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Selbstmord §211 StGB
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Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Selbstmord §211 StGB
 
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Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 31 Okt 2006 - 21:03:26    Titel:

Tiere sind keine Sachen hat folgendes geschrieben:
da das StGB nun schon etwas älter ist, ist es durchaus denkbar, dass der gesetzgeber früher die selbsttötung nicht straflos lassen wollte (leitbild für diese vermutung ist eventuell die leitbilder der katholischen und anderer kirchen, die selbsttötung verachten). recht berücksichtigt aber auch immer die gesellschaftlichen entwicklungen, auch wenn der gesetzestext so bleibt, so dass die selbsttötung heute richtigerweise nicht strafbar ist.


Das ist völlig klar und wird hier auch nicht bestritten. Es geht schlicht und ergreifend darum, die dogmatische Begründung hierfür auszuarbeiten. Dafür, dass es, vom Wortlaut ausgehend, wohl durchaus möglich wäre, die Selbsttötung unter § 212 zu subsumieren, mutet es etwas überraschend an, dass in der einschlägigen Literatur kaum ein Wort verloren wird.
Leonidas
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Anmeldungsdatum: 16.09.2005
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 31 Okt 2006 - 21:42:35    Titel:

Zitat:
Daran erkennt man aber auch, dass Selbstmord nicht unter 211 fallen kann, denn wie viele psychisch Kranke (z.B.) gibt es... die kommen ja nicht alle in den Knast, nur weil sie sich das Leben nehmen wollten. Also, meiner Ansicht hat das viel mit dem Selbstbestimmungsrecht zu tun.

das die alle nicht in den knast kommen liegt aber auch an § 20 StGB. gab doch tatsächlich mal jemanden, der vor ne u-bahn gesprungen ist, überlebt hat und dann verklagt wurde und für die entstandenen kosten aufkommen musste. grdszl. wirst du als unzurechnungsfähig erklärt wenn du dich umbringen willst. die arme sau musste aber trotzdem zahlen, weil er sich davor noch überlegt hatte sich auf ne andere art umzubringen, die keinen so großen schaden verursacht hätte.
aber generell bedeutet selbstmord(-versuch) gleich unzurechnungsfähig!
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 31 Okt 2006 - 22:33:02    Titel:

Sorry, aber das ist Schwachsinn. Nach deiner Argumentation gäbe es dann ja plötzlich so etwas wie eine Behilfe zur Selbsttötung. Außerdem bringst du da zivil- und strafrechtliche Fragen komplett durcheinander.
Marina85
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Anmeldungsdatum: 22.06.2005
Beiträge: 4764
Wohnort: Aachen

BeitragVerfasst am: 01 Nov 2006 - 00:16:39    Titel:

Genau. Schadensersatz ist Zivilrecht! Außerdem ist mir das mit dem § 20 schon bekannt, allerdings nur, wenn Leute wirklich eine psychische Störung haben und aufgrund dessen eine Straftat begehen und wegen Schuldlosigkeit oder verminderter Schuldfähigkeit nicht bestraft werden oder in Unterbringung kommen oder sonstwas. Das ist beim versuchten Selbstmord aber nicht der Fall! (Strafe ungleich Schadensersatz!)

Wenn jemand Depressionen hat oder meinetwegen vom Ex verlassen wurde und sich aus Affekt Tabletten einwirft, ist er nicht gleich verrückt und bestraft im Sinne des Strafrechts wird er schon gleich gar nicht. Ich denke, das ist auch unumstritten... es geht lediglich um das "warum", also warum Selbstmord nicht unter Tötungsdelikte fällt.

