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Frankfurter Ärzte tragen zur Bekämpfung von AIDS in Afrika bei

31.05.2005 - (idw) Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

HIV-Schwerpunkt gibt Erfahrung mit der Therapie
von HIV und AIDS an Ärzte und Pfleger weiter HIV-Infektionen verzeichnen in weiten Teilen der Welt unverminderte Zuwachsraten. In vielen Regionen führt dies zu verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass 40 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion leben. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden allein für das Jahr 2004 rund 5 Millionen Neuinfektionen angenommen. Rund 3 Millionen Menschen starben an AIDS.

Viele betroffene afrikanische Länder erhalten mittlerweile über internationale Programme und durch zunehmende eigene Arzneimittelherstellung allmählich Zugang zur antiretroviralen HIV/AIDS-Therapie. "Eine verantwortungsvolle Therapie der HIV-Erkrankung ist nicht gleichzusetzen mit einer kontinuierlichen Versorgung der Patienten mit Medikamenten. Sie erfordert auch Betreuung durch spezialisiertes Personal, das in der Lage ist, Nebenwirkungen zu überwachen und langfristige Folgeschäden wie die Entwicklung viraler Resistenz zu vermeiden", sagt der Infektionsmediziner Professor Dr. Schlomo Staszewski, Leiter des Frankfurter HIV-Schwerpunktes und erster AIDS-Professor in Deutschland. An gut ausgebildeten Personal mangelt es in diesen Ländern häufig.

Daher entwickelte der HIV-Schwerpunkt des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt in Kooperation mit Hilfsorganisationen das Trainingsprogramm stART up (strategic training for AntiRetroviral Therapy university program) für Entwicklungsländer. Trotz des großen Arbeitsaufwandes bei der Versorgung der eigenen Patienten bemühen sich die Frankfurter AIDS-Spezialisten sehr um dieses Projekt. Professor Staszewski: "Wir haben die moralische Verpflichtung, unser Wissen und unsere Erfahrung mit der Therapie von HIV und AIDS an die weiterzugeben, die in einer weniger glücklichen Ausgangssituation sind als wir. Darüber hinaus leisten wir einen Beitrag zur Bekämpfung der Infektionskrankheit in der Dritten Welt."

Die Hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger hat das Projekt als nachhaltige Initiative im Kampf gegen AIDS begrüßt: "AIDS ist ein globales Problem, bei dem wir über den Tellerrand hinausschauen müssen. Um die medizinische Versorgung weltweit zu verbessern, ist der Transfer von Know-how der richtige Ansatz. Das Engagement der Frankfurter Uniklinik, die sich in langjähriger Erfahrung ein umfassendes Spezialwissen erarbeitet hat, ist vorbildlich."

Der erste stART up-Kurs läuft seit März

Von März bis Anfang Juni läuft der erste stART up-Kurs am HIV-Schwerpunkt in Frankfurt. Er beinhaltet einen einwöchigen Einführungsworkshop sowie weiterführende Vorlesungen, Gruppendiskussionen und praktische Unterrichtseinheiten über insgesamt 12 Wochen.

Der Unterricht wird von erfahrenen HIV-Medizinern abgehalten. Sie stellen ihr Wissen unentgeldlich zur Verfügung und decken alle relevanten Themenbereiche der HIV-Therapie ab. Spezielle Kurseinheiten mit internationalen Referenten befassen sich mit der praktischen Umsetzung in einem Umfeld mit limitierten Ressourcen und gewährleisten den Praxisbezug zum späteren Tätigkeitsbereich. Durch eigenständige Vorbereitung von Fallvorstellungen, Therapieplänen und Studienentwürfen bindet der Kurs die Teilnehmer aktiv ein und trainiert die Zusammenarbeit im Team.

Teil der Ausbildung ist auch die Schulung an der Medeora-HIV-Software. Das Programm bietet dem medizinischen Personal vielfältige Möglichkeiten, die Behandlung übersichtlicher und damit wirksamer zu gestalten. Die Abbott GmbH & Co. KG stellt dem in Frankfurt ausgebildeten HIV-Team fünf dieser Programme im Gesamtwert von 12.500 Euro zur Verfügung.

