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Fette Perspektiven

10.12.2002 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Forschung zur Transplantation von körpereigenen Fettzellen mit Hans-von-Seemen-Preis ausgezeichnet

Die Züchtung von menschlichen Fett-Vorläuferzellen zum Volumenersatz von Weichteilgewebe heißt nüchtern-wissenschaftlich das Thema der Arbeit von Dr. Jörg Borges, Oberarzt der Abteilung Plastische und Handchirurgie des Freiburger Universitätsklinkums. Für seine Forschung erhielt er den wohl renommiertesten Forschungspreis der Plastischen Chirurgie, den Hans von Seemen Preis der Deutschen Gesellschaft für Plastische Chirurgie. Die Ergebnisse könnten bei näherem Hinsehen Grundlage für einen entscheidenden Fortschritt in der Plastischen Chirurgie sein. Dort, wo am Körper Fettgewebe, im Sprachgebrauch des Plastischen Chirurgen "Volumen" fehlt, sei es aus Veranlagung oder als Folge von z.B. Tumoroperationen, wird es heute durch Kollagen oder körperfremdes Material wie Silikon ersetzt. Jörg Borges ist es gelungen, aus menschlichen Fett-Vorläuferzellen durchblutetes Fettgewebe zu züchten, das zukünftig diese Methoden überflüssig machen könnte.

Dem Traum vieler Frauen ein Stückchen näher gekommen ist Jörg Borges mit seinen Forschungsergebnissen: Fett an den "Problemzonen" loswerden und da, wo es etwas mehr sein dürfte, gespritzt zu bekommen. So weit ist es noch nicht, aber mit Hilfe des von Borges entwickelten Verfahrens werden gleich mehrere Probleme des Volumenersatzes gelöst. Dauerhafter Ersatz durch formbares, körpereigenes Gewebe ist in Sicht. Das Aufspritzen mit Kollagen, bekannt durch die Schmoll-Lippen von Film- und Popstars, erzielt keine dauerhafte Wirkung. Kollagen wird vom Körper wieder abgebaut, erneutes Spritzen wird nötig. Bisherige Versuche, Volumendefekte mit körpereigenen, erwachsenen Fettzellen zu beheben, blieben äußerst unvollkommen. Die reifen Fettzellen, die durch Fettabsaugung gewonnen werden, überstehen das Verfahren nicht alle. Bis zu 60 Prozent sterben ab. Das bedeutet, das Chirurg und Patient nur mit viel Glück ein ästhetisch befriedigendes Ergebnis erhalten. Gerade im Gesicht ist das aber nicht akzeptabel.
Der Kick an Borges Forschungsergebnissen ist, dass die Blutversorgung des gezüchteten Gewebes gesichert scheint. Das Überleben von kultivierten Zellen ist davon abhängig, das ausreichend Blutgefäße in das Konstrukt aus Zellen und Trägermaterial einwachsen. Borges ist nun der Nachweis gelungen, das sich in dem gezüchteten Gewebe, sowohl kleinste Gefäße gebildet haben als auch rote Blutkörperchen befinden. Ein Beweis für das Anwachsen des Gewebes und seine funktionierende Durchblutung. Als Anwendungsgebiete sieht Borges zunächst Volumendefekte im Gesicht. Der Ersatz von Silikonkissen zur Brustvergrößerung ist noch Zukunftsmusik, die benötigten Fettmengen sind zu groß.


Kontakt:
Dr. Jörg Borges
Universitätsklinikum Freiburg
Abt. Plastische und Handchirurgie, Ärztl. Direktor Prof. Dr. Björn Stark
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg
Tel.: 0761 270 2817
E-Mail: borges@ch11.ukl.uni-freiburg.de
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