Lesung in Jena: Handschrift aus Sarajevo05.12.2002 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena
Stevan Tontic liest am 12. Dezember, 19 Uhr an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Jena (05.12.02) "Diese Gedichte berühren durch ihre trockene und unpathetische Art, vor allem aber durch ihre intellektuelle Redlichkeit, die in Kriegsliteratur Seltenheitswert hat", schrieb ein Rezensent im "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" über den Gedichtband "Handschrift aus Sarajevo" von Stevan Tontic. Der bosnische Lyriker und Schriftsteller wird daraus am 12. Dezember einige Auszüge vorstellen. Die Lesung mit anschließender Diskussion findet um 19 Uhr im Schillerhaus der Jenaer Universität (Schillergäßchen 2) statt. Veranstaltet wird sie vom Collegium Europaeum Jenense an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Uni-Institut für Slawistik sowie der Südosteuropa-Gesellschaft, Zweigstelle Jena. Die Lesung ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Stevan Tontic wurde am 30. Dezember 1946 in Sanski Most in der Krajina noch in Jugoslawien geboren, das Gebiet gehört heute zur bosniakisch-kroatischen Föderation. Der politisch aktive Literat und Übersetzer wurde von der politischen Führung bekämpft, andererseits seit den achtziger Jahren in den verschiedenen Regionen seiner Heimat und ebenfalls in Deutschland mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet. Um seine Integrität als Mensch und Dichter, seine literarischen Freunde und seine Arbeit nicht zu verraten, floh Stevan Tontic 1993 aus Sarajevo. Acht Jahre lebte er im Berliner Exil, getrennt von seiner Familie, die lange in Belgrad weilte und vor kurzem erst nach Sarajevo zurückkehren konnte. Auch Stevan Tontic ging Ende 2001 in seine Heimat nach Sarajevo zurück. Zeugnis seiner bitteren Lebenserfahrungen legen seine Gedichte ab, in deutscher Sprache u. a. nachzulesen in dem 1994 im Verlag Landpresse erschienenen Gedichtband "Handschrift aus Sarajevo", der starke Beachtung fand. Die literarisch beeindruckenden Gedichte geben ein klärendes und schreckliches Bild von den Lebensverhältnissen in Sarajevo, einer Kulturstadt im Kriegszustand. Seine Sprache ist knapp, schnörkellos, von beklemmender Dichte und frei von Pathos. Gerade dadurch sind seine Worte eindrucksvoll und glaubwürdig.
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