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Recht auf ein Girokonto als Menschenrecht ?
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Werner60
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Anmeldungsdatum: 07.08.2006
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 10 Aug 2006 - 15:41:41    Titel: Recht auf ein Girokonto als Menschenrecht ?

Da kann man doch mal sehen wie asozial die deutsche Kreditwirtschaft doch ist. Da profitieren die Kreditinstitute finanziellen erheblich von der Tatsache, daß Arme bzw. Finanzschwache etwa 10mal mehr Bankgebühren zahlen müßen für die Teilnahme am betriebswirtschaftlichen Zahlungsverkehr der Kreditinstitute, weil man sich geweigert hat, Ihnen ein Girokonto auf Guthabenbasis einzurichten. Die Kreditinstitute in Deutschland haben die Armen ohne Girokonto in unserer Gesellschaft skruppelos abgezockt und Ihnen auch noch das bißchen Geld genommen, daß sie ohnehin so dringend brauchen und das ist meines Erachtens selbst bei aller Liebe äußerst asozial und hinterhältig. Allein vom Menschlichen her verabscheuungswürdig, Pfui !

Das Recht auf ein Girokonto wird also nicht kommen, vielleicht bessert sich die Lage jener künftig wenigstens etwas, die bisher kein Girokonto hatten (etwa 500.000 Menschen in Deutschland, denen die Kreditinstitute durchschnittlich pro Jahr 240.000 Euro abgezockt hatten durch überhöhte Bankgebühren mit im Schnitt 480 Euro pro Kopf und Jahr).

Ich selbst habe die Erfahrung auch schon mal gemacht. ich weiß noch als ich vor 10 Jahren arbeitslos war und ein Girokonto in der Filiale einer Volksbank eröffnen wollte, weil ich ein Konto brauchte für einen neuen Job, den ich antreten sollte, hat mir der Filialleiter frecherweise ins Gesicht gesagt: "So was wie sie kriegt bei uns kein Girokonto ! Hinaus !" - Die haben mich wie Scheiße behandelt. Ich habe dann die bargeldlosen Zahlungen des Arbeitgebers - ich hatte den Job etwa ein Jahr über das Konto meiner Freundin laufen lassen. Das wollte sie verständlicherweise irgendwann nicht mehr. Das ging eine Zeit lang. Dann bin ich auf die Idee gekommen, bei der Postbank ein Girokonto zu eröffnen und seit dem habe ich ein Konto, dass ich nicht überziehen darf bei der Postbank. Also das läuft ganz gut. Finde ich gut, dass die Postbank das gemacht hat.

Ich kenne einen Fall eines Schwerbehinderten (Bekanntenkreis im nördlicheren Deutschland), der zudem noch Hepatitis C hat und Frührente erhält und jetzt 50 Jahre alt ist und allein in einer kleinen Wohnung haust. Der wollte ein Konto haben bei Kreis Sparkasse in Südniedersachsen einrichten, u seine Frührente dort überwweisen lassen zu können und dann bargeldlos davon seine Miete usw. zu zahlen – ein regional tätiges Kreditinstitut mit öffentlichem Auftrag und da haben die ihn von oben herab auf ihre überhebliche Art und Weise weggeschickt mit der Begründung, dass solche Subjekte bei denen kein Konto erhalten. Begründung: Arm und behindert. Der hat heute noch kein Girokonto und lässt seine Erwerbsunfähigkeitsrente über das noch vorhandene Girokonto seines Vaters laufen, der in einem Pflegeheim untergebracht ist. Für mich ist das Verhalten dieses Kreditinstitues, einer Sparkasse (!) auch schlichtweg Behindertendiskriminierung und asozial, die sind noch nicht einmal ihrem öffentlichen Auftrag gerecht geworden. Das ist aber nicht die einzige Sparkasse, die sich so verhält, das machen eine ganze Reihe andere auch so.

Tja so ist das unserer sozialen Marktwirtschaft, von wegen sozial ! Wie verlogen und fies doch viele Verantwortliche in der deutschen Wirtschaft sind, was für Heuchler, ohne jeglichen Anstand, ohne Respekt für die Schwachen in unserer Gesellschaft, die sollten sich in Grund und Boden schämen.

