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Mohammeds Schwert, Kaiser Bush und Papst Benedikt
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Foren-Übersicht -> Philosophie-Forum -> Mohammeds Schwert, Kaiser Bush und Papst Benedikt
 
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Magnificient
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Anmeldungsdatum: 20.07.2005
Beiträge: 140

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 09:35:15    Titel: Mohammeds Schwert, Kaiser Bush und Papst Benedikt

Der Papst, der Islam, die Gewalt und die Kreuzzüge

25.09.2006

Uri Avnery
Übersetzung Ellen Rohlfs

Seit den Tagen, als römische Kaiser Christen den Löwen zum Fraß vorwarfen, haben die Beziehungen zwischen Kaisern und Kirchenführern viele Wandlungen durchgemacht.

Konstantin der Große, der 306 – genau vor 1700 Jahren – Kaiser wurde, förderte die Ausübung des Christentums im Kaiserreiche, zu dem auch Palästina gehörte. Jahrhunderte später teilte sich die Kirche in einen östlichen (orthodoxen) und einen westlichen (katholischen) Teil. Im Westen erwarb der Bischof von Rom den Titel Papst und verlangte vom Kaiser, seine Überlegenheit anzuerkennen.

Der Kampf zwischen den Kaisern und Päpsten spielte in der europäischen Geschichte eine zentrale Rolle und spaltete die Völker. Es gab Höhen und Tiefen. Einige Kaiser setzten den Papst ab oder vertrieben ihn, einige Päpste setzen den Kaiser ab oder exkommunizierten ihn. Einer der Kaiser, Heinrich IV., "ging nach Canossa", stand drei Tage barfuß im Schnee vor der Burg des Papstes, bis der Papst sich herabließ, seine Exkommunizierung aufzuheben.

Aber es gab auch Zeiten, in denen Kaiser und Päpste in Frieden miteinander lebten. Heute erleben wir solch eine Zeit. Zwischen dem gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. und dem gegenwärtigen Kaiser George Bush II. besteht eine wunderbare Harmonie. Die vor einer Woche gehaltene Rede des Papstes, die einen weltweiten Sturm auslöste, paßt gut zu Bushs Kreuzzug gegen den "Islamofaschismus" im Kontext des "Kampfes der Kulturen".

In seiner Vorlesung an einer deutschen Universität beschrieb der 265. Papst, was er als großen Unterschied zwischen Christentum und Islam ansieht: während das Christentum sich auf die Vernunft gründe, verleugne der Islam diese. Während die Christen die Logik in Gottes Handlungen erkennen, verleugneten die Muslime jegliche Logik in den Taten Allahs.

Als jüdischer Atheist habe ich nicht die Absicht, mich auf den Streitboden dieser Debatte zu begeben. Es liegt weit außerhalb meiner bescheidenen Fähigkeit, die Logik des Papstes zu verstehen. Aber ich kann eine Passage nicht übersehen, die auch mich betrifft, als Israeli, der in der Nähe der Verwerfungszone dieses „Kampfes der Kulturen“ lebt.

Um den Mangel an Vernunft im Islam zu beweisen, behauptet der Papst, daß der Prophet Muhammad seinen Anhängern befahl, seine Religion mit dem Schwert zu verbreiten. Nach Ansicht des Papstes ist dies unvernünftig, weil der Glaube der Seele entstammt und nicht dem Körper. Wie könnte das Schwert die Seele beeinflussen?

Um diese These zu unterstützen, zitierte der Papst ausgerechnet einen byzantinischen Kaisers, der natürlich zur konkurrierenden Kirche des Ostens gehörte. Ende des 14. Jahrhunderts erzählte Kaiser Manuel II. Palaeologus von einem Streitgespräch, das er mit einem nicht namentlich genannten persisch muslimischen Gelehrten geführt habe - sagte er zumindest (das Vorkommnis wird bezweifelt). In der Hitze des Gefechtes schleuderte der Kaiser (nach seiner eigenen Aussage) folgende Worte gegen seinen Kontrahenten:

"Zeige mir doch, was Mohammad Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Unmenschliches finden wie seinen Befehl, den von ihm gepredigten Glauben durch das Schwert zu verbreiten."

Diese Worte geben Anlaß zu drei Fragen: a) Warum sagte der Kaiser sie? b) Sind sie wahr? c) Warum hat der gegenwärtige Papst sie zitiert?

Als Manuel II. seine Abhandlung schrieb, war er das Oberhaupt eines sterbenden Imperiums. Er kam 1391 an die Macht, als dem einst so blühenden Kaiserreich nur noch wenige Provinzen geblieben waren. Auch diese wurden bereits von den Türken bedroht. [...]

