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RUB trauert um Prof. Paul Henrich Heckmann: Atomphysikalische Forschung auf internationalem Niveau

01.08.2005 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um Prof. Dr. Paul Henrich Heckmann. Am 14. Juni 2005 verstarb der pensionierte Hochschullehrer nach längerer Krankheit und Komplikationen in Folge eines Unfalls. Heckmann kam 1967 als Kernphysiker nach Bochum und forcierte hier das noch junge Gebiet der beschleuniger-gestützten Atomphysik. Er baute eine Arbeitsgruppe auf, die schnell international konkurrenzfähig wurde. Neben der Lehre, Studienberatung, Diplomanden- und Doktorandenausbildung im eigenen Spezialgebiet unterrichtete Heckmann vor allem Studenten im Nebenfach Physik - von Bauingenieuren bis zu Medizinern. Bochum, 01.08.2005
Nr. 242

RUB trauert um Prof. Paul Henrich Heckmann
Physiker wirkte fast drei Jahrzehnte in Bochum
Atomphysikalische Forschung auf internationalem Niveau

Die Ruhr-Universität Bochum trauert um Prof. Dr. Paul Henrich Heckmann. Am 14. Juni 2005 verstarb der pensionierte Hochschullehrer nach längerer Krankheit und Komplikationen in Folge eines Unfalls. Heckmann kam 1967 als Kernphysiker nach Bochum und forcierte hier das noch junge Gebiet der beschleuniger-gestützten Atomphysik. Er baute eine Arbeitsgruppe auf, die schnell international konkurrenzfähig wurde. Neben der Lehre, Studienberatung, Diplomanden- und Doktorandenausbildung im eigenen Spezialgebiet unterrichtete Heckmann vor allem Studenten im Nebenfach Physik - von Bauingenieuren bis zu Medizinern. Heckmann vertrat die Fakultät in einer Vielzahl von Gremien, von denen ihn insbesondere die fächerübergreifenden interessierten, und er betreute den Studentenaustausch mit der Uni Sussex (England).

Atomphysikalische Forschung

Heckmann nutzte zunächst den 350 kV-Teilchenbeschleuniger des Instituts, an dem unter seiner Mitarbeit u. a. extrem genaue Messungen an Wasserstoffatomen durchgeführt wurden. Die RUB beschaffte dann 1973 - gemeinsam mit den Universitäten Münster und Dortmund, aber gegen den Rat von Gutachtern verschiedener Fachgremien - einen 4 MV Dynamitron-Tandem-Beschleuniger für die Niederenergie-Kernphysik. Im Laufe der Zeit und Dank der Arbeit eines hervorragenden technischen Teams etablierte er sich unter anderem als exzellentes Großgerät für die atomphysikalische Forschung.

Spektrometer als "Arbeitspferd"

Prof. Heckmann warb bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft Mittel für ein Spektrometer ein, das eigentlich nach Vorversuchen zum nationalen Großlabor GSI in Darmstadt hätte weiter wandern sollen - es durfte dank Heckmann in Bochum bleiben und wurde in seiner Nische, der Ionenstrahl-Spektroskopie im extremen Ultraviolett, zum ungemein produktiven "Arbeitspferd" der AG. Die Arbeiten führten zu einer Vielzahl internationaler Kontakte, u. a. mit Tucson (Arizona, USA), Oxford (England), Lund (Schweden), Stockholm (Schweden), Gießen (Hessen), Edmonton (Alberta, Kanada) und Gaithersburg (Maryland, USA). Seine persönliche Bescheidenheit, Freundlichkeit und Friedfertigkeit sowie seine wissenschaftliche Zuverlässigkeit werden von den Bochumer wie den auswärtigen Kollegen nach wie vor gerühmt.

Lehre, Lehrbuch, Gremien

Aus einer seiner Vorlesungen entwickelte Prof. Heckmanns das Lehrbuch "Einführung in die Spektroskopie der Atomhülle" (Vieweg 1980). Das Buch gefiel einem amerikanischen Kollegen so gut, dass er es ins Englische übersetzte - es erschien ergänzt und überarbeitet als "Introduction to the Spectroscopy of Atoms" bei North Holland (1990). Seine vielen Nebenfachstudenten behielten Heckmann wegen seiner sauberen, druckreifen Tafelschrift, seines Bemühens um Verständlichkeit, seiner Freundlichkeit und Fairness in guter Erinnerung. Heckmann war bei seinen Studenten, bei den Mitarbeitern am Lehrstuhl und am Teilchenbeschleuniger hoch geschätzt. Er vertrat die Fakultät in zahlreichen Gremien und Kommissionen - zum Zeitpunkt seiner Pensionierung 1995 wurden Nachfolger in acht Kommissionen gebraucht.

Vita Prof. Heckmann

Paul Henrich Heckmann wurde am 15. September 1930 in Duisburg geboren. Er studierte ab 1950 zunächst in München und dann in Göttingen (bei Prof. Flammersfeld) Physik und wurde dort 1959 mit einer kernphysikalischen Doktorarbeit promoviert. Nach einer Assistentenzeit in Göttingen wechselte er 1964 an das Institut für Reaktorentwicklung (Prof. Schulten) der Kernforschungsanlage Jülich. Zum 1. März 1967 wechselte Heckmann an das neue Physikinstitut der Ruhr-Universität, zunächst als Oberingenieur am Lehrstuhl Prof. von Buttlar. Schon im Vorfeld beriet Heckmann die Experimentalphysikprofessoren in Hinsicht auf die von ihnen geplanten Teilchenbeschleuniger und das Isotopenlabor, außerdem vermittelte er Experten-Kontakte. Heckmann entschloss sich bald, an Stelle der Kernphysik das gerade sich entfaltende Gebiet der Atomphysik an schnellen Ionenstrahlen aufzugreifen. Seine Forschungserfolge ermöglichten ihm die Habilitation und danach eine umfangreiche Betätigung in der akademischen Lehre.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Elmar Träbert, Lehrstuhl für Experimentalphysik III, Fakultät für Physik und Astronomie der RUB, Tel. 0234/32-23891, E-Mail: traebert@ep3.rub.de

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