mal fragen wie ihr das seht und zu welcher Seite ihr in der Diskussion tendiert? Was sind wirklich schlagkräftige Argumente, die man als Ausenstehender beurteilen kann?

gruß Victor

P.S.: Ja ich muss zu diesem Thema auch noch einen Aufsatz schreiben der benotet wird, also bitte keine "mach-doch-deine-Hausaufgaben-selbst"-Kommentare, ggf. einfach nichts posten Wink
Little-Christoph
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Anmeldungsdatum: 18.05.2006
Beiträge: 54
Wohnort: Würzburg

BeitragVerfasst am: 28 Mai 2006 - 17:24:18    Titel:

Naja das wichtigste Argument ist natürlich die globale Wettbewerbsfähigkeit. Das absolute Killer-Beispiel, mit dem du jedem Linken, der argumentiert, Entlassungen seien ja soo schlecht, das Genick brichst ist VW. Als die in den Neunzigern enorme Absatzprobleme bekommen haben wollten sie ettliche Tausend Leute entlassen. Stattdessen hat unser aller Schatzi Peter Hartz, seineszeichens Personalvorstand bei VW, die 28,2 Stundenwoche eingeführt mit nur vier Tagen Arbeit. Seitdem stehen bei VW die schweineteuren Maschinen drei Tage pro Woche still und das Ergebnis ist ja allgemein bekannt, heute müssen sie wohl 20.000 Leute entlassen.
Die anderen werden garantiert mit der sozialen Verpflichtung des Arbeitgebers usw. kommen. Dann erklärst du ihnen am besten mal was Adam Smith mit der "unsichtbaren Hand des Marktes" gemeint hat und schon herscht Ruhe Laughing

Und zu guter letzt musst du halt klarmachen, dass auch gerade die Arbeiter davon profitieren wenn Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden(klingt zynisch, is aber so). Kein Normalverdiener könnte sich heute einen Plasma Fernseher, DVD Player, eine Playstation und einen geilen PC leisten wenn wir das Zeug hierzulande bei deutschen Löhnen fertigen würden(habe irgendwo gleesen, Golf wenn nur in D hergestellt würde kostete über 30.000 Euro). Im Endeffekt sind wir selber Schuld wenn Arbeitsplätze gestrichen oder verlagert werden, denn es ist unsere Nachfrage nach immer billigeren Produkten (hier bringst du natürlichen das "geiz ist geil" Beispiel) welche die Unternehmer zu solchen Maßnahmen zwingt, nicht deren Profitgier oder ähniches.
Wenn sie dann mit "Shareholder Kapitalismus" kommen und "nur Gewinne maximieren" (100% wird Irgendwer das Beispiel Deutsche Bank nennen, am selben Tag Rekordgewinn und Stellenabbau von 6000 Arbeitsplätzen verkündet) erklärst du ihnen einfach, dass auch ihre Lebensversicherung, private Altersvorsorge oder was auch immer die Aktienmärkte benötigt um ihnen die Rendite garantieren zu können die sie wollen.
Das sollte eigentlich reichen, musst dich natürlich noch mit genauen Zahlen munitionieren dann hast du leichtes Spiel.
Schöne Grüße und sag bescheid wies gelaufen ist Smile
Christoph
Tomahawk
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Anmeldungsdatum: 20.05.2006
Beiträge: 875

BeitragVerfasst am: 28 Mai 2006 - 21:02:14    Titel:

Ferner kannst du argumentieren, dass zumindest bei den großen Firmen teilweise hohe Abfindungen bezahlt werden, um das ganze abzufedern.

Im Prinzip geht aber aber immer nur darum, dass im Unternehmen nicht benoetigte Arbeitsplaetze wegfallen, was dafuer sorgt, dass das Unternehmen wirtschaftlicher arbeitet (also mehr Gewinn macht). Jetzt darf man selber ueberlegen, wann und fuer welche Personen es besser ist, wenn das besagte Unternehmen mehr Gewinn macht. z.B. koennen dann mehr Investitionen (auch hier in Deutschland) getaetigt werden.

@Little-Christoph
Das mit den Golf kann kaum sein. Zunaechst einmal sind viele Autos deutscher Hersteller aus Deutschland und weiter wuerde das bedeuten, dass ein Großteil der Kosten durch die Mitarbeiter entstehen wuerden. So weit ich weiß liegt der Lohnanteil in der Auto-Industrie bei ca. 15%. Die Maschinen fuer die Herstellung sind alle nicht aus billig Lohnlaendern.
maro459
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Anmeldungsdatum: 06.05.2005
Beiträge: 274

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2006 - 00:10:36    Titel:

Tomahawk hat folgendes geschrieben:

Das mit den Golf kann kaum sein. Zunaechst einmal sind viele Autos deutscher Hersteller aus Deutschland und weiter wuerde das bedeuten, dass ein Großteil der Kosten durch die Mitarbeiter entstehen wuerden. So weit ich weiß liegt der Lohnanteil in der Auto-Industrie bei ca. 15%. Die Maschinen fuer die Herstellung sind alle nicht aus billig Lohnlaendern.


