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Moorleiche wird im UKE untersucht

16.09.2005 - (idw) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Die über 2500 Jahre alte, "Moora" genannte Mädchenleiche aus dem Uchter Moor, befindet sich zurzeit für gut zwei Wochen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Prof. Dr. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin, Prof. Dr. Gerhard Adam, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, und ein interdisziplinäres Kollegenteam führen Untersuchungen mit verschiedenen bildgebenden Verfahren (Kontaktradiografie, Computertomografie, Mikro-Computertomografie, Magnetresonanztomografie) durch. Damit soll ein Basisdatensatz zur Morphologie (zu Gestalt und Bau) der Moorleiche erstellt werden. Dieser bildet dann die Grundlage für alle zukünftigen Rekonstruktionen (etwa der Lebensumstände, Ernährungsgewohnheiten, Vorkrankheiten und Verletzungen) und kann auch genutzt werden, um dem Schädelskelett durch Weichteilrekonstruktion ein Gesicht zu geben.

Der fragmentierte Leichnam war im Jahr 2000 bei Torfarbeiten im niedersächsischen Großen Uchter Moor gefunden worden. Die von Polizei und Staatsanwaltschaft veranlassten rechtsmedizinischen, anthropologischen und odontologischen (zahnkundlichen) Untersuchungen ergaben, dass es sich um das Skelett einer 16 bis 20 Jahre alten Frau handelt, die ohne erkennbare Spuren von Gewalteinwirkung ums Leben gekommen war.

Anfang 2005 wurde in unmittelbarer Nähe der Leichenfundstelle ebenfalls bei Torfarbeiten eine vollständig erhaltene Hand gefunden. Daraufhin wurden die Spezialisten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege hinzugezogen. Die archäologische Begutachtung der Hand sowie eine Fundortbegehung ließen einen archäologischen Kontext wahrscheinlich erscheinen. Radiokarbondatierungen ergaben, dass der Körper in der vorrömischen Eisenzeit um 650 vor Christus ins Moor gelangt sein muss. Inzwischen wurden umfangreiche Nachgrabungen durchgeführt.

Nach fünf Jahrzehnten konnte mit dem "Mädchen aus dem Uchter Moor" erstmals wieder eine Moorleiche in Norddeutschland geborgen werden. Es handelt sich um den ältesten datierten derartigen Fund aus Niedersachsen.

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