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"Taub und trotzdem Hören" Informationsveranstaltung zum "1. Deutschen Tag des Cochlear Implant"

01.06.2005 - (idw) Universität des Saarlandes

Veranstaltung des Universitätsklinikums des Saarlandes und des Vereins zur Förderung Cochlear-Implantierter Kinder im Saarland e. V.
am Samstag, den 4. Juni 2005,
von 14.00 bis 17.00 Uhr
in der CI-Förder- und Beratungsstelle in Lebach, Dillinger Strasse 69 Aus Anlass der Verlegung des Cochlear Implantzentrums Saarland an das Universitätsklinikum des Saarlandes nach Homburg und des 1. Deutschen Cochlear Implant Tages, der in ganz Deutschland unter dem Motto "Taub und trotzdem Hören" steht, wird am 4. Juni 2005 in Lebach eine Veranstaltung mit fachlicher Information zum Thema Hören stattfinden und Unterhaltung für Kinder angeboten.
Hierzu sind die gesamte Bevölkerung und die Presse herzlich eingeladen.

Die Behandlung mit einem Cochlear Implant, der einzigen Möglichkeit, tauben Kindern das Hören zu ermöglichen, wird im Saarland seit 1997 erfolgreich angewandt. Hierbei wird bei den gehörlosen Patienten ein Gerät unter die Haut platziert, das in der Lage ist den Hörnerven bei funktionslosem Innenohr direkt zu stimulieren und so einen Höreindruck hervorzurufen. Gehörlose Menschen können so wieder hören und an der Welt der Hörenden teilhaben. Zu der erfolgreichen Einführung dieser Methode im Saarland hat der Verein zur Förderung Cochlear-Implantierter Kinder im Saarland e. V. entscheidend beigetragen, der die insbesondere bei Kindern mit Cochlear Implant dringend notwendige Förderung nach der Operation mit privaten Mitteln der Marga- und Walter Boll- Stiftung in Kerpen finanziert.
Im Juli diesen Jahres wird nun dieses Förderzentrum, das unter der fachlichen Leitung der Klinik für Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums des Saarlandes arbeitet, vollständig an das Homburger Klinikum verlegt werden.

Hintergrundinformationen:
Jährlich werden in Deutschland 350 - 400 Kinder geboren, die eine so ausgeprägte Hörstörung haben, dass eine Sprachentwicklung auch nach Hörgeräteversorgung nur schwer möglich ist. Eine erfolgreiche Therapie steht und fällt nun mit der Früherkennung dieser Hörstörung. Bislang wurden auch hochgradige Schwerhörigkeiten zumeist zu spät diagnostiziert, so dass viele Pädaudiologen die Durchführung von Hörscreeninguntersuchungen, d. h. die Durchführung einer Hörprüfung bei jedem Neugeborenen, forderten.
Die Homburger HNO-Klinik hat als eine der ersten Kliniken in Deutschland eine Screening-Untersuchung auf Hörschäden bei allen Neugeborenen schon vor Jahren eingeführt und eine Spezialsprechstunde etabliert. Hochgradig hörgestörte und taube Kinder können nun sehr früh erkannt und einer Behandlung (z. B. einem Cochlear Implant) zugeführt werden.
Bei einem Cochlear Implant handelt es sich um eine "Innenohrprothese": Ein Schallereignis, beispielsweise das Bellen eines Hundes, wird über ein Mikrofon einem Sprachprozessor zugeführt, der diesen Schall in geeignete elektrische Signale umwandelt. Diese Signale werden dann auf einen "Empfänger- Stimulator" der unter der Haut hinter dem Ohr implantiert ist, übertragen. Durch eine direkt in die Schnecke (Cochlea) des Innenohrs eingeführte Elektrode erfolgt nun die direkte Reizung des Hörnerven, der dann die akustischen Informationen an das Gehirn weiterleitet und so einen Höreindruck hervorruft.
Das Innenohr ist bislang das einzige Sinnesorgan, dessen Funktion durch ein solches technisches Gerät nahezu vollständig ersetzt werden kann.
Welche Kinder sind nun für eine solche Cochlear Implant- Versorgung geeignet? Zum eine sollte die mittlere Hörschwelle über 80 dB liegen. Grundsätzlich sollte die Implantation bei prälingual (=vor dem Erwerb der Sprache ) ertaubten oder taub geborenen Kindern so früh wie möglich vorgenommen werden, da dann optimale Voraussetzungen für einen Spracherwerb gegeben sind. Empfohlen wird eine Implantation deutlich vor dem dritten Lebensjahr, idealerweise bereits im Alter von einem Jahr. Kinder mit einem Alter über sieben Jahren haben nur noch relativ schlechte Aussichten, gut sprechen zu lernen.
Hören ist allerdings nicht unmittelbar nach dem Erwachen aus der Narkose möglich. Der Sprachprozessor muß nach der Implantation zunächst entsprechend programmiert werden. In einem intensiven Sprachtrainingsprogramm, das im Saarland derzeit noch in Lebach durchgeführt wird, muss das Kind, das bis dato ja noch keinerlei akustische Wahrnehmungen gemacht hat, schrittweise an die neue Sinnesfunktion "Hören" herangeführt werden. In Zusammenarbeit der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde mit der CI- Förder- und Beratungsstelle in Lebach konnte ein Konzept erarbeitet werden, das diese Förderung nach Cochlear Implant- Versorgung zum Inhalt hat. So muß ein solches Kind zuerst einmal lernen, einfache Höreindrücke, wie z. B. das oben bereits erwähnte Bellen eines Hundes, mit dem Verursacher, nämlich dem Hund in Zusammenhang zu bringen. Am Ende eines langen Weges des Hör- und Sprachtrainings steht dann bei vielen dieser Kinder das Verstehen normaler Sprache. Manche können dann ohne weitere Hilfe eine normale Schule besuchen.
Für eine erfolgreiche Hörrehabilitation mit einem Cochlear Implantat müssen neben den Hals-Nasen-Ohrenärzten auch Kinderärzte, Gehörlosenpädagogen, Spracherzieher, Logopäden, Psychologen und Audiotechniker beteiligt sein. Das Homburger Universitätsklinikum erfüllt daher sämtliche erforderlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Cochlear Implant-Versorgung.


Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Herrn Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Delb, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum des Saarlandes
Kirrberger Str.
66421 Homburg/Saar
Tel.: 06841/1622953 oder 06841/1622900, Fax: 06841/1622997

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