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Verlustängste - ein Teufelskreis
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Foren-Übersicht -> Psychologie-Forum -> Verlustängste - ein Teufelskreis
 
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Nihil
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Anmeldungsdatum: 06.06.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:31:40    Titel: Verlustängste - ein Teufelskreis

Hallo.
Ich schätze, dass ich viel zu spät anfange, nach Rat zu fragen, aber mein Seelenheil hängt wirklich am seidenen Faden...

Kurz ein Paar Eckdaten zu meinem Problem:

Die Beziehung zu meiner Freundin droht unwiderruflich auseinanderzubrechen.
Im Oktober wären wir seit 3 Jahren ein Paar. In dieser Zeit waren wie nie länger als eine Woche von einander getrennt (und das auch äußerst selten). Seit fast 2 Jahren leben wir gemeinsam in einer Wohnung.
Unsere Bewertung der Beziehung: für sie bin ich die Person, die sie in ihren Beziehungen am meisten und intensivsten liebt - bzw. geliebt hat.
Ich bin nun 23 Jahre alt und zähle sie zu meiner ersten Beziehung. In der Hinsicht waren alle derartigen Erfahrungen ein Debüt und absolutes Neuland.
Doch am letzten Donnerstag hat sie mich mit einem (ihr emotional derzeit sehr nahe stehendem) Schulfreund "betrogen" - sie haben Küsse ausgetauscht, als ich davon ausging, dass sie nur ausgelassen ihr bestandenes Abitur feiert. Diesen Fall werte ich aber nicht als mein hauptsächliches Problem...sondern als ein Symptom unserer festgefahrene Beziehung!
Meine Freundin ist sehr begabt, was die Psychologie von Menschen betrifft. Wir haben viel über uns geredet, was ich auf jeden Fall zu den Stärken unserer Gemeinschaft zählen würde.

Hier nun eine kurze Analyse meinerseits:

Ich fürchte, ich bin in einem sehr kindlichen Beziehungsmuster gefangen.
Harmoniesucht manifestiert sich in einem durch Verlustängste verstärktem Klammern und Fixiertsein auf eine Person.
Ihre Launen und Handlungen beeinflussen direkt mein Wohlbefinden und steigern so die Verantwortung, die sie dadurch trägt, ins unermessliche. Ihre Reaktion ist leider eine zunehmende Distanzierung, welche den Teufelskreis aus Angst und krampfhafter Annäherung weiter antreibt.
Ein ständiger Drang, zu kontrollieren, ob auf der anderen Seite die Gefühle noch dieselben sind. Ein ständiger Wunsch nach Bestätigung. Und mein mangelndes Selbstwertgefühl lässt kaum zu, zu glauben, dass eine Person mich mag, trotz meiner vielen Fehler (und sie hat es mir doch so oft attestiert: "Die Dinge, die ich an Dir mag, überwiegen die schlechten Eigenschaften"). So habe ich Stück für Stück die Realität zerstört, die ich mir immer wünschte, die lange da war - und die ich, tragischerweise, zu sehen nur selten gestattet habe.
Ein Leben steht auf wackeligen Säulen, wenn der Inhalt ein gutes Gefühl ist, dass einem von einer Person gegeben wird.
Den Teufelskreis durchbrechen bedeutet, einen Ausweg aus den Ängsten und dem suchthaften Verlangen zu finden, das immerwieder in die Sackgasse der Enttäuschung führt.

Ich liebe einen Menschen mehr als mich selbst. Das kann nicht gesund sein...


So viel Selbsterkenntnis und so große Ratlosigkeit.
Ich liebe meine Freundin so sehr, denke an unsere Träume aus "perfekten" Zeiten (gemeinsam reisen, alt werden usw.) und kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen.

So viel erstmal. Ich denke, dass durchzukauen würde einige Zeit beanspruchen.
Etwas Diskussion zu diesem Thema würde mit gut tun, drum hoffe ich auf ein paar Anregungen...denn ironischerweise kann ich mit der Person, die mir am nähsten steht, derzeit nicht reden - denn meine Freundin ist selbst am Boden zerstört.
glaess
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Anmeldungsdatum: 02.05.2006
Beiträge: 193

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:43:11    Titel:

kleinste details aussen vor gelassen, passt die Geschichte ganz gut auf meine eigenen Erfahrungen!

