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Töten durch Unterlassen
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Iskremas
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Anmeldungsdatum: 16.11.2006
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 16 Nov 2006 - 22:49:24    Titel: Töten durch Unterlassen

Hallo!
Wir haben ein (philosophisches) Seminar über Pflichtenethik (da dreht sich der Großteil der Literatur leider um Sterbehilfe), da aber einige unserer Autoren unglückliche bis schwammige Begriffsdefinitionen verwenden und der Sterbehilfekomplex ohnehin so belastet ist, dass eine reine Behandlung der Begrifflichkeit kaum möglich ist, will ich mal rausfinden, wie die Handhabung in anderen Wissenschaften ist, damit das dann in die Begriffsklärung und -unterscheidung einfließen kann.
Im aktuellen Fall geht es um die Definition passiver Sterbehilfe als "Verzicht auf lebenserhaltende Maßnahmen". Diese Definition träfe aber auf folgende Fälle zu:
1.) Rein passive Sterbehilfe durch Nichthandeln (also Nichterneuerung von Verbrauchsmaterialen in der Behandlung). Der Tod tritt von selbst ein.
2.) Passive Sterbehilfe, die eine Handlung erfordert (Knopfdruck zum Abschalten).
3.) Unterlassene Hilfeleistung (einen Ertrinkenden zu retten).
4.) Töten durch Unterlassen (z.B. ein Gefängniswärter/Krankenpfleger/Erziehungsberechtigter, der einen Gefangenen/Patienten/Kind verhungern lässt, und zwar im vollen Bewusstsein der Folgen und mit dem Ziel, den Tod herbeizuführen).

Meine Frage ist jetzt: Fallen Fälle 3 und 4 beide unter "Unterlassene Hilfeleistung" oder zählt Fall 3 als Tötungshandlung, auch wenn keine Handlung ausgeführt wurde? Intuitiv würde ich dazu neigen, Fall 4 als schwerwiegender einzustufen, aber wie wird das in der Gesetzgebung und in der Rechtssprechung gemacht?
Auch bei den anderen Fallkombinationen wäre ich glücklich, wenn mich jemand über die Unterschiede in der juristischen Behandlung aufklären könnte, Fall 1 und 2 werden meines Wissens zumindest in der ärztlichen Praxis unterschieden.

Danke schonmal

Iskremas
Alberthold
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Anmeldungsdatum: 10.05.2006
Beiträge: 195

BeitragVerfasst am: 17 Nov 2006 - 12:01:43    Titel:

Wenn Fall 3. durch einen sogenannten Garanten geschieht, liegt Tötung durch Unterlassen vor (zB wenn der Vater seinem ertrinkenden Kind nicht hilft, obwohl er es eigentlich könnte; Garantenstellung kann aber auch entstehen, wenn der Unterlassene die Gefahr selbst geschaffen hat. zB wenn jemand das Kind aus Spass in einen See wirft [ohne jeglichen Vorsatz zum Begehen einer Straftat] und ihm dann nicht hilft).
Garantenstellungen liegen auch in den Beispielen von Dir bei fall 4 vor.

Ansonsten(falls hier nicht noch mehr Antworten zusammenkommen) empfehle ich Dir mal im Wessels/Beulke, Strafrecht Allgemeiner Teil die Seiten 249-271 zu lesen. Dort ist das Unterlassensdelikt eigentlich gut und verständlich erklärt.
Della
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Anmeldungsdatum: 01.08.2006
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 23 Nov 2006 - 18:56:51    Titel:

hey!
also, leider ist auch das Thema in Jura umstritten (wie alles andere auch...und wenn ich alles sage meine ich ALLES!). es ist so, das wenn ich jemanden nicht vor ertrinken rette ich grundsätzlich KEIN Tötungsdelikt damit erfülle. man könnte mich lediglich wegen Unterlassener Hilfeleistung gem. §323c bestrafen. Aber wenn ich (wie die Person über mir schon erklärt hat) in irgend einer besonderen Beziehung zum Opfer stehe und somit Garant bin kommt das Unterlassen einem Handeln gleich. Dann wäre ein Tötungsdelikt anzunehmen.

Übrigens ist auch ganz heftig umstritten, ob der Arzt, der den Knopf der lebenserhaltenden Maschinen ausdrückt "handelt" oder "unterlässt"... Aber zu vertreten ist irgendwie beides, kommt nur darauf an wie rum man argumentiert... =)

LG Della
Lord Pride
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Anmeldungsdatum: 04.08.2005
Beiträge: 221
Wohnort: Bei Frankfurt/Main

BeitragVerfasst am: 23 Nov 2006 - 21:17:32    Titel:

Generell ist die Tat schwerwiegender (und das zu erwartende Strafmaß höher), wenn eine Garantenstellung gegeben ist. Ob eine solche vorliegt, ist in vielen Fällen umstritten (z.Bsp. inwieweit familiäre Garantenpflichten reichen, wenn das persönliche Verhältnis nicht mehr vorhanden ist etc.).
Allround-Experte
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Anmeldungsdatum: 05.06.2006
Beiträge: 132

BeitragVerfasst am: 26 Nov 2006 - 21:22:00    Titel: Handeln oder Unterlassen?

Hallo,

"Übrigens ist auch ganz heftig umstritten, ob der Arzt, der den Knopf der lebenserhaltenden Maschinen ausdrückt "handelt" oder "unterlässt"... Aber zu vertreten ist irgendwie beides, kommt nur darauf an wie rum man argumentiert... =) "

-Ja meine auch das man grundsätzlich durch Argumentation vieles rechtfertigen kann, jedoch wird es wohl in der h.L. so angesehen, dass der Arzt der die Maschine abschaltet nicht "handelt", sondern es nur unterlässt die Behandlung fortzuführen. (bsp.: § 212, 13)

-Ein unbefugter Dritter, der die Maschine abschaltet "handelt" jedoch iS des StGB, sodass dieser als aktiver Täter angesehen wird. (bsp.: § 212, 211)
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