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Wie überzeuge ich einen Neoliberalen
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Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
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BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 22:51:49    Titel:

Das wiederum sehe ich genau so.

Im Prinzip weiß jeder "Geiz ist geil" Kunde, dass er am eigenen Ast sägt. Für 30 Euro wird in Deutschland kein DVD-Player produziert.
und für nen Euro wird auch das Hähnchen nicht artgerecht gehalten und schon gar nicht in Deutschland geschlachtet.

Und wer ein billiges Auto kauft, kann sicher sein, dass es nicht in Deutschland produziert wurde.

Und wer die Milch beim Discounter kauft, weiß als einigermaßen informierter Zeitgenosse, dass kein Bauer davon leben kann (zumindest nicht in Deutschland).

Nur beim Einkauf will man es eben gar nicht so genau wissen. Man schimpft lieber auf die Globalisierung und die bösen Konzerne.

Welche Macht der Verbraucher hat, hat er bei Shell bewiesen und bei BSE. Er sollte sie nur mal einsetzen.

Allerdings: der gesamtwirtschaftliche Wohlstand steigt durch Boykott und Kauf teurer deutscher Produkte nicht. Was ich für ein Produkt mehr ausgebe, fehlt mir an anderer Stelle eben, um etwas anderes zu kaufen. Gesamtwirtschaftlich bringt es also nichts. Der Konsument verliert an Wohlstand.

Nur: wer so gerne auf Konzernen und Politikern rumreitet, die doch mal Arbeitsplätze schaffen sollen, darf sich gerne mit eigenem Geld und seiner Konsumnachfrage entsprechend beteiligen. Dann merkt man wie weit es her ist, mit den Sprüchen.

Mein Plädoyer für mehr Verständnis für die Globalisierungsverlierer sollte nicht heißen, dass ich Gegner der Globalisierung bin. Sie verspricht im Endeffekt mehr Wohlstand für alle insgesamt aber nicht für jeden einzelnen. Man darf sich sogar fragen, ob Deutschland nicht zu den Globalisierungsverlierern gehören könnte.

Gruß
Pauker
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 22:59:02    Titel:

Zitat:
Ja, ich weiß, wir müssen uns auf innovative und hochproduktive Technologien spezialisieren. Aber machen wir uns nichts vor: nicht jeder Arbeitnehmer ist durch Bildungsmaßnahmen so produktiv zu machen, dass er im Hochlohnland Deutschland entsprechende Beschäftigung finden wird.

Machen wir es wie die U.S.A.: "Jobs für alle" gibt es im Dienstleistungssektor und wer nicht genug verdient, dessen Gehalt wird via "Earned Income Credits" auf ein höheres Nivveau gebracht. Wink
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:13:45    Titel:

Oder so Smile
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:18:37    Titel:

Wirtschaftsinformatiker hat folgendes geschrieben:
Einen Neoliberalismus wie du oder Wikipedia ihn beschreibt würde ich auch unterstützten. Ich sehe das Problem aber hauptsächlich dabei, dass eben der Begriff Neoliberalismus in der Öffentlichkeit eben mit eiskaltem Kapitalimus belegt ist.


Das Problem bei Diskussionen über den Neoliberalismus ist ganz einfach, dass dieser Begriff ein Oberbegriff für ziemlich viele ideentheorethische Ansätze ist. Eine Differenzierung findet bei Beschimpfungen der Neoliberalen leider nicht statt. So ist ja auch der Monetarismus ein Bestandteil des Neoliberalismus, aber eben nicht der ganze und nicht der unumstrittenste.

Ich selber bin im Verlauf des Studiums auch nie diesem Begriff begegnet und musste mir auch erst unter Wiki und anderen Quellen erschließen, was darunter eigentlich subsumiert wird. Im Studium bin ich bisher der klassischen Theorie, der neoklassischen Theorie, dem Monetarismus, der Keynesschen Theorie, der keynsianischen Theorie, der neuklassischen Theorie und der neokeynsianischen Theorie. Es wird leicht ersichtlich, dass es schon schwer ist die einzelnen Ansätze zu unterscheiden. Da viele der genannten Betrachtungsweisen unter Neoliberalismus zusammengefasst werden ist es noch schwerer diesen Begriff zu fassen.

Der kalte Extremkapitalismus wird durch den Monetarismus und ansatzweise von der neuklassischen Theorie vertreten. Diese beiden Ansätze sind aber alles andere als dominierend, auch wenn sie meiner Ansicht nach viel zu viel Beachtung bekommen.

Beste Grüße
coffeinjunky
Macabre Deified
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Anmeldungsdatum: 11.05.2005
Beiträge: 1916
Wohnort: The Republic of Elbonia

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:28:34    Titel:

österreichische schule und keynes sind sich sozusagen verfeindet, fallen die wirklich beide unter "neoliberal"?

was das kaufverhalten angeht:
es gilt sowohl
wo eine nachfrage ist, da entsteht ein angebot
als auch
wo ein angebot ist, da kann eine nachfrage entstehen, wenn das angebotene (vermeindlich) in den konsumbereich einer gruppe "nachfrager" fällt.
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:35:45    Titel:

GinGa80 hat folgendes geschrieben:
Soll ein Konsument, bevor er ein Produkt kauft, die ganze Produktionskette auf moralische, ökologische, soziologische Richtigkeit überprüfen?


Ja. Genau wie man bei der demokratischen Wahl vorher Informationen über die Parteien gesammelt hat kann dies auch über die Unternehmen passieren, die man mit dem eigenen Geldschein wählt oder zumindest zu einem Käuferboykott aufrufen, wenn das widrige Verhalten der Unternehmen bekannt ist.

