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Unser Schul- und Arbeitssystem
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Knuddelchen
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Anmeldungsdatum: 26.08.2006
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BeitragVerfasst am: 04 Nov 2006 - 22:24:32    Titel: Unser Schul- und Arbeitssystem

Hallo alle Miteinander,

Wie findet Ihr eigentlich unser Deutsches Schul- und Arbeitssystem?

Auch wenn ich von unserem System nicht viel halte, aber man kommt ja nicht darum herum, sich diesem anzupassen... otherwise --> Hartz IV Empfänger oder ein schlecht bezahlter Job oder dass man sich nur mit Aushilfsjobs über Wasser hält.

Bei den steigenden Lohnnebenkosten und den sonstigen Lebenserhaltungskosten, na ja...

Aber es ist schon erstaunlich, was heutzutage so an Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt, in der freien Wirtschaft verlangt werden:
- mehrere Fremdsprachen
- Führerschein
- Praktika
- Auslandsaufenthalte, am besten auch länger als ein paar Monate und am besten auch mit einem Praktikum an einer renommierten Firma verbunden...
- auf alle Fälle Abitur, oder eben Realschulabschluss, der aber auch irgendwie zwischen 1,0 und 2,0 liegen sollte
- dass man in den Hauptfächern und der weitergeführten Fremdsprache am besten eine 2 hat.
- ganz zu schweigen von so anderen Dingen wie Äußerlichkeiten, Flexibilität (das geht z.B. mit dem Führerschein zusammen), Sozialkompetenzen usw.

Das alles gebündelt finde ich schon echt übertrieben...

Und für alles braucht man irgendwie Diplome und Zertifikate...

Ich finde, dass man Menschen, die bestimmte Dinge oder die Hälfte davon nicht erfüllen, trotzdem vermehrt Chancen geben sollte...
v.a. was sollen denn Kinder und Jugendliche machen, die keine Empfehlung für die Real- oder gymnasiale Stufe haben??? Und bei denen sich die Eltern über die mangelnde Empfehlung nicht hinwegsetzen, so wie bei mir?
Was mich auch nervt ist, dass es in der Haupt- und Realschule viel weniger "vergeistigt" zugeht als auf dem Gymnasium...
Wo bleibt das Kochen, Werken usw.? (ich hatte damals wegen dieser unfähigen Pädagogen in der Grundschule gerade mal eine Empfehlung für die Sonderschule bekommen )

Wen oder was würdet Ihr denn für diese so genannte Bildungsmisere bzw. die Anti-Schriftlichkeit-Mentalität wirklich verantwortlich machen?
- das böse Fernsehen?
- die Eltern?
- die demotivierten Pauker?
- das soziale Milieu - vgl. Wilhelmsburg, Billstedt (soziale Brennpunkte in HH) usw.?
- falsche Freunde?
- dass es sich in den Industrienationen durchgesetzt hat, dass man auch mit Blödheit Erfolg und Geld haben kann (siehe Paris Hilton und diverse andere). Wobei man aber, wenn man nicht so ein Lottaleben führen will, schon einiges dafür tun muss, um sich in unserer deutschen Gesellschaft wirklich prestigeträchtig zu etablieren!


Habe einen schönen Artikel gefunden, der kontextuell ganz gut passt:

Dienstag, 24. Oktober 2006 Nr. 177 Die Tagespost Feuilleton 9

„Voll krass“
Die neue „Unterschicht“ hat wenig mit dem Proletariat früherer Zeiten zu tun. Sie ist vielmehr das Ergebnis der Orientierungslosigkeit einer wertelosen Gesellschaft.

Von Stefan Rehder

Seit gut einer Woche kennt Deutschland ein neues Thema: Die „Unterschicht". Wer die bisherige Debatte verfolgt hat, kann bislang gerade einmal zwei Diskussionsstränge ausmachen. Während die einen, vornehmlich Politiker, noch darüber streiten, ob das Wort „Unterschicht" in Deutschland überhaupt in den Mund genommen werden darf oder ob nicht Euphemismen wie „Proletariat" oder „Prekariat" ausreichen müssten, um das Phänomen der Unterschicht zu debattieren, diskutieren die anderen, vornehmlich Zeitungsleute, bereits munter das Für und Wider unterschiedlicher Verteilungsmodelle.