Wie soll ich sagen, die erste Liebe zu überstehen ist wohl der schwerste Schritt in einem "normalen" Leben...
ich weiss wie du dich fühlen müsst...
Nihil
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Anmeldungsdatum: 06.06.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:44:42    Titel:

Ein kleiner Nachtrag, um die Umstände unserer Beziehung noch etwas runder zu zeichnen:

Die erste Phase des Verliebtseins dauerte bei uns äußerst lange an - zumindest an ihren beiden vorherigen Beziehungen gemessen. Für mich war ja in jeder Hinsicht alles neu, und umso vorsichtiger und zurückhaltender war ich anfangs.
Unser Sexualleben war sehr erfüllt. Im ersten halben Jahr hatten wir viel guten Sex und beide Seiten waren zufrieden. Mein Verlangen nach jedert Form von körperlicher Nähe überstieg aber stets das ihre und leider sind wir in dem Punkt grundverschieden:
Sie ist ein freiheitsliebender Mensch, der ungern gegen ihren Willen kontrolliert wird und gezielt Erwartungen erfüllt, die nicht die ihren sind.
Ich bin sehr anhänglich und sensibel, was Zurückweisungen betrifft.

Der heutige Stand der Dinge: seit 2 Jahren kein Sex, vor 1 1/2 Jahren ein beherzter Versuch, den sie jedoch plötzlich abbrach. Seit fast so langer Zeit keine leidenschaftlichen Küsse mehr und seit einem Jahr schlafen wir in getrennten Zimmern.

Da ich nun jeden Tag mit ihr konfrontiert bin, strebe ich extrem nach körperlicher Nähe. Und genau da setz der Teufelskreis an.


Wir haben vor, uns (zumindest) räumlich zu trennen. Problematischerweise wird sie wohl noch dieses Jahr studieren und wahrscheinlich sehr weit von mit entfernt wohnen.
Ob wir diese Beziehungen noch weiterführen WOLLEN oder KÖNNEN, sind zweierlei Fragen. Sie weiß aufgrund ihrer derzeitig wichtigen Lebensphase (Neuorientierung) noch nichts genaues...nur ich fürchte mich vor einem Leben ohne diesen wichtigen Menschen.


Zuletzt bearbeitet von Nihil am 06 Jun 2006 - 19:50:31, insgesamt einmal bearbeitet
glaess
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Anmeldungsdatum: 02.05.2006
Beiträge: 193

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:49:23    Titel:

Nihil hat folgendes geschrieben:

Der heutige Stand der Dinge: seit 2 Jahren kein Sex, vor 1 1/2 Jahren ein beherzter Versuch, den sie jedoch plötzlich abbrach. Seit fast so langer Zeit keine leidenschaftlichen Küsse mehr und seit einem Jahr schlafen wir in getrennten Zimmern.


Und da ist dir nicht schon viel eher was aufgefallen wenn ihr nichtmehr miteinander schlaft?!
Aber ihr seid noch zusammen? Und das weiss sie auch?
Sorry, wenn das jetzt sarkatisch klingen sollte, meine die fragen ernst!
Froschle
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Anmeldungsdatum: 18.05.2006
Beiträge: 120

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:51:47    Titel:

Hi nihil,
in bezug darauf, dass ihre launen und handlungen dich beeinflussen: wie genau? also, beziehst du iher schlechte laune automatisch auf dich? ...

ich denke, ich kenne so was auch von mir. bei uns kam es dann zum bruch, und ich konnte wütend auf ihn sein. jetzt sind wir wieder zusammen, und ich fühl mich stärker. dazu kommt aber noch, dass ich inzwischen auch außerhalb unserer beziehung ein leben habe, und falls du das nicht hast, rate ich dir dringend dazu. also, du baust dadurch automatisch selbstbewusstsein auf und unabhängigkeit von deiner freundin.

PS: vielleicht würde es dir auch helfen, mit jemandem außerhalb eurer bezihung zu reden über psychologische aspekte, falls es jemanden gibt?denn deine freundin ist vielleicht wirklich überfordert, wenn nicht das, dann ist sie zumindest "ein teil des problems" und deshalb nicht "objektiv", nicht unparteiisch.
Canislupus
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Anmeldungsdatum: 27.04.2006
Beiträge: 416
Wohnort: An einer Lichtung mit guter Aussicht auf den Vollmond

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:53:05    Titel:

Wo ist dein Problem, willst du vollständige Unabhängigkeit?
Liebe bedeutet für mich, dass man alles Erdenkliche für seine Liebe opfert.

Zu deiner Freundin:
Es hört sich so an, als ob sie nicht dich liebt, sondern deine Liebe zu ihr liebt.


Nachtrag:
Wer hat denn jetzt das Problem deine Freundin oder du, wenn ihr noch nicht einmal mit einander Schlaft?


