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Technophil oder Technophob?

07.07.2005 - (idw) Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Neue Studie zum Umgang mit der Technik Ob Handy, Internet, Kühlschrank, PKW oder Mikrowelle - unser ganzes Leben wird von Technik bestimmt. Sie ist alltäglich und allgegenwärtig, prägt sowohl unser Berufs-leben als auch unsere Freizeit und ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. So nützlich und hilfreich Technik sein mag, ihre stetige Weiterentwicklung stellt uns als Anwender vor immer komplexere Probleme, die teils als täglicher Kampf Mensch gegen Technik wahrgenommen werden.

Eine Studie von Univ.-Prof. Dr. phil. Eva-Maria Jakobs und Dr. phil. Kirsten Schindler vom Lehr- und Forschungsgebiet Textlinguistik der RWTH Aachen hat das Alltagsduell Mensch gegen Technik einmal näher untersucht und erläutert. Unter der Fragestellung "Wie gehen die verschiedenen Generationen und Geschlechter mit Technik um, wie nehmen sie diese wahr?", wurden Schüler und Schülerinnen sowie Studierende mit ei-nem ingenieurwissenschaftlichen Studienfach an der RWTH Aachen zu ihrer Einstellung gegenüber Technik befragt. Dabei kamen teils überraschende Ergebnisse bezüglich der Technikkonzepte junger Erwachsener und der von ihnen thematisierten Zugangsbarrie-ren zu Tage.

Besonders bedenklich erscheint den Wissenschaftlerinnen, dass Schüler und Schülerin-nen sich zwar für Experten im Umgang mit der Technik halten, jedoch lediglich geringes Interesse zeigen, sich intensiv mit der Komplexität der Materie zu befassen. Das Mobil-telefon, dessen Entwicklung ihrer Meinung nach den größten, ihr Leben prägenden Fortschritt der letzten 20 Jahre darstellt, nutzen sie nur mit seinen Grundfunktionen. Komplexere Features werden meist ignoriert. Probleme werden an Fachpersonal wei-tergegeben, oder es wird direkt ein neues Gerät angeschafft.

Als Teil der jungen Generation sehen sich die Befragten beim täglichen Umgang mit Technik im Vorteil gegenüber der älteren Generation. Diese sei nämlich nicht von Ge-burt an mit Technik konfrontiert worden. Diese mangelnden Erfahrungen führten zu Barrieren und Problemen im Umgang mit Technik.

Trotz ihres Ausgangsvorteils sind die befragten Schüler und Schülerinnen kaum daran interessiert, einen Ingenieurstudiengang zu beginnen. Das Berufsbild "Ingenieur" bleibt in der Vorstellung der Befragten bestenfalls vage. Der Prototyp des Technikexperten ist für sie der junge Mann.

Die Einstellung der Studierenden unterscheidet sich insofern von der der Schülerinnen und Schüler, dass die Studierenden sich bereits bewusst für einen technischen Studien-gang entschieden haben. Ihre Kindheit haben sie als konstante Techniksozialisation wahrgenommen. Zugangsbarrieren zur Technik wie Alter und Geschlecht werden kaum Bedeutung zugemessen.

Um einem absehbaren Nachwuchsmangel an Ingenieuren und Ingenieurinnen vorzu-beugen, schlagen Jakobs und Schindler mehrere Maßnahmen vor. So sollte unter ande-rem die Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler geschaffen werden, sich möglichst frühzeitig über technische Studienfächer und Berufe zu informieren. Berufsbedingungen sollten auf Familienverträglichkeit überprüft und entsprechende Kinderbetreuungsange-bote gemacht werden. Außerdem, so Jakobs und Schindler, müsse das Wissen über die Technik verstärkt Thema in Schulen, Hochschulen und Medien werden.

Weitere Informationen zur Studie erteilt gerne Dr. phil. Kirsten Schindler unter Telefon 0241- 80 96121 oder per E-Mail: k.schindler@tk.rwth-aachen.de.

i.A. Monika Lembke

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