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Israel nicht an Frieden Interessiert
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Israel nicht an Frieden Interessiert
 
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chrigu85
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Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 02:34:46    Titel:

Hallo,

schön zu sehen, dass es noch Foren gibt, in denen versucht wird, zu diskutieren. Auf einigen iranische Foren, auf denen ich in letzter Zeit war, ist es unmöglich, irgendetwas zu schreiben, was sich gegen die Hisbollah richtet.

Jede Kritik an der Hisbollah wird dort als Israelhörigkeit oder "Propaganda" abgetan. Jeder Bericht, der die Hisbollah belastet, egal in welcher Zeitung, wird als Lüge und "pro-zionistische" Propaganda abgetan, während ein Artikel, der sich gegen Israel richtet, in der selben Zeitung als Beleg gegen Israel akzeptiert wird.

Soweit ich das mitbekommen habe, ist es hier nicht so schlimm und man kann in Ruhe über Fehler beider Seiten diskutieren ...

Ich mache eine zweite Post mit einem Artikel über die Hisbollah. Ich will gleich von vornherein klarstellen, dass ich auch die Kriegsverbrechen Israels kenne, dass ich diese auch nicht gut heiße und dass ich dafür bin, dass die Palästinenser einen eigenen, lebensfähigen Staat bekommen. Aber ich möchte auch über den Anteil diskutieren, den Organisationen wie die Hisbollah am Scheitern des Friedensprozesses haben.

"Es mag sein, dass Israel wirklich Frieden will. Aber daran verschwenden wir keinen Gedanken. Wir wollen keinen Frieden mit Israel." Hisbollah-Kämpfer in der Dokumentation: "Von Siegern, Verlierern und Verrätern". Der Südlibanon nach der Befreiung. Film von Jörg Armbruster

Meine Meinung zum aktuellen Konflikt ist, dass die Hisbollah für den aktuellen Konflikt verantwortlich ist, während Israel natürlich für den Konflikt im Ganzen verantwortlich ist, durch die Vertreibung der Araber, dadurch, wie sie die Araber behandelt haben, wie sie teilweise das Kriegsrecht missachten usw. es gibt viele Beispiele.
Für den aktuellen Konflikt halte ich jedoch die Hisbollah für verantwortlich. Die Bomben auf die Zivilisten hat sie miteingerechnet bei der Entführung der Soldaten. Die Reaktion ISraels darauf konnten sie direkt davor an der Reaktion auf die Entführungen durch die Hamas sehen. Sie verstecken sich unter Zivilisten. Was aber das schlimmste ist, politisch gesehen, ist, dass der Libanon eine rechtmäßige Regierung hat. Diese Regierung und das Parlament hat die Hisbollah missachtet. Sie hat das gesamte libanesische Volk in Gefahr gebracht für einen Krieg, den die Regierung dieses Volkes nicht gewollt hat. Die Antwort ISraels ist hart und ich halte sie für sehr bedenklich. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Hisbollah jeden Tag rund 100 Raketen auf ISrael schießt und dass diese Raketen fast ausschließlich auf Zivilisten gerichtet sind. Hätte die Hisbollah die gleichen Möglichkeiten wie ISrael, dann würde es wesentlich mehr israelische Opfer geben, als libanesische.

Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich dafür bin, dass möglichst schnell eine UN-Truppe mit einem robusten Mandat in das Gebiet zwischen Libanon und ISrael gestellt wird und dass die Hisbollah dann mit Hilfe von arabischen STaaten entwaffnet wird.


Zuletzt bearbeitet von chrigu85 am 04 Aug 2006 - 02:49:51, insgesamt 2-mal bearbeitet
chrigu85
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Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 02:36:33    Titel:

