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Schönheit fördert den Wahlerfolg

22.06.2005 - (idw) Universität zu Köln

Schönheit fördert den Wahlerfolg
Äußere Attraktivität wichtiger als glaubwürdiges Engagement

Die physische Attraktivität von Kandidaten bei politischen Wahlen übt einen bedeutsamen Einfluß auf deren Wahlchancen aus. Der Wettbewerb der Wahlkreiskandidaten trägt damit zu-mindest teilweise die Züge einer Schönheitskonkurrenz. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Unter-suchung, die Dr. Markus Klein vom Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung der Universität zu Köln und Dr. Ulrich Rosar vom Institut für Angewandte Sozialforschung der Universität zu Köln erstellt haben.

Für die Wahlkreiskandidaten bei der Bundestagswahl 2002 konnten die beiden Kölner Sozial-wissenschaftler zeigen, daß die auf der Grundlage von Fotografien vorgenommene Bewertung ihrer physischen Attraktivität einen politisch relevanten Einfluß auf das Erststimmergebnis aus-übt. In vielen Wahlkreisen kann sie darüber entscheiden, welcher Kandidat bzw. welche Kandi-datin das Direktmandat gewinnt und welcher nicht.

Die Wirkungen der Attraktivität unterscheiden sich dabei nicht zwischen männlichen und weibli-chen Kandidaten. Weibliche Kandidaten erzielen generell etwas niedrigere Stimmenanteile als männliche Bewerber. Sie können dies aber durch eine weniger feminine Gestaltung ihres Äuße-ren nahezu kompensieren. Darüber hinaus konnten die Kölner Sozialwissenschaftler zeigen, daß junge weibliche Kandidaten als besonders attraktiv wahrgenommen werden und die Attraktivi-tätsbewertung durch Gestaltungsmerkmale der Fotografien beeinflußt werden kann. Wie die Köl-ner Sozialwissenschaftler weiter feststellen, besaßen die Direktkandidaten der SPD zudem einen leichten Wettbewerbsvorteil, da die von ihnen für die Selbstpräsentation verwendeten Fotografien im Durchschnitt zu etwas besseren Attraktivitätsurteilen führten.

Nach Auffassung der Kölner Sozialwissenschaftler sind die Ergebnisse nicht überraschend, da Menschen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen dazu neigen, Urteile über andere Men-schen auf deren äußeres Erscheinungsbild zu gründen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn weiterführende Informationen und Bewertungskriterien nicht verfügbar sind. Unter diesen Umständen sind die mit der Direktwahl der Wahlkreiskandidaten verbundenen Erwartungen un-realistisch, wenn das Wahlergebnis zumindest teilweise von der physischen Attraktivität der Kandidaten abhängt. Mit der Direktwahl der Wahlkreiskandidaten sollte gerade erreicht werden, daß sie sich in besonderer Weise in ihrem Wahlkreis engagieren und dessen spezifische Inte-ressen im Bundestag vertreten. Dies allerdings - so die Kölner Sozialwissenschaftler - ist dann nicht der Fall, wenn ein Großteil der Wahlberechtigten die Wahlkreiskandidaten nicht oder nur von den Wahlplakaten her kennt und im letztgenannten Fall die subjektiv wahrgenommene Att-raktivität der Kandidatenfotografien einen bedeutsamen Einfluß auf die Wahlentscheidung aus-übt. Ein möglichst attraktives Äußeres und ein professionell gestaltetes Foto auf dem Wahlplakat sind dann nämlich für den Wahlerfolg eines Kandidaten wichtiger als ein intensives und glaub-würdiges Engagement für den Wahlkreis.


Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen stehen Ihnen Dr. Markus Klein unter der Telefonnummer 0221/470-3157, der Fax-Nummer 0221/47694-44 und unter der Email-Adresse klein@za.uni-koeln.de sowie Dr. Ulrich Rosar unter der Telefonnummer 0221/470-2746, der Fax-Nummer 0221/4705169 und unter der Email-Adresse rosar@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/.

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