Dass jedoch weder der „linguistische", nach politischer Korrektheit strebende, noch der „monetäre", in mehr oder weniger blinden Aktionismus mündende Reflex, zum Kern des Problems vordringen, wird freilich nur den überraschen, der in solchen Reaktionen noch nicht einen Teil des Problems selbst erblickt. Statt Probleme einer sorgfältigen Analyse zu unterziehen und aus den Befunden Handlungsanweisungen zu destillieren, für deren Durchsetzung in der Demokratie dann erst geworben werden muss, instrumentalisieren die so genannten Eliten hierzulande nahezu jedes neu auftauchende Problem, bedienen sich seiner als Vehikel, um ihren eigenen Interessen durchzusetzen.
Was das mit der Unterschicht zu tun hat? Ganz einfach: Die Unterschicht mag sich als bildungsresistent erweisen, instinktlos ist sie nicht. Die Selbstaufgabe, die ihre Mitglieder an den Tag legen und die sie im „Unterschichten-Fernsehen" mit seinen „Krawall-Talkshows" und „Reality-TV" in einer bundesweiten Öffentlichkeit gar zelebrieren, nimmt letztlich eine Gesellschaft beim Wort, die den anderen nicht als Wert an sich begegnet, sondern als Mittel zu unterschiedlichen Zwecken zu operationalisieren können glaubt. So gesehen ist die Unterschicht in erster Linie weder ein Phänomen der Globalisierung noch der Destindustrialisierung, sondern Ergebnis der Orientierungslosigkeit einer wertelosen Gesellschaft.
Natürlich spielen die weltwirtschaftlichen Verwerfungen keine unbedeutende Rolle, entfalten Globalisierung und Deindustrialisierung für die Entstehung der Unterschicht eine immense katalysatorische Wirkung.
Ein wichtiges, in der gegenwärtigen Diskussion noch nicht fruchtbar gemachtes Buch, hat hierzu kürzlich der Leiter des Hauptstadtbüros des Magazins „Der Spiegel", Gabor Steingart, vorgelegt. Aber auch Steingart grenzt in seinem, in diesem Jahr erschienen Buch „Weltkrieg und Wohlstand. Wie Macht und Reichtum neu verteilt werden" die neue Unterschicht vom Proletariat früherer Zeiten ab. So hält er etwa fest: „Der heutige Prolet ist ärmer dran als sein Vorgänger zu Beginn des Industriezeitalters, obwohl es ihm besser geht. Er hungert nicht, er haust im Trockenen, er wird von keiner Seuche dahingerafft, er besitzt sogar deutlich mehr Geld. Er ist in jedem Staat Westeuropas nicht nur Bürger, sondern zugleich Kunde des Wohlfahrtsstaats, auch wenn dessen Leistungen nirgendwo mehr üppig ausfallen. (...) Und dennoch, der Prolet von einst besaß vieles, was die Armen heute nicht mehr haben: ein einheitliches und für alle gültiges Feindbild, ein Klassenbewusstsein, veritable Gegner und oft sogar eine ausgeprägte Kultur. Er sang Lieder, rief seine Parolen, er gründete Vereine, betete seine Theoretiker an, auch wenn er sie nie ganz verstand."
Nichts davon muss man an sich für verteidigungswert halten, und doch markiert das heutige Fehlen dieser Aufzählung den Kern des Problems. Der „Prolet früherer Zeiten" definierte sich eben weder selbst ausschließlich materiell, noch wurde er von anderen ausschließlich unter materiellen Gesichtspunkten betrachtet. Ganz anders der heutige. Er begreift sich selbst ausschließlich als Konsument und wird auch von anderen als solcher - wenn auch in der Sonderform des Schmarotzers - ausschließlich so begriffen. Noch einmal Steingart: „Der Prolet von heute besitzt mehr Geld als die Arbeiter vergangener Generationen und wenn er im Anzapfen des Sozialstaates eine gewisse Fertigkeit erlangt hat, verfügt er über ein Haushaltseinkommen, das mit dem von Streifenpolizisten, Lagerarbeitern und Taxifahrern allemal mithalten kann. (...) Der neue Prolet schaut den halben Tag fern, (...). Er isst viel und fettig. Er raucht und trinkt gern. Rund acht Prozent der Deutschen konsumieren 40 Prozent allen im Land verkauften Alkohols. (...) Er besitzt keine Bildung, aber er strebt ihr auch nicht entgegen. (...) Selbst für seine Kinder unternimmt er keine allzu großen Anstrengungen, die Tür in Richtung Zukunft aufzustoßen. Ihre Spracherziehung ist so schlecht, wie ihre Fähigkeit sich zu konzentrieren. (...) Die Amerikaner sprechen in der ihnen eigenen Direktheit von ‚white trash’, weißem Müll."
