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Partnerschaft mit Medizinern und Krankenschwestern aus den neuen EU-Oststaaten

20.06.2005 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Seit Beginn der 80er Jahre sind in Deutschland die Überlebenschancen von Kindern, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, von 20 auf heute 80 Prozent gestiegen. Diese erfreuliche Entwicklung ist ein Ergebnis der Fortschritte in der Geburts- und pädiatrischen Intensivmedizin und der Neonatologen. Dank besserer Vorsorge werden Frauen mit erhöhten Risiken in der Schwangerschaft heute früher erkannt. Sie können ihr Kind in so genannten Perinatalzentren zur Welt bringen, in denen Kreissaal und Neugeborenen-Intensivstation eng beieinander liegen. Dort kümmern sich speziell ausgebildete Kinderärzte und Kinderkrankenschwestern um das Wohl der oftmals viel zu früh geborenen kleinen Patienten und ihrer Eltern.

In den neuen EU-Oststaaten liegt die Neugeborenensterblichkeit noch deutlich über dem Durchschnitt der Länder in Westeuropa. Die Möglichkeiten einer Verbesserung der Situation diskutierten Fachvertreter aus den baltischen Ländern Litauen, Lettland, Estland sowie aus Polen und Russland auf der 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI) vom 16. bis 18. Juni 2005 in Magdeburg. Dabei wurde eine Übereinkunft über eine Weiterbildung für Kinderärzte von Frühgeborenenabteilungen und Kinderkrankenschwestern getroffen. Ab dem kommenden Jahr sollen Kurse in den baltischen Ländern und Polen angeboten werden, die mit Mitteln der Europäischen Union unterstützt werden. Wissenschaftlich beraten wird das Projekt von Professor Gerhard Jorch vom Zentrum für Kinderheilkunde der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Professor Ludwig Gortner vom Zentrum für Kinderheilkunde der Universität des Saarlandes. Die deutschen Neonatologen sehen es als Notwendigkeit an, in den östlichen EU-Staaten die gleichen medizinischen Standards anzustreben, wie im Westen der EU. Koordiniert wird die Weiterbildung vom Bildungsinstitut Fachbereiche Gesundheitswesen an den Kliniken St. Antonius in Wuppertal.

"Von der Magdeburger Universitätskinderklinik wird man vor allem die Erfahrungen auf dem Gebiet der sanften Frühgeborenenpflege einbringen", sagte Professor Jorch. Insgesamt 160 Übungsstunden soll die Weiterbildung umfassen, darunter fallen auch Hospitationen auf einer Frühgeborenenstation. Langfristig ist auch eine Integration russischer Partner in das geplante Weiterbildungsprogramm gedacht.

Das 1200jährige Magdeburg kann auf eine fast hundertjährige Geschichte der Neonatologie verweisen. Im Jahr 1906 erfolgte in der heutigen Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt die Gründung einer der ersten kommunalen Neugeborenen- und Säuglingsabteilungen auf deutschem Gebiet. 1919 wurde in Magdeburg die erste Muttermilchsammelstelle der Welt etabliert. Sie existiert bis heute an der Universitätskinderklinik. Gegenwärtig betreuen die Ärzte und Schwestern am Zentrum für Kinderheilkunde der Otto-von-Guericke-Universität jährlich 4000 kleine Patienten.

Zur 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin kamen rund 1500 Mediziner und Pflegekräfte aus den deutschsprachigen Ländern nach Magdeburg. Außerdem nahmen Fachvertreter aus den baltischen Staaten, Polen und Russland teil. Wissenschaftliche Schwerpunkte waren die fetomaternale Immunität, die Rolle des fetalen und neonatalen Blutes sowie Besonderheiten des unreifen Gehirns sowie der Lunge.


Autor: Uwe Seidenfaden

Ansprechpartner für Redaktionen
Tagungspräsident Prof. Dr. med. Gerhard Jorch,
Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Tel. 0391/67 17000, e-mail: gerhard.jorch@medizin.uni-magdeburg.de

Tagungsprogramm im Internet unter http://www.gnpi2005.de

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