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Die Deutsche Mausklink - Spitzenforschung made in Germany

09.06.2005 - (idw) GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit

Ob Blutanalysen, Knochendichtemessungen oder Verhaltenstests - selten werden Patienten so umfassend begutachtet wie in der Deutschen Mausklinik am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit. In der unter Federführung des NGFN (Nationales Genomforschungsnetz) entstandenen Klinik werden mutante (genetisch veränderte) Mäuse unter standardisierten Bedingungen charakterisiert, um Modelltiere für genetisch bedingte menschliche Krankheiten zu finden und so diese Krankheiten besser zu verstehen. Gut zwei Jahre nach dem Einzug der ersten mutanten Mauslinien in die Mausklinik hat sich die weltweit einmalige Einrichtung einen festen Platz im Wissenschaftsbetrieb geschaffen: Das richtungweisende Konzept der von Professor Martin Hrabé de Angelis (GSF) initiierten und geleiteten Klinik wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Methods (Juni 2005) offiziell vorgestellt. Die meisten Volkskrankheiten haben auch eine genetische Komponente. Maus und Mensch gleichen sich genetisch zu 95 Prozent, sodass mutante Mäuse ideale Modelltiere für zahlreiche menschliche Krankheiten sind - Diabetes, Osteoporose, Asthma, Alzheimer oder auch Depression sind nur einige Beispiele. Entscheidend für die Forschung an mutanten Mäusen ist, dass auch wirklich alle Auswirkungen der Genveränderung erfasst werden - zum einen, um potentielle Modelltiere überhaupt zu erkennen und zum anderen, um der Funktion der veränderten Gene auf die Spur zu kommen. Die Mausklinik wurde geschaffen, damit eine standardisierte Phänotypisierung, also die Erhebung sicht- und messbarer Parameter in großem Stil möglich ist. Am Ende der Untersuchungen steht die gläserne Maus: Über 240 Parameter kennzeichnen jeden vierbeinigen Patienten, der das gesamte Programm durchlaufen hat.

Die Klinik besteht aus insgesamt elf individuellen Labormodulen, in denen die Mäuse im Primärscreen zahlreichen nicht-invasiven Tests unterworfen werden: von Verhaltenstests über Stoffwechselmessungen bis hin zu einer molekularen Phänotypisierung wird kein relevanter Bereich ausgespart. Die verwendeten Geräte und Untersuchungsmethoden entsprechen weitgehend denjenigen, die auch für menschliche Patienten zum Einsatz kommen, sie wurden nur an Größe und Anforderungen der Mäuse angepasst. Der Vielzahl der Untersuchungen stellt die beteiligten Wissenschaftler vor große logistische Herausforderungen, deshalb wurde ein innovativer Workflow etabliert, in dessen Verlauf die einzelnen Mauslinien nach einem festen Schema im Wochenrhythmus in neue Module vorrücken. Die Reihenfolge der Untersuchungen wurde so optimiert, dass alle Tests an denselben Tieren vorgenommen werden können, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Sollten besonders interessante Ergebnisse darunter sein, können die Tests in sogenannten Sekundär- und Tertiär-Screens noch bedeutend ausgeweitet werden.

Um die verschiedenen Untersuchungen durchzuführen, arbeiten in der Mausklinik zahlreiche Spezialisten aus verschiedenen Universitäten, Kliniken und aus der GSF Hand in Hand: "Die enge Zusammenarbeit von Experten aus verschiedenen Bereichen der Mausphysiologie, -genetik und -pathologie mit Klinikern ermöglicht ein hohes Maß an interdisziplinärem wissenschaftlichen Austausch, der mitentscheidend für den Erfolg der Klinik ist", erklärt Valérie Gailus-Durner (GSF), die Koordinatorin der Mausklinik. Weltweit einzigartig ist, dass in der Mausklinik nicht nur Mauslinien aus dem Forschungsbereich des NGFN aufgenommen werden, sondern dass jeder interessierte Wissenschaftler "seine" Mauslinie auf der Basis einer wissenschaftlichen Kollaboration untersuchen lassen kann.

Mittlerweile wurden etwa 50 mutante Mauslinien in die Klinik eingeschleust, und bei fast allen wurden zahlreiche Abweichungen von nicht-mutanten Kontrolltieren gefunden. Wie effektiv die Screens arbeiten zeigt die Tatsache, dass neue, bisher nicht bekannte Phänotypen sogar bei Mauslinien entdeckt wurden, die bereits längere Zeit vor dem Entstehen der Klinik etabliert waren. Somit hat sich die Mausklinik bereits jetzt als erfolgreiche Forschungseinrichtung erwiesen - jeder gefundene Effekt einer Mutation hilft bei der Aufklärung der Genfunktionen und kann die Grundlagen für die Entwicklung neuer Behandlungs- und Diagnosemethoden menschlicher Erkrankungen schaffen.


Für weitere Informationen und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte die GSF- Pressestelle:

GSF - Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 089/3187-2460
Fax 089/3187-3324
E-Mail: oea@gsf.de
Weitere Informationen: http://www0.gsf.de/neu/Aktuelles/Presse/2005/mausklinik.php
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