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Mindestlohn: sinnvoll oder nicht?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Mindestlohn: sinnvoll oder nicht?
 
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ppoldi
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Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2445

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 13:49:47    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
ppoldi hat folgendes geschrieben:
Die Wirkung von ML auf die Arbeitslosigkeit hängt auch immer vom Setting ab. Ich halte auch Deine Interpretation für falsch das manche Ökonomen ML für "negativ" halten. Derartige normative Statements liest man selten in wissenschatlichen Aufsätzen.


Natürlich liest man es schöner ausformuliert.

Man rät davon ab in Hinblick auf dies und das. In Anbetracht dieser oder jener Zielsetzung sollten alternative Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Und so weiter und so fort. Sicher hast du recht, dass niemand explizit sagt, was er hier und davon hält.

Ist dir schonmal ein Paper begegnet, das sich bezüglich der Beschäftigung für die Einführung eines ML ausgesprochen hat?

Fragende Grüße
coffeinjunky


Nein, da ich auch nicht denke das dort verklausuliert irgendwelche Werturteile versteckt werden.

Aber es gibt natürlich das Paper von Krüger oben, dass Argumente in Richtung proMindestlöhne liefert. Würde in D die AL aufgrund der Einführung von Mindestlöhnen auch sinken (was in New Jersey ja auch bestritten wird, und in D herrschen zudem ganz andere Bedingungen), liese ich mich sicherlich dafür begeisten.
Wirtschaftsinformatiker
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Anmeldungsdatum: 30.06.2006
Beiträge: 7083

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 14:16:24    Titel:

Zitat:
Warum würden durch den Mindestlohn mehr Leute Arbeit finden?


Es ist ja nicht so, daß es keine Arbeit gibt. Aber durch die Konsumsteigerung und eventuell durch nierdigere Aufwendungen für Transverleistungen könnten neue Jobs enstehen.
Wobei meine Einschätzung natürlich auch falsch sein kann, ich bin zwar volkswirtschaftlich und politisch interesiert, aber ich habe ja nur Mikro und Makro für Wirtschaftsinformatiker bis jetzt gehört, so daß sicher einige hier mehr Ahnung als ich haben.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 15:43:29    Titel:

Ja, der Konsum dürfte steigen. Aber wenns so einfach wäre, könnten wir alle Unternehmen zwingen 100 Euro die Stunde zu zahlen. Der höhere Konsum würde es wieder richten. Die Erfahrung zeigt auch (habe die Quelle gerade nicht parat), dass von jedem Euro brutto mehr, kaum die Hälfte auch wieder bei Unternehmen landet oder höchstens sehr indirekt nachdem über die erhöhten Steuer und Sozialversicherungseinnahmen ein Beamtenapparat erst mal seinen Teil der Transaktionskosten wieder vereinnahmt hat. So gehe ich davon aus, dass dies zwar einen Teil der entstehenden Arbeitslosen wieder ausgleicht, aber eben nicht alles.

Warum entstehen durch den Mindestlohn niedrigere Transferleistungen? Den Zusammenhang sehe ich noch nicht.

Ansonsten - ich habe einen Kreuz im Kalender gemacht - sagte ich es bereits wie Bürger. Die höhere Arbeitslosigkeit, die für mich relativ eindeutig resultieren würde, könnte man u.U. bei entsprechenden anderen positiven Effekten hinnehmen. Wir nehmen ja auch eine Tarifvertragsfreiheit "in Kauf" und setzen für den Arbeitsmarkt ein Arbeitgeber-Gewerkschaften-Kartell ein. Das kann man in Kauf nehmen, weil kein Mensch ernsthaft am unteren Ende der Lohnskala einen freien Markt haben möchte, der sich über das Verhungern der Niedrigstqualifizierten quasi selbst reguliert.

Über die Höhe eines entsprechenden Mindestlohnes dürfte dann allerdings wieder Uneinigkeit herrschen. M.E. haben wir nämlich de facto einen Mindestlohn und der heißt HartzIV. Darunter dürfte keiner arbeiten. Nun sollte der Mindestlohn für das Arbeiten natürlich etwas darüber liegen.

