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Die Rettung bedrohter Tierarten ist kein Zufall

23.08.2005 - (idw) Bundesamt für Naturschutz

Erfolge im Artenschutz sind das Ergebnis harter Arbeit mit Herz und Verstand Bonn, 23. August 2005: Der deutsche Naturschutz ist sich seiner Sache sicher: Wenn überall der Wille und die erforderlichen Mittel da wären, dann könnte fast jede vom Aussterben bedrohte Tierart gerettet werden. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass der Artenschutz sowohl die notwendigen Kenntnisse und Instrumente als auch entsprechend geschulte Helfer hat. Oft verhindern jedoch andere wirtschaftliche Interessen oder Geldmangel ein entschlossenes Handeln.

Für viele Tiere, die in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen, gibt es spezielle Hilfsprogramme zu ihrer Erhaltung. Die Rettungsmaßnahmen werden von den Bundes-ländern und Naturschutzverbänden durchgeführt, wobei meistens professionelle Zoologen und ehrenamtliche Artenschützer Hand in Hand arbeiten. Ohne die Mithilfe vieler interessierter und engagierter Privatpersonen wären viele Schutzprojekte gescheitert, denn die notwendigen Tierbeobachtungen und Umsetzungen von Schutzmassnahmen vor Ort erfordern Zeit und Ausdauer, die kaum bezahlbar sind.

Die Erfolge des Tierartenschutzes sind für jeden Interessierten sichtbar: Große Vogelkolonien brüten trotz Badebetrieb an Nord- und Ostsee, im Donautal ruft wieder der Wanderfalke, über den Wäldern Schleswig-Holsteins segeln Seeadler und an Seen und Tümpeln in Brandenburg erklingt das Konzert der Rotbauchunken - womit nur einige beispielhafte Ergebnisse von Artenhilfspro-grammen genannt sind. Besondere Bemühungen richten sich auf die Wiederansiedlung von Tieren, deren frühere Vorkommen ausgestorben waren. Zu ihnen gehören die Würfelnatter, die an der Elbe bei Dresden wieder angesiedelt wurde, sowie Wolf und Luchs, die selbständig nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Genaue Kenntnisse über die Lebensweise und die Bedürfnisse der bedrohten Arten sind der Schlüssel zum Erfolg des Naturschutzes. Ein gutes Beispiel dafür ist die stark gefährdete Bechsteinfledermaus, die in naturnahen Wäldern lebt. Experten können sie heute mit speziellen Techniken nachweisen und ihre Lebensräume abgrenzen. So war es möglich, den Tatenhauser Wald in Nordrhein-Westfalen als wichtiges Rückzugsgebiet der Bechstein¬fledermaus zu erkennen und zu erhalten. Eigentlich war eine Autobahn durch den Wald geplant. Aber die Straßenbauer ließen sich von den Erkenntnissen der Fledermausschützer überzeugen und bauen die Trasse jetzt um den Tatenhauser Wald herum. So sind Artenschutz und Verkehrserschließung nebenein-ander möglich.

Leider werden die Bemühungen des Artenschutzes von einigen Politikern nicht verstanden. Vor dem Hintergrund einer angespannten wirtschaftlichen Situation werden die innovativen Vorschläge des Naturschutzes für ein Nebeneinander von wirtschaftlichen Entwicklungsachsen und Schutz-zonen für Kammmolche, Mopsfledermäuse oder Feldhamster als Jobkiller abgetan. Die Wirklich-keit sieht anders aus: Seit 1998 sind vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beispielsweise bundesweit 24 Bauvorhaben registriert worden, in denen der Feldhamster eine Rolle spielte. In gerade Mal einem Fall (Golfplatz beim hessischen Ockerstadt) wurde die Planung durch den Regierungspräsidenten Darmstadt gestoppt. Die anderen 23 Fälle konnten unter verschiedenen Auflagen realisiert werden.Der Naturschutz ist durch diese Debatte fälschlicherweise in die Rolle eines Bremsers des wirtschaftlichen Fortschritts gedrängt worden. Die Diskussion ist aber auch eine Frage der internationalen Glaubwürdigkeit Deutschlands

Die Programme und Maßnahmen zur Erhaltung bedrohter Arten bieten vielen qualifizierten Fachleuten einen Arbeitsplatz und sind Vorbild für andere Staaten in Europa. Auch indirekt tragen Arten zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei, indem sie Vorbilder für Anpassungen und Lösungen sind, die dann in unsere Technologie und Forschung einfließen. Dies reicht von medizinischen Produkten (z.B. tropische Pflanzen- und Tierarten) über die Entwicklung Schmutz abweisender Lacke (Lotus-Effekt) bis in den Flugzeugbau (Wabentechnologie). Zugleich ist der Artenschutz das wichtigste Feld des Naturschutzes für eine Nachwuchsförderung. Junge Menschen interessieren sich oft für bestimmte Arten und engagieren sich für deren Schutz. Mancher "alte Hase" des Naturschutzes hat auch so angefangen.

Das Bundesamt für Naturschutz fördert Modellprojekte und bietet mit seinen Veröffentlichungen aktuelle Informationen zum Tierartenschutz an. Siehe auch Hintergrundinformationen des BfN im Internet.

Vertiefende Informationsquellen:
BfN (Hrsg., 2004): Daten zur Natur 2004.
Kap. 3.1.1: Bestand Fauna, S.100-107; Kap. 3.2.1: Gefärdung Fauna, S.116-126; Kap. 7: Artenschutz, S.166-188; Kap. 10: Landschaftsplanung, naturschutzrechtliche Eingriffsregelung und FFH-Verträglichkeitsprüfung, S. 272-283.

Petersen, B. et al. (Bearb., 2003/2004): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. Ökologie und Verbreitung von Arten der FFH-Richtlinie in Deutschland. Band 1: Pflanzen und Wirbellose, Band 2: Wirbeltiere. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 69/1 und 69/2.

Vischer, M. & Binot-Hafke, M. (2003): Artenhilfsprogramme der Bundesländer: Fauna. Natur und Landschaft 78, S.56-63.

BfN (Hrsg, 1996): Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands. Schriftenreihe für Vegetationskunde 28.

BfN (Hrsg, 1998): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 55.

Internet: www.bfn.de/01/0102_111.htm
www.bfn.de/01/0102_112.htm

Hinweis:
Ab dem 23.August beginnt die "Woche des Tierartenschutzes" im BfN. Jeden Tag werden interessierten Pressevertretern Informationen rund um den zoologischen Artenschutz zur Verfügung gestellt. Folgende Themen werden u.a. angesprochen: "Die Rechte der wilden Tiere", "Erfolge im Artenschutz", "Schutz wandernder Tierarten", "Nachhaltige Nutzung von Tieren". Fotos auf Anfrage erhältlich.


Vorangegangene Pressemitteilung:
Pressemitteilung Nr. 1 - Vogelgrippe - Gefahr für heimische Vogelwelt
Pressemitteilung Nr. 2 - Hamster und Fledermäuse pochen auf ihre Rechte

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