Wie Hisbollah kämpft. Der Tod kommt aus der Garage
Von Clemens Wergin


Wer kann, wer will schon gegen 40 tote Kinder argumentieren? Ob die Israelis nun wissen konnten, wen sie treffen würden, einerlei, das zählt nicht – die Hisbollah hat einen wichtigen Sieg im Kampf um die Weltöffentlichkeit gewonnen. Und damit möglicherweise den Krieg? Es lohnt, die Kampfweise der Hisbollah genauer anzusehen. Weil hier die Schlachtfelder der Zukunft aufscheinen. Und weil sich noch keine Miliz die asymmetrische Kriegsführung so systematisch zunutze gemacht hat: Die Hisbollah verbunkert sich in bewohnten Gebieten, operiert mitten aus der Bevölkerung heraus. 100 Dollar, so wird berichtet, erhalten Familien im Monat, damit sie eine Katjuscha unterm Haus oder in der Garage verstecken. Wenn der zuständige Kämpfer seinen Einsatzbefehl bekommt, fährt er hin, zieht die Rakete aus dem Versteck, richtet sie aus und schießt sie ab. Das Ganze dauert zehn bis 15 Minuten. Ein Feind, der nicht zu fassen ist, aber durch den Iran die bestgerüstete Miliz der Geschichte darstellt. Eine reguläre Armee, die unter strenger Beobachtung der Weltöffentlichkeit steht und weitgehend gewillt ist, das Kriegsvölkerrecht zu befolgen, hat dagegen kaum eine Chance.

Die weltweite Empörung angesichts der toten Zivilisten in Kana ist von der Hisbollah einkalkuliert. Die Miliz rechnet damit, dass sich der Feind Fesseln anlegen muss; Fesseln, die sie längst abgeworfen hat. Ein Schiit aus dem Südlibanon hat dieses Kalkül in einem Leserbrief beschrieben: Als die Hisbollah nach Israels Abzug in den Süden kam, baute sie Waffenlager – und darauf Schulen und Wohnhäuser. Ein Scheich sagte diesem Tagesspiegel-Leser damals, „dass die Juden in jedem Fall verlieren, entweder weil die Raketen auf sie geschossen werden oder weil sie, wenn sie die Lager angriffen, von der Weltöffentlichkeit verurteilt werden ob der dann zivilen Toten“.

Den Israelis sind viele Fehler unterlaufen, und sie haben zu oft fahrlässig gehandelt. Im Kern stellt sich ihnen aber dasselbe Problem wie der Nato im Kosovo-Krieg: Demokratische Gesellschaften halten Kriege nicht aus, bei denen viele eigene Soldaten sterben. Deshalb bevorzugen sie den Luftkrieg gegenüber Bodenoffensiven. In Luftkriegen aber sterben in aller Regel mehr Zivilisten. So ergibt sich ein paradoxes Bild. Israels Angriffe waren zu heftig, zu viele Zivilisten wurden getötet. Sie waren nicht heftig genug, weil immer noch mehr als 100 Raketen täglich gen Israel fliegen. Möglicherweise hat die Hisbollah eine Formel für ihre Unbesiegbarkeit gefunden: Man muss die eigene Bevölkerung skrupellos und systematisch als Schutzschild benutzen und einen finanzstarken Sponsor im Rücken haben. Gelingt es dann, den Kampf in die Länge zu ziehen, wird die Gegenseite irgendwann durch die Öffentlichkeit zum Waffenstillstand gezwungen. Der wird jedoch ein Waffenstillstand sein, aus dem die Hisbollah gestärkt hervorgeht. Und der anderen Terrororganisationen als Beispiel dient, wie man den asymmetrischen Krieg gewinnen kann.

http://www.tagesspiegel.de/meinung/archiv/01.08.2006/2688544.asp
unlabelled
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Anmeldungsdatum: 25.07.2005
Beiträge: 35

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 12:54:07    Titel:

um auf die Überschrift zurückzukommen , muss ich dem Threadersteller beipflichten.

Israel hat NATÜRLICH KEIN INTERESE an Frieden, solange ihre Expansionsziele nicht erreicht sind.
Das Ziel ist seit 2000 Jahren die Errichtung eines Großisrael inden Grenzen König Davids, also vom Euphrat (im Irak!) bis zum Nil (in Ägypten !), was man ja auch auf der Flagge deutlich zum Ausdruck bringt, die den Davidstern zwischen den symbolisierten historischen Grenzflüssen zeigt
( http://www.flaggenlexikon.de/fisrael.htm So ist die Flagge mit Sicherheit als eine Interpretation des Kapitels 15 Vers 18 des 1. Buches Mose (Genesis) zu sehen, in der die Lage des von Abraham den Juden versprochenen Landes zwischen Nil und Euphrat versinnbildlicht wird: "An dem Tage schloss der Herr einen Bund mit Abraham und sprach: Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben, von dem Strom Ägyptens bis an den großen Strom Euphrat." )

Am Ende der Errichtung Israels in seinen historischen Grenzen, errichten sie den dritten Tempel und erwarten den Messias.

So steht es geschrieben.
Die Zionisten haben einen langen Atem. das jüdische Zeitalter umfaßt 3x 2000 Jahre.
Sie haben von ihrem wahren Ziel nie abgelassen.

Wer sich einmal eingehender mit den Zielen der Zionisten befaßt, wird den ganzen Wahnsinn erkennen und verstehen, welche Rolle die USA hier spielen.
Der Schwanz wedelt buchstäblich mit dem Hund.
Donald D.
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Anmeldungsdatum: 06.07.2006
Beiträge: 332

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 13:22:20    Titel:

unlabelled hat folgendes geschrieben:

So ist die Flagge mit Sicherheit als eine Interpretation des Kapitels 15 Vers 18 des 1. Buches Mose (Genesis) zu sehen, in der die Lage des von Abraham den Juden versprochenen Landes zwischen Nil und Euphrat versinnbildlicht wird

Darf ich - der gleichen Logik folgend - annehmen, dass die Sachsen ihre monarchistischen Bestrebungen noch immer verfolgen? Warten die Niedersachsen noch immer auf ihren Widukind? Immerhin legen die Flaggen dies nahe.

Na mal ehrlich: das ist doch totaler Stuss.
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 13:24:58    Titel:

Und Brasilien will die südliche Hemisphäre erobern ?
Jockelx
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Anmeldungsdatum: 24.06.2005
Beiträge: 3596

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 13:28:37    Titel:

Donald D. hat folgendes geschrieben:
unlabelled hat folgendes geschrieben:

So ist die Flagge mit Sicherheit als eine Interpretation des Kapitels 15 Vers 18 des 1. Buches Mose (Genesis) zu sehen, in der die Lage des von Abraham den Juden versprochenen Landes zwischen Nil und Euphrat versinnbildlicht wird

Na mal ehrlich: das ist doch totaler Stuss.

'Totaler Stuss' ist eine völlige Untertreibung.
Jockelx
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Anmeldungsdatum: 24.06.2005
Beiträge: 3596

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 13:49:17    Titel:

Jetzt mal eventuell Stuss von mir:
Ich hab mir eine Theorie zusammen gebastelt, die das harte
Vorgehen der israelischen Armee gegen die Infrastruktur und teilweise
gegen die Bevölkerung erklärt:

Die Bombardierung von Dresden im zweiten Weltkrieg diente ja
keinem militärischem Zweck, sondern sollte den Deutschen nur
eine Lektion erteilen. Ziel war es, das jeder noch so verblendete
Nazi angesichts der zerstörten Städte nicht wieder an eine
Dolchstosslegende glauben konnte.

Verfolgt Israel hier vielleicht ähnliche Ziele?
Nach dem Abzug aus dem Libanon liess sich die Hisbollah als
Befreier feiern. Will Israel diesen Mythos zerstören und den Libanesen zeigen,
welche Konsequenzen es hat, die Hisbollah zu unterstützen?

Ist das Unsinn? Wenn nicht, kann so eine Taktik aufgehen?

Jockel
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 14:23:49    Titel:

Es sind ja nun genügend Fotos gepostet worden, die die Zerstörung des Vorortes Dahiya aus allen Blickwinkeln zeigten. Immer wieder die gleiche Strasse, und immer wieder die gleichen Häuser aus verschiedenen Blickwinkeln. Das sollte wohl "verdeutlichen" wie der Rest von Beirut aussieht, der ist aber ziemlich intakt:

http://www.skileb.com/webcam/beirut/default.asp

Interessant bei den Nachtaufnahmen: Es fahren Fahrzeuge auf den Strassen und die Stromversorgung funktioniert offensichtlich.

Shock-and-Awe sieht anders aus. http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Dresd_4.jpg
chrigu85
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Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 18:43:47    Titel:

ISrael will Frieden. Es sind Hisbollah, Hamas und der Iran, die keinen Frieden wollen. Hier ist nochmal ein Zitat eines Hamas-Kämpfers:
Zitat:
"Es mag sein, dass Israel wirklich Frieden will. Aber daran verschwenden wir keinen Gedanken. Wir wollen keinen Frieden mit Israel." Hisbollah-Kämpfer in der Dokumentation: "Von Siegern, Verlierern und Verrätern". Der Südlibanon nach der Befreiung. Film von Jörg Armbruster


Und hier ein Artikel aus dem Spiegel:

Mit Sitzblockaden gegen die Hisbollah?

