Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Wie überzeuge ich einen Neoliberalen
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Wie überzeuge ich einen Neoliberalen
 
Autor Nachricht
ppoldi
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2443

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 23:24:57    Titel:

GinGa80 hat folgendes geschrieben:

Genau davon spreche ich, der Abstraktionsgrad bei Wirtschaftstheorien ist zu hoch im Vergleich zur Komplexität der Realität!


Darf ich fragen wie intensiv du Dich mit dem Thema Wirtschaftstheorie beschäftigt hast ?

Wirtschaftstheorie wird übrigens in erster Linie gelehrt um die Realität zu ERKLÄREN, nicht um die Zukunft vorherzusagen. Ein weitverbreiteter Irrtum.
Pauker
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 23:27:49    Titel:

M.W. taugt eine Theorie aber nur dann, wenn sie auch zuverlässige Aussagen für die Zukunft treffen kann. Ansonsten ist sie ja nicht falsifizierbar. (?)

Gruß
Pauekr
ppoldi
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2443

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 11:27:37    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
M.W. taugt eine Theorie aber nur dann, wenn sie auch zuverlässige Aussagen für die Zukunft treffen kann. Ansonsten ist sie ja nicht falsifizierbar. (?)

Gruß
Pauekr


Ökonomische Theorie ist ein bewiesenes System, da gibt es nichts zu falsifizieren.

Ob die Gesetzmäsigkeiten dann auch so in der Realität auftreten wirst du nie falsifizieren können, da (zumindest bei Standardmodellen) nie alle Annahmen (zB Rationalität) erfüllt sein werden. Man könnte natürlich 100 Roboter in ein Experimentallabor setzen, dann könnte man rationales Verhalten garantieren, aber die Schlussfolgerungen wären nicht sonderlich hilfreich.
Lamasshu
Moderator
Benutzer-Profile anzeigen
Moderator


Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 12:08:17    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Auch der zweite Teil ist schlicht und ergreifend falsch. Der Ungläubige kann es aber gerne nachlesen im Grundlagenbuch economics von Paul Samuelson zum Infant-Industry-Argument. Wenn ich mich richtig erinnere sagte Samuelson, dass es in etwa gleich viele Pro-Beispiele wie Contra-Beispiele für den Erfolg der temporären Abschottung einer Vw gibt um erstmals wettbewerbsfähige Industrien aufzubauen. Wer genaueres wissen will kann es wie gesagt gerne dort nachlesen. Ich hab es grade nicht zur Hand.


Zwei weitere Argumente werden zudem gerne von Samuelson angeführt. Zum einen eine mögliche Realeinkommenssteigerung durch einen Optimalzoll, was in gewisserweise eine Übervorteilung des Handelspartners bedeutet. Zum anderen die "Beggar-Thy-Neighbor"-Politik, die darauf abzielt das allgemeine volkswirtschaftliche Beschäftigungsniveau anzuheben. Das dritte Argument hast du genannt.

Es wäre allerdings auch gut anzumerken, dass Samuelson in meinen Augen diese Argumentation selbst nicht teilt und sich keineswegs für den Protektionismus ausspricht. Die drei oben genannten Argumente erscheinen ihm selbst nur als die eingängigsten, wohingegen eine Vielzahl der übrigen einer Analyse überhaupt nicht gewachsen ist oder sich rein aus "nicht-wirtschaftlichen" Überlegungen ergibt.

Übrigens finde ich die hiesigen Anklänge, dass nur noch Studenten der Volkswirtschaftslehre eine Meinung zu ökonomischen Fachfragen äußern dürfen, irgendwie bedenklich. Macht auch nur bedingt Sinn, ansonsten könnte durchaus nachvollziehbar gefordert werden nur noch graduierte Volkswirtschaftler zu Wort kommen zu lassen, oder gar eine entsprechende Promotion oder ein ebensolches Lehrdeputat zur Bedingung zu machen.
ppoldi
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2443

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 12:13:47    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

Übrigens finde ich die hiesigen Anklänge, dass nur noch Studenten der Volkswirtschaftslehre eine Meinung zu ökonomischen Fachfragen äußern dürfen, irgendwie bedenklich.


Das habe ich nie gefordert.
Aber man kann das Diskussionsniveau enorm erhöhen, wenn man sich etwas informiert anstatt "das Rad immer wieder neu zu erfinden".


Du hast Dich ja offensichtlich auch informiert bevor du den obigen Beitrag verfasst hast.
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 12:21:58    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Es wäre allerdings auch gut anzumerken, dass Samuelson in meinen Augen diese Argumentation selbst nicht teilt und sich keineswegs für den Protektionismus ausspricht.


Dies wollte ich auch nicht andeuten. Es ging mir nur um die Aussage, dass jedes Land durch Protektionismus an Wohlstand verloren hätte. Erfolgreiche Infant-Industry-Beispiele waren nur das Exemple, Samuelson somit hier nur erwähnt, da ich weiß, dass er in seinem Buch Bsp. genannt hat.

Beste Grüße
coffeinjunky
masterofdisaster
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 17:40:57    Titel:

@CJ
CJ hat folgendes geschrieben:
Man muss natürlich auch erwähnen, dass erster Teil ein Glaube und zweiter Teil falsch ist

Also, so ist das ja nun nicht. Wink Mit dem "ersten Teil", nämlich, dass Handel immer zu beidseitigem Vorteil ist, stimmt das in der allgemeinen Form schon. Wenn 2 Handelspartner (freiwillig) untereinander Waren handeln, dann ist es auf jeden Fall zu beider Vorteil, weil es ja sonst nicht durchgeführt würde.
Natürlich ist der Handel zwischen 2 Nationen als solches eine andere Sache, allein weil es hier ja unterschiedliche Interessensgruppen gibt. z.B dürften die Kapitaleigentümer trotz eines allgemeinen Beschäftigungsverlustes in einem Land von der Situation profitieren.

