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Brahms' Streichquartette kritisch ediert

05.09.2005 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Band 6 der Gesamtausgabe an der Uni Kiel erarbeitet

Druckfrisch ist soeben der 6. Band der "Johannes Brahms Gesamtausgabe" erschienen. Er enthält die drei Streichquartette des gebürtigen Hamburgers Johannes Brahms (1833-1897). In der Brahms-Forschungsstelle am Musikwis-senschaftlichen Institut der Kieler Universität überprüfte dafür Bandherausgebe-rin Dr. Salome Reiser den Notentext dieser Werke anhand aller zugänglichen Quellen und gab ihn nach heutigen musikwissenschaftlichen Maßstäben heraus. Dadurch ließen sich zahlreiche Fehler vorausgegangener Ausgaben korrigieren. "Die Streichquartette haben einen hohen Stellenwert in Brahms' Gesamtwerk", erläutert Dr. Katrin Eich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kieler Brahms-Forschungsstelle. "Streichquartette gelten als besonders anspruchsvolle Gattung der Kammermusik", fügt ihr Kollege Dr. Michael Struck hinzu. "Entsprechend schwer tat sich Brahms mit dieser Gattung und veröffentlichte die beiden Quartette opus 51 erst 1873 nach langer, mühevoller Vorbereitung und das dritte (opus 67) im Jahre 1876." Gegenüber Freunden berichtete der Komponist von über zwanzig weiteren Streichquartetten, die er vernichtet habe. Offenbar genügten nur die drei erhaltenen Werke seinen eigenen hohen Ansprüchen, die in Bezug auf diese Gattung vor allem aus der Auseinandersetzung mit den Vorbildern Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn herrührten.

Besonderen Wert gewinnt die neue Edition nicht zuletzt dadurch, dass die Herausgeberin auf Quellen zurückgreifen konnte, die jahrzehntelang verschollen waren: In einem Schweizer Nachlass fanden sich die Partiturabschriften der beiden Quartette opus. 51, die Dr. Michael Struck erstmals auswerten und an das Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck weitervermitteln konnte. Außerdem fand sich in der Hochschule der Künste Berlin die Stimmenabschrift des 1. Quartetts.

Der emeritierte Kieler Musikwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Friedhelm Krummacher, Vorsitzender des Trägervereins Joh. Brahms Gesamtausgabe e. V., erreichte 1985 den Aufbau des Editionsprojektes an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seit 1991 wird die Ausgabe im Rahmen der Bund-Länder-Finanzierung von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften koordiniert und in Verbindung mit der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien herausgegeben. Vorgesehen sind 65 Bände bei einer Laufzeit bis 2026. Durch die Kieler Brahms-Ausgabe und das Lübecker Brahms-Institut ist Schleswig-Holstein zum Zentrum der deutschen Brahms-Forschung geworden.

Natürlich profitieren auch die Musiker von der Brahms-Ausgabe. Denn aus deren Bänden, die im Münchner G. Henle Verlag erscheinen, werden Dirigier- und Studien-Partituren, Orchesterstimmen und andere praktische Ausgaben gewonnen und in der ganzen Welt vertrieben.

Zwei Bilder stehen zum Download bereit:

Bild 1: http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/download/2005-088-1.jpg
Bildunterschrift:
Brahms' typisch "bewegte" eigene Handschrift des Streichquartetts
a-Moll opus 51 Nr. 2 (Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Archiv)

Bild 2: http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/download/2005-088-2.jpg
Bildunterschrift:
Die wiederentdeckte "saubere" Partiturabschrift des a-Moll-Quartetts (Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck)

Copyright: G. Henle Verlag, München

Kontakt:
Brahms-Forschungsstelle
Dr. Michael Struck und Dr. Katrin Eich

Tel. 0431/880-2304 und -2632
brahmsausgabe@musik.uni-kiel.de
http://www.brahmsausgabe.uni-kiel.de
Weitere Informationen: http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/download/2005-088-1.jpg http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/download/2005-088-2.jpg http://www.brahmsausgabe.uni-kiel.de
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