Weiter:

http://www.freace.de/artikel/200609/250906b.html

Lest euch diesen Beitrag gut durch ! Ein sehr gelungener Text. Es baut hoffentlich die Ängste ab !
Carcharoth
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Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 1536

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 10:58:14    Titel:

Hallo!

Ein guter Text, der die Diskussion endlich einmal von der sachlichen Seite aus beleuchtet.

Allerdings lese ich auch etwas die Bemühtheit heraus, zwischen der Bibel, dem Verhalten christlicher Massenmörder (Kreuzfahrer, Ritterorden, Könige und Päpste im Mittelalter, und moderne Kriegsherren wie Herrn Bush jr.) und der Rede des Papstes eine Kontinuität aufzubauen, die meiner Meinung nach nicht unbedingt vorhanden ist.

Zur Diskussion stelle ich neben dem obigen Beitrag als Kontrapunkt auch noch einmal die Vorlesung Benedikts in Regensburg selbst:

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html

Ich interpretiere den Vortrag so, dass nicht nur der Islam an den Pranger gestellt wird, sondern alle Abspaltungen der Religionen, ferner alle "weltlichen" Herrscher, die unter dem Deckmantel wie auch immer gearteten religiösen Glaubens Gewalt anwenden - auch und gerade Ausformungen des Christentums wie z.B. den aggressiven Neokonservatismus der Vereinigten Staaten. - Wie kann der Autor des vom Threadstarter empfohlenen Textes da von einem einheitlichen Denken Bushs und dem Papst sprechen?

Die Mahnung zu vernünftigem und humanistischem Denken und Handeln bezieht der Papst auf ALLE Religionen und Arten der auf welche Religion auch immer bezogenen Theologie, ferner richtet sie sich an "moderne" Naturwissenschaften, mit der Erweiterung, die Vernunft der Theologie als Ergänzung der Wissenschaften und als Hebelwerk der interkulturellen Verständigung anzuerkennen:

>>Denn bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten des Menschen sehen wir auch die Bedrohungen, die aus diesen Möglichkeiten aufsteigen, und müssen uns fragen, wie wir ihrer Herr werden können. Wir können es nur, wenn Vernunft und Glaube auf neue Weise zueinanderfinden; wenn wir die selbstverfügte Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare überwinden und der Vernunft ihre ganze Weite wieder eröffnen. In diesem Sinn gehört Theologie nicht nur als historische und humanwissenschaftliche Disziplin, sondern als eigentliche Theologie, als Frage nach der Vernunft des Glaubens an die Universität und in ihren weiten Dialog der Wissenschaften hinein. Nur so werden wir auch zum wirklichen Dialog der Kulturen und Religionen fähig, dessen wir so dringend bedürfen. In der westlichen Welt herrscht weithin die Meinung, allein die positivistische Vernunft und die ihr zugehörigen Formen der Philosophie seien universal. Aber von den tief religiösen Kulturen der Welt wird gerade dieser Ausschluß des Göttlichen aus der Universalität der Vernunft als Verstoß gegen ihre innersten Überzeugungen angesehen. Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen.<< (Quelle s.o.)

Das von Benedikt angebrachte Zitat (das er übrigens selbst mit den kommentierenden Worten >>erstaunlich schroff<< belegt) ist also das Gegenbeispiel dieses interkulturellen Handels zwischen verschiedenen wissenschaftlich-theologischen Lehren. Das Zitat wird vom Papst nicht als vorbildlich gepriesen, sondern kritisch hinterfragt: geht interreligiöse und interkulturelle Verständigung nicht auch anders?

Vielleicht lese ich den Text auch falsch. Ich lasse mich da gerne eines besseren belehren, bin aber froh, dass sich nunmehr hoffentlich endlich eine sachliche Diskussion abzeichnet. Allerdings weiß ich nicht, wo der Thread besser aufgehoben ist: im Politik- oder im Philosophie/Theologie-Forum?!

Schönen Gruß
Carcharoth
schelm
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 4312

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 13:02:13    Titel:

Magnificient schrieb :

Zitat:
Als jüdischer Atheist habe ich nicht die Absicht, mich auf den Streitboden dieser Debatte zu begeben.


Bisher dachte ich , ein Jude ist ein Glaubender und keine direkte ethnische Zugehörigkeit. Man lernt hier jeden Tag hinzu ! Was ist eigentlich deine Absicht mit der Reanimation von Papst kontra Mohammed unter anderen Namen ?

