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DFG-Projekt bewilligt: Neue Impulse für eine Geschichte Europas

01.06.2005 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Großes Gemeinschaftsprojekt von HU, FU und TU zur europäischen Erinnerungsgeschichte der Revolutions- und Napoleonischen Kriege wird von der DFG gefördert Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 11. Mai in Bonn beschlossen ein großes Forschungsprojekt zum Thema "Nationen, Grenzen, Identitäten. Die Zeit der Revolutions- und Napoleonischen Kriege in der Europäischen Erinnerung" mit rund 265.000. Euro für vorerst zwei Jahre zu fördern. Das Vorhaben, das im Juni 2005 beginnt, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Zentrums für Frankreich-Studien und des Instituts für Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Berlin und des Berliner Kollegs für die Vergleichende Geschichte Europas der Freien Universität Berlin und der Humboldt Universität Berlin. Es wird von Prof. Dr. Karen Hagemann (TU Berlin, Institut für Geschichte / University of North Carolina at Chapel Hill, Department of History) in Kooperation mit Prof. Dr. Etienne François (TU Berlin, Frankreich-Zentrum), Prof. Dr. Hartmut Kaelble (HU Berlin, BKVGE) und PD Dr. Arnd Bauerkämper (FU Berlin, BKVGE) geleitet.

Die Projektvorstellung findet am Mittwoch, dem 8.6.2005, von 12.00 - 13.00 Uhr im Frankreich Zentrums der Technischen Universität Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin, Raum TEL 1309 statt.

Die Entscheidung zur Förderung dieses Gemeinschaftsprojekts ist ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung einer europäischen Geschichtsschreibung, denn die Revolutions- und Napoleonischen Kriege zwischen 1792 und 1815 prägten die europäische Geschichte so nachhaltig wie kein anderer bewaffneter Konflikt zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und dem Ersten Weltkrieg. Sie erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren und reichten weit über Europa hinaus. Diese Kriege waren zudem die ersten, die als 'Nationalkriege' mit Massenheeren geführt wurden. Die Zivilbevölkerung musste in einem bis dahin unbekannten Ausmaß zur Finanzierung der Kriege beitragen und für die Einkleidung, Ausrüstung und Ernährung der Armeen sorgen. Die Zahl der militärischen und zivilen Opfer dieser Kriege erreichte mit ca. 5 Millionen gemessen an der damaligen Bevölkerungszahl ein Ausmaß, das dem des Ersten Weltkrieges entspricht. Aufgrund ihrer weit reichenden Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, die auf die eine oder andere Weise alle Nationen und Regionen Europas trafen, spielten Revolutions- und Napoleonischen Kriege nicht nur in der zeitgenössischen Erfahrung, sondern auch im kollektiven Gedächtnis eine zentrale Rolle. Darauf verweist neben der Geschichtsschreibung eine Vielzahl von populären Erinnerungsmedien wie Biographien und Autobiographien, historische Romane, Lyrik, Theaterstücke, Bilder aller Art und nicht zuletzt Filme, die sich überall in Europa in großer Zahl finden.

Das Projekt will zu einer genuin europäischen Geschichte beitragen, in dem es untersucht, wie die Kriegsjahre 1792 - 1815 in den beteiligten Nationen und Regionen von lese- und schreibkundigen Männern und Frauen erfahren und erinnert wurden, welche Faktoren die individuelle wie die kollektive Erfahrung und Erinnerung und damit das kommunikative Gedächtnis formten, was davon in das kulturelle Gedächtnis aufgenommen wurde und welche Faktoren wiederum die Ausformung und den Wandel des kulturellen Gedächtnisses beeinflussten. Ganz zentral soll dabei für den Vergleich zum einen die Frage des Zusammenhangs von Erinnerung und kollektiver Identitätsbildung sein. Zum anderen geht es um die Frage, welche Erfahrungen und Erinnerungen in den beteiligten Nationen und Regionen geteilt wurden bzw. voneinander abwichen, und wie sich Erfahrungen und Erinnerungen wechselseitig beeinflussten.

Die von der DFG geförderte deutsche Forschungsgruppe mit Projekten zu den Kriegserinnerungen in Frankreich, Deutschland und Österreich, Großbritannien und Irland sowie Russland und Polen im Zeitraum zwischen 1815 und 1945 kooperiert mit einer britischen Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Alan Forrest (University of York, Centre for Eighteenth Century Studies). Die britische Gruppe bearbeitet vergleichend Erfahrungen der Kriege in den Jahren 1792 - 1820 in Frankreich, Deutschland und Österreich sowie Großbritannien und Irland. Die Ergebnisse der britisch-deutschen Forschungsgruppe sollen im Rahmen von drei Workshops und zwei Tagungen in einen größeren internationalen Kontext gestellt und diskutiert werden. Neben Publikationen ist der Aufbau eines internationalen Forschungsnetzwerkes mit eigener Website und elektronischem Diskussionsforum geplant.


Informationen Prof. Dr. Karen Hagemann (Projektleiterin), Prof. Dr. Hartmut Kaelble (HU)
Telefon 030- 314-25844 (Hagemann), 030-2093-2236 (Kaelble)
e-mail hagemann@kgw.tu-berlin.de, KaelbleH@geschichte.hu-berlin.de
Internet www.nbi.tu-berlin.de
Weitere Informationen: http://www.nbi.tu-berlin.de
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