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Klinisch-neurobiologische Forschung am DPZ

05.12.2002 - (idw) Deutsches Primatenzentrum

Im Rahmen der Vortragsreihe "Fortschritte der Primatologie" hält Prof. Dr. Eberhard Fuchs am 10.12.02 um 16:00 c.t. im DPZ einen Vortrag zum Thema ?Streß, Gehirn und Verhalten?.


Weissbüschelaffen (Callithric jacchus) dienen in nicht-invasiven Techniken als Modelle für zentralnervöse Erkrankungen des Menschen. Fuchs greift damit einen Schwerpunkt seiner international zusammengesetzten Gruppe mit Mitarbeitern aus den Niederlanden, Ungarn, Italien, Jordanien sowie Lesoto auf: die Aufklärung der grundlegenden Mechanismen belastungsinduzierter emotionaler Reaktionen und ihrer Auswirkungen auf Körperfunktionen und Verhalten.
Im Gegensatz zu den Untersuchungen an Menschen erlauben tierexperimentelle Studien detaillierte Analysen von strukturellen Änderungen im Gehirn bis hin zu molekularen Komponenten. Mit Spitzhörnchen (Tupaia) als Tiermodell lassen sich so die Kenntnisse über Mechanismen affektiver Störungen erweitern, neue Einblicke in verhaltenssteuernde Prozesse gewinnen und das Wissen zur therapeutischen Wirkungsweise von Antidepressiva erweitern. Für diese Forschung und in Würdigung ihrer besonderen gesellschaftlichen Relevanz erhielt Fuchs im November 2002 den mit 50.000 EURO dotierten Wissenschaftspreis des Sifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.
Den zweiten Schwerpunkt der Arbeitsgruppe um Fuchs bilden die Untersuchungen über Mechanismen und Strategien zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson?sche Erkrankung und Multiple Sklerose. Er leitet ein Teilprojekt in dem vom BMFT getragenen Forschungsverbund ?Dopamin produzierende Zellen in experimentellen Modellen der Parkinson Erkrankung? in Zusammenarbeit mit dem hiesigen Universitätsklinikum, dem MPI für biophysikalische Chemie, Göttingen und dem MPI für Psychiatrie, München. Vertreter der Deutschen Parkinsonvereinigung ließen sich im DPZ über die geplanten Forschungsvorhaben informieren. Die Arbeitsgruppe ist beteiligt bei dem an der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen angesiedelten Institut für Multiple Sklerose-Forschung, das von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründetet wurde. Die Aufgabe der Gruppe am DPZ ist es, ein Primatenmodel für Multiple Sklerose zu etablieren und die von den anderen Partnern des Instituts entwickelten neuen therapeutischen Strategien zu testen.
Seit Jahren besteht eine effiziente Zusammenarbeit mit der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am MPI für biophysikalische Chemie zur Evaluierung und Durchführung von Hirnuntersuchungen an Tupaia und Weissbüschelaffen. Denn der Einsatz moderner bildgebender Verfahren ist ein zukunftsträchtiges Arbeitsgebiet in der Neurobiologie von Primaten: Einerseits handelt es sich um nicht-invasive Techniken, andererseits können individuell zentralnervöse Prozesse der Versuchstiere über einen langen Zeitraum verfolgt werden, was die Zahl der für die Untersuchungen eingesetzten, notwendigen Tiere verringert.
Ein weiteres, volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch bedeutungsvolles Forschungsfeld wird zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, Universitätsinstituten in Leiden (NL), Zürich (CH), Edinburgh (GB), dem Karolinska in Stockholm (S) und dem Biomedical Primate Research Center (NL) als EU-Verbundprojekt eingerichtet: Lebensstil und genetische Prädisposition gelten als die Hauptdeterminanten nicht-infektiöser Erkrankungen des Menschen. So mehren sich in letzter Zeit Hinweise, dass viele im Erwachsenenalter auftretende Erkrankungen ihre Wurzeln in der pränatalen Phase haben. Verantwortlich scheint eine Überexposition mit Glukocorticoiden zu sein. Verhaltensauffälligkeiten und neurologische Störungen, Erkrankungen des Immun- und Reproduktionssystems, Osteoporose, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Folgen. In diesem von der EU geförderten Projekt sollen die potentiellen Konsequenzen einer pränatalen Überexposition mit Glukocorticoiden modellhaft an Weissbüschelaffen untersucht werden.
Die Arbeiten der Forschungsgruppe um Fuchs bestehen damit aus einem Geflecht nationaler und internationaler Forschungsvorhaben und sind eingebettet in das leistungsstarke neuro-wissenschaftliche Umfeld Göttingens. Vor kurzem erhielt er einen Ruf auf eine Professorenstelle für Neurobiologie im Zentrum Neurologische Medizin der Medizinischen Fakultät der Georg-August-Universität.

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