Zitat:
In der Hitze des Gefechtes schleuderte der Kaiser (nach seiner eigenen Aussage) folgende Worte gegen seinen Kontrahenten:

"Zeige mir doch, was Mohammad Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Unmenschliches finden wie seinen Befehl, den von ihm gepredigten Glauben durch das Schwert zu verbreiten."


Die alte Botschaft , Jahrhunderte vor Mohammed verbreitet von Jesus lautete als Maxime : Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und : Gott greift in den freien Willen des Menschen nicht ein...

Wie würdest du als jüdischer Atheist die Frage des Kaisers eigentlich inhaltlich beantworten ?? Inhaltlich bezüglich des Aspektes des Neuen ?

Zitat:
Diese Worte geben Anlaß zu drei Fragen: a) Warum sagte der Kaiser sie? b) Sind sie wahr? c) Warum hat der gegenwärtige Papst sie zitiert?


Der Papst tat es vermutlich deshalb : Jede Religion ist im Kern darauf ausgerichtet , den Mensch als selbstgeglaubten Mittelpunkt des Universums zu relativieren. Das bedeutet : Er steht mit seinem sogenannten schöpferischen Ego nicht über der Schöpfung und dem Schöpfer selbst.

Irdische Gerechtigkeit , bassierend auf den Vorstellungen des Ego`s des Geschöpfes , muß demzufolge immer ein unvollständiges Konstrukt bleiben. Es sei denn , jeder werfe sein Ego tatsächlich über Bord und liebt seinen Nächsten wie sich selbst.

Fazit : Also kann es nicht Aufgabe eines religiösen Menschen sein , irdische Gerechtigkeit unter Bezugnahme auf seine Religion legitimiert ( ! ) im Zweifelsfall mit Gewalt herzustellen. Denn dazu wäre der Mensch schlichtweg nicht kompetent ! Eröffnet es doch Tür und Tor für jedwede subjektive Interpretationen.

Der Papst versucht also darauf zu verweisen , dass dies alle Religionen zweifelsfrei als Lehre festschreiben und vermitteln müssen.

Zitat:
Lest euch diesen Beitrag gut durch ! Ein sehr gelungener Text. Es baut hoffentlich die Ängste ab !


Ängste werden durch Fakten abgebaut ! Wenn auch in der letzten Koranschule und der letzten Moschee dieser Welt keine wahhabitischen Koranauslegungen mehr gelehrt werden , kann und wird sich Vertrauen auf - und Ängste abbauen !

M.f.G. Schelm Rolling Eyes
Carcharoth
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Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 1536

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 13:13:24    Titel:

hallo schelm!

>>Wie würdest du als jüdischer Atheist die Frage des Kaisers eigentlich inhaltlich beantworten ??<<

Hier hast du dich ganz offensichtlich verlesen:
Der Threadstarter zitiert einen Artikel, dessen Autor von sich sagt, er sei ein "jüdischer Atheist".

Alle Klarheiten beseitigt?

Gruß
Carcharoth
Carcharoth
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Anmeldungsdatum: 18.07.2006
Beiträge: 1536

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 13:14:25    Titel:

hallo schelm!

>>Wie würdest du als jüdischer Atheist die Frage des Kaisers eigentlich inhaltlich beantworten ??<<

Hier hast du dich ganz offensichtlich verlesen:
Der Threadstarter zitiert einen Artikel, dessen Autor von sich sagt, er sei ein "jüdischer Atheist".

Alle Klarheiten beseitigt?

Gruß
Carcharoth
schelm
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Anmeldungsdatum: 31.07.2006
Beiträge: 4312

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 13:22:30    Titel:

@ Carcharoth : Hast Recht ! Embarassed Hatte den Beitrag auch angeklickt , las aber erst ab der nichtzitierten Stelle weiter und glaubte fälschlicherweise , dies wäre vom Threadstarter eine eingefügte persönliche Bemerkung....

Jetzt werde ich wohl nie erfahren , wie jüdisch und Atheist zusammenpasst ! Crying or Very sad

M.f.G. Schelm
borabora
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Moderator


Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 01 Okt 2006 - 13:45:03    Titel:

Vom Politik- ins Philo-Forum verschoben.
Sethos_der_Erste
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Anmeldungsdatum: 15.07.2006
Beiträge: 695
Wohnort: Halle

BeitragVerfasst am: 02 Okt 2006 - 13:31:56    Titel:

Lass mal Schelm. Das ist für mich auch etwas wirr.

Dennoch finde ich den Artickel gut. Er zeigt Fakten zu dem Thema ohne groß drumherum zu reden, weist auf die Geschichte hin. Das kann man ziemlich gut mit allen Fakten in Verbindung bringen. Ich muss mich wohl öfter mit "jüdischen Atheisten" auseinandersetzen.
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