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Deutsche Experten kritisieren Defi-Unterversorgung: Mehr Fälle von plötzlichem Herztod wären vermeidbar

06.09.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Europäischer Kardiologenkongress ESC in Stockholm (2.-6. September 2005)

Deutsche Herz-Spezialisten bemängeln auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Stockholm den zögerlichen Einsatz von implantierbaren Defibrillatoren bei Hochrisiko-Patienten. Bei Rhythmusstörungen oder Flimmern gibt dieses Aggregat einen lebensrettenden Impuls an die Herzkammer ab. Patienten, die einen Herzinfarkt überlebt haben, sind vorwiegend die Hochrisikogruppe für einen plötzlichen Herztod. Liegen zusätzliche Risikofaktoren vor, etwa eine stark eingeschränkte Pumpfunktion, sollte einschlägigen Behandlungsrichtlinien zufolge Betroffenen ein Kardioverter-Defibrillator implantiert werden.
Prof. Heinz Völler von der Klinik am See, Rüdersdorf bei Berlin, präsentierte in Stockholm aktuelle Daten aus einer deutschen Studie, die die Versorgungssituation von Hochrisiko-Patienten untersucht. Mehr als 10.500 Patienten wurden in das PreSCD II-Register (Prevention of Sudden Cardiac Death) aufgenommen. Die Daten belegen, dass die medikamentöse Therapie heute sehr gut genutzt werde, sagte Prof. Völler: "90 Prozent der Patienten erhielten einen ACE-Hemmer, 95 Prozent einen Beta-Blocker und jeweils 96 Prozent ein Statin und einen Thrombozytenfunktions-Hemmer."
Nach dem Grad der Einschränkung ihrer Pumpfunktion wurden die untersuchten Patienten in Gruppen eingeteilt. 2,5 Prozent hatten eine linksventrikuläre Pumpfunktion von weniger als 30 Prozent. Genau diese Betroffenen profitieren besonders von einem implantierten Defi: Früheren Studien zufolge ist die Überlebensrate von solchen Patienten, wenn sie ein derartiges Implantat bekommen, nach vier Jahren um 31 Prozent höher als ohne das Gerät.
Trotzdem wird, anders als bei Medikamenten, bei den Kardioverter-Defibrillatoren in Deutschland noch Zurückhaltung geübt. Nur jeder Vierte mit einer so genannten Auswurffraktion unter 30 Prozent hat ein solches potenziell lebensrettendes Gerät erhalten. Prof. Völler: "Die Akzeptanz und Verbreitung dieser Therapie ist jedenfalls steigerungsfähig."
Eine jetzt im European Heart Journal publiziert Studie aus England zeigt eine exzessive Unterversorgung dort auf, die durch eine Implantationssteigerung um das 10-fache ausgeglichen werden soll. Die dann erreichten Zahlen würden danach höher liegen, als die derzeitigen Implantationszahlen in Deutschland.

Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK (Berlin)
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK (Düsseldorf)
B&K, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung (Wien); (0043-1) 3194378-18; bettschart@bkkommunikation.at

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