Von Henryk M. Broder

Leidenschaftlich wird in Deutschland diskutiert, ob die Militärschläge der Israelis im Libanon angemessen sind. Doch wie sollten sie sich gegen die Angriffe der Hisbollah sonst zur Wehr setzen? Etwa mit Sitzblockaden entlang der israelisch-libanesischen Grenze?

Erst 20 Jahre nach dem Ende des Krieges, Mitte der sechziger Jahre, wurde den Deutschen zum ersten Mal bewusst, dass die Nazis im Rahmen des Projekts "Endlösung der Judenfrage" eine größere Anzahl von Juden umgebracht hatten. Im "Frankfurter Auschwitz-Prozeß", der sich über zwei Jahre und 183 Verhandlungstage hinzog, wurde ausgiebig dokumentiert, was in dem Lager neben der polnischen Kleinstadt Oswiecim passiert war. Die deutsche Öffentlichkeit war erschüttert, entsetzt und vor allem - überrascht.
Offenbar hatte niemand vorher "Mein Kampf" gelesen, Hitlers Reden gehört, den "Stürmer" abonniert oder auch nur mitbekommen, dass die jüdischen Nachbarn eines Tages verzogen waren, ohne ihre Möbel mitzunehmen.
Über ein Jahrzehnt später, 1978, strahlte das Deutsche Fernsehen die vierteilige US-Serie "Holocaust" aus.
Und wieder reagierten die Deutschen mit Erschütterung, Entsetzen und grenzenlosem Erstaunen. Das Schicksal der Familie Weiss rührte sie zu Tränen. Sie stellten Fragen, auf die es keine Antworten gab. "Wie war so etwas nur möglich?" Und: "Warum haben sich die Juden wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen? Warum haben sie sich nicht gewehrt?"
Diese Frage bestimmte den Holocaust-Diskurs fast 20 weitere Jahre, bis 1996 Daniel Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker" erschien, das wieder einen Sturm der Erschütterung und des Entsetzens auslöste. Diesmal aber nicht über die im Buch dargestellten Vorgänge, sondern über den Autor, der unter anderem von einem "eliminatorischen Antisemitismus" gesprochen und behauptet hatte, die "Endlösung" sei der konsequente Abschluss einer im deutschen Wesen angelegten Entwicklung gewesen.

Seitdem geht es in der öffentlichen Debatte nicht mehr darum, was die Juden erlebt und nicht überlebt, sondern was die Deutschen gewusst bzw. nicht gewusst , wie viele von ihnen mehr oder weniger bereitwillig mitgemacht hatten. Die Diskussion hat sich von den Opfern zu den Tätern verschoben, wobei die Täter um den historischen Nachweis bemüht sind, dass auch sie Opfer waren, zumindest am Ende, als Dresden bombardiert ("Bombenholocaust") und die "Gustloff" mit über 9.000 Flüchtlingen an Bord versenkt wurde.

Historische Rollen, neu verteilt

Vorher schon hatte der Berliner Politologe Ekkehard Krippendorff die Debatte um einen originellen Gedanken bereichert. Wenn die Juden, statt sich widerstandslos abtransportieren zu lassen, passiven Widerstand praktiziert und Sitzstreiks organisiert hätten, hätten sich die Deutschen mit ihnen solidarisiert, wäre das Dritte Reich in seinen Grundfesten erschüttert und das Schlimmste vermieden worden.
So wurden die historischen Lasten neu verteilt. In letzter Konsequenz waren die Juden nicht nur am Antisemitismus schuld - ohne Juden gäbe es auch keine Antisemiten - sondern auch am Dritten Reich. Sie hatten es in der Hand, das System zu destabilisieren und diese einmalige Chance leichtfertig vergeigt.

Heute ist die Debatte schon ein paar Runden weiter: Die Israelis, so kann man es jeden Tag hören und lesen, tun den Palästinensern das an, was die Nazis den Juden angetan haben, während die Deutschen - oder wie man heute kokett sagt: "die nicht-jüdischen Deutschen" - ihre historische Pflicht darin sehen, darauf zu achten, dass die Juden aus ihrer Geschichte lernen und sich anständig benehmen. Wolfgang Pohrts geniales Wort von den Tätern, die zu Bewährungshelfern mutieren und darauf achten, dass ihre Opfer ja nicht rückfällig werden, war nie aktueller und passender als heute.