Zitat:
Auch der zweite Teil ist schlicht und ergreifend falsch

Ich habe sowohl vom Infant-Industry-Argument, der Theorie des Optimalzolles und der "Beggar-thy-neighbor-policy" schon gehört. Das sind m.E. aber weitgehend theoretische Gedankenspiele.
Ich wäre sehr überrascht, wenn du mir ein reales Beispiel von einem Land aufzeigst, dass aufgrund (oder trotz) von Protektionismus seinen Wohlstand (in stärkeren Masse als der Durchschnitt der anderen Länder) steigern konnte. Ich bezweifle, dass es so etwas gibt.
ppoldi
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2443

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 23:24:35    Titel:

Ich muss den Master jetzt mal in Schutz nehmen:

Mark hat folgendes geschrieben:
"Der Arbeiter in China ist mir leider relativ egal, da ich nicht wüsste, wie China reicher werden sollte, ohne das wir ärmer werden."

also mit anderen Worten behauptet das ganze sei ein Nullsummenspiel und MOD hat einfach nur gezeigt, dass beide Parteien profitieren KÖNNEN, es also kein Nullsummenspiel ist. Er hat keineswegs behauptet, dass IN JEDEM FALL beide Parteien (hier D und China) profitieren!
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 14 Sep 2006 - 09:54:23    Titel:

ppoldi hat folgendes geschrieben:
Er hat keineswegs behauptet, dass IN JEDEM FALL beide Parteien (hier D und China) profitieren!


Doch, hat er. Die Win-Win-Situation hat er hier unterstellt:

Zitat:
Es nunmal zum Glück nicht so, das Handel ein Nullsummenspiel ist, sondern es profitieren alle Beteiligten.


Beste Grüße
coffeinjunky
coffeinjunky
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Sep 2006 - 09:36:13    Titel:

masterofdisaster hat folgendes geschrieben:
Was das infant-industry-argument angeht, so habe ich allerdings noch eine Frage: Die Idee ist doch, dass unterentwickelte Industrien den Schutz vor billiger Konkurrenz benötigen um zu überleben.


Nun ja, die Idee des Infant-Industry-Argumentes ist, dass Branchen eine gewisse Zeit brauchen um zu reifen, d.h. wettbewerbsfähig zu werden. Darunter wird dann der Aufbau einer Infrastruktur, dem nötigen Know How und dem erstmaligen Ansammeln von Erfahrung verstanden. Schottet man z.B. seinen Computermarkt ab, so entwickelt sich auf Grund der bestehenden Nachfrage nach Computern ein eigener inländischer Markt. Die produzierenden Unternehmen entstehen, forschen, entwickeln und könnten irgendwann wettbewerbsfähig sein.

Berechtigterweise kann man auch davon ausgehen, dass es durch Akkumulation von Wissen im eigenen Land zu Spill-Over-Effekten auf andere Branchen kommt.

Das dies nicht immer funktioniert ist ebenso klar. Aber es funktioniert halt nicht immer nicht. Das Computerbeispiel Brasilien zeigt zum Beispiel, wie gefährlich es ist Branchen entwickeln zu wollen, die in hohem Maße forschungs- und entwicklungsintensiv sind und über weltweit einheitliche Standards positive Netzwerkexternalitäten entwickeln. China hingegen fährt eine etwas abgeminderte Version. Im Kraftwerksbereich müssen ansiedelnde Unternehmen die chinesischen Betriebe zu 70% beteiligen, in der Automobilbranche sind es 40%. So kann man auch Technologieförderung betreiben.

Zitat:
Worauf beruht denn deine Überzeugung für den Freihandel?


Natürlich auf dem breiteren Warenangebot. Handel zwischen entwickelten Volkswirtschaften ist allein deshalb von Vorteil, da das verfügbare Warenangebot größer wird. Frage mal in den neuen Bundesländern, ob diese auf Bananen verzichten möchten. Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht andersrum. Ein breiteres Warenangebot dient letztendlich dem Menschen, da dieser freier wählen kann.

Außerdem haben unterentwickelte Volkswirtschaften durch Freihandel die Chance ihren Wohlstand zu mehren. Betrachtet man sich die Lebensbedingungen der Afrikaner oder Südamerikaner, so muss einem schon schlecht werden. Durch Freihandel haben diese Leute die Möglichkeit ihre Produkte abzusetzen, wenn sie gut genug sind, d.h. wettbewerbsfähig.

In dieser Hinsicht dürften wir uns nicht unterscheiden. Aber ich glaube nicht, dass Deutschland zwangsläufig dabei ebenfalls gewinnt. Ich denke durchaus, dass wir einen Teil unseres Wohlstandes opfern müssen, solange bis die unterentwickelten Volkswirtschaften ein höheres Niveau erreichen, irgendwann so stark sind wie Deutschland und dann alle Nord-Süd-Gefälle nivelliert sind. Dann wird es a. allen Menschen auf der Welt im Schnitt besser gehen und nicht nur einer Minderheit und b. Handel wieder das allgemeine Niveau stark heben.

Beste Grüße
coffeinjunky
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Wie überzeuge ich einen Neoliberalen
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15  Weiter
Seite 14 von 15

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum