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Republik contra Religion
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the_TurK34
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Anmeldungsdatum: 15.09.2006
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BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 09:04:31    Titel: Republik contra Religion

würde mich mal interessieren, was einige leute darüber denken Rolling Eyes ich persönlich, weiss nicht was ich davon halten soll... die türkei ist wesentlich laizistischer als deutschland. kopftücher haben nichts in staatlichen einrichtungen zu suchen, LAIZISMUS. aber dann wiederum sind die kopftuch tragenden frauen doch mit der restlichen gesellschaft nicht gleichberechtigt Confused

Republik contra Religion

In der Türkei ist das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Gebäuden verboten. Doch ein selbstbewusster Islam fordert nun Freiheiten, die der misstrauische Staat nicht gewähren will. Reise in ein zerrissenes Land. Von Charlotte Wiedemann

Als die Mädchen die Polizisten sehen, öffnen sie ihre Kopftücher. Sie tun es langsam und widerwillig, sie wollen nicht provozieren, aber sich auch nicht vorzeitig unterwerfen. Es sind noch drei Meter bis zum Portal der Istanbuler Universität, jetzt noch zwei, der Stoff liegt lose auf dem Kopf, die Mädchen zögern die Entblößung der Haare bis zur letzten Sekunde hinaus.

Alle sind blass vor Aufregung an diesem Morgen, nicht nur die Kopftuchmädchen. Sie sind eine Minderheit in der Menge junger Leute, die sich schweigend dem Tor entgegenschiebt. Gleich werden drinnen die Zulassungsprüfungen beginnen: Wer darf studieren? Bleich vor Sorge bleiben die Eltern zurück.

Für die Kopftuchmädchen liegt vor der Prüfung drinnen die Prüfung draußen: Was ist ihnen wichtiger – Bildung und Beruf oder religiöses Empfinden? Welch eine Entscheidung für 17-, 18-Jährige! Und gleich danach sollen sie ihre Bestleistung erbringen.

Barhäuptig gehen sie nun die Treppe zu den Prüfungssälen hinauf. Oben stehen die Fotografen mit ihren Fernsehkameras. Die Mädchen haben keine Wahl. Prüflinge 2006, ordnungsgemäß unverschleiert, ein Routinebild für die Nachrichten.

Was hatte der Polizist gerufen, als die Mädchen begannen, ihre Tücher zu lösen? Wenn man ihn fragt, antwortet er: »Kopftücher? Ich habe keine Kopftücher gesehen.« Bizarr, so viel Verdrängung. Aber vermutlich ist der arme Mann nur vorsichtig, er weiß, wie explosiv der Streit um ein Stück Stoff in seinem Lande ist. Gerade wird dieser Streit schärfer, die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Türken wachsen – und sie werden geschürt. Auf dem kleinen Kopftuch wird wie in einem bösen Märchen ein großer, staubiger Kampf ausgetragen: um das Gesicht der Türkei, um die Macht im Staat.

Kein Gesetz, nur die Auslegung der Verfassung durch die obersten Richter untersagt das Kopftuch in Schulen und Universitäten, in allen Behörden und im Parlament. Das Tuch sei die Fahne der Republikfeinde, sagen die Richter, ein Symbol der Rebellion gegen den Laizismus, worunter man gemeinhin die Befreiung des öffentlichen Lebens von jeder religiösen Bindung versteht. In der Türkei wurde der Laizismus 1937, ein Jahr vor dem Tod Kemal Atatürks, in der Verfassung verankert, als ein so genanntes kemalistisches Prinzip.

Weil sie ihr Haar nicht zeigen wollte, trug Emine eine Perücke, zwei Jahre lang, an einer Fachschule für Zahntechnik. Emine ist jetzt 25, eine hübsche Frau mit wachen Augen und einem offenen Lachen, das bereitwillig eine Zahnspange freilegt. Nichts an ihr wirkt fanatisch oder verklemmt oder irgendwie seltsam. Sie schiebt ihr Passfoto mit Perücke über den Tisch des Cafés, die falschen Haare waren lang, der Pony hing bis zu den Augen, »damit möglichst viel bedeckt wurde«. Aber hübsch sah sie immer noch aus, sicher auch hübsch für Jungs. Ist das alles nicht absurd? »Ja«, sagt Emine, »es ist absurd. Ich fühlte mich so unwohl, ich fühlte mich wie jemand anders. Aber ganz ohne hätte ich nicht gehen können.«

Eine Frau darf keine Schule leiten, wenn sie privat Kopftuch trägt

Später hat sie im Fernstudium einen Abschluss in Business Administration gemacht, kürzlich gründete sie eine Interessenvertretung für Zahntechniker. Zum Heiraten hatte sie noch keine Zeit. Eine emanzipierte, moderne Frau. Aber das alles zählt nicht. Wie zum Beweis beugt sich in diesem Moment eine elegante alte Dame über den Tisch des Cafés und zischt Emine an: »Du bist kein Kind der Republik!«

Was für ein Satz! Plötzlich wird dieses idyllische Café im Hof einer ehemaligen osmanischen Koranschule zur politischen Bühne: Kemalisten gegen Religiöse. Die alte Dame hatte Emines Erzählung mitgehört, war immer näher herangerückt, ihre Empörung, muss sie geglaubt haben, gebe ihr das Recht dazu, ein Perückenmädchen verdiene keine Privatsphäre. Die alte Dame hat gefärbtes Haar und lackierte Fingernägel. Sie weiß die Moderne auf ihrer Seite und Atatürk und hilfsweise noch ihren Sohn. Dieser sekundiert mit Lektionen über die Verfassung. Emine bleibt gelassen, sie hat so etwas schon oft erlebt. Sie sagt nur: »Ich bin wie Sie eine Bürgerin dieses Staates.«

Es folgt ein zweiter Akt auf der kleinen Bühne. Kaum ist die Kemalistin gegangen, tritt ein unverschleiertes Mädchen auf, mit nackten runden Armen und knappem Ringelshirt. Nagihan, 20, erzählt: »Als ich Studentin wurde, habe ich das Kopftuch ganz abgenommen. Erst habe ich jeden Tag geheult. Dann bin ich ins andere Extrem gekippt, bin im Bikini an den Strand gegangen, habe aufgehört, den Koran zu lesen. Jetzt finde ich langsam einen Mittelweg. Ich fühle mich schlecht, weil ich nicht so lebe, wie ich eigentlich leben will.«

Geschichten, wie man sie an einem einzigen Vormittag sammeln kann. Mit ihren Schuldgefühlen und Gewissenskonflikten zahlen die jungen Frauen den Preis dafür, dass es in der Türkei kein Einvernehmen gibt in einer sehr grundlegenden Frage: Wie viel sichtbare Religiosität kann ein säkularer Staat akzeptieren? Und wie viel Religionsfreiheit muss Demokratie gewähren?

Die obersten Richter reklamieren für sich, sie verteidigten die Republik gegen deren radikalste Feinde. Tatsächlich ignorieren sie den Willen einer Mehrheit staatstreuer Bürger. Drei Viertel der Türken sagen in Umfragen, Studentinnen sollte das Kopftuchtragen erlaubt werden. Darunter sind viele, die es selbst nie tragen oder bei ihren Töchtern missbilligen würden. Die Bevölkerung scheint toleranter als die säkularen Eliten, die sich seit Atatürks Zeit gern als Erzieher eines unreifen Volkes begreifen. Und die staatliche Religionsbehörde betrachtet das Kopftuch sogar als religiöse Pflicht – sie darf das nur nicht zu laut sagen, denn die Religion hat sich nicht in die Politik einzumischen.