Je höher wir den Mindestlohn ansetzen umso stärker dürften die Arbeitslosigkeitseffekt werden und desto inakzeptabler werden aus meiner Sicht die Negativeffekte im Vergleich zu den positiven.

Was die Empirie angeht, so habe ich meine Zweifel. Wirtschaftssysteme lassen sich nicht so einfach vergleichen. Und die Effekte herauszurechnen, die allein aufgrund der Einführung eines Mindestlohnes entstanden sind, dürfte fast unmöglich sein.

Gruß
Pauker
masterofdisaster
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Anmeldungsdatum: 08.02.2006
Beiträge: 913

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 16:55:53    Titel:

@CJ
coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
masterofdisaster hat folgendes geschrieben:
Übrigens, wie auch schon gesagt, handelt es sich hier nicht um ein "Extrem", sondern um einen ganz logischen und allgemeingültigen Mechanismus: Wenn der Arbeitnehmer weniger erwirtschaftet als er kostet, dann kann er nicht beschäftigt werden. Mit einem Mindestlohn werden also alle Arbeitsplätze vernichtet, die weniger produktiv als der Mindestlohn sind. So einfach ist das!
Wink


Vollkommen korrekt ist diese Aussage aber auch nicht.


Ja, das das nicht so absolut gilt, ist mir schon klar, sonst hätte ich auch keinen Smilie Wink dahintergesetzt.
Deine Antwort entspricht genau die Antwort auf meine ursprüngliche Fragestellung
Ich hat folgendes geschrieben:
Mich würde interessieren unter welchen Umständen sich Mindestlöhne tatsächlich positiv auf die Beschäftigung auswirken würden, oder zumindest positiv auf die Gesamtwirtschaft.

Insofern, vielen Dank. Wink


CJ hat folgendes geschrieben:
Senken wir also die SV-Beiträge, dann freut sich der Unternehmer, die Arbeitnehmer, die Arbeitslosen und wen es sonst noch so gibt. Was spricht dagegen?
Naja, irgednwie müssen die Sozialleistungen ja auch finanziert werden, wenn man nicht zu dem Schluss kommt einige davon abzuschaffen (wobei hier die Rentenversicherung, die sich ohnehin nicht mehr lange so weiter finanzieren lassen wird, ein guter Kandidat Wink ). D.h. entweder müssten die Leistungen gekürzt werden oder man muss sie über Steuern finanzieren. Das entspricht aber wohl nicht mehr dem Gedanken einer allgemeinen Senkung.
ppoldi
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Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2445

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 17:09:52    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
.

Was die Empirie angeht, so habe ich meine Zweifel. Wirtschaftssysteme lassen sich nicht so einfach vergleichen. Und die Effekte herauszurechnen, die allein aufgrund der Einführung eines Mindestlohnes entstanden sind, dürfte fast unmöglich sein.

Gruß
Pauker


Hast du dich einmal mit empirischer Wirtschaftsforschung beschäftigt ?

Halte ich für sehr sinnvoll. Nicht weil man dann eigene Studien anstellen kann (viel zu schwer für einen Anfänger). sondern weil man dann endlich lernt was für eine fortgeschrittene Wissenschaft das ist.
Pauker
Moderator
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 19:46:58    Titel:

Nein, habe ich nicht. Wenn solche Fragen so einfach zu beantworten sind, warum hört man nie von den Ergebnissen?
Ich lese ja auch einiges an Wirtschaftspresse. Dass derart eindeutige Aussagen gemacht werden können, ist mir allerdings nicht bekannt. Ich lasse mich aber gerne informieren Smile

Gruß
Pauker
Mark123
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 1075

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 19:54:24    Titel:

ppoldi hat folgendes geschrieben:

Hast du dich einmal mit empirischer Wirtschaftsforschung beschäftigt ?