Wieviele Menschen haben denn die Deutsche Bank boykottiert und ein anderes Kreditinstitut gewählt, als Herr Ackermann zeitgleich Renditesteigerungen und Entlassungen verkündete? Sich echauffieren kann jeder, aber wenn denn nun vor der Wahl steht Konsequenzen aus dem Wissen zu ziehen, dann wird schnell die scheinheilige Fratze des entrüsteten Konsumenten weggeworfen und zum Vorschein kommt wieder der kaltblütige Kostenrechner, der erstmal bedenken muss, wie vielen Menschen er dann ja eine neue Kontoverbindung nennen muss und wie viel Arbeit dies ja sei... .

Erfährt man nun, dass die AOK verpflichtet ist alle sozial Schwachen und Hochrisikogruppen zu versichern und wechselt man dennoch zu einer günstigeren Krankenversicherung, dann darf man sich auch nicht entrüsten, dass es den Versicherten (inklusive den sozial Schwachen) der AOK irgendwann vielleicht schlechter gehen wird (wenn die neueste Pseudo-Reform in Kraft tritt).

Arbeitet der gute Bekannte nun bei der Telekom und wechselt man das Telefonunternehmen, dann sollte man auch kein Mitleid heucheln, wenn der Bekannte aus betrieblichen Gründen gekündigt wird. Denn daran hat man eine Teilschuld, auch wenn man sowas natürlich gerne verdrängt.

Aber all dies wird verdrängt und negiert. Man ist nicht für die Folgen der eigenen Entscheidungen verantwortlich, da ja noch viele andere Menschen auch Entscheidungen treffen, die Folgen haben. In der Masse sei man als Mitläufer unschuldig...

Ob der mündige Brüger irgendwann einmal Realität wird?

Beste Grüße
coffeinjunky
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:44:55    Titel:

Der mündige Bürger wird genau zu dem Zeitpunkt sein Konsumverhalten rational steuern, in dem er anfängt rationale Wahlentscheidungen zu treffen... nie!
Sorry, da habe ich ein negatives Menschenbild. Der Mensch ist bequem. Wahlen gewinnt hierzulande auch derjenige, der die plattesten Sprüche bereithält und am lautesten rumbrüllt. Warum sollte das bei Kaufentscheidungen anders laufen?

Nur sollte man nicht Unternehmen und Konzernen eben jenes rein ökonomische auf Gewinnstreben erpichte verhalten vorwerfen, das man selbst jeden Tag beim Einkauf an den Tag legt. Dann sollte man wenigstens so ehrlich sein und es als die Natur des Menschen anerkennen.

Im Übrigen danke cj für den theoretischen Unterbau. Immer wieder interessant.

Der Begriff Neoliberalismus wird m.E. auch nur von Gegnern desselbigen verwendet. Insofern wundert es mich nicht, dass es keinen einheitlichen "neoliberalen" Ansatz gibt.

Gruß
Pauker
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:46:36    Titel:

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
österreichische schule und keynes sind sich sozusagen verfeindet, fallen die wirklich beide unter "neoliberal"?


Die keynssche Theorie mit Sicherheit nicht. Je nachdem, ab wann man von neoliberal sprechen möchte, wird man vielleicht die keynsianische Theorie mit in den Kanon aufnehmen. Aber ehrlich gesagt habe ich noch keine befriedigende Übersicht erhalten, welche threotischen Denkmodelle denn nun als neoliberal bezeichnet werden können. Unter anderem daher, da Wiki und andere Quellen unterschiedliche Grenzen ziehen.

Alles in allem finde ich die Einordnung in diese Denkmuster an sich schon nicht für sinnvoll. Es wird suggeriert, dass alle Aussagen dieser Richtungen denselben Wert haben. Während der Monetarismus zum Beispiel bezüglich der Geldtheorie große Beiträge geleistet hat, so zweifelhaft sind einige andere Aussagen.

Meiner Ansicht nach sollte man eher über Aussagen und Argumente diskutieren, als über schwammige Phrasen wie Neoliberalismus.

Beste Grüße
coffeinjunky
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 03 Sep 2006 - 23:54:17    Titel:

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
was das kaufverhalten angeht: es gilt sowohl
wo eine nachfrage ist, da entsteht ein angebot als auch wo ein angebot ist, da kann eine nachfrage entstehen, wenn das angebotene (vermeindlich) in den konsumbereich einer gruppe "nachfrager" fällt.


Das sogenannte Saysche Theorem, jedes Angebot schaffe sich auch seine Nachfrage, kann durchaus für schwach entwickelte Volkswirtschaften als gültig angesehen werden. Ein Blick in die historischen Phasen des Marketing verschafft da ganz gute Eindrücke. Man kann es anhand der LDCs auch gut verdeutlichen.

Bei entwickelten Volkswirtschaften wäre ich da vorsichtig. Jeder Marketingler lernt garantiert in der ersten Vorlesung, dass Marketing die systematische Ausrichtung aller Unternehmensbereiche auf die Kundenwünsche ist (natürlich ein bißchen ausgeschmückt). Hier ist die Annahme der Umkehrung des Sayschen Theorems sehr viel realistischer und vor allem auch am Markt direkt beobachtbar. Wer hätte z.B. vor 2 Jahren damit gerechnet, dass so viele Studentenkreditmöglichkeiten aus dem Boden schießen?

Beste Grüße
coffeinjunky
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 04 Sep 2006 - 19:23:07    Titel:

Zitat:
Der mündige Bürger wird genau zu dem Zeitpunkt sein Konsumverhalten rational steuern, in dem er anfängt rationale Wahlentscheidungen zu treffen... nie!

Tut er doch
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