Ähnlich wie Steingart hat auch der Historiker Paul Nolte die Verwahrlosung als das eigentliche Kennzeichen der neuen Unterschicht ausgemacht: In seinem 2004 veröffentlichten Werk „Generation Reform. Jenseits der blockierten Gesellschaft" erblickt der Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke Institut der Freien Universität Berlin, dessen Augenmerk besondere der deutschen, amerikanischen und vergleichenden Politik- und Sozialgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts gilt, den „Kern der Unterschicht" in zerbrochenen Familien, in denen Kinder keine Zuneigung erleben und viel zu früh erwachsen sein müssen.
Die alte Arbeiterbewegung, die er wie Steingart säuberlich von der „neuen Unterschicht" separiert, betrachtet Nolte heute als „historisch singulären Glücksfall", da sie es verstanden habe, „eine Bewegung in Gang zu setzen, die in ihrem Wertehorizont und in ihren InstitAtiunen im Grunde völlig bürgerlich war". Dagegen seien „die Formen der Vergemeinschaftung der alten Arbeiterbewegungskultur" heute „weitgehend zerfallen", würden „die bürgerlichen Leitbilder" nicht mehr akzeptiert. Der Grund: Die Kommerzialisierung von Lebensbereichen wie der Familie, der Bildung, der Kultur. „Der Glaube, dass man nur in Singleund Patchwork-Konstellationen leben könne, habe, so Nolte, für den Einzelnen zwar durchaus etwas „Verführerisches"; für die Gesellschaft aber katastrophale Konsequenzen gehabt.
Allenfalls in der akademischen Mittelschicht, die über „entsprechende Bildungsund 'Verhaltensressourcen" verfügte, hätten sich solche Individualisierungsmodelle mitunter als lebbar erwiesen, in den unteren Schichten hätten dagegen die „Auflösung der Familien zur Selbstzerstörung der Gesellschaft" geführt, und nicht zuletzt die Erziehungs- und Bildungschancen der Kinder zerstört.
Für Nolte ist klar: Eine „klassische Interessenspolitik", der es vornehmlich darum gehe, die Renten der heute Vierzigjährigen in Euro und Cent zu retten," werde das Problem nicht lösen können. „Ohne Leitbilder" werde eine „zukunftsfähige Gesellschaft" ebenso wenige auskommen, wie sie an „einer Wertedebatte" vorbeikomme.
Tatsächlich liefert die neue Unterschicht denn auch nicht mehr als eine zwar oftmals entsetzliche, aber letztlich grundehrliche Antwort auf die von dem in Politik, Wirtschaft und Medien seit rund vier Jahrzehnten herrschenden Zeitgeist voran getriebener Kommerzialisierung sämtlicher Lebensbereiche, die weder vor der Kultur, noch der Bildung, noch der Familie Halt gemacht hat. Ihrem Wesen nach reaktiv spiegelt die Unterschicht ungeschminkt, was in unserer Gesellschaft wirklich zählt: Haben statt Sein, Materielles statt Ideelles, Konsum statt Kultur. In diesem Zusammenhang
scheint es der Erwähnung wert, welche Umwertung etwa Bildung und der Erwerb von Wissen in den letzten Jahrzehnten erfahren haben. Während der Gelehrte über Jahrhunderte als Vorbild, und jemand galt, dem man mit Respekt begegnete, wird er heute als Insasse des Elfenbeinturms verspottet; verneigt man sich stattdessen vor demjenigen, der sich nur jenes Wissen aneignet, dass sich auch in Produkte gießen lässt, die sich erfolgreich verkaufen lassen. Längst hat die angewandte Wissenschaft nicht nur den Geisteswissenschaften, sondern auch den theoretischen Zweigen der Naturwissenschaft den Rang abgelaufen. Selbst eine solide Allgemeinbildung wird nur dort nicht mehr als bloße „Zeitverschwendung" betrachtet, wo sie „Wettbewerbsvorteil" für die Bewerbung bei der RTL-Show „Wer wird Millionär" betrachtet wird. In einer Welt der Kommerzialisierung wird schließlich Würde - wie nicht zuletzt die Biopolitik zeigt - zur puren Fiktion und Fürsorge zum „Luxus", den man sich leisten kann, aber keinesfalls muss.
Insofern scheint auch die Frage erlaubt, ob nicht die von vielen gegenwärtig beklagte „Perspektivlosigkeit" der neuen Unterschicht eigentlich nicht Augenwischerei ist? Denn schließlich könnte man die Weigerung der Unterschicht, sich um einen sozialen Aufstieg zu bemühen, auch als kühle Kosten-Nutzen-Rechnung interpretieren. Die Primärbedürfnisse der heutigen Unterschicht sind weitgehend gedeckt. Und da derjenige, der mehr vom Gleichen will, dieses Mehr nur durch einen vergleichsweise hohen Einsatz, nämlich durch den Erwerb von operationalisierbarem Wissen, erreichen kann, kann der Verzicht auf mehr Wohlstand gemäß dem Minimumprinzip auch durchaus als ökonomisch sinnvoll betrachtet werden.