Werner Hoffmann
Raum Frankfurt a. Main
Werner60
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Anmeldungsdatum: 07.08.2006
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 10 Aug 2006 - 15:44:13    Titel: 240 Millionen Euro im Jahr abgezockt

Zahlenkorrektur:
500.000 mal 480 sind 240 Millionen Euro pro Jahr nur an Bankgebühren, die Arme ohne Girokonto bisher an die Kreditinstitute zahlten.
Recht komisch
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Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 10 Aug 2006 - 16:01:54    Titel:

Nahezu alle Privatkundenbanken haben sich selbst verpflichtet, jedermann ein Girokonto auf Guthabenbasis zur Verfügung zu stellen (nur einige Bundesländer sehen in ihren SparkassenVOen einen entsprechenden Rechtsanspruch vor). Die Durchsetzung dieser Selbstverpflichtung gestaltet sich allerdings durchaus schwierig, wenn es sich bei den Betreffenden zB wegen Überschuldung etc. nicht gerade um Wunschkunden der Bank handelt - viele Kreditinstitute verweigern es unter Angabe mehr oder weniger fadenscheiniger Gründe, dieser Verpflichtung nachzukommen, und haben entsprechende interne Richtlinien für Mitarbeiter. IdR wird es ratsam sein, mit Unterstützung einer Schuldnerberatung, Verbraucherzentrale oä vorzugehen - das scheint häufig erfolgreich zu sein.
Leider eröffnet diese Situation aber ein weites Feld für diverse "Geschäftsmodelle" von Abzockern, die solchen Menschen scheinbar attraktive, aber zutiefst unseriöse Angebote andrehen können.

Eine gesetzliche Regelung wäre insoweit durchaus wünschenswert - angesichts der Selbstverpflichtung ist der Widerstand dagegen auch nicht recht verständlich, sofern man davon ausgeht, daß es nicht darum gehen kann, ebendieser auszuweichen.
Guido
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 717
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 12 Aug 2006 - 14:07:13    Titel:

Ich denke diese "Selbstverpflichtung" war - ähnlich wie der sog. "Ausbildungspakt" - nur ein Manöver der Finanzwirtschaft um einer ansonsten drohenden gesetzlichen Regelung zu entgehen. Und von der derzeitigen Parteienkonstellation ist auch keine entsprechende Regelung zu erwarten, da dem Staat durch fehlende Girokonten und überzogene Gebührenschinderei selbst keine Probleme entstehen.

Man wird eben warten müssen, bis es hierzu einschlägiges EU-Recht gibt oder eine verbraucherorientiertere Regierung das notwendige Gesetz erlässt.
Recht komisch
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Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
Wohnort: Ruhrgebiet

BeitragVerfasst am: 12 Aug 2006 - 15:32:57    Titel:

Guido hat folgendes geschrieben:
Ich denke diese "Selbstverpflichtung" war - ähnlich wie der sog. "Ausbildungspakt" - nur ein Manöver der Finanzwirtschaft um einer ansonsten drohenden gesetzlichen Regelung zu entgehen.


Diese Annahme erscheint nicht unberechtigt.
Als die deutschen Banken und Sparkassen 1995 eine Selbstverpflichtung hinsichtlich eines Girokontos für Jedermann erklärten, wurde gerade auf Initiative diverser Verbände über eine gesetzlichen Lösung des Problems nachgedacht; daraufhin hat der Rechtsausschuß des Deutschen Bundestages seine Beratung diesbezüglich ausgesetzt.

Guido hat folgendes geschrieben:
Man wird eben warten müssen, bis es hierzu einschlägiges EU-Recht gibt oder eine verbraucherorientiertere Regierung das notwendige Gesetz erlässt.


Ohne allzu viel zu unterstellen, wird man feststellen können, daß sich die Durchsetzung von Verbraucherschutz gegenüber Banken in Rechtsprechung und Gesetzgebung stets als besonders schwierig erwiesen hat. Zumindest hat sich die Situation vor Gerichten in den letzten 15 Jahren deutlich gebessert - ausschlaggebende Beiträge dazu entstammten nicht zuletzt der europäischen Ebene.
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