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Mittelasien im Umbruch

04.12.2002 - (idw) VolkswagenStiftung

Mit 730.000 Euro unterstützt die VolkswagenStiftung Untersuchungen zu Veränderungsprozessen in der Region Mittelasien/Kaukasus

Die VolkswagenStiftung hat weitere Bewilligungen ausgesprochen im Rahmen ihrer Förderinitiative "Zwischen Europa und Orient - Mittelasien/Kaukasus im Fokus der Wissenschaft". Diese Region geriet nach dem Zerfall der Sowjetunion zunächst aus gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Gründen ins Blickfeld der Öffentlichkeit; die Stiftung trägt nun dazu bei, auch das Forschungsinteresse an Mittelasien und dem Kaukasus zu stärken und die Wissenschaft in der Region aktiv zu unterstützen. Dabei soll nicht zuletzt die Vernetzung deutscher mit in der Region arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vorangetrieben werden. Für zwei neue Vorhaben stellt die Stiftung jetzt insgesamt 730.300 Euro zur Verfügung, und zwar:

1) 333.000 Euro für das Forschungsprojekt "Zwischen Russland und China: Reformmodelle und Governance in Zentralasien" unter der Leitung von Professor Dr. Lutz Hoffmann vom Osteuropa-Institut München;

2) 397.300 Euro für das Vorhaben "Der Einfluss des Transformationsprozesses auf Mensch-Umwelt-Interaktionen in Süd-Kirgisistan"; es wird gemeinsam geleitet von Professor Dr. Udo Schickhoff, Botanisches Institut und Botanischer Garten der Universität Greifswald, und
Professor Dr. Hermann Kreutzmann vom Institut für Geographie der Universität Erlangen-Nürnberg.

zu 1: Die zentralasiatischen Staaten, mit denen sich in den kommenden drei Jahren die Münchner Forscher um Professor Lutz Hoffmann beschäftigen werden, haben sich - wenngleich allesamt politisch ähnlich strukturierte Regime - wirtschaftlichen Reformen in deutlich unterschiedlichem Maße geöffnet. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Länder mit schnellen und umfassenden Reformen wie Kirgisistan und Kasachstan keine besseren volkswirtschaftlichen Ergebnisse erzielen konnten als Staaten mit langsamen oder ansatzweisen Reformen wie Usbekistan und Turkmenistan. Hängt am Ende der volkswirtschaftliche Erfolg vor allem davon ab, wie politisch stark ein Staat ist und wie er von dieser Stärke Gebrauch macht?

Wie genau steht es also um das Reformverhalten in den zentralasiatischen Staaten und wie wirken sich diese Reformen aus? Ziel der Münchner Wissenschaftler ist es einerseits, Unterschiede hinsichtlich Geschwindigkeit und Effizienz von Reformen in den einzelnen Ländern erklären zu können, zum anderen sollen empirische Befunde aus diesen Regionen näher betrachtet werden. Im Einzelnen gliedert sich das Vorhaben in drei Abschnitte. In einem ersten erarbeiten die Wissenschaftler einen Überblick zum Thema "Staat und Wirtschaft in Zentralasien". Ziel ist es dabei zu klären, welchem Reformmodell die einzelnen Staaten folgten beziehungsweise folgen und wie sich das Verhalten eines Staates und seiner Institutionen auf die Leistungsstärke der jeweiligen Volkswirtschaft ausgewirkt hat. Im zweiten Abschnitt wird gemeinsam mit Wissenschaftlern vor Ort die Rolle des Staates auf der Ebene der Unternehmen untersucht. Hier soll ermittelt werden, inwieweit "der Staat" die Lenkungsmechanismen innerhalb der Betriebe de facto noch - trotz formeller Aufgabe der Eigentums- und Kontrollrechte - dominiert. Im dritten Projektteil schließlich geht es, ebenfalls in Zusammenarbeit mit entsprechenden Partnern, um die Rolle des Staates auf der Ebene der Verwaltung. Die deutschen Forscher kooperieren in der Region mit der Kazakhstan Eco-nomic Research Association, einem unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitut in Astana, und dem Center for Economic Research in Taschkent.
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Kontakt Osteuropa-Institut München, Prof. Dr. Lutz Hoffmann, Tel.: 089/99839622, Fax: 089/9810110
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zu 2: In dem zweiten Vorhaben beschäftigen sich - gefördert mit 397.300 Euro - Professor Udo Schickhoff von der Universität Greifswald und Professor Hermann Kreutzmann von der Universität Erlangen-Nürnberg mit den Zusammenhängen zwischen dem sozio-ökonomischen Wandel in Süd-Kirgisistan und dort zu beobachtenden Umweltveränderungen. Wissenschaftlich untersucht wird dies am Beispiel der weltweit einzigartigen Walnuss-Fruchtbaum-Wälder, die sich durch eine besonders hohe Biodiversität auszeichnen. Deren Bewirtschaftung ist vor allem wichtig für das Überleben der dortigen Bevölkerung. Inzwischen befinden sich die Wälder in kritischem Zustand: Sowohl die vielfältigen landschaftsökologischen Funktionen sind bedroht als auch deren Bedeutung als besonderer "Biodiversitäts-Hotspot".

Die Wissenschaftler gehen den Zusammenhängen zwischen Transformationsprozess und Umweltveränderungen in drei Teilprojekten nach. In dem ersten analysieren sie die politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen und Prozesse, die mit dem Zusammenbruch des autoritären, staatszentrierten sozialistischen Systems zusammenhängen. Zum Zweiten soll konkret geklärt werden, wie sich die Aktivitäten der Menschen in der Region in ökologischer Hinsicht auf die Wälder auswirken; analysiert werden die Veränderungsprozesse in Reaktion auf den zunehmenden Nutzungsdruck. Die Zusammenführung der Ergebnisse soll in einem dritten Schritt eine am Leitbild der Nachhaltigkeit orientierte Entwicklung aufzeigen helfen. Vorgesehen ist, dass parallel zu den Feldforschungen sowohl in Jalal-Abad/Bishkek als auch in Greifswald regelmäßige Treffen der Projektbeteiligten einschließlich internationaler Experten stattfinden. Auch ein Trainings- und Austauschprogramm für kirgisische "junior scientists" beziehungsweise deutsche Diplomanden ist geplant.
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Kontakt Universität Greifswald, Botanisches Institut und Botanischer Garten, Prof. Dr. Udo Schickhoff, Tel.: 03834/86-4146, Fax: 03834/86-4114

Kontakt Universität Erlangen-Nürnberg, Institut für Geographie, Prof. Dr. Hermann Kreutzmann, Tel.: 09131/8522639, Fax: 09131/8522013

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Kontakt VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Dr. Christian Jung, Tel.: 0511/8381-380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Kontakt VolkswagenStiftung Förderinitiative "Mittelasien/Kaukasus": Dr. Wolfgang Levermann, Tel.: 0511/8381-212, E-Mail: levermann@volkswagenstiftung.de und Dr. Matthias Nöllenburg, Tel.: 0511/8381-290, E-Mail: noellenburg@volkswagenstiftung.de
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