So facettenreich das Phänomen der neuen Unterschicht auch sein mag, mit Umverteilung von Geldern - in weiche Richtung auch immer - lässt sich ihm daher womöglich gar nicht beikommen. Es scheint. als braucht jeder weder mehr, noch weniger des immer Gleichen, sondern das ganz Andere, um dem Phänomen der Unterschicht (und manch andrem auch) angemessen zu begegnen. Es sind die vermeintlich weichen Faktoren - Leitbilder, Werte. Tugenden - mit denen eine so harte Nuss wie das „Unterschichtenproblem“ (Kurt Beck), geknackt werden kann. Der bisherige Verlauf der Debatte bietet - wie schon die von Eva Herman angestoßene Debatte über die Familie - allerdings wenig Anlass zu der Hoffnung, dass sich Politik und Medien diesmal darauf einlassen werden. Und das ist - wie die Unterschicht sagen würde - eigentlich „voll krass“.
Knuddelchen
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Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 1757
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BeitragVerfasst am: 04 Nov 2006 - 23:10:36    Titel:

ich habe keine Ahnung, ob das hier die richtige Sparte dafür ist... Embarassed
Twain
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Anmeldungsdatum: 22.06.2006
Beiträge: 2680
Wohnort: Herts, U.K

BeitragVerfasst am: 04 Nov 2006 - 23:57:13    Titel:

Dein Text erschlägt etwas... Mach lieber kleinere Häppchen draus.
lisbeth
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Anmeldungsdatum: 15.04.2006
Beiträge: 2016

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 09:08:14    Titel:

Ich denke hier passt es besser rein.

Viele Grüße aus dem Psychologie-Forum Smile
Schlafloser
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Anmeldungsdatum: 07.06.2006
Beiträge: 75
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 10:01:34    Titel:

Interessanter Text, im großen und ganzen stimme ich dem Inhalt zu. Nur die Frage ist vielleicht, was kann man als Einzelperson tun auch nur etwas an den Wertvorstellungen dieser Gesellschaft zu ändern? Oder auch die Politik, wie könnte sie dieses Problem angehen? Ich denke das ist alles schon viel zu verflochten und in den Köpfen der Menschen verankert als dass man diese Ideale wieder so leicht kippen könnte. Mal abgesehen von einer Revolution, die es wohl kaum geben wird, kann es noch ewig so weitergehen. Vor allem da der Großteil der Menschen die an Macht und Einfluss kommen, dieses ja genau durch diese Instumentalisierungen erreicht haben, und somit wohl kaum etwas tun würden was eine Umverteilung dieser Wertvorstellungen in der Gesellschaft fördert.

Ich meine damit nicht dass man es hinnehmen soll und danach leben soll, was ich nicht tue. Ich werde auch, wenn ich mal Kinder habe, ihnen versuchen andere Werte als den Konsum zu vermitteln. Aber ich rechne nicht damit ,dass sich so schnell mal etwas in den Köpfen der Menschen ändern wird. Ich denke die "Werlosigkeit" unserer Gesellschaft ist ja nicht erst seit kurzem vorhanden und es wird ja immer extremer, immer unmenschlicher unsere gesammte Gesellschaft.

