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Neue Veröffentlichung von Gerhard Paul: Der Krieg im Irak als "Bilderkrieg"

21.09.2005 - (idw) Universität Flensburg

In seinem vor wenigen Tagen erschienenen Buch "Der Bilderkrieg. Bilder, Perspektiven und Inszenierungen der 'Operation Irakische Freiheit'" schildert der an der Universität Flensburg lehrende Historiker und Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Gerhard Paul, wie die USA den Irak-Krieg 2003/04 als "Bilderkrieg" planten, inszenierten und schließlich an der Bilderfront unterlagen. Das Buch basiert auf der Auswertung der internationalen Presse, unzähliger Fernsehbeiträge aus allen Teilen der Welt sowie vor allem der Berichterstattung im Internet. Pauls Buch ist die erste gründliche wissenschaftliche Untersuchung des andauernden Irak-Krieges als Bilderkrieg im deutschsprachigen Raum. Wie kein Krieg zuvor war der Irak-Krieg ein "Bilderkrieg", in dem die Kriegsparteien Bilder als Waffen einsetzten und via Bilder des Schreckens kommunizierten. Im Anschluss an seine große und breit diskutierte Studie "Bilder des Krieges - Krieg der Bilder" (2004) untersucht Paul die visuelle Rüstungsspirale des Irak-Krieges, die mit einem wohl kalkulierten ästhetischen Feuerwerksspektakel begann und in den Horrorbildern und Hinrichtungsvideos aus Abu Ghraib und Falludscha ihren Gipfelpunkt erreichte. Dabei geht der Autor auch der Frage nach der Kraft der inneren Bilder nach, die die visuellen Inszenierungen bei den Betrachtern weltweit auslösten. Paul rekonstruiert die Planung und die Inszenierung des Angriffs als sauberen "Blitzkrieg", die symbolische Politik der Besetzung und Unterwerfung sowie die fotografischen Ikonen, die der Krieg produzierte.

Untersucht werden die unterschiedlichen Perspektiven der Akteure auf das Geschehen - angefangen von den Militärs über die "embedded correspondents" bis hin zu den Freelance-Reportern. Insbesondere den "Bildstörungen" in Gestalt von Weblogs und Warblogs im Internet, die das gewünschte Kriegsbild der Amerikaner immer wieder unterliefen und konterkarierten, widmet das Buch Aufmerksamkeit. Für den Autor sind diese das den Irak-Krieg charakterisierende, von den US-Strategen aber vermutlich unterschätzte neue kulturelle Phänomen. Gerhard Paul zieht hieraus die Schlussfolgerung: "Die Kriege der Zukunft werden noch stärker als bisher auf die Kontrolle und Zerstörung dieser neuen elektronischen Kommunikationstechnologien gerichtet sein."

Eine der Thesen des Buches lautet: Mit den "embedded correspondents" und den Life-Bildern im Fernsehen hatten die Zuschauer das Gefühl von Teilhabe und Informiertheit. Tatsächlich jedoch war vom Krieg kaum etwas zu sehen. Gerhard Paul: "Was blieb, war das merkwürdig ambivalente Gefühl des modernen Medien-konsumenten, dabei gewesen und doch nicht schlauer geworden zu sein."

Weitere Informationen über das Buch finden Sie im Internet unter http://www.wallstein-verlag.de/3892449805.html.

Kontakt:
Prof. Dr. Gerhard Paul, Tel. 0461 - 805 2245, Email: paul@uni-flensburg.de
Julia Boecker, Tel. 0461 - 14 44 916, Email: presse@uni-flensburg.de
Weitere Informationen: http://www.wallstein-verlag.de/3892449805.html
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