Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 19. April 2014 

Lebensmittelchemiker im Dienste des Verbraucherschutzes

22.09.2005 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Die Arbeit der Lebensmittelchemiker ist für den Verbraucherschutz unentbehrlich. Sie wachen darüber, dass Lebensmittel, Kosmetika und Gegenstände des täglichen Bedarfs einwandfrei und gesundheitlich unbedenklich sind. Dabei entwickeln sie immer neue, immer bessere und zuverlässigere Untersuchungsmethoden. Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag vom 19. bis 21. September 2005 in Hamburg stellt die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), zahlreiche ihrer wissenschaftlichen Erfolge für den Verbraucherschutz vor.

Heute können Lebensmittelchemiker aufgrund eingehender Forschungsarbeiten viele bedenkliche Stoffe sicher nachweisen. Dazu zählen beispielsweise Mykotoxine oder gentechnisch verändertes Maismehl in Knabbererzeugnissen. Lebensmittelchemiker in Untersuchungsämtern, Handelslaboratorien und in der Ernährungsindustrie untersuchen derartige Produkte und deren Rohstoffe auf Mykotoxine (z.B. Aflatoxine, Fumonisine u.a) und prüfen mit molekularbiologischen Methoden, ob Anteile gentechnisch veränderter Maisbestandteile anwesend sind, die kenntlich gemacht werden müssen.

Das Grundnahrungsmittel Kartoffel darf zur Keimverhinderung mit dem Nacherntebehandlungsmittel Chlorpropham unter Beachtung einer Höchstmenge behandelt werden. Lebensmittelchemiker weisen in Kartoffeln und vielen anderen pflanzlichen Lebensmitteln Chlorpropham und Hunderte andere Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln als Rückstand spezifisch nach und wachen darüber, dass die zulässigen und als gesundheitlich unbedenklich geltenden Höchstmengen im Spurenbereich nicht überschritten werden.

Ein Luftballon ist nicht nur ein Spielzeug, sondern gilt lebensmittelrechtlich als "Bedarfsgegenstand" und wird daher von Lebensmittelchemikern dahin gehend untersucht, ob er speichelecht ist oder an eine Speichelsimulationslösung krebserregende Nitrosamine abgibt, deren Bildung bei der Herstellung (Vulkanisation) technisch durchaus vermeidbar ist.

Die erwähnten Nitrosamine können auch in Wimperntuschen durch verunreinigte Rohstoffe auftreten. Auch das spüren Lebensmittelchemiker auf; sie entwickeln und setzen in ihren Laboratorien Verfahren ein, mit denen sich die Vielzahl der Inhaltsstoffe in Kosmetika nachweisen und die zulässige Anwendung nach dem Kosmetikrecht überprüfen lässt.

Lebensmittelchemiker untersuchen mit großem Aufwand jährlich Hunderttausende Proben von Lebensmitteln, Kosmetika und Gegenständen des täglichen Bedarfs (wie Verpackungsmaterial für Lebensmittel oder Spielwaren) mit großer Stoffkenntnis, analytischem Wissen und detektivischem Spürsinn. Ihre Untersuchungen erstrecken sich dabei auf Nährstoffe, Zusatzstoffe (wie Farbstoffe, Süßstoffe, Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker), Zutaten wie Vitamine und Mineralstoffe, gesundheitlich bedenkliche Stoffe (Kontaminanten aus der Umwelt oder aus dem Herstellungsprozess) und Rückstände aus Pflanzenschutz- und Tierarzneimitteln. Dabei stellen Lebensmittelchemiker in Industrie und Handelslaboratorien mit ihrer Tätigkeit die Qualität der hergestellten Produkte sicher; Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst kontrollieren an stichprobenartig entnommenen Proben, ob die einschlägigen Vorschriften des nationalen und europäischen Lebensmittelrechts eingehalten werden. Und Lebensmittelchemiker in Universitäten und Hochschulen sind damit beschäftigt, ständig neue und empfindlichere Analysenmethoden zu entwickeln und unser Wissen über die Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie über die ernährungsphysiologische Bedeutung von Lebensmittelbestandteilen zu erweitern.

All diese Tätigkeiten dienen dem Ziel, den Verbraucher vor gesundheitlichen Risiken durch verfälschte oder verunreinigte Lebensmittel, Kosmetika und Bedarfsgegenstände und vor irreführenden Aufmachungen und Angaben zu schützen. Anders als bei Einzelaktionen findet dies unspektakulär, nahezu verborgen, das ganze Jahr über statt. Die Öffentlichkeit nimmt die Vielseitigkeit und Bedeutung der Tätigkeit von Lebensmittelchemikern für den Verbraucherschutz kaum wahr. Dabei sind Lebensmittelchemiker wichtige Experten für den Verbraucherschutz.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit rund 27.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 25 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2005 ist der Deutsche Lebensmittelchemikertag mit der EURO FOOD CHEM XIII gekoppelt, die von der Food Chemistry Division der European Association for Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vom 21. bis 23. September in Hamburg veranstaltet wird. Die GDCh ist Mitglied in der EuCheMS.

Weitere Informationen: http://www.gdch.de
uniprotokolle > Nachrichten > Lebensmittelchemiker im Dienste des Verbraucherschutzes
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/106149/">Lebensmittelchemiker im Dienste des Verbraucherschutzes </a>