Fünf Teilnehmer aus Lesotho

Die ersten fünf Kursteilnehmer kommen aus dem afrikanischen Königreich Lesotho. Dort sind Schätzungen zufolge 31 Prozent der zwei Millionen Einwohner mit dem HI-Virus infiziert. Infolge der hohen Infektionsrate - Lesotho hat mittlerweile die vierthöchste HIV-Prävalenz weltweit - rief der König und die Regierung von Lesotho ein nationales Programm ins Leben, das der Bevölkerung den Zugang zu einer kostenlosen HIV-Therapie ermöglichen soll.

Für die Durchführung dieses nationalen HIV-Programms wurde unter anderem auch das Regierungskrankenhaus im Distrikt Mafeteng, als eine von fünf Einrichtungen landesweit, ausgewählt. Von dort rekrutieren sich auch die ersten stART up-Teilehmer: Alina Pulane Letsoela (Pharmazeutisch Technische Assistentin), Dr. Piet Johannes McPherson (Arzt), Motsuanko Grace Mefane (Krankenschwester), Mphale Nthabeleng (Medizinisch Technische Assistentin) und Mathabene Mary Ramataboee (Public Health Nurse).

Zurück in Lesotho werden sie am Regierungskrankenhaus in einem neu gegründeten HIV-Therapiezentrum arbeiten, das von Dr. Piet McPherson geleitet wird. Künftig sollen dort mehr als 6.000 HIV-infizierte Menschen pro Jahr behandelt werden. "Der stART up-Kurs in Frankfurt bereitet uns auf diese verantwortungsvolle Aufgabe sehr gut vor", beurteilt Dr. McPherson die Kursinhalte.

Der Kontakt zwischen Lesotho und Frankfurt kam über das Hessische Sozialministerium zustande. Bei dem Deutschlandbesuch der First Lady von Lesotho Schirmherrin der staatlichen HIV-Programme, Mrs. Mathato Mosisili, im Jahr 2004 besichtigte sie auch den HIV-Schwerpunkt am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Vor Ort informierte sie sich über die Versorgung von HIV-Patienten in Deutschland.

Daraufhin entschied sich das Gesundheitsministerium in Lesotho auf Empfehlung von Mrs. Mosisili für das Frankfurter Trainingsmodell, um Mitarbeiter aus Mafeteng zu unterrichten. Ihren dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland finanziert das Gesundheitsministerium in Lesotho (Flug/ Kost) und die Deutsch Lesothische Gesellschaft e.V. (Unterkunft). Die Kursgebühren wurde vom HIV Scherpunkt übernommen.

Das Team wird nach Abreise jedoch nicht den Kontakt und die Unterstützung des Zentrums verlieren. "Aus der intensiven Zusammenarbeit mit den Kollegen von Lesotho haben sich konkrete Pläne für weitere gemeinsame klinische Forschungsprojekte entwickelt, im Rahmen derer wir langfristig zusammenarbeiten wollen. Diese Projekte bearbeiten Fragestellungen, die für ein Entwicklungsland wie Lesotho relevant sind und werden zudem weitere Trainingseinheiten beinhalten", so die Projekt- und Kursleiterin Tessa Lennemann, die als Assistenzärztin am HIV-Schwerpunkt arbeitet.

Frankfurter HIV-Schwerpunkt ist weltweit führend

Seit Beginn der HIV-Epidemie gehört das Frankfurter Klinikum zu den führenden deutschen Behandlungszentren für HIV-Infizierte. Die HIV-Ambulanz des Zentrums der Inneren Medizin ist eine der größten medizinischen und psychosozialen Versorgungseinrichtungen für HIV- und AIDS-Patienten in Deutschland. Die Ambulanz ist aber nicht nur für ihre exzellente medizinische Betreuung bekannt. Auch durch zahlreiche Medikamentenstudien hat die Einrichtung wesentlich zur Entwicklung der erfolgreichen Kombinationstherapie von AIDS beigetragen. So wurde erreicht, dass die Zahl der Krankheitsausbrüche und der Todesfälle um 95 Prozent zurückgegangen sind. Darüber hinaus entwickelten die Frankfurter Wissenschaftler wichtige Behandlungsstrategien. Die Ergebnisse der in Frankfurt durchgeführten Studien sind international anerkannt.

Frankfurt am Main, 31. Mai 2005

Für weitere Informationen:

Professor Dr. med. Schlomo Staszewski

Leiter des HIV-Schwerpunktes
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 70 44
Fax (0 69) 63 01 - 57 12
Internet http:// http://www.kgu.de/zim/infektio/haus681.htm

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de
Internet http://www.kgu.de

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