Der Lohnanteil ist kein wirkliches Argument. Besonders die Autoindustrie ist auf nicht unherbliche Vorleistungen angewiesen, bei denen zum Teil erhebliche Lohnkosten verursacht werden (deswegen verlagert man Teile der Produktionskette ins Ausland oder bezieht Vorleistungen aus dem Ausland). Dies wird in Diskussionen solcher Art oft vergessen.

Ist schon klar, beim Zusammenbauen enstehen wirklich nicht hohe Lohnkostenanteile.
Little-Christoph
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Anmeldungsdatum: 18.05.2006
Beiträge: 54
Wohnort: Würzburg

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2006 - 11:08:11    Titel:

Jo das ist ein Fact. Da die Lohnkosten in D so hoch sind versucht VW natürlich so viele Arbeitsplätze wie möglich ins Ausland zu verlagern, deren Arbeitskosten dann natürlich nicht unter Löhne sondern unter Vorleistungen stehen. Deswegen halte ich diese Schätzung für durchaus realistisch.
Wenn du dich mehr für das Thema interesierst musst du mal von Hanns Werner Sinn ie Basarökonomie lesen, ist echt interesant. Er beschäftigt sich da unter anderem auch mit Autos und hat z.B rechercheirt dass der Porsche Cayenn (oder wie man den auch immer schreibt Very Happy ) zu fast 100% im Ausland gefertigt wird, aber am Ende als Made in Germany verkauft wird.
So long,
Christoph
maro459
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Anmeldungsdatum: 06.05.2005
Beiträge: 274

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2006 - 11:24:50    Titel:

Besonders mit dem Argument der Basarökonomie kannst du jedem Linken den ach so tollen Exportweltmeister (Vizeweltmeister !) streitig machen. Exporte implizieren fast im gleichem Maße Importe und sind somit mehr oder weniger nur ein durchlaufender Posten in Deutschland, auch wenn Randmeinungen wie von Prof. Bofinger (Wir sind besser als wir glauben) von diesen Thesen abweichen.
Zudem kannst du auf das Argument: "Die Löhne wären zu niedrig und höhere Löhne schaffen eine größere Binnennachfrage" entgegnen, das dadurch im Unternehmen mehr Kosten entstehen und somit die Investitionen zwangsläufig zurückgehen und auch die Nachfrage nach Investitionsgüter durch die Unternehmen eine Binnennachfrage sind. Zudem erzeugen Nachfrage Änderungen von Seiten der Konsumenten lediglich die Schwankungen der Konjunktur, der Trend wird durch eine Ausweitung des Angebots bestimmt, d.h. mehr Investitionen - Kapazitätsausweitung, ....
Eine Erhöhung der Lohnkosten erhöht zwangsläufig die Kapitalintensität, da geht kein Weg daran vorbei, und genau die hohe Kapitalintensität wird von der Linken Seite sehr oft beklagt.


Zuletzt bearbeitet von maro459 am 29 Mai 2006 - 12:06:20, insgesamt 3-mal bearbeitet
Little-Christoph
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Anmeldungsdatum: 18.05.2006
Beiträge: 54
Wohnort: Würzburg

BeitragVerfasst am: 29 Mai 2006 - 11:29:36    Titel:

Und zusätzlich ist es ja so das wir nur im Bereich Güter Exportweltmeister sind. Richtig entscheidend ist jedoch der Bereich Dienstleistungen, schon alleine aufgrund des Strukturwandels vom sekundären hin zum tertiären Sektor. Und da sind die USA ganz klar vorne.
dr. wo
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: 31 Mai 2006 - 13:18:02    Titel:

Ich würde einfach sagen: Ein Unternehmer, der noch Leute entlassen kann, schreibt niemals rote Zahlen. Und wir wollen doch keine insolventen Unternehmer, oder?

Aber lesen Sie doch mal http://www.dr-wo.de/schriften/gua/index.htm und die damit verlinkten Seiten! Vielleicht bringt Sie das ja noch auf neue Gedanken.
grand
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Anmeldungsdatum: 22.05.2006
Beiträge: 128

BeitragVerfasst am: 31 Mai 2006 - 13:22:07    Titel:

äh so wie ich die wwk verstanden habe gab es da noch ein paar weitere wichtige faktoren, die heutzutage nicht zutreffen.

es ist auch praktisch, die schuld immer auf die unternehmer zu schieben. Rolling Eyes
dr. wo
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: 31 Mai 2006 - 13:28:33    Titel:

PS: http://www.dr-wo.de/schriften/irrethesen/hamburgerappell.htm ist sicher auch ganz interessant für Sie!
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