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Doppelter Brückenschlag von Gießen nach Asien

26.07.2005 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Physikalische Chemie lädt 60 Nachwuchswissenschaftler aus Japan, Korea und Deutschland zu internationalem Workshop an die Justus-Liebig-Universität ein

Eine Premiere besonderer Art fand zum Semesterende im Institut für Physikalische Chemie an der Justus-Liebig-Universität statt: Erstmals nahmen rund 60 junge Nachwuchswissenschaftler aus Japan, Korea und Deutschland an einem internationalen Workshop teil, der gemeinsam von drei Universitäten in diesen Ländern organisiert wurde - wobei die lokale Organisation den Gießener Physikochemikern oblag. Unter dem Titel "Solid State Ionics: Cross-Frontier Problems in Physical Chemistry and Materials Science" präsentierten Diplomanden, Master-Studenten und Doktoranden aktuelle Ergebnisse aus laufenden Doktorarbeiten. Die sonst im Vordergrund stehenden Professoren und Arbeitsgruppenleiter waren in die letzten Reihen des Hörsaals verbannt, um die Diskussionen nach den Vorträgen nicht zu dominieren. In seiner Begrüßung betonte der deutsche Initiator des ungewöhnlichen Projektes und Vizepräsident der Justus-Liebig Universität Gießen, Prof. Jürgen Janek, die stetig wachsende Bedeutung internationaler Kontakte auf allen Ebenen der universitären Lehre und Forschung vor. Es gäbe zurzeit intensive Verhandlungen sowohl mit der Seoul National University (Südkorea) als auch mit der Tohoku University (Japan) zum Abschluss von Kooperationsverträgen. Beide Universitäten werden als Spitzenuniversitäten in Fernost betrachtet, und die Seoul National University gilt als die führende Elite-Universität Koreas. Im Rahmen der geplanten Kooperation sollen Wissenschaftler generationsübergreifend - vom Studenten bis zum Professor - von regelmäßigen gegenseitigen Arbeitsaufenthalten und aufeinander abgestimmten Lehreinheiten profitieren. Für die Finanzierung der Kooperationen wurde vor wenigen Wochen ein Antrag beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gestellt. Dieser Workshop war insofern als Auftaktveranstaltung für die weitere Intensivierung der Kooperationen der Justus-Liebig-Universität mit Universitäten in Fernost zu sehen.

Kazunori Higuchi, der Geschäftsführer des deutschen Büros der japanischen Forschungsgemeinschaft (Japanese Society for the Promotion of Science) in Bonn, betonte in seinem Grußwort die Besonderheit der Zusammenarbeit dieser drei Länder. Bilaterale deutsch-japanische oder deutsch-koreanische Aktivitäten gäbe es häufig - aber die in Gießen begonnene "Dreiecksbeziehung" sei neu. Sie käme aber genau zum richtigen Zeitpunkt, denn Japan feiere derzeit ein "deutsches Jahr", während in Deutschland das "Jahr Koreas" begangen würde.

Die wissenschaftliche Basis der Zusammenarbeit der drei Partner bildet die Erforschung von Reaktionen und Stoffen, die in Energietechnologien der Zukunft eine zentrale Rolle spielen. So wurde während des Workshops auch über gemeinsame Projekte auf den Gebieten der Hochtemperaturbrennstoffzellen, der Thermoelektrik und der Photovoltaik und -elektrik berichtet. Unübersehbar war der gegenwärtige Trend zur Herstellung und Untersuchung von Systemen auf der Nanometer-Skala. Dabei wurde deutlich, dass die Physikalische Chemie fester Stoffe mit ihren zahlreichen grundsätzlichen Fragestellungen eine wichtige Basis für die moderne Materialforschung geworden ist, andererseits aber selbst bereits nah an zahlreichen praktischen Anwendungen ist. Die Entwicklung neuer und verbesserter Energietechnologien spielt für jedes der drei Partnerländer in Zukunft eine entscheidende Rolle, was die derzeit beständig steigenden Energiekosten belegen. Gleichzeitig nehmen diese drei Länder aber auch jetzt bereits führende Rollen in eben diesen Bereichen ein. Die zu lösenden Probleme sind trotz vieler Fortschritte zahlreich, und nur eine koordinierte Anstrengung führt zu einem schnelleren Erreichen der Ziele.

Neben den wissenschaftlichen Aktivitäten hatten die Gäste angesichts eines voll gepackten Vortragsprogramms kaum Zeit für andere Dinge. Trotzdem gehörte zumindest ein kurzer Besuch im Liebig-Museum zum Pflichtprogramm. Das ehemalige Labor von Justus-Liebig gilt weltweit als Geburtsstätte der modernen Chemie und war einigen der jungen Gäste bereits ein Begriff - auch wenn ihnen Gießen bisher vollkommen unbekannt war.

Großen Dank zollte Prof. Janek den Sponsoren aus der Industrie, ohne deren finanzielle Unterstützung die Durchführung des Workshops nicht möglich gewesen wäre. Die beiden großzügigsten Sponsoren waren die Japanische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft (JSPS) und der Fonds der chemischen Industrie (FCI). Zusätzlich haben sich die BASF AG (Ludwigshafen), die Schunk-Gruppe (Heuchelheim) und die Clariant AG (Frankfurt) durch großzügige Spenden an der Finanzierung beteiligt. Prof. Han-Ill Yoo von der Seoul National University, der seit 1989 regelmäßig zu Gast in Deutschland ist und für seine Arbeiten im Bereich der elektrokeramischen Funktionsmaterialien mit dem Humboldt-Forschungspreis 2004 der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet wurde, bedankte sich zum Abschluss der Veranstaltung auch im Namen der japanischen Gäste bei den Gießener Gastgebern für die perfekte Organisation und den warmherzigen Empfang. Er machte deutlich, dass wahrscheinlich schon im nächsten Jahr der zweite trilaterale Workshop stattfinden könnte. Dann werden sich die beteiligten Studenten und Doktoranden aus Gießen auf den Weg nach Seoul oder Sendai machen.


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