@lisbeth:
Ich weiß nicht ob der Thread sich unbedingt um die Politik dreht, vielleicht gehört es eher zum Thema Philosophie?
...oder auch nicht?
Knuddelchen
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Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 1757
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 11:09:37    Titel:

ich finde, dass der Konformismus bei uns in Deutschland oder überhaupt in den Industrieländern zu stark vorherrscht. Das erstreckt sich ja auf alle Lebensbereiche. Was Intelligenz und Bildung angeht, ist mehr ein Mittelmaß gefragt, ansonsten ist man total außen vor, wer zu viel Ehrgeiz hat und wahrhaft strebsam ist, wird schnell zum Außenseiter degradiert. All das kann man ja auch auf das optische Erscheinungsbild, das mit der Brille und den Kontaktlinsen, die typischen Interessen der Jüngeren usw. beziehen. Wenn ich mich so umschaue oder an meine dutzenden Nachhilfeschüler denke - bis auf ein paar Ausnahmen - kann ich nur noch feststellen, dass die Individualität schon ziemlich verloren geht. Es ist nur noch Anpassung und v.a. auch dieses Beliebtheitsstatus-Denken gefragt.
Was aber ist mit Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen, bestimmten Normen, etablierten Pseudo-Werten nicht anpassen können???
Viele aus dieser sogenannten Unterschicht (= Prekariat) können sich dem Mittelmaß nicht anpassen, weil sie damit nichts anzufangen wissen oder die Perspektive verloren haben... und die Menschen, die sich über dem Mittelmaß ansiedeln, wollen dies gar nicht mehr und nehmen es in Kauf, dass auch sie von Teilen der Gesellschaft ausgestoßen werden.
Prinzipiell nervt es mich, dass fast alles Andersartige irgendwie außen vor ist. Jetzt mag jemand meinen, na toll, was hat das mit dieser Arbeits- und Bildungsdiskussion zu tun. Oh, das hat sogar sehr viel damit zu tun. Bildung und Arbeit sind ja eng mit der sozialen Stellung verflochten. Das ist doch nach wie vor so, auch wenn es manche nicht glauben/einsehen wollen.
Man merkt es ja schon daran, wie jemand, der einen Posten anstrebt, für den er studiert haben oder sonstige schwer zu erwerbende Zertifikate erbringen muss, behandelt wird. Ich merke das ja auch schon, dass ich irgendwie respektvoller behandelt werde, seitdem ich Student bin. Nicht in dem Sinne, dass ich jetzt hier damit angeben will, sondern weil ich das wirklich "krass" finde. Ich meine, ich habe das Studium ja nicht mal halb fertig. Embarassed Oder wenn von Nichtstudenten die Kommentare kommen "Mensch, Sie müssen ja etwas auf dem Kasten haben!" o.ä. Wohingegen das unter Studenten oder Studierten etwas ganz Selbstverständliches ist.
Ashe
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Anmeldungsdatum: 28.12.2005
Beiträge: 1989

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 11:40:56    Titel:

Ich finde es auch krass, was heute teilweise alles verlangt wird, wenn man eine Arbeitsstelle haben will. Allein schon die Tatsache, dass es immer mehr Langzeitpraktikanten gibt, die nach ihrem Uniabschluss von Praktikum zu Praktikum rennen und teilweise schon froh sind, überhaupt eins zu bekommen. Unser Schulsystem ist sowieso nicht das Wahre, das schlimmste daran ist die Selektierung nach der vierten Klasse (zumindest in den meisten Bundesländern). Oder wie Bewerbungen heute ablaufen, mit den ganzen Assessment-Centern und so... Horror! Früher wurde man eingeladen und hat mit dem Chef ein Gespräch geführt. Heute muss man erstmal eine Gruppendiskussion führen, welche von Psychologen begutachtet wird.. Gott im Himmel!
v2.web
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Anmeldungsdatum: 21.10.2006
Beiträge: 909

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 13:53:49    Titel: Das Problem mit der n.Unterschicht und wo es schmerzen tut

Zitat:
Und dennoch, der Prolet von einst besaß vieles, was die Armen heute nicht mehr haben: ein einheitliches und für alle gültiges Feindbild(1), ein Klassenbewusstsein(2), veritable Gegner(3) und oft sogar eine ausgeprägte Kultur(4). Er sang Lieder, rief seine Parolen, er gründete Vereine, betete seine Theoretiker an, auch wenn er sie nie ganz verstand.

