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Sind Religionen Friedensstifter oder Gewalterzeuger?

23.08.2005 - (idw) Universität Augsburg

Aus Anlass des Jubiläums "450 Jahre Augsburger Religionsfrieden" versammeln sich Theologen, Soziologen, Politologen und Konfliktforscher aus aller Welt vom 31. August bis zum 3. September 2005 in Augsburg zu einem Symposium / Die Öffentlichkeit ist zu drei Abendvorträgen und einerJPodiumsdiskussion eingeladen.

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Arbeiten die Weltreligionen für den Frieden oder sind sie die Ursache für Gewalt? Um dieser Frage nachzugehen kommen Theologen, Soziologen, Politologen und Konfliktforscher aus der ganzen Welt nach Augsburg: Bei einem Symposium über "Die Ambivalenz des Religiösen", das Bestandteil des Festprogramms "PAX 2005" aus Anlass des Jubiläums 450 Jahre Augsburger Religionsfriedens ist, werden sie vom 31. August bis zum 3. September über die Wirkung von Religionen auf gewaltsame Konflikte diskutieren. Während die Wissenschaftler beim Symposium selbst unter sich sein werden, wenden sich drei Abendvorträge und eine Podiumsdiskussion auch an die interessierte Öffentlichkeit. Diese öffentlichen Teile des von zwei Professoren der Universität Augsburg - dem Soziologen Prof. em. Dr. Peter Waldmann und dem evangelischen Theologen Prof. Dr. Bernd Oberdorfer - initiierten und wissenschaftlich geleiteten Symposiums finden an den vier Tagen des Symposiums jeweils ab 20.00 bzw. 19.00 Uhr in der ehemaligen Kälberhalle auf dem Augsburger Schlacht- und Viehhof-Gelände (Proviantbachstraße 1-3) statt Die Kooperation zwischen dem Soziologen Waldmann und dem Theologen Oberdorfer kam durch die "Initiative Friedens- und Konfliktforschung" (IFK) an der Universität Augsburg zustande. Oberdorfer und Waldmann arbeiten in ihr seit ihrer Gründung im Jahr 2001 mit. "In den 1990er Jahren gab es eine starke Neigung zur Satanisierung der Religionen als Quelle von Intoleranz und Gewalt", erläutert der als Konfliktforscher und Terrorismusexperte profilierte Soziologe Waldmann seine Motivation, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. "Da es mir gefällt, gegen den Strich zu bürsten, begann ich, mich dann auch für die friedensstiftende Funktion der Religionen zu interessieren." Der Theologe Oberdorfer, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Friedensethik zählt, war bei einem Aufenthalt in Südafrika auf die Ambivalenz des Religiösen gestoßen: "Das Christentum hat das System der Apartheid gestützt. Gleichzeitig haben Theologen dazu beigetragen, die Apartheid zu überwinden. Das sind ganz unterschiedliche Wirkformen des Religiösen." Eine Kooperation mit seinem Kollegen Waldmann habe sich automatisch ergeben: "Das Thema schreit geradezu nach einer Zusammenarbeit zwischen Theologie und Soziologie."

So haben Waldmann und Oberdorfer bereits vor drei Jahren beschlossen, etwas Konkretes zu dieser Thematik zu machen. Gelegen kam ihnen dabei die Offerte der Stadt Augsburg, im Jubiläumsjahr des Augsburger Religionsfriedens die Finanzierung eines einschlägigen Symposiums zu übernehmen.

Oberdorfer und Waldmann haben durch ihre internationalen Kontakte rund 30 Experten für eine aktive Teilnahme an diesem Symposium gewinnen können. Sie kommen aus Deutschland, aus Südafrika, Ägypten, Russland und aus dem Iran. Einzelthemen des Symposiums sind unter anderem das "Umkippen" fundamentalistischer Bewegungen in Gewalt, die soziale Macht von Religionen, der Widerstand gegen ethnisch-rassische Diskriminierung, das Verhältnis zwischen geistlichen Würdenträgern und politischer Macht, die muslimische Diaspora in Deutschland - und der Augsburger Religionsfrieden.

ÖFFENTLICH ABENDVERANSTALTUNGEN

Die Referenten der öffentlichen Abendvorträge sind der Freiburger Historiker Wolfgang Reinhard, der am 31. August zum Thema "Religionskrieg oder Machtkampf? Kulturkonflikte vom europäischen Kolonialismus bis heute" sprechen wird; der ebenfalls aus Freiburg kommende Volkswirt und Theologe Nils Goldschmidt, der am 1. September "Religiöse Faktoren in wirtschaftlichen Transformationsprozessen" thematisiert; und Oberdorfer selbst: das Thema seines Vortrags am 3. September lautet "Resakralisierung? Chancen und Gefahren für den Frieden".