Pauker hat folgendes geschrieben:

Ich lese ja auch einiges an Wirtschaftspresse. Dass derart eindeutige Aussagen gemacht werden können, ist mir allerdings nicht bekannt. Ich lasse mich aber gerne informieren Smile


Eben. Jedoch vertritt ppoldi die Ansicht, dass man sich besser nicht zu wirtschaftspolitischen Themen äußert, sofern man nicht ein entsprechendes wirtschaftsorientiertes Studium absolviert. Das ist eine sehr interessante These, denn die Auswirkungen wären sehr amüsant. Die breite Masse aller Menschen dürfte dann zu gar nichts mehr Stellung nehmen. Ein durchaus angenehmer Gedanke. Cool

Ich kann in der Wirtschaftspresse in der überwiegenden Mehrzahl ebenfalls nicht seine Thesen wiederfinden. Vor allem gibt es nur ein gutes Dutzend auf dem Planeten, die die Begabung besitzen um wirtschaftliche Entwicklungen langfristig vorauszusehen. Die werden sich aber hüten ihr Wissen preiszugeben und arbeiten stattdessen als Investmentgurus für Großbanken und kassieren ab 50 Mio. € aufwärts pro Jahr.

Und selbst die können gerade mal ungefähr die Entwicklung einzelner Unternehmen oder Wirtschaftszweige voraussehen, aber garantiert nicht die Weltwirtschaft.
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7834
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 20:44:41    Titel:

Das Interesse an den Möglichkeiten empirischer Wirtschaftsforschung ist allerdings echt. Ich würde es wirklich gerne wissen.

Zum Thema, wo und wann man sich äußern darf, habe ich im "Wie überzeugt man einen Neoliberalen-Thread" gepostet. Es ist denke ich nicht notwendig, dass in verschiedenen Threads zusätzlich zu thematisieren - auch wenn ich dir in der Sache zustimme.

Gruß
Pauker

PS: Im Übrigen habe ich ein entsprechendes Studium BWL/VWL absolviert. Empirische Wirtschaftsforschung als Spezialgebiet ist mir dabei allerdings nicht untergekommen.
ppoldi
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Anmeldungsdatum: 06.09.2005
Beiträge: 2445

BeitragVerfasst am: 12 Sep 2006 - 21:38:56    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Nein, habe ich nicht. Wenn solche Fragen so einfach zu beantworten sind, warum hört man nie von den Ergebnissen?
Ich lese ja auch einiges an Wirtschaftspresse. Dass derart eindeutige Aussagen gemacht werden können, ist mir allerdings nicht bekannt. Ich lasse mich aber gerne informieren Smile

Gruß
Pauker


1. Von "Einfach" habe ich nie gesprochen, oder ?

2.In der "Wirtschaftspresse" (darunter verstehe ich den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung uä) wirst du verzweifelt nach guten Artikeln suchen.
Ich kenne kaum einen Journalisten der wirklich Ahnung von Ökonomie hat. Die rühmliche Ausnahme ist allmontäglich der Bereich "Wissenschaft" (oder so ähnlich) im Handelsblatt, da steht fundiertes Zeug.
Hier der Link:

http://www.handelsblatt.com/news/Wissenschaft-Debatte/%c3%96konomie/default_301115.aspx
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3784
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 13 Sep 2006 - 08:29:28    Titel:

Mark123 hat folgendes geschrieben:
Ich glaube kaum, dass Welt, Zeit, Sueddeutsche, Spiegel und Co Journalisten in ihre Blätter lassen, die keine Reputation genießen. Dementsprechend wird auch niemand im Wirtschaftsteil über die wirtschaftliche Lage berichten dürfen, wenn er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat.


Zuerst einmal haben Journalisten ein sehr großes Allgemein- und Weltwissen. Meistens basieren ihre Aussagen durchaus auf irgendwelchen theoretischen Modellen, die sie kennen gelernt haben. Das Problem ist aber nur, dass sie nie sagen, auf welchem Modell ihre Aussagen basieren oder aber, dass sie die Aussagen verschiedener Modell kreuz und queer vermengen. So ergibt sich deren private own Wirtschaftstheorie. Daher rühren die Probleme, die Wissenschaftler so mit Journalisten haben. Der Erkenntnisweg ist einfach nicht nachvollziehbar.

Was aber natürlich nicht bedeuten soll, dass Journalisten immer falsch liegen. Der große Vorteil ist, dass sie das große Ganze besser im Blick haben als die Ökonomen. Darauf haben sie sich ja auch spezialisiert.

Beste Grüße
coffeinjunky
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