Die alte Frage: "Warum haben sich die Juden nicht gewehrt?" ist out. Heute wird den Juden zur Last gelegt, dass sie sich wehren und aus dem letzten Versuch einer Endlösung der Judenfrage die Lehre gezogen haben, dass es besser ist, sich beizeiten zu wehren, statt sich hinterher bemitleiden zu lassen. So schön das Holocaust-Mahnmal in Berlin auch ist - ein Ort, "wo man gerne hingeht" (Gerhard Schröder) -, ein Tag am Strand in Tel Aviv oder Nahariya ist allemal schöner.

"Überzogen" und "unverhältnismäßig"

Nun wird in Deutschland, wo sogar ein verurteilter Kannibale erfolgreich gegen eine Verletzung seiner Grundrechte klagen kann, heftig darüber gestritten, mit welchen Mitteln die Israelis ihr Grundrecht, ungestört am Strand von Nahariya oder Tel Aviv liegen zu können, verteidigen dürfen. Nicht nur Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), Udo Steinbach (Orient-Institut) und Heribert Prantl (SZ) sind der Ansicht, dass Israels Reaktion auf den Raketenbeschuss aus dem Libanon überzogen und "unverhältnismäßig" ist. Auch aus dem befreundeten Ausland hört man ähnliche Stimmen. "Niemand spricht Israel das Recht ab, seine Grenzen zu verteidigen. Aber Raketen, die über die Grenzlinie fliegen, gefährden nicht die Existenz des Staates...", schreibt zum Beispiel Claudia Kühner im Zürcher Tages-Anzeiger.

Wenn aber Raketen, die dazu erfunden wurden, über Grenzen zu fliegen, die Existenz eines Staates nicht gefährden, wer oder was ist dann in der Lage, die Existenz eines Staates zu gefährden? Zu hohe Lohnnebenkosten? Zu niedrige Steuern? Zu viele Arbeitslose? Zu wenige Kinder? Und wie würden die Schweizer reagieren, wenn einer ihrer Grenzkantone mit Raketen beschossen würde? Würden sie mit "Luxemburgerli" von Sprüngli zurück schießen? Oder Coupons von "Migros" aus der Luft abwerfen, mit der Aufforderung: "Stopp Shooting, Start Shopping"?

Selbstmord aus Angst vor dem Tod?

Natürlich ist die Frage nach der "Verhältnismäßigkeit der Mittel" bei der Abwehr eines Angriffs völlig berechtigt. Auch gegenüber Israel. Freilich: Wer sie stellt, muss damit rechnen, eine Antwort zu bekommen, mit der er nicht gerechnet hat. Es spricht für die politische Vernunft und sittliche Reife der Deutschen, dass sie fest davon überzeugt sind, man müsse sich nur an einen Runden Tisch setzen und miteinander reden, um alle Konflikte und Probleme friedlich zu lösen. Das Verfahren hat sich bei Arbeitskämpfen und Vereinskrisen bewährt, aber schon in Nordirland und im Kosovo als recht uneffektiv erwiesen. Und es kommt einem Selbstmord aus Angst vor dem Ableben gleich, wenn man es mit Gegnern zu tun hat, die den Tod mehr als das Leben lieben.

Der verstorbene König Hussein von Jordanien hatte keine Skrupel, einen Palästinenseraufstand im "Schwarzen September" 1970 mit aller Macht niederzuwerfen. Er ließ Flüchtlingslager bombardieren, wobei drei- bis fünftausend Menschen ums Leben kamen. Anschließend verlegte die PLO ihre Stützpunkte in den Libanon, Arafat zog nach Kairo, später nach Tunis.
Auch der syrische Präsident Hafis al-Assad, der Vater des jetzigen Staatschefs, ging mit aller Härte gegen aufständische Muslimbrüder vor. Im Februar 1982 machte er die Stadt Hama platt, 10.000 bis 30.000 Zivilisten kamen ums Leben. Niemand warf ihm einen "Völkermord" vor, wäre es passiert, hätte sich Assad jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens verbeten.

Zu hart? Zu spät!