An der verfahrenen Lage konnte die Parlamentsmehrheit von Premierminister Recep Tayyip Erdoğan und seiner AKP, der moderat islamischen Gerechtigkeits- und Fortschrittspartei, nichts ändern – und auch dies verstärkt die Spannungen. Religiöse AKP-Wähler sind enttäuscht, andererseits klagen säkulare Türken über eine wachsende Islamisierung. Nur eine andere Rechtsprechung des Verfassungsgerichts könnte die Tür zur Reform des erstarrten Staatssäkularismus öffnen. Darum konzentriert sich der Machtkampf nun auf dessen Festung, das Amt des Staatspräsidenten – denn er ernennt die Verfassungsrichter. Der nächste Präsident wird im Frühjahr gewählt.

Vor den mächtigen Säulen von Atatürks Mausoleum in Ankara versammelte sich kürzlich das gesamte Spitzenpersonal von Justiz, Militär und Staatsdienst zur demonstrativen Verteidigung der Republik. Ein hoher Richter war erschossen worden, nachdem er Lehrerinnen das Kopftuch sogar auf dem Weg zur Schule verboten hatte. Aber war der Mörder wirklich ein religiöser Fanatiker? Oder ein gedungener Provokateur? Spuren weisen in verschiedene Richtungen, aber die Reflexe in Medien und Öffentlichkeit sind eingespielt, lassen wenig Zwischentöne zu.

Das Fieber steigt; zwischen Regierung und Armee wachsen die Spannungen, der neue Generalstabschef gilt als Hardliner. Und manche Gerichtsurteile lassen sich nur politisch deuten, so grob missachten sie die Persönlichkeitsrechte verschleierter Frauen. Wenn eine Lehrerin privat ein Kopftuch trägt, kann sie keine Schulleiterin werden: Sie tauge nicht zum Vorbild. Die Entsendung eines Religionslehrers ins Ausland wurde widerrufen, weil seine Frau Kopftuch trägt. Um ihre Karriere nicht zu gefährden, lassen sich manche Staatsbedienstete auf Empfängen von einer Ersatzfrau begleiten und geben sie als Gattin aus.....

weiter auf: http://www.zeit.de/2006/33/Tuerkei
Das siebte Zeichen
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BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 09:11:06    Titel:

Und warum kommen die ganzen "angeblichen Idioten" dann hier hin, und zeigen "Fahne" (Kopftuch), und nerven unsere ganze Republik damit?!
the_TurK34
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Anmeldungsdatum: 15.09.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 09:14:45    Titel:

Zitat:
Und warum kommen die ganzen "angeblichen Idioten" dann hier hin, und zeigen "Fahne" (Kopftuch), und nerven unsere ganze Republik damit?!


das tuch, angeblich die fahne der tr. republik FEINDE!

ich finde auch, dass kopftücher nichts in staatlichen einrichtungen zu suchen haben, liegt vielleicht daran, dass ich aus einer kemalistischen familie komme Rolling Eyes deutschland sollte sich mal ein beispiel an dem laizismus der türkei nehmen, denn ganz so laizistisch läuft es hier im lande nicht wirklich zu Confused
Das siebte Zeichen
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Anmeldungsdatum: 23.09.2006
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 09:41:00    Titel:

the_TurK34 hat folgendes geschrieben:
...deutschland sollte sich mal ein beispiel an dem laizismus der türkei nehmen, denn ganz so laizistisch läuft es hier im lande nicht wirklich zu...


Meinst du die Christen, oder die Muslime...?

Bei uns ist Religion Privatsache, es läuft niemand mit einem Kreuztuch auf dem Kopf herum, wohl vielleicht mit einem kleinen Kreuz an der Halskette..
the_TurK34
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Anmeldungsdatum: 15.09.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 09:46:07    Titel:

Zitat:
Meinst du die Christen, oder die Muslime...?

