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Presseerklärung der Landesrektorenkonferenz vom 9. Juni 2005

10.06.2005 - (idw) Universität Rostock

Die Rektoren aller Hochschulen des Landes Mecklenburg-Vorpommern haben vereinbart, nicht zum Treffen in Hasenwinkel zu fahren.

Angesichts der Äußerungen des Bildungsministers in den letzten Tagen und Wochen und angesichts der neuesten Version seines Kompetenzfelder-Papiers ist Hasenwinkel IV nur eine unseriöse Alibi-Veranstaltung.

Der Minister hat die Hochschulen zum Treffen in Hasenwinkel zu 14 Uhr eingeladen und für 16 Uhr bereits zu einer Pressekonferenz gebeten. Das kann nur bedeuten, dass er kein Interesse an einer ruhigen und tiefer gehenden Analyse hat, sondern allein seine eigenen Vorstellungen präsentieren will, möglichst natürlich unter Anwesenheit und mit stillschweigender Zustimmung der Rektoren.

Der Minister hat beständig betont, dass die Kompetenzfelder eine Mindestliste aus Sicht des Landes sind und durch eigene Schwerpunkte der Hochschulen ergänzt werden können. In Wirklichkeit gibt es seit langem Konkretisierungen über verbleibende und wegfallende Professorenstellen, die zwar in einer interministeriellen Arbeitsgruppe beraten, den Hochschulen aber vorenthalten werden.

Die Vorschläge des Bildungsministers überzeugen auch in der modifizierten Version seines Kompetenzfelderpapiers nicht.

- Bei den vorgegebenen Kompetenzfeldern handelt es sich nicht um wissenschaftliche Kompetenzfelder. Sie sind aus praktischen Anwendungen heraus definiert und führen zu Wissenschaftsbereichen, die so isoliert sind, dass sie kaum noch lebens- und leistungsfähig sind.
- Der Bereich der Grundlagenforschung als wichtige, gesetzlich vorgegebene Aufgabe der Universitäten kommt unter den Landesinteressen nicht vor.
- Die Liste enthält nicht Anforderungen an eine international wettbewerbsfähige Universität, sondern das Programm für eine ausschließlich regionale Interessen bedienende Hochschule
- Nicht beachtet wird, dass wissenschaftliche Kompetenzfelder sich aus den an den Hochschulen vorhandenen wissenschaftlichen Schwerpunkten herleiten.
- Bei den Kompetenzfeldern werden fast ausschließlich Aspekte von Lehrangeboten betrachtet. Die Forschung wird nicht weiter in Betracht gezogen.
- So genannte Redundanzen werden nur durch ähnliche Lehrbereiche definiert, während die Unterschiedlichkeit in der wissenschaftlichen Forschung nicht berücksichtigt wird.
- Bei den Kompetenzfeldern werden die verschiedenartigen Angebote von Universitäten und Fachhochschulen zusammengeworfen.
- Es wird faktisch bei den Überlegungen zu der Koordinierung des Lehrangebots über die Hochschulen hinweg eine "Gesamthochschule" Mecklenburg-Vorpommern konzipiert.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Wissenschaft in der Bildungspolitik des Landes nur am Rande vorkommt.

Die Rektoren betonen, dass die Liste der Kompetenzfelder - entgegen den Äußerungen des Bildungsministers - nicht auf den Ergebnissen der Arbeitsgruppe aller Hochschulleitungen und den dort erarbeiteten Kernaussagen zur Hochschulentwicklung basiert, denn zum Zeitpunkt der Tätigkeit der Arbeitsgruppe war von den mittlerweile geforderten Einsparungen nicht die Rede. Sie gibt auch in keiner Weise den Diskussionsprozess um die Treffen in Hasenwinkel wieder, der eindeutig von der Ablehnung der Diskussionsgrundlage des Ministerpapiers geprägt war.

Die Gedanken des Bildungsministers über für das Land wichtige Kompetenzfelder wurden von den Hochschulen nicht als geeignete Diskussionsgrundlage zur Entwicklung der Hochschullandschaft in MV angesehen. Auch in der vom Bildungsminister überarbeiteten Liste ist keine Verbesserung, in vielen Teilen sogar eine Verschlechterung zu finden.

Es ist dann zu fragen, ob eine derart konzeptionslose Zusammenstellung die Grundlage für Planungen der gesamten Hochschullandschaft von MV bis 2020 sein kann. Die vom Bildungsminister vorgelegten Pläne sind angetan, die wissenschaftlichen Ressourcen des Landes dauerhaft, weit über das Jahr 2020 hinaus zu beschädigen und MV vom globalen Wettbewerb im Wissenschaftsbereich abzukoppeln. Die Hochschulen sehen daher keinen Sinn in einer weiteren Diskussion auf dieser Grundlage. Die Hochschulen legen zugleich eine Liste ihrer wissenschaftlichen Kompetenzfelder vor, die sie in den Dienst des Landes stellen.

Die Hochschulen des Landes erkennen an, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern sich in einer sehr schwierigen finanziellen Situation befindet und sind bereit, zur Lösung der resultierenden Probleme beizutragen. Die im Personalkonzept des Landes vorgesehenen Kürzungen im Hochschulbereich sind nur dann tragbar, wenn


1. darauf die bestehenden kw-Vermerke seit 2002 angerechnet werden,
2. die Landeszuweisungen für Bewirtschaftungskosten so bemessen werden, dass keine Personalstellen mehr zu deren Finanzierung herangezogen werden müssen,
3. die verbleibenden Personalstellen vollständig ausfinanziert werden.

Prof. Dr. Hans Jürgen Wendel
Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz

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