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Aktive Medienarbeit gegen Rechts

04.07.2005 - (idw) Universität Leipzig

13 Jugend- und Sozialarbeiter aus sächsischen Vereinen, Klubs, Einrichtungen und Behörden wollen lernen, wie sich Rassismus und Ausgrenzung via Medien thematisieren lassen. Am 14./15. Juli treffen sich die Beteiligten letztmalig in der Emil-Fuchs-Straße zum Blockseminar. Seit März laufen die insgesamt sieben zweitägigen Blöcke. "Das is' 'ne deutsche Toilette für deutsche Mädels!"

"Das is' 'ne deutsche Toilette für deutsche Mädels!", ruft Bärbel als sie auf der Schultoilette Ülzün, eine Türkin, trifft. Die junge Türkin schaut verlegen zu Seite und versucht Bärbel auszuweichen. Die umstehenden Mädchen schauen zu. - Auf der Schultoilette beginnt eine Geschichte, die sich in dieser oder ähnlicher Form alltäglich abspielt. Es ist jedoch zugleich eine unalltägliche Geschichte. In diesem speziellen Fall hat der Beobachter die Wahl. Die Wahl zwischen einem Happy End und einem Bad End.

Die Fotogeschichte mit Bärbel und Ulzün ist ein Ergebnis der Weiterbildung "Aktive Medienarbeit gegen Rechts". Die kostenlose Fortbildung, die derzeit am Zentrum für Medien und Kommunikation der Universität läuft, richtet sich an Multiplikatoren und Multiplikatorinnen der Jugendarbeit. 13 Jugend- und Sozialarbeiter aus sächsischen Vereinen, Klubs, Einrichtungen und Behörden wollen lernen, wie sich Rassismus und Ausgrenzung via Medien thematisieren lassen. Das Ganze hat in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal Gestalt angenommen - am 14./15. Juli treffen sich die Beteiligten letztmalig in der Emil-Fuchs-Straße zum Blockseminar. Seit März laufen die insgesamt sieben zweitägigen Blöcke.

Was eigentlich ist "Rechts"?

Idee und Konzept des Projekts stammen vom Verein Medienpädagogik e. V. und dem Institut für Medienpädagogik und Weiterbildung der Universität Leipzig. Gefördert wird das Vorhaben durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfond.

Katharina Hamann von der Universität Leipzig leitet die Seminare. Mit Hilfe von Referenten zum Beispiel der Opferberatung, des Jugendamtes oder aus dem technischen Bereich vermittelt sie das nötige Wissen. Dabei geht es sowohl um die Frage, was eigentlich ist "Rechts" und um Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Intervention als auch um das Kennenlernen von und das Arbeiten mit einzelnen Medien. Für die Kommunikationswissenschaftlerin ist Medienarbeit eine geeignete Methode, um Jugendlichen nicht nur über alltäglichen Rassismus, sondern für die Auseinandersetzung mit alltäglicher Diskriminierung aufzuklären. Und die fängt schon beim "schwarzen Schaf" in der Clique an und hört beim Spruch "Benimm' dich nicht wie 'ne Russe" noch lange nicht auf.

Inhaltlicher Diskurs und technisches Knowhow

Um solche ausgrenzenden Erlebnisse und konfrontativen Situationen jedoch medial verarbeiten zu können, bedarf es neben des inhaltlichen Diskurses vor allem des technischen "Knowhows". Folglich ist die Ausbildung in zwei Phasen geteilt: In der ersten werden die Jugend- und Sozialarbeiter/innen für die Fragen von Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung sensibilisiert und in die Methodik aktiver Medienarbeit eingeführt. Dabei lernen sie den Umgang mit den Video, Hörfunk, Fotostory und Internet - Filmen bzw. Aufnehmen und Schneiden inclusive. In der zweiten Phase wird dann ein konkretes Projekt geplant und realisiert - zum einen innerhalb der Weiterbildung und, wo möglich, zugleich verknüpft mit Konzepten vor Ort. Hierbei kommt Freeware zum Einsatz - kostenlose Computer-Programme, die den finanziell oftmals knapp ausgestatteten Klubs und Vereinen günstige Lösungen erlauben. Über "ihre" Teilnehmer freut sich Katharina Hamann: "Sie sind sehr neugierig und engagiert."

Katharina Hamann will mit ihrer Arbeit spezifische Ziele erreichen. Ausgehend davon, dass junge Leute generell an Medientechnik interessiert sind, lasse sich diese einsetzen, um auch unbequeme Probleme aufzugreifen und publik zu machen. "Aber", betont sie, "ohne Inhalt nützt die ganze Methode nichts." Also spricht sie geradewegs unterschwellige Diffamierungen, abwertende Äußerungen, ausgrenzendes Verhalten an - um gemeinsam Argumente und Wege zu finden, derart "versteckten" Rassismus nicht nur zu kennzeichnen, sondern dem auch entgegen treten zu können. Sie übt mit den Kursteilnehmern Argumentation und Rhetorik. Im Kern geht es immer wieder darum, auf das subtile Verhalten von Jugendlichen mit Alternativen zu reagieren. Im günstigsten Falle münden die Seminare in mediale Projekte, die eine präventive, sensibilisierende Wirkung entfalten.

"Eigentlich muss man gar nicht so viele Ängste mitbringen.''

Und es funktioniert, wie zwei Beispiele aus dem ersten Kurs zeigen: Siegrid Feldmann, die in Weißwasser in der "Station junger Techniker" mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, kam unvoreingenommen ins Seminar. Mit Technik hatte sie bis zur Fortbildung "Aktive Medienarbeit gegen Rechts" wenig am Hut. Unterdessen hat sie ihre Meinung geändert: "Eigentlich muss man gar nicht so viele Ängste mitbringen. Alles Technische ist doch schnell erlernbar und gar nicht so schwierig, wenn man öfter damit in Berührung kommt." Auch Karin Lösner war letztlich froh, dass sie sich die Zeit für die Weiterbildung genommen hatte; ein wenig bedauerte sie das Auslaufen des Kurses. Die Sozialarbeiterin, die benachteiligte Jugendliche betreut, hält die Medienarbeit für "eine sehr wichtige Sache". Damit können "ihre" Jugendlichen üben, sich selbst darzustellen und selbstbewusster zu werden.

Inzwischen liegen auch aus dem laufenden Kurs die ersten Arbeitsproben unter www.mepaed.de im Internet. Selbst die kleinen Schritte bis zur Veröffentlichung im Netz gehören als "Hausaufgabe" zur Weiterbildung. Wie sonst sollten die Hörspiele und Bildergeschichten wohl andere Jugendliche erreichen ...


Im letzten Blockseminar am 14. und 15. Juli werden die Ergebnisse der Kurs-Projekte vorgestellt sowie Ideen für die Medienarbeit vor Ort diskutiert. Zudem erfolgt ein Überblick über die Methoden aktiver Medienarbeit.

Daniela Weber


weitere Informationen:
Zentrum für Medien und Kommunikation
Katharina Hamann
Telefon: 0341/97 35 898
E-Mail: info@mepaed.de

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