Außerdem greift sowieso nicht gleich § 20 ein, nur weil man irgendeine psychische Erkrankung hat (die vllt. zum Selbstmordversuch führt), z.B. Depressionen. Folglich müssten also ziemlich viele Leute wegen versuchten Selbstmordes im Knast sitzen, was wohl definitiv nicht der Fall ist.
Leonidas
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Anmeldungsdatum: 16.09.2005
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2006 - 13:02:42    Titel:

Das Schadensersatz Zivilrecht ist, ist mir schon klar. Und auch, dass (versuchter) Selbstmord, so oder so, in jeder Hinsicht straflos ist. Hab ich ja auch nie bestritten.
Wollte nur drauf hinaus, dass bei (versuchtem) Selbstmord auch des öfteren eine schuldausschliessende Störung vorliegen würde. Aber hast Recht Marina, dass ist wohl nicht immer der Fall.
sinapichler
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Anmeldungsdatum: 02.11.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 02 Nov 2006 - 14:03:33    Titel: Versicherung

In Österreich entfällt jedenfalls die versicherungsleistung bei versuchtem und überlebtem Selbstmord. Auch dürfen Personen gegen ihren Willen bei verdacht auf Selbstmordrisiko in die Psychiatrie eingeliefert werden.
Ob es per se strafbar ist , weiss ich nicht, aber es ist strafbar, jemandem nicht am Selbstmord zu hindern, bzw. ihn auch noch zu unterstützen.
Discokandi
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Anmeldungsdatum: 29.06.2006
Beiträge: 587

BeitragVerfasst am: 06 Nov 2006 - 17:49:20    Titel:

meiner meinung nach ist der suizig deshalb straflos, weil er tatbestandslos ist (vgl. § 11 I Nr. 5), und deshalb findet er auch keine anwendung auf § 212, weil es dort ja heißt "wer einen anderen menschen tötet"!
Shafirion
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Anmeldungsdatum: 01.04.2005
Beiträge: 1290

BeitragVerfasst am: 06 Nov 2006 - 20:03:22    Titel:

Discokandi hat folgendes geschrieben:
meiner meinung nach ist der suizig deshalb straflos, weil er tatbestandslos ist (vgl. § 11 I Nr. 5), und deshalb findet er auch keine anwendung auf § 212, weil es dort ja heißt "wer einen anderen menschen tötet"!


Heißt es ja gerade nicht, darum geht es doch. Wink
StR-Tobi
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Anmeldungsdatum: 10.08.2006
Beiträge: 2686

BeitragVerfasst am: 12 Nov 2006 - 01:47:56    Titel:

Interessant, dass Leute wirklich mal darüber diskutieren. Smile Und wie... Very Happy

Will mich auch gar nicht groß einmischen, sondern nur eine "Literatur"meinung zitieren, da ihr diese ja vermisst. Also das meint Prof. Dr. Hardtung in seinem Lehrskript BT, 16. Abschnitt:

"a) Nach ganz h. A. ist mit „Mensch“ nur ein anderer Mensch gemeint.

Fall 1: Die lebensmüde F hängt sich am Fensterkreuz auf, wird aber im letzten Moment von ihrem Mann gerettet.

F hat keinen Versuch eines Totschlags begangen, denn sie hat sich nicht vorgestellt, einen anderen Menschen zu töten.

Vertiefung: Das ist in einem Fallgutachten normalerweise nicht der Begründung bedürftig. Man sollte es aber dennoch begründen können, z. B. so: § 223 spricht ausdrücklich von einer „anderen Person“, das ist dann in §§ 211 ff. erst recht so gemeint; §§ 211, 213, 216 gehen davon aus, dass der „Mensch“ ein anderer als der Täter ist, es gibt keinen Grund, es bei §§ 212, 222 anders zu sehen; man kann nicht annehmen, der Gesetzgeber habe so etwas Sinnloses wie eine Vollendungsstrafe für einen toten Täter gewollt. Alle Überlegungen sind nicht logisch zwingend, aber höchst plausibel."

Wie der letzte Satz eindrücklich belegt, ist das ganze im Endeffekt ein Streitstand wie jeder andere. Nur ist er alles andere als prominent und daher wohl entbehrlich.
vanti
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Anmeldungsdatum: 07.11.2006
Beiträge: 296
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 12 Nov 2006 - 12:11:53    Titel:

Frage am rande:
Steht das wort Selbstmord irgentwo im gesetz?
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