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Chance vertan: Neues Krebsregister NRW blendet Kardinalsymptom Schmerz aus

02.06.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Über 50 Prozent aller Tumorpatienten leiden im Laufe ihrer Erkrankung an Schmerzen; der Schmerz ist bei den meisten Krebserkrankungen ein Hauptsymptom. Im neuen Krebsregister Nordrhein-Westfalen, das am 1. Juni in Münster seine Arbeit aufgenommen hat, kommt das Wort Schmerz jedoch nicht einmal vor. "Damit vergibt man sich die große Chance, nicht nur die genaue Häufigkeit von Schmerzen bei Tumorerkrankungen zu ermitteln, sondern auch einen Bewusstseinswandel bei Ärzten und Patienten zu initiieren", kritisiert Prof. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS). Der Schmerz werde viel zu häufig als Begleitsymptom hingenommen. "Mit dem neuen Register verbessert sich die Lage der Tumorschmerzpatienten nicht", ist Prof. Zenz sicher. Gemeinsame Mitteilung der DGSS und der Initiative "Gemeinsam gegen den Tumorschmerz"

Bochum, 01.06.2005

Nach dem Schmerz wird nicht gefragt
Neues Krebsregister NRW blendet Kardinalsymptom aus

Über 50 Prozent aller Tumorpatienten leiden im Laufe ihrer Erkrankung an Schmerzen; der Schmerz ist bei den meisten Krebserkrankungen ein Hauptsymptom. Im neuen Krebsregister Nordrhein-Westfalen, das am 1. Juni in Münster seine Arbeit aufgenommen hat, kommt das Wort Schmerz jedoch nicht einmal vor. "Damit vergibt man sich die große Chance, nicht nur die genaue Häufigkeit von Schmerzen bei Tumorerkrankungen zu ermitteln, sondern auch einen Bewusstseinswandel bei Ärzten und Patienten zu initiieren", kritisiert Prof. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS). Der Schmerz werde viel zu häufig als Begleitsymptom hingenommen. "Mit dem neuen Register verbessert sich die Lage der Tumorschmerzpatienten nicht", ist Prof. Zenz sicher.

Der Arzt fragt alles mögliche, aber nicht nach dem Schmerz

Ab 1. Juni muss jede gesicherte Neuerkrankungen in NRW ans zentrale Register gemeldet werden. Erfragt werden zahlreiche Daten zur Erkrankung, zur Person und zu den Lebensumständen des Patienten: Lebt er z.B. in der Nähe eines Sendemasts, einer Chemiefabrik oder eines Atomkraftwerks? "Der Arzt fragt alles mögliche, aber nicht nach dem Schmerz", so Prof. Zenz. "Mit diesem ansonsten hervorragenden Instrument wird damit eines der Hauptsymptome nicht erfasst."

Chance vertan Ärzte und Patienten zu sensibilisieren

Dabei biete die Einführung des Registers darüber hinaus die Chance, Ärzte und Patienten für das Problem des Tumorschmerzes zu sensibilisieren. "In 90 Prozent der Fälle ließe sich der Tumorschmerz erfolgreich lindern", so Zenz, "dennoch sind ein Drittel aller Tumorschmerzpatienten schmerztherapeutisch unterversorgt." Viel zu oft nähmen Patienten den Schmerz als zur Krankheit gehörig hin, weil sie nicht wissen, dass es wirksame Mittel dagegen gibt. Ein Viertel der Tumorpatienten redet nicht mit ihrem Arzt über die Schmerztherapie. Auch die Ärzte sind nicht ausreichend informiert: Über 80 Prozent von ihnen greifen nicht auf bewährte und einfache Mittel der Schmerzmessung wie Fragebögen und Skalen zurück.


Ansprechpartner

Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS), Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, In der Schornau 21-23, 44892 Bochum, Tel. 0234/299-3000, E-Mail: zenz@anaesthesia.de, http://www.tumorschmerz.de
Weitere Informationen: http://www.tumorschmerz.de
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