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Verbundprojekt FUSION: MeVis entwickelt bildgestützten Planungsassistenten für die Leberchirurgie

30.06.2005 - (idw) MeVis an der Universität Bremen

Bremen, 30. 2005. Heute startet das länder- und fachübergreifende Forschungsprojekt FUSION. Ziel von FUSION (Future Environment for Gentle Liver Surgery Using Image-Guided Planning and Intra-Operative Navigation) ist die Entwicklung neuartiger und schonender Operationsverfahren speziell in der Leberchirurgie. Das Bremer Forschungs- und Entwicklungszentrum MeVis übernimmt dabei ein bedeutendes Teilprojekt. Die Wissenschaftler entwickeln Softwareassistenten für die bildgestützte Operationsplanung und Entscheidungsunterstützung. Für ihre Arbeiten wurde der Projektgruppe unter der Leitung von Dr. Guido Prause vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Förderung von zunächst 1,3 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre zugesprochen. Hinter FUSION stehen 20 führende deutsche Kliniken, wissenschaftliche Institute und medizintechnische Unternehmen. Das Projekt ist auf einen Zeitraum von fünf Jahren angelegt und wird vom BMBF mit insgesamt bis zu 15 Millionen Euro unterstützt. FUSION qualifizierte sich für die Förderung aus insgesamt 34 Projektanträgen. Es ist eines von drei Forschungsvorhaben, die im Rahmen der Ausschreibung "Schonendes Operieren mit innovativer Technik" (SOMIT) gefördert werden. Jährlich erkranken mehr als fünf Millionen Menschen an bösartigen Lebertumoren oder -metastasen. Allein in Deutschland zählen Mediziner jedes Jahr rund 30.000 neue Fälle. Die Tendenz ist steigend: In ihrem jährlich erscheinenden World Cancer Report rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einem Anstieg der Krebsfälle bis zum Jahr 2020 um 50 Prozent auf rund 15 Millionen weltweit. Entsprechend steigt auch der Anteil an Leberkrebserkrankungen. Als einzig wirksame Therapien gelten heute die operative Entfernung oder lokale Zerstörung des betroffenen Gewebes. Der Erfolg wird maßgeblich von der Präzision der Schnittführung, der Funktionalität des verbleibenden Gewebes und den Belastungen des Patienten während des Eingriffs bestimmt.

Um der Bedeutung der Krankheit Rechnung zu tragen, hat ein Verbund von führenden Medizinern, Wissenschaftlern und Unternehmern aus den Bereichen Chirurgie, Radiologie, Informationstechnologie und Medizintechnik das Forschungsprojekt FUSION aus der Taufe gehoben. Im Zentrum steht die Entwicklung einer Präzisionschirurgie für Weichgewebe, die individuell an die jeweilige Patientensituation angepasst werden kann. Dadurch soll der Anteil an erfolgreichen Operationen in der Tumorchirurgie und damit langfristig die Überlebensrate der Betroffenen erhöht werden. Dieses gilt insbesondere für Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, für die bislang eine Operation technisch nicht Erfolg versprechend erschien. Kosteneinsparungen für das Gesundheitssystem versprechen sich die Projektpartner ferner davon, dass Komplikationen während der Operationen reduziert und die Zahl unnötigen Eingriffe verringert werden können.

Technisches Ziel der Forscher ist es, Verfahren zu entwickeln, mit denen präoperativ aus Volumenbilddaten (Computertomographien und Magnet-Resonanz-Aufnahmen) gewonnene Informationen auf das Operationsfeld übertragen werden können. Der "Planungsassistent", den MeVis hierfür entwickeln wird, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Auf der Grundlage von Schichtbildaufnahmen, die vor einem Eingriff gemacht werden, überträgt die Software Planungsdaten zum anatomischen und funktionellen Aufbau der Leber schrittweise auf die Situation, die sich dem Operateur während des Eingriffs bietet und gleicht die Daten miteinander ab. So kann der Mediziner auch während einer Operation die Risiken verschiedener Schnittführungen abwägen und damit eine Gefährdung des Patienten verringern.

Bei der Entwicklung des Planungsassistenten soll ein breites Spektrum von Therapieoptionen betrachtet werden: von der offenen über die laparoskopische Chirurgie bis hin zu minimalinvasiven transkutanen Tumorablationen. Während in der Orthopädie, Neurochirurgie und Dentalimplantologie bereits mit bildgestützten Planungs- und Navigationstechniken gearbeitet wird, ist der Markt für derartige Systeme in der Weichteilchirurgie noch unerschlossen. "Wir gehen mit großen Erwartungen in das Projekt", sagt MeVis-Geschäftsführer Prof. Heinz-Otto Peitgen. "Die Konzentration von Spitzenkräften aus unterschiedlichen Disziplinen in einem Projekt ist etwas Besonderes. Wir haben jetzt das Potenzial, in Punkto Patientensicherheit und Effizienz in der Therapie einen großen Schritt voran zu kommen."


Das Projekt ist auf einen Zeitraum von fünf Jahren angelegt. Neben der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Lübeck, der die Projektleitung obliegt, sind die führenden leberchirurgischen Zentren in Deutschland an dem Projekt beteiligt. Die Hansestadt an der Ostsee ist außerdem Standort eines FUSION-Operationssaals, in dem sämtliche technische Entwicklungen aus den Teilprojekten zusammengetragen, miteinander verbunden und auf Leistungsfähigkeit getestet werden sollen.

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