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Literatur zu Aristoteles / Francis Bacon?
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.:anna:.
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Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 115
Wohnort: Ulm

BeitragVerfasst am: 30 Aug 2006 - 06:56:59    Titel: Literatur zu Aristoteles / Francis Bacon?

Hey,

da ich in den Semesterferien eine Hausarbeit über Natur und Technik in Antike und früher Neuzeit an den Beispielen Aristoteles und Francis Bacon schreiben muss, wollte ich fragen, ob vlt jemand Literaturtipps zu guten Büchern über das Naturverständnis und das Bild der Technik in diesen Epochen kennt. Gerne auch etwas über Platons Höhlengleichnis.

LG und vielen Dank im Voraus,
Anna
hosenscheisser
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Anmeldungsdatum: 23.01.2006
Beiträge: 259

BeitragVerfasst am: 05 Sep 2006 - 15:02:56    Titel:

Hallo Anna,
da kann ich dir einiges an Literatur empfehlen:
1.) Praxisthemen Philosophie: Delschen/Gieraths: Philosophie der Technik, Diesterweg 5556
2.) Rohrmoser: Landwirtschaft in der Ökologie- und Kulturkrise, Kulturwissenschaft
3.) ders. : Der Ernstfall, Die Krise unseren liberalen Republik, Ullstein
aus letzterem Buch einige Zitate:

Zitat:
Philosophisch gesehen bedeutet die Ökologiekrise die Krise des modernen, auch liberalen Fortschrittsbegriffs.

Am Anfang der Politik muß die Interpretation und das Begreifen der Lage stehen, um deren politische Bewältigung es geht. Da sich heute die Frage nach der Wirklichkeit fundamental stellt, ist Politik ohne Philosophie überhaupt nicht möglich. Damit wird eine ganz originäre Aufgabe der Philosophie wieder aktuell, nämlich zu erklären, was die Wirklichkeit ist. Dies war immer eine Fragestellung der großen Philosophien Platons, Kants, Aristoteles' und Hegels. Ihr Motiv, Philosophie zu betreiben, war die Erforschung der Wirklichkeit. Wenn die Menschen sich nicht zum Denken, zum Begreifen erheben, leben sie nach Platons Bild in der Höhle. Sie halten die Schatten der Gegenstände für die Wirklichkeit selbst. Ohne diese philosophische Erhebung, in der Platon das Zentrum der Bildung gesehen hat, verdämmern wir quasi in der Höhle. Ein großer Poet des 20. Jahrhunderts, T. S. Eliot, hat das Dasein des Menschen zutreffend als das eines »hole man« (Höhlenmenschen) interpretiert. Was bleiben wird, heißt es in einem seiner »Four Quartets«, ist der Tennisball und der Wind, der ihn über den Platz treibt.

Die Ökologiekrise ist heute nicht ein Problem unter vielen, sondern sie wirft – mehr als jedes andere Problem – die Frage nach dem Überleben der Menschheit auf. Solch ein Problem hat es in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben. Die Menschen konnten die irrsinnigsten, wahnwitzigsten, auch verbrecherischsten Dinge machen. Aufforderungen zur Naturzerstörung hat es natürlich in der Geschichte der Menschheit immer wieder gegeben. Aber man konnte bisher immer darauf vertrauen, daß die Natur so unerschöpflich und ihre Regenerationskraft so groß sei, daß sie fähig ist, mit allen Folgen menschlicher Mißhandlungen fertig zu werden.

Diese Prozesse, haben ihren Ausgangspunkt vor etwa 400 Jahren genommen. Was ist am Beginn dieser Neuzeit Neues und Entscheidendes geschehen? Die Wissenschaft wurde selbst zu einer Art Religion.