Am 2. September moderiert Peter Waldmann eine Podiumsdiskussion zur Frage "Ist der islamistische Terrorismus mit dem Koran zu erklären?" Mit Waldmann diskutieren werden Hamed Abdel-Samad (Erfurt), Fariborz Hamzeh'ee (Kermanshah/Iran), Theodor Hanf (Freiburg) und Christoph Reuter (Hamburg).

Das Symposium schließt am 3. September im Anschluss an den Oberdorfer-Vortrag mit der Erstaufführung des Oratoriums "San Giovanni Battista" von Antonio Stradella. Thomas Höft, künstlerischer Leiter des Augsburger Jubiläumsprogramms "PAX 2005" hat in dieser Inszenierung die Geschichte von Johannes dem Täufer und Herodes in einen aktuellen Kontext gestellt.
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PRESSEKONTAKT:

Verena Gräfe
Stadt Augsburg
Projektbüro Pax 2005
Bahnhofstraße 18 1/3 a
D-86150 Augsburg
Telefon 0821/324 - 3267
verena.graefe@augsburg.de

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ANHANG:

DIE AMBIVALENZ DES RELIGIÖSEN: PROGRAMM DES NICHT-ÖFFENTLICHEN TEILS DES AUGSBURGER SYMPOSIUMS

DONNERSTAG, 1. SEPTEMBER, 9-13 UHR

Einführung (Peter Waldmann, Augsburg)

1. THEORETISCHE VORÜBERLEGUNGEN

DAS "UMKIPPEN" FUNDAMENTALISTISCHER BEWEGUNGEN IN GEWALT (THOMAS SCHEFFLER, BERLIN)

Die soziale Macht religiöser Vergemeinschaftungen (Hans G. Kippenberg, Bremen/Erfurt)

Die Dialektik von Gewalt und Befriedung bei religiösen Opferriten (Johann Ev. Hafner, Potsdam)

DONNERSTAG, 1. SEPTEMBER, 14:30-18:45 UHR

2. GEWALTSAMER ODER GEWALTLOSER WIDERSTAND GEGEN SOZIALE AUSBEUTUNG UND ETHNISCH-RASSISCHE DISKRIMINIERUNG

Theologie der Befreiung in Lateinamerika (Nikolaus Werz, Rostock)

Das Apartheid-Regime in Südafrika (Dirk J. Smit, Stellenbosch/Südafrika)

Religiöse Freigabe und Begrenzung der Gewalt bei der Hisbollah (Stephan Rosiny, Berlin)

Die Friedenswende in Ägypten - dem Islam geschuldet oder der Säkularisierung? (Patrick Haenni, Genf/Kairo)

To Kill or Not to Kill in the Name of God: The Transformation of Theology by the Egyptian JI (Salwa El-Awa, Birmingham)

FREITAG, 2. SEPTEMBER, 9-13 UHR

3. GEISTLICHE WÜRDENTRÄGER UND POLITISCHE MACHT

Die Rolle des katholischen Klerus im Franco-Regime (Walther L. Bernecker, Nürnberg)

Orthodoxie in Russland (Thomas Bremer, Münster)

Theokratie im Iran (Fariborz Hamzeh'ee, Kermanshah/Iran)

FREITAG, 2. SEPTEMBER, 14:30-18:30 UHR

4. DER SOZIALE MIKROBEREICH: DIE MUSLIMISCHE DIASPORA IN DEUTSCHLAND

Reislamisierung und Radikalisierung (Werner Schiffauer, Frankfurt/Oder; Peter Waldmann, Augsburg)

Die Gender-Problematik in der islamischen Diaspora (Gritt Klinkhammer, Bremen)


Arabische Studenten in Deutschland (Hamed Abdel-Samad, Erfurt)

SAMSTAG, 3. SEPTEMBER, 9-13 UHR

5. MODELLE RELIGIÖSER DULDUNG UND KONVIVENZ

Historisches Beispiel: Der Augsburger Religionsfrieden (Axel Gotthard, Erlangen)

Orthodoxes Christentum und Islam in Russland - Geschichte und Gegenwart (Aleksei V. Malashenko, Moskau)

Eignet sich der Libanon als Modell? (Theodor Hanf, Freiburg)
Weitere Informationen: http://www.pax2005.de/
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