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Arthur Koestler als Zionist

04.07.2005 - (idw) Universität Erfurt

Ringvorlesung am 6.Juli widmet sich dem englischen Schriftsteller Der Schriftsteller Arthur Koestler steht im Mittelpunkt der Ringvorlesung, die am Mittwoch, dem 6. Juli 2005 stattfindet. Dr. Christian Burkard, freier Autor aus Berlin, hält seinen Vortrag unter dem Titel "Arthur Koestler als Zionist". Die Ringvorlesung von Universität und Fachhochschule im Rahmen der Reihe "Der neue Nahe Osten" beginnt um 18.00 Uhr in der Michaeliskirche (Universitätskirche).

Arthur Koestler war ein englischer Schriftsteller ungarischer Herkunft. Er schrieb auf Englisch, Französisch und Deutsch. 1905 in Budapest als Sohn eines jüdischen Industriellen geboren, zog Koestler 1914 mit seiner Familie nach Wien und studierte dort ab 1922 Ingenieurwissenschaften, parallel dazu aber auch Philosophie und Literaturwissenschaft. Weil er zu dieser Zeit dem Zionismus zugeneigt war, brach er das Studium ab und ging 1926 nach Palästina. Von dort aus schickte er Reportagen an den Ullstein-Verlag in Berlin, und es gelang ihm dadurch, Mitarbeiter sowohl des Ullstein-Verlags als auch der Vossischen Zeitung zu werden. 1930 zog er nach Berlin, wo er als außenpolitischer Redakteur arbeitete. In dieser Eigenschaft überflog er 1931 mit dem Luftschiff Graf Zeppelin den Nordpol. Im gleichen Jahr trat er der KPD bei und bereiste 1932/33 die Sowjetunion, aus der er entsetzt über die Lebensverhältnisse unter dem Stalinismus zurückkehrte. Koestler blieb trotzdem zunächst dem Kommunismus verbunden und ging 1937 als Kriegsberichterstatter nach Spanien, wo er von Truppen des Generals Franco gefangen genommen und als Spion zum Tode verurteilt wurde. Die Briten erreichten jedoch auf dem Wege eines Gefangenenaustauschs seine Freilassung. Diese Erlebnisse hat er in seinem "Spanischen Testament" literarisch verarbeitet. 1937/38 wandte sich Koestler unter dem Eindruck der stalinistischen Säuberungen und Schauprozesse vom Kommunismus ab. Seine ultimative Abrechnung mit dem Kommunismus vollzog er 1940 mit dem Bestseller "Sonnenfinsternis" (Im Original "Darkness at Noon"). Die Hauptfigur dieses Romans ist von dem Bolschewiken Karl Radek inspiriert und personifiziert die willenlose Unterwerfung des Individuums unter eine mörderische und sinnleere Maschinerie. Seit 1940 lebte und arbeitete Arthur Koestler in England und befreundete sich dort mit George Orwell, der in mancher Hinsicht eine ähnliche Entwicklung hinter sich hatte wie er selbst. Weitere Erfolge Koestlers waren der Spartacus-Roman "Die Gladiatoren" (1939), "Gottes Thron steht leer" (1951) und "Die Schlafwandler" (1959). Mittlerweile zu einem der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller englischer Sprache avanciert, erregte Koestler 1976 mit seinem Werk "Der dreizehnte Stamm" (Im Original The Thirteenth Tribe) noch einmal Aufmerksamkeit. Das Buch enthielt die These, das östliche Judentum stamme von dem Volk der Khasaren ab, was in Israel Verärgerung auslöste. 1981 ließ sich Koestler zum Vizepräsidenten der britischen Freitod-Vereinigung EXIT ernennen, und am 3. März 1983 schied er gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau Cynthia durch Suizid aus dem Leben. Er litt an der Parkinson-Krankheit und Leukämie.

Der Referent Dr. Burkard (Jg. 1962) studierte Politologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und später Niederländische Philologie und Judaistik an der FU Berlin. Seine Dissertation schrieb er über "Jüdische Aspekte in Leben und Werk Arthur Koestlers". Burkard arbeitet in Berlin für verschiedene Zeitungen und den Rundfunk. Im Sommersemester hat er zudem einen Lehrauftrag am Institut für Judaistik der Freien Universität übernommen.

Die in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Erfurt, mit Unterstützung der Sparkassenfinanzgruppe, der Stadtmission und der Universitätsgesellschaft Erfurt e.V. veranstaltete und von der Thüringischen Landeszeitung präsentierte populäre Reihe bietet jeweils dienstags (Beginn 18.00 Uhr in der Michaeliskirche/Universitätskirche; Allerheiligenstraße) in insgesamt 12 Veranstaltungen Vorträge ausgewiesener Experten der Universität wie auch prominenter Fachleute von außerhalb.


Nächster Termine der Reihe:
12. Juli 2005, 18.00 Uhr, Michaeliskirche (Universitätskirche), "40 Jahre deutsch-israelische (diplomatische) Beziehungen", Prof. Moshe Zimmermann, Hebrew University, Jerusalem
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/presse/veranstaltungen/ringvorlesung/nahe_osten.html
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