Francis Bacon war der erste, der im Blick auf die sich gerade neu entwickelnden modernen Wissenschaften entdeckte, welche Möglichkeiten der technischen Anwendung in diesen neuen Wissenschaften lagen.
Wenn wir uns dazu entschlössen, so Bacon, die uns durch diese neuen mathematischen, experimentellen Naturwissenschaften zur Verfügung gestellten technischen Möglichkeiten zu nutzen – hier taucht am Beginn der Neuzeit zum ersten Mal diese große Vision der Naturbeherrschung auf –, dann werde sich der Mensch zum Herrn über die Natur machen. Dieses Modell der Wissenschaft und der Technik stellt dem Menschen die realen Mittel zur Verfügung, sich die Natur zu unterwerfen. Durch diese Unterwerfung und Ausbeutung der Natur könne der Mensch zum ersten Mal von all den Abhängigkeiten frei werden, denen er in einer Welt unterworfen war, in der er noch nicht diese Herrschaft über die Natur errungen hatte.
Diesen Schritt hat Bacon damals in seinen religiösen Konsequenzen gesehen. Bacon vertrat die Auffassung, daß die bisherige menschliche Geschichte, von ihren Anfängen an bis zum Beginn der Neuzeit, eine einzige Folge des Sündenfalls gewesen sei, und die Folge des Sündenfalls sei die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies gewesen. Bacon verkündete nun, daß, wenn es gelänge, durch Wissenschaft und Technik die Naturabhängigkeit des Menschen zu brechen, wir die Chance hätten, die fatalen Folgen des Sündenfalls zu überwinden. Wir könnten eine neue Geschichte beginnen, und am Ende dieser neuen Geschichte einer erfolgreichen Beherrschung der Natur durch den Menschen würde nichts anderes zu erwarten sein als die Wiederkehr des verlorenen Paradieses. Dann wäre das »regnum hominis«, das Reich des Menschen, auf dieser Erde begründet.
Der Mensch könnte befreit von allen Abhängigkeiten in Freiheit alle Anlagen seiner Natur ungehindert entwickeln. Die Herrwerdung des Menschen über die Natur würde in eins fallen mit der Stunde der Wiederkehr des Paradieses.
Am Anfang dieses Prozesses der Naturbeherrschung hat Bacon fast alles vorausgesehen, was es in Zukunft tatsächlich geben sollte: Er sah die Erfindung von Flugzeugen voraus, er entwickelte die Möglichkeit von Unterseebooten, er malte das Panorama der Erleichterung der Arbeit aus usw.
Diese Geschichtsepoche der Neuzeit, an deren Anfang Bacons Utopie einer Wiederherstellung des Paradieses steht, neigt sich jetzt dem Ende zu. Viele Menschen sehen die Zukunft eher in ein apokalyptisches Licht getaucht. Endzeitgefühle und -stimmungen suchen uns heute heim, nicht die euphorische Stimmung der aufbrechenden Menschheit am Beginn der Neuzeit. Es ist die Epoche der organisierten und fortschreitenden Beherrschung der Natur durch den Menschen, die heute an ihr Ende gelangt und der in der Ökologiekrise die Rechnung serviert wird. Alle großen Ideologien, auch der Liberalismus, waren an nichts anderem orientiert, als durch die noch perfektere Organisation erfolgreicher Naturbeherrschung die Verheißungen und Hoffnungen in Erfüllung gehen zu lassen, die Francis Bacon an die Wiederkehr des Paradieses am Ende geknüpft hat. Der Sozialismus ist, gemessen am Liberalismus, nur der radikalere Versuch, aus der erfolgreich organisierten Beherrschung der Natur die Früchte eines wiederkehrenden Paradieses zu ernten.

[url]http://www.gfk-web.de/
[/url]http://www.gfk-web.de/inhalt/buecher/landwirtschaft.html


Zuletzt bearbeitet von hosenscheisser am 12 Jul 2007 - 09:18:21, insgesamt einmal bearbeitet
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Anmeldungsdatum: 17.04.2006
Beiträge: 115
Wohnort: Ulm

BeitragVerfasst am: 06 Sep 2006 - 10:28:20    Titel:

Hey,
werde mich nachher gleich mal auf den Weg in die Bibliothek machen. Auch die Zitate klingen genau nach dem, was ich gesucht habe.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Anna
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