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Wer entscheidet, wenn ich entscheide?

03.07.2005 - (idw) Universität Augsburg

Der renommierte Bremer Hirnforscher Gerhard Roth spricht am 7. Juli 2005 im Augsburger "Forum Wissenschaft" über das Wechselspiel von Verstand und Gefühlen bei Entscheidungen.
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Wissenschaftler, die den aktuellen Stand der Forschung in Ihrer Disziplin repräsentieren, nach Augsburg zu holen, ist der Anspruch der von der Universität Augsburg und der Stadtsparkasse Augsburg gemeinsam veranstalteten Reihe "Forum Wissenschaft": Mit der Einladung des in Philosophie und in Zoologie promovierten Hirnforschers Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth ist die Einlösung dieses Anspruchs einmal mehr gelungen: Roth, der am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen die Abteilung für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie leitet, Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs, Delmenhorst, sowie Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes ist, sorgt mit seinen Thesen, die darauf hinauslaufen, dass der Mensch keinen freien Willen habe und dementsprechend auch nicht schuldfähig sei, für heftigste Debatten. "Wer entscheidet, wenn ich entscheide? Das Wechselspiel von Verstand und Gefühlen bei Entscheidungen" lautet der Titel des Vortrags, in dem Roth seine Thesen dem Augsburger Publikum am 7. Juli 2005 vor- und zur Diskussion stellen wird (Beginn um 19.15 Uhr im Hörsaal 1001 des Physik-Hörsaalzentrums, Universitätsstraße 1). ZUM VORTRAG. "EIN GROSSTEIL UNSERER ENTSCHEIDUNGEN FÄLLT UNBEWUSST."

Womit er das Publikum mit seinem Vortrag am 7. Juli im Augsburger "Forum Wissenschaft" konfrontieren wird, beschreibt Roth selbst folgendermaßen: "Nach landläufiger Meinung sind die besten Entscheidungen diejenigen, die möglichst stark von Vernunft und Verstand und möglichst wenig von Gefühlen bestimmt sind. Insbesondere sollen wichtige Entscheidungen nicht spontan oder gar unbewusst passieren. Die moderne Hirnforschung und Psychologie zeigen nun das genaue Gegenteil: Ein Großteil unserer Entscheidungen fällt unbewusst, und wir erleben nur bewusst, was unser Gehirn bereits entschieden hat. Bei wichtigen Entscheidungen spielt natürlich das rationale Abwägen von Möglichkeiten und Alternativen eine große Rolle, aber dies findet erstens immer im Rahmen unseres - nur zum Teil bewussten - emotionalen Erfahrungsgedächtnisses statt, und zweitens bestimmt dasselbe Gedächtnis, welche der Alternativen wir auswählen. Vernunft und Verstand sind in diesem Prozess nur Ratgeber, wenngleich oft sehr wichtige, aber sie entscheiden nichts. Der Unterschied zwischen einer 'irrationalen' und einer 'rationalen' Entscheidung liegt darin, ob wir spontan ('aus dem Bauch heraus') oder aufgrund des Abwägens von Alternativen entscheiden. Beides wird jedoch von Emotionen bestimmt, in die Verstand und Vernunft in jeweils sehr individueller Weise eingebettet sind."

ZUM REFERENTEN: PROF. DR. DR. GERHARD ROTH

Geboren 15. August 1942 in Marburg/Lahn.

1963-1969 Studium der Fächer Philosophie, Germanistik und Musikwissenschaften an den Unversitäten Münster und Rom (Italien). Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 1969 Promotion in Philosophie zum Dr. phil. an der Universität Münster.

1969-1974 Biologie-Studium an den Universitäten Münster und University of California, Berkeley (USA). Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. 1974 Promotion in Zoologie zum Dr. rer. nat. an der Universität Münster.

1975-76 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der AG Neuroethologie an der Gesamthochschule/Universität Kassel.

Seit 1976 Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie im Studiengang Biologie an der Universität Bremen.

Seit 1997 Gründungsrektor des Hanse-Wissenschaftskollegs in Delmenhorst. Weiterhin Professor an der Universität Bremen und Direktor am Institut für Hirnforschung.

Funktionen/Mitgliedschaften:
o Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs
o Direktor am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen
o Sprecher des Sonderforschungsbereichs 517 Bremen-Oldenburg "Neurokognition"
o Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
o Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes

Wissenschaftliche Arbeitsgebiete:

o Neurobiologische Grundlagen des Sehens und der visuellen Verhaltenssteuerung
o Neurobiologische Grundlagen der emotionalen Verhaltenssteuerung
o Evolutionäre und vergleichende Neurobiologie
o Neurophilosophie

Rund 180 Veröffentlichungen auf den genannten Gebieten, darunter:
o Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. Suhrkamp, Frankfurt, 1994/1996ff.
o Fühlen, Denken, Handel. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Suhrkamp, Frankfurt, 2001/2003.
o Aus Sicht des Gehirns. Suhrkamp, Frankfurt, 2003.

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