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Die Lehre vom richtigen Leben im falschen - Theodor Wiesengrund Adorno

05.12.2002 - (idw) Fachhochschule Potsdam

Prof. Ellen Lissek-Schütz, Kultur und Management, Studiengang Kulturarbeit der FH Potsdam, wird den nächsten Vortrag der Reihe "Civitas - Denkimpulse und Vorbilder" am Montag, dem 09.12.02, halten. Er findet um 18.30 Uhr im Palais am Stadthaus bei krone management undtechnologie, Friedrich-Ebert-Straße 37, statt. Im Anschluss besteht
Gelegenheit, bei einem Glas Wein in lockerer Runde weiter zu diskutieren. Das Programm der Veranstaltungsreihe ist unter www.fh-potsdam.de zu finden.

Der Vortrag "Die Lehre vom richtigen Leben im falschen - Theodor Wiesengrund Adorno" widmet sich einem herausragenden und strittigen Denker des 20. Jahrhunderts, der am 11. September 1903 in Frankfurt/Main geboren wurde und im nächsten Jahr seine 100. Geburtstag feiern würde: 2003 ist das Adorno Jahr - vier große Adorno-Biographien werden erwartet.

Das Geburtsjahr 1903 bedeutet: geboren an der Schwelle des neuen Jahrhunderts. Adornos intellektuelle Biographie ist der individuelle Punkt, in dem das 20. Jahrhundert sich verdichtet: "Eine Kindheit vor 1914, die noch an der Sonne des 19. Jahrhundert sich wärmt." Eine Schulzeit während des ersten Weltkriegs und der Revolution. Das intellektuelle Laboratorium der Weimarer Republik. Der Aufstieg des Nationalsozialismus, die Emigration des Geistes aus Deutschland. Das Exil in den USA mit seiner voll entwickelten Kulturindustrie. Der zweite Weltkrieg - Auschwitz. Die Rückkehr nach Deutschland, die Adenauer-Ära.
Der Protest der Studenten, die Reform der Gesellschaft. Und als alles durchziehende Spannungslinie: die Geschichte der intellektuellen deutschen Juden.

In dem Vortrag von Prof. Ellen Lissek-Schütz geht es insbesondere um die Frage einer ethischen Positionierung, um die Möglichkeit eines richtigen Lebens im falschen, für das das Denken Adornos, der Kritischen Theorie steht. Zu einer ethischen Positionierung gelangt man nach Adorno nicht
durch trotziges Festhalten ethischer Maximen inmitten der schlechten Realität, sondern durch die kritische Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit als falscher. Hieraus leitet sich erst das mögliche Bessere, die Utopie, ab und nicht umgekehrt: "So ist die Welt und müsst nicht so sein!"- sagt der Koch in Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder".

Letztlich wird die Frage zu stellen sein, was Adorno, der negative Utopist, heute - im Zeitalter des Wertepluralismus, des Pragmatismus, letztlich des Verzichts auf verbindliche Normen, - noch zu sagen hat: Ist der ethische Anspruch auf ein richtiges Leben im falschen noch möglich oder überhaupt noch sinnvoll - also: Wozu das Ganze?

Professor Ellen Lissek-Schütz studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung Germanistik, Philosophie und Pädagogik. Sie ist seit 1995 Professorin für Kultur und Management im Studiengang Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam. Davor war sie stellvertretende Direktorin der
Stiftung für kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung in Berlin, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Kultursekretariat Nordrhein-Westfalen und an der Universität Essen. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Kulturphilosophie-Ästhetik, Kulturpolitik und Kulturfinanzierung, Fundraising und Marketing im Kulturbetrieb.

Die diesjährige "Civitas-Reihe" steht unter dem Motto "Denkimpulse und Vorbilder". Menschen geben anderen Menschen Impulse und Anregungen für die Gestaltung ihrer Biographie. Vorbilder, mit denen man sich durchaus auch kritisch auseinandersetzt, prägen das Denken und Handeln, manche werden zu lebenslangen Begleitern. "Civitas" wird Menschen vorstellen, die den Vortragenden Denkimpulse für ihre persönliche und fachliche Entwicklung gegeben haben. Die Referenten und Referentinnen stellen das Leben und Wirken von Denkern, Künstlern, Baumeistern und gesellschaftspolitisch engagierten Menschen in einen größeren Zusammenhang, beschreiben aber auch ihre persönliche Beziehung zu diesen Vorbildern und Impulsgebern.

Die Fachhochschule Potsdam führt die interdisziplinäre Veranstaltungsreihe "Civitas" bereits zum dritten Mal durch. In diesem Jahr steht sie unter der Leitung von Prof. Dr. Dagmar Jank, Prorektorin für Lehre, Studium und Forschung. Die Vorträge finden bis zum 27. Januar 2003 (die Weihnachtspause ausgenommen) jeweils montags um 18.30 Uhr im Palais am Stadthaus bei krone management und technologie, Friedrich-Ebert-Straße 37, statt. Die Reihe wird mit großzügiger Unterstützung von Klaus Krone, krone management und technologie, der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Fachhochschule Potsdam e.V. und der Druckerei Feller, Teltow, durchgeführt.

Hinweis:
Die Dokumentation der ersten Vortragsreihe "Civitas - Geometrie und Lebenswelten" ist an der Fachhochschule Potsdam und im Buchhandel erhältlich.
Für weitere Informationen zu "Civitas" wenden Sie sich bitte an Ulrike Fischer, Tel. 0331/5801070, presse@fh-potsdam.de

Medieninformationen und Veranstaltungshinweise der FH Potsdam können Sie
auch im Internet abrufen: http://www.fh-potsdam.de
EVENTS & NEWS I MEDIENINFORMATIONEN


Das Programm Civitas - Denkimpulse und Vorbilder

9. Dezember 2002

Prof. Ellen Lissek-Schütz: "Die Lehre vom richtigen Leben im falschen". Theodor Wiesengrund Adorno

16. Dezember 2002
Prof. Bernd Steigerwald: Mies und die Folgen

6. Januar 2003
Prof. Dr. Dagmar Jank: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Die Frauenrechtlerinnen Minna Cauer (1841-1922) und Elisabeth Selbert (1896-1986)

13. Januar 2003
Prof. Dr. Hanne Seitz: Gedanken, die man tanzen kann. Pina Bausch und das Tanztheater

20. Januar 2003
Prof. Dr. Helene Kleine: Georg Simmel. Essayist der Moderne

27. Januar 2003
Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh: Konservieren, nicht restaurieren oder was ein Denkmalpfleger von Georg Dehio lernen kann
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