Schaut man sich dagegen an, was Israel macht, muss man zugeben, dass es eher zurückhaltend agiert. Daran ändert auch das Blutbad von Kana nichts, bei dem über 50 Frauen und Kinder getötet wurden. Es zeigt nur, dass auch in einem High-Tech-Krieg die Zielgenauigkeit katastrophale Folgen haben kann. Es kämpfen nicht reguläre Armeen gegeneinander, sondern eine Armee gegen eine Guerilla-Gruppe, der es nichts ausmacht, die zivile Bevölkerung als Schutzschild zu benutzen. Immerhin warnt die israelische Armee mit Flugblättern die Zivilisten vor bevorstehenden Bombardements, während die Hisbollah ihre Katjuscharaketen ohne jede Warnung abschießt, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren.
Die stärkste Armee im Nahen Osten kämpft mit einer Hand auf dem Rücken. Und büßt für die Versäumnisse der Politiker. Jeder, der in Israel mit Fragen der Verteidigung zu tun hatte, wusste, dass die Hisbollah im Süden des Libanon keine Ferienlager für palästinensische Waisen baute, sondern für den Tag X rüstete. Statt Alarm zu schlagen, weil die Uno-Resolution 1559, die eine Entwaffnung der Hisbollah vorsah, nicht umgesetzt wurde, zog man es vor, die Gefahr zu ignorieren. Die Israelis waren froh, den libanesischen Sumpf hinter sich gelassen zu haben. Man konnte in Kirjat Schmona einkaufen und im See Genezareth baden, ohne vom Kampflärm gestört zu werden.

Natürlich wäre es besser gewesen, die Hisbollah zu entwaffnen, als dies noch mit wenig Aufwand möglich war. Aber eine solche Operation wäre nicht nur in Israel kaum zu vertreten gewesen, auch die Welt hätte Israel als Aggressor gebrandmarkt. So verschwand die Uno-Resolution 1559 im Nebel der Geschichte, und die Israelis, die nur in kurzen Zeiträumen denken und planen können, sagten sich: "Ichije tov", es wird schon gut gehen, irgendwie.

Und weil sie die nötigen Grausamkeiten nicht gleich am Anfang begangen haben, zahlen sie nun den doppelten Preis. Sie kämpfen gegen einen Gegner, den sie unterschätzt haben und stehen als Aggressoren am Pranger. Nicht nur am deutschnationalen und linksradikalen Rand der Zivilgesellschaft ist man sich einig, dass Israel die neue "internationale Völkermordzentrale" ist, auch aus der Mitte kommen ähnliche Töne. Statt auf Unschuldige zu feuern, solle Israel mit der Hisbollah verhandeln.
Man könnte meinen, die Hisbollah-Leute seien Kinder, die beim Spielen mit Streichhölzern in der Scheune ein wenig gezündelt haben, worauf die Israelis vollkommen durchgeknallt sind und Öl ins Feuer gegossen haben, damit der ganze Hof abbrennt. Solche Ansichten haben derzeit Hochkonjunktur in einem Land, in dem allen Ernstes darüber beraten wird, ob man ein ziviles Flugzeug, das von Terroristen entführt wurde, vorsorglich abschießen sollte. Israel dagegen soll in aller Ruhe abwarten, bis die Hisbollah ihre Raketen verschossen hat und hinterher eine Beschwerde bei Kofi Annan einreichen.

Auge um Auge, Soldat um Soldat

So tritt die "Wiedergutwerdung der Deutschen", die Eike Geisel schon vor 20 Jahren vorausgesagt hat, in die finale Phase. Der "Holocaust" wird outgesourct, er findet heute in Palästina statt. Was mit der Frage: "Warum haben sich die Juden nicht gewehrt?" begann, hört mit der kühlen Feststellung auf, dass die Juden nichts aus der Geschichte gelernt haben, dass sie den Palästinensern das antun, was die Nazis ihnen angetan haben. Und dass es die Aufgabe der Deutschen ist, sie zu ermahnen und zu erziehen. Ahmadinedschads willige Helfer wollen für Israel nur das Beste.

Der Theologe und Wanderprediger Jürgen Fliege erinnert Israel an "die gemeinsamen kulturellen und religiösen Wurzeln", die "unsere gemeinsamen Ahnen in der Thora festgesetzt haben". Der Satz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" sei "keine Aufforderung, in der Not alle Hemmungen fallen zu lassen und Rache zu schwören, auf Teufel komm raus". Er bedeute heute: "Nur einen Soldaten für einen entführten Soldaten", alles andere gehe zu weit. In einer aberwitzigen Umkehr von Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion, Täter und Opfer appelliert Fliege an die Israelis, Maß zu halten. Dass er seinen Appell nicht an Nasrallah richtet, hat wohl damit zu tun, dass die "gemeinsamen kulturellen und religiösen Wurzeln" mit der Hisbollah noch so frisch sind, dass sie sich erst in aller Ruhe entwickeln sollen.