Zuletzt bearbeitet von Canislupus am 06 Jun 2006 - 19:58:09, insgesamt einmal bearbeitet
Nihil
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Anmeldungsdatum: 06.06.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:56:14    Titel:

Wie gesagt, seit fast 3 Jahren sind wir ein Paar.
Und wir haben diese wechselseitige Problematik der "körperlichen Distanz vs. extremer Anhänglichkeit" schon so oft im Streit diskutiert, dass wohl irgendwann eine Art von Resignation eingetreten ist.

Die Sache ist ja auch: wenn man ständig einen Mangel anspricht, ist das auch nicht grad Luststeigernd. Wir hatten gehofft, dass es sich von alleine wieder gibt.

Leider ist die Macht der Verdrängung eine große, und ich hätte viel früher einen Psychotherapeuten aufsuchen sollen. Noch ein Grund, mich selbst zu hassen: meine Inkonsequenz und Lethargie, mir professionell helfen zu lassen.

Übermorgen werde ich den ersten Termin bei einem Therapheuten haben.
Hat jemand Erfahrungen mit so etwas? (auch was die Erfolge betrifft...)
glaess
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Anmeldungsdatum: 02.05.2006
Beiträge: 193

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 19:58:42    Titel:

mach dich doch mal ni selber so runter, bzw. setzt dich unter druck!
Ich habe keine Preozentzahlen im Kopf, aber wieviele bleiben bei der ersten großen Liebe?

Es klingt vielleicht hart, und es wird auch net einfah, aber das Leben geht weiter!
Auch du wirst lernen ohne sie zu leben, auch wenn du dir das vielleciht im Moment nicht vorstellen kannst!
Canislupus
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Anmeldungsdatum: 27.04.2006
Beiträge: 416
Wohnort: An einer Lichtung mit guter Aussicht auf den Vollmond

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 20:00:53    Titel:

Warum lässt sie dich nicht mehr ran?
Nihil
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Anmeldungsdatum: 06.06.2006
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 06 Jun 2006 - 20:05:41    Titel:

@Froschle

Oft schon habe ich ihre schlechte Laune auf mich bezogen. Dann habe ich versucht, mich für etwas zu entschuldigen, was garnicht existiert. Verständlich, dass sie so ein Verhalten noch mehr nervt, wenn sie einfach mal nur schlecht drauf ist.
Ich bin Harmoniesüchtig, leider...

Leider habe ich nicht das Gefühl, dass mir eine Person innerhalb meines Freundeskreises helfen könnte. Ich habe mich sehr auf meine Freundin fixiert, zumal unser Zusammensein mit männlich-egoistischem Argwohn betrachtet wurde ("Jetzt ist der nicht mehr jedes Wochenende mit uns unterwegs und saufen"). Das führt auch dazu, dass wir so gut wie keinen gemeinsamen Freundeskreis mehr haben. Meine Freundin wurde sehr von hinterfotzigen Bemerkungen gekränkt.

@Canislupus
Das ist das Problem. Ich kann nicht unabhängig sein. Ich würde am liebsten mein gesamtes Leben mit ihr verbringen. Aber meine derzeitigen Erwartungen sind einfach unrealistisch, das weiß ich. Ich will wieder diese heile Beziehung, in der alles selbstverständlich ist. - vielleicht auch, weil davon mein Selbstbild abhängt. Schaffe ich es, diese Liebe zu retten, oder bin ich mal wieder der Totalversager.)

Und an ihrer Liebe besteht kein Zweifel, dafür bin ich lange genug mit ihr zusammen, um dessen sicher zu sein. Sie war es jedoch, die äußerte, dass sie auf jeden Fall definitiv Schluß macht, wenn sich nichts ändert und ich nur leide. Sie leidet mit und kann kaum verkraften, dass sie der Grund für meinen Verfall ist.

Ach ja, und warum sie "mich nicht ranlässt"? Lies dir einfach nochmal alles durch, was ich geschrieben habe. Bin selbst kein Psychologe, aber ich denke, das hängt mit dem Druck zusammen, den ich permanent ausübe. Das größte Problem damit habe einfach ich, weil ich immer vergleiche: Idealbeziehung - Realität. Dass ihr aber auch etwas elementares fehlt, hat sich in dem "Fremdgehen" (Kuss) auch sehr deutlich gezeigt.

@Glaess.
Ein netter Versuch, aber so einfach ist das nicht. =)
Ich weiß, dass ich krank bin. Ich leide an Depressionen und meine Verlustängste lassen nicht einmal zu, dass ich mich ablenke. Mein Studium habe ich deshalb schon einige Tage vernachlässigt und sogar das Essen...
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