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Europa ist uneins bei gentechnisch veränderter Nahrung

22.06.2005 - (idw) GESIS (Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen)

Die moderne Biotechnologie wie zum Beispiel gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ist immer wieder ein zentrales Thema in der Öffentlichkeit, da die Risiken (noch) nicht abzuschätzen und die Vorteile (noch) nicht zu erkennen sind. Die Meinung der europäischen Bürger dazu ist gespalten, zwischen den europäischen Ländern gibt es große Unterschiede in der Akzeptanz von gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Thessaloniki / Mannheim: Über 80 Millionen Hektar sind weltweit mit gentechnisch veränderten Pflanzen bestellt. Doch die Einstellungen in der Bevölkerung dazu sind ambivalent, die Vorbehalte gegenüber diesen neuen Technologien wachsen. Die Vorteile der technologischen Innovationen helfen zwar die Lebensbedingungen zu verbessern, aber mögliche negative Folgen wie zum Beispiel gesundheitliche Langzeitschäden, zunehmende Antibiotika-Resistenz und Auswirkungen auf die Artenvielfalt können nicht ausgeschlossen werden. Letztendlich werden die Konsumenten die ultimativen Richter über die Verbreitung und Durchsetzung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln sein.

Wie die Bürger der europäischen Staaten zu gentechnisch veränderter Nahrung stehen, untersuchen Sozialwissenschaftler vom Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) gemeinsam mit ihren Partnern von der Aristoteles Universität in Thessaloniki in ihrem Projekt 'Einstellungen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln in der EU' und sind dabei zu erstaunlichen Erkenntnissen gekommen. Anhand der Eurobarometer-Daten von 1999 bis 2002 und der Daten des European Social Survey 2002 konnte festgestellt werden, dass die europäische Bevölkerung in ihrer Einstellung geteilt ist: Die Griechen haben die größten Vorbehalte gegenüber gentechnisch veränderter Nahrung und die Spanier die geringsten. Auch innerhalb Deutschlands gibt es Unterschiede: Die Westdeutschen stehen dieser Entwicklung skeptischer gegenüber als die Ostdeutschen.

Wie kommen diese signifikanten Unterschiede zustande? Sind es die "nationalen" Einstellungen oder sind es unterschiedliche soziodemografische Verteilungen innerhalb der EU-Staaten wie z.B. Bildung und Einkommen, die Europa teilt? Die Analysen zeigen, dass nicht die unterschiedlichen Verteilungen von Bevölkerungsgruppen die Kluft bewirken, sondern tatsächlich kulturelle und wertespezifische Unterschiede die Ursache dafür sind. Am meisten differenzieren sich die EU-Bürger in den Einstellungen, die mit der individuellen Gefahr beim Verzehr von 'Genfood', und mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit generell zu tun haben. Aber auch länderspezifische Werteprioritäten und kulturelle Syndrome führen zu diesen Unterschieden. Der Zeitvergleich zeigt zudem, dass diese Einstellungen stabil über die Zeit bleiben. Mit einer baldigen Annäherung der Meinungen in Europa ist demnach nicht zu rechnen.

Mehr Informationen finden Sie im Artikel von Antje Springer, Georgios Papastefanou, Asterios Tsioumanis und Konstadinos Mattas "Sociodemographic and Subjective Belief Reasons for Inter-EU Differences of Attitudes Towards Genetically Modified Food" ' in den ZUMA-Nachrichten 56, Mai 2005, S.78ff.
Weitere Informationen: http://www.gesis.org/Publikationen/Zeitschriften/ZUMA_Nachrichten/documents/pdfs/56/09_springer.pdf
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