Obwohl sogar Joschka Fischer inzwischen eingesehen hat, dass der Konflikt mit der Hisbollah und der Hamas nicht um "besetzte Gebiete", sondern um Israels Existenz geht, findet es der Nahostexperte Michael Lüders beklagenswert, dass "nicht die israelischen Siedlungen in palästinensischen Gebieten" im Westen "als Problem wahrgenommen" würden, sondern "der Terror", der Israel in seiner Existenz bedrohe. Und er schreibt "Terror" tatsächlich in Anführungszeichen, was anzeigen soll, dass er nur in der subjektiven Wahrnehmung der Israelis vorkommt. Es sei die Politik des Westens "in der Region", die "sich selbst ihre Gegenkräfte" schaffe, "insbesondere in der Form des islamischen Fundamentalismus", schreibt Lüders, und rechtfertigt damit alles, was der islamische Fundamentalismus treibt.

"Allmacht der Achse Washington-Jerusalem"

Was aber wäre die Konsequenz aus dieser Erkenntnis, die Lüders auszusprechen sich - noch - geniert? Der Westen müsste Israel fallen lassen, um dem islamischen Fundamentalismus den Treibstoff zu entziehen. Die Botschaft steht unüberhörbar zwischen den Zeilen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie laut vorgetragen wird. Fürs erste lässt es Lüders mit klammheimlicher Schadenfreude gut sein. "Selbst wenn es Israel gelänge, morgen Hamas und Hisbollah zu besiegen, gäbe es übermorgen neue Gruppen unter anderen Namen, die den Kampf gegen die Allmacht der Achse Washington-Jerusalem fortsetzen würden."
Im Gegensatz zu "Terror" setzt Nahostexperte Lüders "die Allmacht der Achse Washington-Jerusalem" nicht in Anführungszeichen, die ist für ihn real. Früher nannte man so etwas den "jüdisch-amerikanischen Griff nach der Weltherrschaft", heute wünscht sich nicht nur der iranische Präsident Ahmadinedschad "eine Welt ohne Zionismus", um den Weltfrieden zu retten.

Für die Israelis wird es langsam eng. Sie ahnen, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen können, weil sie es mit einer Weltöffentlichkeit zu tun haben, die auch bei "asymmetrischen Konflikten" die Verhältnismäßigkeit der Reaktion anmahnt. Und weil alle Appelle, sich an das Völkerrecht und die Spielregeln zu halten, immer nur an Israel gerichtet werden, nie aber an diejenigen, die im Kampf gegen Israel alle Mittel für berechtigt halten.
Schaffen es die Israelis nicht, die Hamas und die Hisbollah zu besiegen, müssen sie sich andere Formen des Widerstands überlegen. Wie wäre es mit Sitzstreiks entlang der israelisch-libanesischen Grenze?

http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,429217,00.html
Elysium
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Anmeldungsdatum: 04.08.2006
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 04 Aug 2006 - 21:02:47    Titel:

Die Ursache dieses seit Ewigkeiten andauernden Nahost-Konflikts liegen in der Nachkriegszeit. Das war doch vorprogrammiert was heute passiert. Das wär als wenn ne X-Beliebige Familie sich auf Befehl eines anderen gegen meinen Willen in mein Haus einquartiert und Anspruch darauf erhebt.

Israel sind die Arschkriecher der USA. Und die USA benutzt sie um indirekt die Kontrolle über Nahost zu haben. Und jeder der sich gegen das wehrt wie z.B. der Iran der wird als extrem böse und gefährlich hingestellt. Die dummen manipulativen Leute, wie z.B. ca. 95% der Deutschen Bevölkerung glauben das natürlich, und so läuft die Propaganda.
Und dieses lächerliche Motte der USA "Wir kämpfen gegen den Terror auf der ganzen Welt...blablabla" is doch nur Vorwandsgeschwafel, warum kümmern sie sich denn nicht um die Lage im Kongo, Ruanda, oder anderen Krisenregionen in Afrika oder auch Asien? weils da nix zu holen gibt.

Das wars mal extrem kurz zusammegefasst was abgeht *g
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