Solche stinkenden Legenden sind typisch für das aktuelle Intellektuellenproblem des heuteigen Proletariats.
Was ihm laut Steingart fehlt sol da sein:
(1) - Feindbild: Feindbilder wurden von den Herrschenden projeziert
(2) - Klassenbewußtsein: Solche ein "Bewußtsein" ist zutiefst antikommunistisch
(3) - Gegner soll es haben?
(4) - Kultur kann man nicht essen
Zitat:
Er sang Lieder, rief seine Parolen, er gründete Vereine, betete seine Theoretiker an, auch wenn er sie nie ganz verstand.

Ein diskriminierender Satz der zeigt, wieviel die andere Seite doch noch nach einer Hingabe der versklavten Schichten an alte Mythen / Wohlstanstranszendenzen lechzt die zu nichts weiter dienen sollen als zur Unterdrückung.
Zitat:

Wie findet Ihr eigentlich unser Deutsches Schul- und Arbeitssystem?

Es muß sich verändern:
- Schulen werden abgeschafft und durch Hirnleistungszentren und Wireless Neuro Network Routers ersetzt werden.
- Arbeit wird auch abgeschafft, es wird ein Grundeinkommen geben welches durch die Arbeit von Robotern erwirtschaftet wird.
Die Autoren des Spiegel werden dann allerdings nicht mehr als Theoretiker angebetet sondern verrichten Arbeiten die sie nie ganz verstehen.

Zitat:
ich finde, dass der Konformismus bei uns in Deutschland oder überhaupt in den Industrieländern zu stark vorherrscht. Das erstreckt sich ja auf alle Lebensbereiche. Was Intelligenz und Bildung angeht, ist mehr ein Mittelmaß gefragt, ansonsten ist man total außen vor, wer zu viel Ehrgeiz hat und wahrhaft strebsam ist, wird schnell zum Außenseiter degradiert. All das kann man ja auch auf das optische Erscheinungsbild, das mit der Brille und den Kontaktlinsen, die typischen Interessen der Jüngeren usw. beziehen.

Für solche Fälle gibt es dann das Forum Uni-Protokolle.de wo niemand außen vor ist oder aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes zum Außenseiter degradiert wird.

Ich habe gesprochen, Amen.
Knuddelchen
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Anmeldungsdatum: 26.08.2006
Beiträge: 1757
Wohnort: Norddeutschland

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 15:52:38    Titel:

Ashe hat folgendes geschrieben:
Ich finde es auch krass, was heute teilweise alles verlangt wird, wenn man eine Arbeitsstelle haben will. Allein schon die Tatsache, dass es immer mehr Langzeitpraktikanten gibt, die nach ihrem Uniabschluss von Praktikum zu Praktikum rennen und teilweise schon froh sind, überhaupt eins zu bekommen. Unser Schulsystem ist sowieso nicht das Wahre, das schlimmste daran ist die Selektierung nach der vierten Klasse (zumindest in den meisten Bundesländern). Oder wie Bewerbungen heute ablaufen, mit den ganzen Assessment-Centern und so... Horror! Früher wurde man eingeladen und hat mit dem Chef ein Gespräch geführt. Heute muss man erstmal eine Gruppendiskussion führen, welche von Psychologen begutachtet wird.. Gott im Himmel!


ich habe diese "Special Assessment"-Mentalität ja bei meiner besten Freundin miterlebt. Du liebe Güte, musste die viel machen. Es war ja nicht nur ein Vorstellungsgespräch, sondern auch so Tests und Gruppendiskussionen wurden veranstaltet. Sie hat sich zwar vorwiegend bei Banken beworben, aber selbst in anderen Berufsfeldern werden diese Tests vorgenommen! Shocked
Wozu wird das eigentlich gemacht?
Ob jemand tauglich ist oder nicht, kann man doch auch während des Gesprächs festmachen oder wenn man denjenigen ein wenig zum Einsatz gebracht hat! Question
borabora
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Anmeldungsdatum: 05.06.2005
Beiträge: 6273

BeitragVerfasst am: 05 Nov 2006 - 15:54:25    Titel:

das ist nun mal gerade sehr "in". man erhofft sich dadurch mitarbeiter auszuwählen, die besonders gut in die firma passen... sinn oder unsin... egal, das "macht man halt grad so". Rolling Eyes
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