Bei uns ist Religion Privatsache, es läuft niemand mit einem Kreuztuch auf dem Kopf herum, wohl vielleicht mit einem kleinen Kreuz an der Halskette..


für beide Exclamation die regierung liegt ja kaum in den händen der muslime, daher können sie wohl kaum über den laizismus bestimmen! religion ist hier in deutschland privatsache? Laughing bist du auch sicher das du gerade in deutschland bist und lebst Rolling Eyes

warum hängen in einigen krankenhäusern kreuze an den wänden? warum dürfen kopftuchtragende frauen an uni's studieren? warum dürfen kopftuchtragende frauen in staatlichen einrichtungen arbeiten? du solltest außerdem nicht vergessen, dass es in deutschland auch hunderte von deutschen muslimischen frauen mit kopftüchern gibt!
Iskander
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BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 14:07:35    Titel:

In der Tat hat die Bundesrepublik in sachen Laizismus noch nachholbedarf, so existiert z.b. noch immer keine entgültige Trennung zwischen Kirche und Staat. Vgl. dazu auch den SPIEGEL die Titelstory über Ursula von der Leyen.

Wir haben immer noch eine Katholische Kirche, die hier mit besonderen Vorrechten ausgestattet ist, sowie eine Protestantische Staatskirche. Wink


Zuletzt bearbeitet von Iskander am 26 Sep 2006 - 14:10:02, insgesamt einmal bearbeitet
Bamlee
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Anmeldungsdatum: 19.05.2006
Beiträge: 296

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 14:09:21    Titel:

Meine Fresse so 'n Geschwätz hab ich selten gelesen.
Atatürk hin Atatürk her, du kannst einem Menschen seine Bildung nicht verweigern, weil er seine Religion ausübt, Junge wo kommen wir denn dann hin??
Man sieht es dir an, ihr seid gegenüber dem Islam sowas von Hasserfüllt, frag mich echt welcher Religion,Sekte ihr angehört.

In einem Land, dass Menschen das Recht auf Bildung *Menschenrecht* aberkennt, will ich nicht Leben!

Deutschland ist in Sachen Laizismus nicht so extrem geartet wie die Türkei und das ist auch gut so.
the_TurK34
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Anmeldungsdatum: 15.09.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 14:19:02    Titel:

Zitat:
Meine Fresse so 'n Geschwätz hab ich selten gelesen.
Atatürk hin Atatürk her, du kannst einem Menschen seine Bildung nicht verweigern, weil er seine Religion ausübt, Junge wo kommen wir denn dann hin??
Man sieht es dir an, ihr seid gegenüber dem Islam sowas von Hasserfüllt, frag mich echt welcher Religion,Sekte ihr angehört.

In einem Land, dass ein Menschenrecht nämlich: ,,das Recht auf Bildung" aberkannt wird, wegen einem Kopftuch, will ich nicht leben!


Laughing religion schön und gut aber nicht in staatlichen einrichtungen bitte! allerdings bildet das "diyanet bakanligi" (ministerium für religiöse angelenheiten) junge frauen in verschiedenen bereichen aus! seit einem jahr wurden schon hunderte kopftuch tragende frauen ins amt aufgenommen (sie dienen zur aufklärung der frauen über die familienplanung, sexualität, verhütung, krankheiten, arbeit und bildung, etc. vor allem im süd-osten des landes)und ettliche besuchen religiöse schulen bzw. hochschulen. diese maßnahme wurde auch seit ca. 1em jahr eingeführt und ist einmalig in der muslimischen welt! somit haben kopftuch tragende frauen auch möglichkeiten sich zu bilden, berufsttäig zu werden und karriere zu machen.


Zuletzt bearbeitet von the_TurK34 am 26 Sep 2006 - 14:21:17, insgesamt einmal bearbeitet
Iskander
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Anmeldungsdatum: 11.05.2006
Beiträge: 401

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 14:20:16    Titel:

Bamlee hat folgendes geschrieben:

Deutschland ist in Sachen Laizismus nicht so extrem geartet wie die Türkei und das ist auch gut so.


Ach, dann können wir ja gleich wieder Francisco Franco einführen. Kirche und Staat in einer Republik (nicht in einem Königreich, da liegen die sachen evt. anders) gehören getrennt! Exclamation
the_TurK34
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Anmeldungsdatum: 15.09.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 26 Sep 2006 - 14:22:12    Titel:

Zitat:
Ach, dann können wir ja gleich wieder Francisco Franco einführen. Kirche und Staat gehören getrennt!


rischtisch Laughing sehe ich da etwa einen kemalisten Question
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