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Der Mobilfunkmarkt Deutschland

14.09.2005 - (idw) VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

Mehr als 74 Millionen Mobilfunkkunden gab es Ende Juni 2005 in Deutschland mit einem Gesamtumsatz von 5,4 Milliarden ¤ (März 2005) und einer Marktdurchdringung von knapp 90 Prozent. Damit gibt es in Deutschland inzwischen mehr Handys als Festnetzanschlüsse. Den Markt teilen sich die vier Netzbetreiber Vodafone, T-Mobile, E-Plus und o2 Germany. Rund 20 Millionen der Mobilfunkkunden werden über insgesamt sieben Service-Provider und verschiedene Reseller betreut.

Die vier deutschen Mobilfunknetzbetreiber haben 2004 zusammen rund 2,3 Mrd. Euro in Sachanlagen investiert, das meiste davon für den Ausbau der UMTS-Infrastruktur. Die lange erwartete Markteinführung der UMTS-Dienste in Deutschland erfolgte im Mai 2004. Die UMTS-Funkversorgung übertrifft bei Vodafone, T-Mobile und E-Plus inzwischen bei weitem die im Lizenzvertrag geforderte Versorgung von 50 Prozent der Bevölkerung. Ein Durchbruch der Akzeptanz von UMTS für den täglichen Gebrauch wird vom bevorstehenden Weihnachtsgeschäft erwartet, zu dem viele neuartige Terminals angekündigt sind. Getrieben werden die Mobilfunkmärkte derzeit vor allem von zwei großen Trends in der Telekommunikation: Bandbreite und Konvergenz und dem damit verbundenen anhaltenden Preisverfall. Der Bedarf an Bandbreite ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Die Standard-Angebote für Endkunden liegen im Festnetz derzeit zwischen 6 und 24 Mbit/s (ADSL2 und ADSL2+). Von einer mobilen Breitbandversorgung, ist der Mobilfunk - nicht nur Deutschland - noch weit entfernt.

Als lokale Alternativen und ergänzend zur UMTS- und GPRS-Datenübertragung primär für Business-Kunden setzen die Anbieter zunehmend auf dezentrale drahtlose Versorgungsinseln in Form von öffentlichen Internetzugängen via WiMax oder WLAN. So wurden in Deutschland inzwischen fast 8.000 öffentlich zugängliche funkbasierte lokale Netze auf WLAN-Basis zur Versorgung von so genannten Hotspots wie Hotels, Gastronomiebetriebe, Tankstellen, Flughäfen usw. aufgebaut (www.businesshotspots.de).

Technik-Highlights PIMRC 2005: MIMO, LTE, WiMax, WINNER, 4G
Auf der PIMRC 2005 werden in diesem Jahr wieder Standards zukünftiger mobiler und stationärer Funknetze im Vordergrund stehen aber auch GPS und das neue Ortungssystem Galileo sowie die dadurch möglich werdenden LBS, also Location Based Services. Die Vision der Wissenschaftler und Techniker: Globale nahtlose mobile, multimediale, breitbandige und sichere Kommunikation.

Die am heißesten diskutierte Technik dafür ist zurzeit MIMO (Multiple Input Multiple Output), eine auf dem Einsatz von Antennenfeldern und Raum-/Zeit-Signalverarbeitung beruhende Technik zur Kapazitätssteigerung im Mobilfunk. Die Vortrags-Highlights auf der PIMRC sind schwerpunktmäßig im Funkschnittstellenbereich angesiedelt, z.B. neue Systemeigenschaften, Verbesserungen bekannter Techniken, höhere Datenübertragungsraten und höhere Spektrumseffizienz.

Die weltweit zuständige Standardisierungsgruppe "3GPP" (3rd Generation Partnership Project) beschäftigt sich außerdem unter dem Kürzel "LTE" (long term evolution) intensiv mit der UMTS-Weiterentwicklung, insbesondere im Bereich deutlich höherer Datenraten. Die Ingenieure versuchen dabei aus den vorhandenen Frequenzen für UMTS das Optimum an Übertragungsleistung herauszuholen. Die zugehörigen Resultate werden ab 2009 in den Markt kommen und insbesondere an der Abwärtsstrecke deutlich höhere Datenraten ermöglichen.

Mit WLAN und WiMax wird auf dem Symposium verstärkt der Wettkampf der konventionellen Mobilfunktechniken mit den Drahtlostechniken zur Verlängerung des Festnetzes in den mobilen Bereich und der Trend zu dezentralen Inselnetzen sichtbar. Schon im kommen Jahr oder spätestens 2007 wird für Ballungszentren mit hohem Nachrichtenverkehrsaufkommen eine zellulare auf der WiMax-Technik beruhende Breitband-Mobilkommunikation verfügbar sein. Die mit der hier eingesetzten Multiträgertechnik erzielbaren Datenraten dürften für mobile Terminals bei 15 bis 25 Mbit/s liegen - im günstigsten Fall sind sogar 54 Mbit/s möglich. Das längerfristige Ziel, das insbesondere in Japan propagiert, aber auch in Europa verfolgt wird, sind 100 Mbit/s als Multiplexdatenrate an der Funkschnittstelle der Basisstation für schnell bewegte Mobilterminals und 1 Gbit/s Multiplexdatenrate in so genannten `hot areas` bzw. Hotzones. Das sind zusammenhängend versorgte Aussen- bzw. Innenbereiche mit hoher Teilnehmerdichte, an denen aber nur eingeschränkte Mobilität möglich ist, wie Stadtkerne, Messen, Orte von Sportveranstaltungen, usw.

Breitbandige Mobilfunksysteme mit sehr hoher Kapazität machen aber nur Sinn, wenn die Übertragungskosten je Bit um Grössenordnungen gegenüber heutigen Systemen sinken. Das WINNER-Konzept (Wireless World INitiative NEw Radio) des Wireless World Research Forum (WWRF) lässt hier völlig neuartige Funkversorgungskonzepte "Beyond 3G" erwarten, die ab 2012 in Betrieb gehen könnten. Das Projekt wird von Siemens geleitet und vereint neben einigen Forschungseinrichtungen fast alle bedeutenden Mobilfunkhersteller und Mobilfunknetzbetreiber weltweit. Das zeigt: Europa hält bei der Weiterentwicklung im Mobilfunk noch immer eine führende Position - allerdings holt Asien spürbar auf. In verschiedenen Sessions werden auch die Forschungsprojekte aus Japan, Korea und China ihre Konzepte für "4G"-Systeme vor (B3G - Bejond 3G), also jenseits von UMTS, WLAN und RFID.


Informationen:
3GPP http://www.3gpp.org
WWRF http://www.wireless-world-research.org
WINNER http://www.ist-winner.org
Weitere Informationen: http://www.vde.com/itg
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